DGI:Perioperative Prophylaxe/Klinisches Bild: Difference between revisions

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Die Indikation für alle Operationen, die in dieser Handlungsempfehlung aufgelistet sind, sollten mit den chirurgischen Abteilungen konsentiert sein und keiner weiteren Rücksprache bedürfen. Müssen Abweichungen vorgenommen werden, sind diese mit den jeweiligen Operateur:innen im Vorfeld abzusprechen.
!Eingriffe nach Infektionsrisiko
 
!Operationskategorie
Die Hauptindikation der PAP sind sauber-kontaminierte bzw. kontaminierte Eingriffe. Bei den meisten aseptischen Eingriffen, ausgenommen Implantationen von größerem Fremdmaterial und herzchirurgische Eingriffe, ist keine PAP nötig. Bei stark kontaminierten (septischen) Eingriffen ist eine Therapie sinnvoll.
!Risiko in %
 
|-
 
|Sauber (aseptisch), Klasse  I
|saubere Operationen mit Eröffnung des Gastro-, Intestinal-, Urogenital- oder Respirationstraktes ohne Austritt von Inhalt, Operationen an


Mucosa und/ oder intertriginösen Arealen
'''Risikofaktoren für postoperative Wundinfektionen'''
|1-2%
{| class="wikitable" style=""
|-
! colspan="2" |Patient:inneneigene<br />
|Sauber-kontaminiert (bedingt aseptisch), Klasse II
|
|
saubere Operationen mit Eröffnung des Gastro-, Intestinal-, Urogenital- oder Respirationstraktes ohne Austritt von Inhalt, Operationen an
Zu den patientenspezifischen Faktoren, die das Risiko für postoperative Wundinfektionen erhöhen, zählen insbesondere: hohes Lebensalter, Mangelernährung, Adipositas (BMI>30kg/m²), Diabetes mellitus (insbesondere schlecht eingestellt), Immundefizienz oder Immunsuppression, Malignomerkrankungen, Nieren- oder Leberinsuffizienz, Rauchen sowie Alkohol- und Drogenabusus, Kolonisation mit ''S. aureus'' (MSSA/MRSA), Infektionen außerhalb des OP-Gebiets, periphere Durchblutungsstörungen, Ödeme oder Lymphabflussstörung, Anämie und ASA-Score >II. (nach S3-Leitlinie PAP 2024, Tabelle 8/Abschnitt 3.2.2)
Mucosa und/ oder intertriginösen Arealen
|2-10 %
|-
|Kontaminiert Klasse III
|Operationen bei akuter Entzündung und/ oder Entleerung von Hohlorganinhalt – Durchbrechung der Asepsis bei der Versorgung frischer traumatischer Wunden
|3-15 %
|-
|Stark kontaminiert (septisch), Klasse IV
|Operationen bei Eiteransammlung, nach Perforation von Hohlorganen und allen Verletzungen, Wunden, die länger als 4h bestehen
|Bis 40%
|-
|}
{| class="wikitable"
 
|}


====== <span class="ve-pasteProtect" id="Risikofaktoren für postoperative Wundinfektionen">Risikofaktoren für postoperative Wundinfektionen</span> ======
{| class="wikitable"
! colspan="2" |Patienteneigene<br />
|Alter (Zunahme/Dezenium); Diabetes, Immuninkompetenz (z.B. Karzinompatienten), reduzierter Allgemeinzustanz, Übergewicht, Mangelernährung, ASA-Score > 2, MSSA/MRSA-Träger, Fieber 1 Woche prä-OP, weibliches Geschlecht bei Eingriffen am Kolon und in der Kardiochirurgie, männliches Geschlecht nach Trauma, Gefäßchirurgie und Kniegelenkersatz, Dialysepatienten, Hepatitis, Stoma, Drogenabusus, Infektionen anderer Lokalisationen, AVK, periphere Ödeme, Lymphangitis, Neuropathie, Rauchen, Linksherzversagen nach koronarem Bypass, bakterielle Translokation bei Laparotomie, Rheumatoide Arthritis bei Kniegelenksersatz, Zirrhose; Risikofaktoren in der Dermatochirurgie nach Lokalisation: Bein unterhalb Knie, Leiste, Keilexzision Lippe oder  Ohr, Verletzung der Schleimhautbarriere, Lappenplastik der Nase, Wundverschlüsse bei 2-zeitigem Vorgehen, entzündliche Hauterkrankungen <br />
|-
|-
! rowspan="3" |Chirurgische Faktoren
! rowspan="3" |Chirurgische Faktoren
<br />
!präoperative
!präoperative
<br />
|
|Notfalloperation, längerer präoperativer Krankenhausaufenthalt, falsche Wahl des Antibiotikums und falscher Zeitpunkt der Gabe, Vorbestrahlung, Hochrisikooperation, Rezidiveingriffe, Steine im Gallengang oder  Gallengangsverschluß, Erhöhtes CRP, Fremdkörperimplantationen, Rasur nicht unmittelbar vor OP, präoperativer Urinkatheter, vorausgegangene (neurochirurgische) Eingriffe <br />
*Notfalloperation
 
*Rezidiveingriffe
 
*Vorbestrahlung
 
*Hochrisikooperation
 
*Längerer präoperativer Krankenhausaufenthalt
 
*Infektion oder Vorschädigung der Haut im OP-Gebiet
 
*Suboptimale OP-Vorbereitung (z.B. falscher Zeitpunkt/Art der Haarentfernung)
 
*Suboptimale Durchführung der PAP (Auswahl, Zeitpunkt, Dosierung)
 
*Fremdkörper-/Implantationsoperation
 
*ASA-Score >II
 
 
 
|-
|-
!intraoperativ
!intraoperativ
<br />
<br />
|intraoperativ Erfahrung des Chirurgen, OP-Dauer >2h, infizierter OP-Bereich, kontaminierter OP-Bereich, Bluttransfusion, Albuminzufuhr, lange Anästhesiedauer, Hypothermie, Sauerstoffabfall, Unterkühlung, Wundstapler, unvorhersehbare Komplikationen, OP-Technik, Verfahrenswechsel Laparoskopie/Laparotomie, Enterokokken, Enterobakterien, Bacteroides fragilis in der Wunde <br />
|
*Lange OP-/Interventionsdauer (z.B. >2h)
 
*Komplikationen im OP-/Anästhesieverlauf (z.B. Handschuhperforation)
 
*Erfahrung und chirurgische Technik des Operateurs
 
*Verfahrenswechsel (z.B. von Laparoskopie zu Laparotomie)
 
*Implantat-Operation
 
*Hypothermie
 
*Sauerstoffmangel / Minderperfusion (z.B. Blutverlust)
 
*Keine indizierte Nachdosierung der PAP
 
*Kontaminierte oder manifest infizierte OP-Region
 
|-
|-
!postoperativ
!postoperativ
<br />
<br />
|Drainagedauer länger als 3 Tage, respiratorische Sepsis, invasive Techniken (Urinkatheter, Thoraxdrainage, Nasensonde, ZVK), Dialyse, frühe Re-Operation wegen Blutung, Liquorleck der Zerebrospinalflüssigkeit, externer Shunt <br />
|
*Drainagen >3 Tage
 
*Anwendung invasiver medizinischer Technik (z.B. Beatmung, Dialyse, Thoraxdrainage, ZVK, Harnableitung)
 
*Re-Operation (z.B. wegen Blutung)
|}
|}
<br />

Latest revision as of 10:33, 27 January 2026

Die Indikation für alle Operationen, die in dieser Handlungsempfehlung aufgelistet sind, sollten mit den chirurgischen Abteilungen konsentiert sein und keiner weiteren Rücksprache bedürfen. Müssen Abweichungen vorgenommen werden, sind diese mit den jeweiligen Operateur:innen im Vorfeld abzusprechen.

Die Hauptindikation der PAP sind sauber-kontaminierte bzw. kontaminierte Eingriffe. Bei den meisten aseptischen Eingriffen, ausgenommen Implantationen von größerem Fremdmaterial und herzchirurgische Eingriffe, ist keine PAP nötig. Bei stark kontaminierten (septischen) Eingriffen ist eine Therapie sinnvoll.


Risikofaktoren für postoperative Wundinfektionen

Patient:inneneigene

Zu den patientenspezifischen Faktoren, die das Risiko für postoperative Wundinfektionen erhöhen, zählen insbesondere: hohes Lebensalter, Mangelernährung, Adipositas (BMI>30kg/m²), Diabetes mellitus (insbesondere schlecht eingestellt), Immundefizienz oder Immunsuppression, Malignomerkrankungen, Nieren- oder Leberinsuffizienz, Rauchen sowie Alkohol- und Drogenabusus, Kolonisation mit S. aureus (MSSA/MRSA), Infektionen außerhalb des OP-Gebiets, periphere Durchblutungsstörungen, Ödeme oder Lymphabflussstörung, Anämie und ASA-Score >II. (nach S3-Leitlinie PAP 2024, Tabelle 8/Abschnitt 3.2.2)

Chirurgische Faktoren präoperative
  • Notfalloperation
  • Rezidiveingriffe
  • Vorbestrahlung
  • Hochrisikooperation
  • Längerer präoperativer Krankenhausaufenthalt
  • Infektion oder Vorschädigung der Haut im OP-Gebiet
  • Suboptimale OP-Vorbereitung (z.B. falscher Zeitpunkt/Art der Haarentfernung)
  • Suboptimale Durchführung der PAP (Auswahl, Zeitpunkt, Dosierung)
  • Fremdkörper-/Implantationsoperation
  • ASA-Score >II


intraoperativ


  • Lange OP-/Interventionsdauer (z.B. >2h)
  • Komplikationen im OP-/Anästhesieverlauf (z.B. Handschuhperforation)
  • Erfahrung und chirurgische Technik des Operateurs
  • Verfahrenswechsel (z.B. von Laparoskopie zu Laparotomie)
  • Implantat-Operation
  • Hypothermie
  • Sauerstoffmangel / Minderperfusion (z.B. Blutverlust)
  • Keine indizierte Nachdosierung der PAP
  • Kontaminierte oder manifest infizierte OP-Region
postoperativ


  • Drainagen >3 Tage
  • Anwendung invasiver medizinischer Technik (z.B. Beatmung, Dialyse, Thoraxdrainage, ZVK, Harnableitung)
  • Re-Operation (z.B. wegen Blutung)