DGI:Kopf Hals Infektionen/Bissverletzungen/Therapie: Difference between revisions

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*<span style="font-family:&quot;Arial&quot;,sans-serif">Desinfektion mit Polihexanid-haltigen oder Octenidinhaltigen Lösungen.</span>
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{{Hinweis/CAVE|text= Octenidindihydrochlorid-haltigen Lösungen dürfen nicht unter Druck und in tiefe Gewebeschichten eingebracht werden, da sonst die Gefahr von aseptischen Nekrosen besteht}}
&quot;Arial&quot;,sans-serif">Octenidindihydrochlorid-haltigen Lösungen dürfen nicht unter Druck und in tiefe Gewebeschichten eingebracht werden, da sonst die Gefahr von aseptischen Nekrosen besteht</span>'''


*<span style="font-family:&quot;Arial&quot;,sans-serif">Reinigung bis in die Tiefe der Wunde, insbesondere bei Katzenbissverletzungen, da die Wunde aufgrund des Kulissenphänomens tiefer als vermutet sein kann. Durch dieses Phänomen können pathogene Erreger und Fremdkörper inokuliert sein.</span>
*<span style="font-family:&quot;Arial&quot;,sans-serif">Reinigung bis in die Tiefe der Wunde, insbesondere bei Katzenbissverletzungen, da die Wunde aufgrund des Kulissenphänomens tiefer als vermutet sein kann. Durch dieses Phänomen können pathogene Erreger und Fremdkörper inokuliert sein.</span>
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*<span style="font-family:&quot;Arial&quot;,sans-serif">Entfernung von gequetschten, zerrissenen und nekrotischen/avitalen Gewebe in Lokalanästhesie</span>
*<span style="font-family:&quot;Arial&quot;,sans-serif">Entfernung von gequetschten, zerrissenen und nekrotischen/avitalen Gewebe in Lokalanästhesie</span>
*<span style="font-family:&quot;Arial&quot;,sans-serif">gegebenenfalls sind weitere chirurgische Maßnahmen notwendig</span>
*<span style="font-family:&quot;Arial&quot;,sans-serif">Gegebenenfalls sind weitere chirurgische Maßnahmen notwendig</span>




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'''<span style="font-family:&quot;Arial&quot;,sans-serif">Antibiotika-Therapie:</span>'''
'''<span style="font-family:&quot;Arial&quot;,sans-serif">Antibiotika-Therapie:</span>'''


<span style="font-family:&quot;Arial&quot;,sans-serif">Einer Cochrane Analyse aus dem Jahre 2001 </span><ref>Medeiros I, Saconato H. Antibiotic prophylaxis for mammalian bites. Cochrane Database Syst Rev. 2001;(2):CD001738. doi:10.1002/14651858.CD001738</ref><span style="font-family:&quot;Arial&quot;,sans-serif"> nach kann keine generelle Empfehlung zu einer prophylaktischen Antibiotika-Gabe gegeben werden. Ausnahmen stellen Bissverletzungen im Gesicht, Hände, Füße, Genitalien und gelenknahe Regionen dar. Ein weiterer Einschlussfaktor für eine Prophylaxe stellen patienteneigne Risikofaktoren, wie z.B. Immunsuppression oder Splenektomie dar. Hier sollte eine kalkulierte Therapie für 3 – 5 Tage erfolgen. </span><ref>May B: Untersuchungen zum Nutzen der von Tierärzten durchgeführten Kurse „Hundeführerschein-Grundwissen-Gefahrenvermeidung im Umgang mit Hunden“. München: Vet Med Diss 2006</ref><span style="font-family:&quot;Arial&quot;,sans-serif"></span>
<span style="font-family:&quot;Arial&quot;,sans-serif">Einer Cochrane Analyse aus dem Jahre 2001 </span><ref>Medeiros I, Saconato H. Antibiotic prophylaxis for mammalian bites. Cochrane Database Syst Rev. 2001;(2):CD001738. doi:10.1002/14651858.CD001738</ref><span style="font-family:&quot;Arial&quot;,sans-serif"> nach kann keine generelle Empfehlung zu einer prophylaktischen Antibiotika-Gabe gegeben werden. Ausnahmen stellen Bissverletzungen im Gesicht, Hände, Füße, Genitalien und gelenknahe Regionen dar. Ein weiterer Einschlussfaktor für eine Prophylaxe stellen patient:inneneigne Risikofaktoren, wie z.B. Immunsuppression oder Splenektomie dar. Hier sollte eine kalkulierte Therapie für 3 – 5 Tage erfolgen. </span><ref>May B: Untersuchungen zum Nutzen der von Tierärzten durchgeführten Kurse „Hundeführerschein-Grundwissen-Gefahrenvermeidung im Umgang mit Hunden“. München: Vet Med Diss 2006</ref><span style="font-family:&quot;Arial&quot;,sans-serif"></span>
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*2./3. Generations Cephalosporin (z.B.Cefuroxim p.o.)
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Grundsätzlich richtet sich die Dauer der Antibiotika-Therapie nach dem Verlauf der Infektion.
Grundsätzlich richtet sich die Dauer der Antibiotika-Therapie nach dem Verlauf der Infektion.
Vorsicht geboten ist bei Ciprofloxacin, da einige potenzielle Erreger Resistenzen aufweisen, exemplarisch sei an dieser Stelle Veillonella genannt. Bei Verdacht auf eine MRSA Infektion muss auf ein entsprechend wirksames Antibiotikum zurückgegriffen werden, wobei hier die besondere Resistenzlage von Eikenella zu achten ist. Darüber hinaus sollte keine Monotherapie mit Flucloxacillin durchgeführt werden.
Vorsicht geboten ist bei Ciprofloxacin, da einige potenzielle Erreger Resistenzen aufweisen, exemplarisch sei an dieser Stelle Veillonella genannt. Bei Verdacht auf eine MRSA Infektion muss auf ein entsprechend wirksames Antibiotikum zurückgegriffen werden, wobei hier die besondere Resistenzlage von Eikenella zu achten ist. Darüber hinaus sollte keine Monotherapie mit Flucloxacillin durchgeführt werden.
Eine kalkulierte Therapie mit Clindamycin, Makroliden, Isoxazolylpenicillinen, Cephalosporinen der ersten Generation und Aminoglykosiden sollte aufgrund Unwirksamkeit gegenüber mit ''P. multocida'' nicht durchgeführt werden.
Eine kalkulierte Therapie mit Clindamycin, Makroliden, Isoxazolylpenicillinen, Cephalosporinen der ersten Generation und Aminoglykosiden sollte aufgrund Unwirksamkeit gegenüber mit ''P.'' multocida nicht durchgeführt werden.




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'''<span style="font-size:12.0pt;line-height:107%;
{{Hinweis/note|text= '''Meldepflicht''': Gemäß §6 IfSG besteht eine namentliche Meldepflicht bei Krankheitsverdacht, Erkrankung und Tod an Tollwut, für die Verletzung eines Menschen durch ein tollwutkrankes, -verdächtiges oder -ansteckungsverdächtiges Tier sowie die Berührung eines solchen Tieres oder Tierkörpers.}}
font-family:&quot;Arial&quot;,sans-serif">Meldepflicht</span>'''
 
<span style="color: black">Gemäß §6 IfSG besteht eine namentliche Meldepflicht bei Krankheitsverdacht, Erkrankung und Tod an Tollwut, für die Verletzung eines Menschen durch ein tollwutkrankes, -verdächtiges oder -ansteckungsverdächtiges Tier sowie die Berührung eines solchen Tieres oder Tierkörpers.</span>
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Latest revision as of 09:48, 8 December 2021

Grundsätzlich ist es erstrebenswert bei der Versorgung einer Menschen- oder Tierbissverletzung eine interdisziplinäre Versorgung der Verletzung anzustreben.

Grundlage der Wundversorgung stellen im allgemeinen folgende Punkte dar, obwohl zu beachten ist, dass die Evidenzlage in Teilen uneinheitlich ist.


1.   Primäre Wundversorgung:

  • Spülung der Wunde mit NaCl 0,9%
  • Desinfektion mit Polihexanid-haltigen oder Octenidinhaltigen Lösungen.

CAVE: Octenidindihydrochlorid-haltigen Lösungen dürfen nicht unter Druck und in tiefe Gewebeschichten eingebracht werden, da sonst die Gefahr von aseptischen Nekrosen besteht


  • Reinigung bis in die Tiefe der Wunde, insbesondere bei Katzenbissverletzungen, da die Wunde aufgrund des Kulissenphänomens tiefer als vermutet sein kann. Durch dieses Phänomen können pathogene Erreger und Fremdkörper inokuliert sein.


2.   Wund-Debridement

  • Entfernung von gequetschten, zerrissenen und nekrotischen/avitalen Gewebe in Lokalanästhesie
  • Gegebenenfalls sind weitere chirurgische Maßnahmen notwendig


3.   Wundverschluss

  • In der Regel wird an den Extremitäten kein primärer Wundverschluss durchgeführt. Je nach Empfehlung erfolgt der sekundäre Wundverschluss nach 3 – 8 Tagen. Hierbei spielt eine mögliche Infektion der Wunde eine maßgebende Rolle.
  • Gegebenenfalls ist eine Vakuumtherapie notwendig

          

Antibiotika-Therapie:

Einer Cochrane Analyse aus dem Jahre 2001 [1] nach kann keine generelle Empfehlung zu einer prophylaktischen Antibiotika-Gabe gegeben werden. Ausnahmen stellen Bissverletzungen im Gesicht, Hände, Füße, Genitalien und gelenknahe Regionen dar. Ein weiterer Einschlussfaktor für eine Prophylaxe stellen patient:inneneigne Risikofaktoren, wie z.B. Immunsuppression oder Splenektomie dar. Hier sollte eine kalkulierte Therapie für 3 – 5 Tage erfolgen. [2]

Klinische Situation Präferenz Substanz Dosierung Dauer Kommentar
Hund, Katze 1. Wahl
  • Ampicillin/Sulbactam
  • Amoxcillin/Calvulansäure
  • 3 x 2 g i.v.
  • 875/125 mg 3x/d p.o
5 - 7 d -
Alternativ
  • 2./3. Generation Cephalosporin (z.B.Cefuroxim p.o.)

plus

  • Metronidazol

oder plus

  • Clindamycin
  • 2 x 500 mg p.o.
  • 3 x 500mg i.v.
  • 3 x 600mg i.v.
5 - 7 d -
Klinische Situation Präferenz Substanz Dosierung Dauer Kommentar
Menschen 1. Wahl
  • Ampicillin/Sulbactam
  • Amoxcillin/Calvulansäure
  • 3 x 2 g i.v.
  • 875/125 mg 3x/d p.o
5 - 7 d -
Immunsup Patient:innen Piperacillin/Tazobactam 3 x 4,5g i.v. 5 - 7 d -


Therapiedauer:

Grundsätzlich richtet sich die Dauer der Antibiotika-Therapie nach dem Verlauf der Infektion. Vorsicht geboten ist bei Ciprofloxacin, da einige potenzielle Erreger Resistenzen aufweisen, exemplarisch sei an dieser Stelle Veillonella genannt. Bei Verdacht auf eine MRSA Infektion muss auf ein entsprechend wirksames Antibiotikum zurückgegriffen werden, wobei hier die besondere Resistenzlage von Eikenella zu achten ist. Darüber hinaus sollte keine Monotherapie mit Flucloxacillin durchgeführt werden. Eine kalkulierte Therapie mit Clindamycin, Makroliden, Isoxazolylpenicillinen, Cephalosporinen der ersten Generation und Aminoglykosiden sollte aufgrund Unwirksamkeit gegenüber mit P. multocida nicht durchgeführt werden.



Weitere Maßnahmen:

1.   Tollwut-Impfung:

·        Gemäß STIKO ist bei Bissverletzungen (Grad III der Exposition) eine aktive und passive Immunisierung notwendig.

2.   Tetanus-Impfung

·        Gemäß STIKO ist bei fraglichen Impfstatus eine aktive und passive Immunisierung notwendig.

3.   Zusätzlich bei Menschenbissverletzungen

·        Hierbei muss an eine Exposition mit HBV, HCV sowie HIV gedacht und einer postexpositionelle Prophylaxe in Betracht gezogen werden.


  Meldepflicht: Gemäß §6 IfSG besteht eine namentliche Meldepflicht bei Krankheitsverdacht, Erkrankung und Tod an Tollwut, für die Verletzung eines Menschen durch ein tollwutkrankes, -verdächtiges oder -ansteckungsverdächtiges Tier sowie die Berührung eines solchen Tieres oder Tierkörpers.

  1. Medeiros I, Saconato H. Antibiotic prophylaxis for mammalian bites. Cochrane Database Syst Rev. 2001;(2):CD001738. doi:10.1002/14651858.CD001738
  2. May B: Untersuchungen zum Nutzen der von Tierärzten durchgeführten Kurse „Hundeführerschein-Grundwissen-Gefahrenvermeidung im Umgang mit Hunden“. München: Vet Med Diss 2006