DGI:Antibiotikatherapie bei Sepsis/Diagnostik: Difference between revisions

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== Diagnostik ==
Die dysregulierte Immunantwort auf eine Infektion (Auslöser der Sepsis) ist für die Entstehung und den Verlauf der Sepsis entscheidend. Dabei ist das Gleichgewicht zwischen pro- und anti-inflammatorischen Faktoren / Mechanismen gestört. Diese Dysregulation führt zu Störungen der Mikrozirkulation und der mitochondrialen und immunologischen Funktion mit konsekutiver Störung der Organfunktionen. Folgende Organe können betroffen sein: ZNS (septische Enzephalopathie), Lunge (ARDS), Niere (ANV), Leber (akutes Leberversagen), Herz (septische Kardiomyopathie), Darm (paralytischer Ileus).


Ausführliche körperliche Untersuchung:
Die Diagnostik stützt sich zum einen auf das Erkennen der Sepsis und die Evaluation der Organfunktion und zum anderen auf die mikrobiologische Diagnostik der zu Grunde liegenden Infektion.
 
Einschließlich Temperaturmessung, Haut- Schleimhautbefunde, Lymphknotenstatus, Vitalparameter, genitale, rektale Untersuchung, orientierende neurologische Untersuchung
 
Die septische Enzephalopathie als frühes Zeichen einer beginnenden Sepsis darf nicht als Demenz oder neu aufgetretene psychische Störung fehlinterpretiert werden und eine zeitnahe antiinfektive Therapie verzögern.
 
Laborparameter:
 
Mindestanforderung großes Blutbild, Gerinnung, Leber-, Nierenwerte, CRP, PCT, LDH, Laktat
 
Mikrobiologische Diagnostik
 
Die mikrobiologische Basisdiagnostik besteht aus mindestens 2 (besser 3) Blutkulturpaaren (siehe Handlungsempfehlung ''Blutkultur-Diagnostik)''. Bei Vorhandensein zentraler Gefäßzugänge sollte aus diesen jeweils 1 Blutkulturpaar entnommen werden plus mindestens 1 Blutkulturpaar aus einem neu platzierten i.v.-Zugang oder durch Gefäßpunktion.
 
Weiterführende Diagnostik erfolgt gezielt nach Infektionsfokus z.B. Urin, Atemwegsmaterial, Gelenk- oder anderen Punktaten, s. bei den spezifischen Kapiteln
 
Bildgebung: nach Infektionsfokus, s. bei den spezifischen Kapiteln
 
Die mit einer Sepsis einhergehenden Organdysfunktionen lassen sich mit Hilfe des sogenannten SOFA (Sequential Organ Failure Assessment) Score quantifizieren. Bei einem Punktwert ab 2 und vorliegender Infektion ist eine Sepsis wahrscheinlich:
{| class="MsoTableGrid" border="1" cellspacing="0" cellpadding="0" style="border-collapse:collapse;border:none;mso-border-alt:solid windowtext .5pt;
mso-yfti-tbllook:1184;mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt"
| style="width:131.7pt;" width="176" valign="top" |
| style="width:52.35pt;" width="70" valign="top" |0
| style="width:52.35pt;" width="70" valign="top" |1
| style="width:63.2pt;" width="84" valign="top" |2
| style="width:76.75pt;" width="102" valign="top" |3
| style="width:76.75pt;" width="102" valign="top" |4
|- style="mso-yfti-irow:1"
| style="width:131.7pt;" width="176" valign="top" |Atmung
 
''paO<sub>2</sub>/FiO<sub>2</sub>''  [mmHg]
| style="width:52.35pt;" width="70" |□  > 400
| style="width:52.35pt;" width="70" |□  < 400
| style="width:63.2pt;" width="84" |□  < 300
| style="width:76.75pt;" width="102" |□  < 200
 
(maschinelle Beatmung)
| style="width:76.75pt;" width="102" |□  < 100
 
(maschinelle Beatmung)
|- style="mso-yfti-irow:2"
| style="width:131.7pt;" width="176" valign="top" |Gerinnung
 
''Thrombozytenzahl'' x<span style="font-size:12.0pt;font-family:&quot;Calibri&quot;,sans-serif;mso-ascii-theme-font:
  minor-latin;mso-hansi-theme-font:minor-latin;mso-bidi-theme-font:minor-latin;
  mso-ansi-language:EN-US">10<sup>3</sup>/µl</span>
| style="width:52.35pt;" width="70" |□  > 150
| style="width:52.35pt;" width="70" |□  < 150
| style="width:63.2pt;" width="84" |□  < 100
| style="width:76.75pt;" width="102" |□  < 50
| style="width:76.75pt;" width="102" |□  < 20
|- style="mso-yfti-irow:3"
| style="width:131.7pt;" width="176" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt;font-family:&quot;Calibri&quot;,sans-serif;
  mso-ascii-theme-font:minor-latin;mso-hansi-theme-font:minor-latin;mso-bidi-theme-font:
  minor-latin;mso-ansi-language:EN-US">Leber</span>
 
<span style="font-size:
  12.0pt;font-family:&quot;Calibri&quot;,sans-serif;mso-ascii-theme-font:minor-latin;
  mso-hansi-theme-font:minor-latin;mso-bidi-theme-font:minor-latin;mso-ansi-language:
  EN-US">  ''Bilirubin'' [mg/dl]</span>
| style="width:52.35pt;" width="70" |□  < 1,2
| style="width:52.35pt;" width="70" |□  1,2-1,9
| style="width:63.2pt;" width="84" |□  2,0-5,9
| style="width:76.75pt;" width="102" |□  6,0-11,9
| style="width:76.75pt;" width="102" |□  > 12,0
|- style="mso-yfti-irow:4"
| style="width:131.7pt;" width="176" valign="top" |Herz-Kreislauf-System
 
''Mittlerer art. <span style="font-size:12.0pt;font-family:
  &quot;Calibri&quot;,sans-serif;mso-ascii-theme-font:minor-latin;mso-hansi-theme-font:
  minor-latin;mso-bidi-theme-font:minor-latin;mso-ansi-language:EN-US">Druck  [mmHg]</span>''
| style="width:52.35pt;" width="70" |□  > 70
| style="width:52.35pt;" width="70" |□  < 70
| style="width:63.2pt;" width="84" |□  Dopamin < 5 oder Dobutamin *
| style="width:76.75pt;" width="102" |□  Dopamin 5,1-15
 
oder Adrenalin < 0,1
 
oder NA < 0,1
| style="width:76.75pt;" width="102" |□  Dopamin >15
 
oder Adrenalin > 0,1
 
oder NA > 0,1
|- style="mso-yfti-irow:5"
| style="width:131.7pt;" width="176" valign="top" |Nervensystem
 
''GGS''
| style="width:52.35pt;" width="70" |□  15
| style="width:52.35pt;" width="70" |□  13-14
| style="width:63.2pt;" width="84" |□  10-12
| style="width:76.75pt;" width="102" |□  6-9
| style="width:76.75pt;" width="102" |□  < 6
|- style="mso-yfti-irow:6"
| style="width:131.7pt;" width="176" valign="top" |Niere
 
''Kreatinin'' [mg/dl] oder
 
''Urinausscheidung'' [ml/h]
| style="width:52.35pt;" width="70" |□  < 1,2
| style="width:52.35pt;" width="70" |□  1,2-1,9
| style="width:63.2pt;" width="84" |□  2,0-3,4
| style="width:76.75pt;" width="102" |□  3,5-4,9
 
□ < 500
| style="width:76.75pt;" width="102" |□  > 5,0
 
□ <200
|- style="mso-yfti-irow:7;mso-yfti-lastrow:yes"
| style="width:131.7pt;" width="176" valign="top" |
| style="width:52.35pt;" width="70" |
| style="width:52.35pt;" width="70" |
| style="width:63.2pt;" width="84" |
| style="width:76.75pt;" width="102" |
| style="width:76.75pt;" width="102" |
|}
<nowiki>*</nowiki> Katecholamindosen in µg/kg KG/min für mind. <span style="font-size:12.0pt;font-family:&quot;Calibri&quot;,sans-serif;
mso-ascii-theme-font:minor-latin;mso-hansi-theme-font:minor-latin;mso-bidi-theme-font:
minor-latin;mso-ansi-language:EN-US">1h; NA Noradrenalin nach Vincent JL, et al. Int Care Med 1996; 22: 707-710</span>
 
Der SOFA Score ist aufwändig zu ermitteln und deshalb außerhalb von Intensivstationen ungeeignet.
 
Der einfacher zu erhebende quick SOFA (qSOFA) Score kann als Screening auf Normalstationen und in Notaufnahmen herangezogen werden. Auch hier gilt, dass bei 2 oder mehr erfüllten Kriterien bei vorliegender Infektion eine Sepsis wahrscheinlich ist:
 
qSOFA Kriterien
 
''Atemfrequenz'' > 22
 
''Syst. Blutdruck'' < 100mmHg
 
Veränderte ''Bewusstseinslage''
 
Eine frühzeitige Flüssigkeitstherapie mit kristalloiden Lösungen sollte bei Sepsis-induzierter Hypotonie begonnen werden und die Verlegung je nach klinischer Präsentation auf eine IMC oder Intensivstation erfolgen. Eine trotz adäquater Volumengabe zur Aufrechterhaltung eines MAP > 65mmHg notwendige Vasopressorentherapie oder ein Laktatwert > 2mmol/l sind Zeichen für einen septischen Schock. Hierbei sollte neben der hämodynamischen Stabilisierung auch eine Normalisierung der Laktatwerte als Steuerungsparameter herangezogen werden.
 
Die weiterführende Diagnostik zielt vor allem auf die Fokussuche mit nachfolgender möglichst rascher Fokussanierung und die Erregeridentifikation zur Fokussierung der antiinfektiven Therapie.  
Die Diagnostik darf bei Sepsisverdacht, insbesondere bei septischem Schock, den Beginn einer adäquaten Therapie innerhalb einer Stunde nicht verzögern!

Latest revision as of 14:52, 20 December 2024

Die dysregulierte Immunantwort auf eine Infektion (Auslöser der Sepsis) ist für die Entstehung und den Verlauf der Sepsis entscheidend. Dabei ist das Gleichgewicht zwischen pro- und anti-inflammatorischen Faktoren / Mechanismen gestört. Diese Dysregulation führt zu Störungen der Mikrozirkulation und der mitochondrialen und immunologischen Funktion mit konsekutiver Störung der Organfunktionen. Folgende Organe können betroffen sein: ZNS (septische Enzephalopathie), Lunge (ARDS), Niere (ANV), Leber (akutes Leberversagen), Herz (septische Kardiomyopathie), Darm (paralytischer Ileus).

Die Diagnostik stützt sich zum einen auf das Erkennen der Sepsis und die Evaluation der Organfunktion und zum anderen auf die mikrobiologische Diagnostik der zu Grunde liegenden Infektion.