DGI:Nosokomiale Pneumonie/Therapie: Difference between revisions

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'''<span class="ve-pasteProtect" style="color: black" data-ve-attributes="{&quot;style&quot;:&quot;color: black&quot;}">Prinzipien der Therapie</span>'''
'''Prinzipien der Therapie'''


<span class="ve-pasteProtect" style="color: black" data-ve-attributes="{&quot;style&quot;:&quot;color: black&quot;}">Schnell: So früh wie möglich. <span class="ve-pasteProtect" style="mso-spacerun:yes" data-ve-attributes="{&quot;style&quot;:&quot;mso-spacerun:yes&quot;}">                                                                                   </span></span>
- Therapiebeginn so früh wie möglich


Therapiebeginn nach Blutkultur, ggf. Atemwegssekret zur mikrobiologischen Untersuchung - dadurch jedoch keine Therapieverzögerung
- Septischer Schock: innerhalb einer Stunde (“golden hour of sepsis”)


Sepsis: Beginn der Antibiotikatherapie innerhalb einer Stunde (“golden hour of sepsis”)
- Beginn direkt nach sofortiger Blutkultur und ggf. Atemwegssekret zur mikrobiologischen Untersuchung


Kalkulierte Therapie anhand zu erwartender Erreger
- Keine Verzögerung durch Untersuchungen


Lokales Erregerspektrum und Resistenzprofil berücksichtigen
- Kalkulierte Therapie anhand vom Vorliegen einer Sepsis sowie dem Risiko für MRE und P. aeruginosa (MRE-RF)


Candida spp. in Atemwegsmaterial: In der Regel keine antimykotische Therapie


Applikation: Falls Sepsis, dann prolongierte Gabe von Betalaktam-AB nach Startdosis erwägen (Perfusor)
'''Therapierelevante Risikofaktoren für MRE und P. aeruginosa:'''


Keine antibiotische Therapie einer VAT (≠ VAP)Keine inhalative Therapie der VAP. Zu prüfende Ausnahme: Als Ergänzung der Therapie gegen gram-negative Erreger, die nur auf Colistin und/oder Aminoglykoside empfindlich sind
- Antimikrobielle Therapie (> 24 h)  in den letzten 30 Tagen


Therapiedauer 7 bis 8 Tage, S. aureus-Bakteriämie 14 Tage
- Kolonisation mit MRE oder MRSA


Unklare Empfehlungen zur Procalcitonin (PCT)-Steuerung:
- Medizinische Versorgung in Süd- und Osteuropa, Afrika, Naher Osten, Asien


*Nicht verwenden, allein klin. Kriterien reichen (ATS 2016)
- Septischer Schock, Sepsis-assoziierte Organdysfunktion
*Nicht, wenn erwartete AMT < 7 - 8 Tage, nur in ausgewählten Fällen (z. B. Colistin-Therapie, MRE) (ERS u. a. 2017)
 
- ARDS
 
- Hämodialyse
 
- Risikofaktor für P. aeruginosa: Strukturelle Lungenerkrankung, Kolonisation
 
==== '''Kalkulierte antibakterielle Therapie''' ====
{| class="wikitable" style=""
|+
| colspan="2" rowspan="2" |
| colspan="2" |Risiko für MRE / P. aeruginosa
|-
|nein
|ja
|-
| rowspan="2" |Sept. Schock
|nein
|Ampicillin/Sulbactam
3 - 4 x 3 g i.v.
 
Amoxicillin/Clavulansäure
 
3 x 2,2 g i.v.
 
oder
 
Ceftriaxon 1 x 2 g i.v.
 
Cefotaxim 3 - 4 x 2 g i.v.
 
oder
 
Moxifloxacin
 
1 x 0,4 g i.v. oder p.o.
 
Levofloxacin
 
2 x 0,5 g i.v. oder p.o.
|Piperacillin/Tazob. 4 x 4,5 g i.v.
oder
 
Cefepim 2 – 3 x 2 g i.v.
 
oder
 
Meropenem 3 x 1 - 2 g i.v.
|-
|ja
|Meropenem 3 x 1 - 2 g i.v.
|Pseudmonaswirksames Betalaktam (wie oben)
plus
 
Ciprofloxacin 3 x 0,4 g i.v.
 
oder
 
Levofloxacin 2 x 0,5 g i.v.
 
oder
 
Tobramycin 1 x 6 mg/kg i.v.
 
oder
 
Fosfomycin 3 x 4 - 5 g i.v.
|-
| colspan="4" |Wenn MRSA-Verdacht, dann plus
|-
|
|
| colspan="2" |Vancomycin Initialdosis 15-20 mg/kg i.v. (bei sehr schweren Infektionen 25-30 mg/kg i.v., maximal 3 g), Erhaltungsdosis (1 h): Dosierung nach Spiegelbestimmung (TDM), Ziel-Talspiegel im Serum: Intermittierende Dosierung 15-20 mg/l, kontinuierliche Gabe 20-25 mg/l
oder
 
Linezolid 2 x 0,6 g i.v. oder p.o.
|}
Das Flussdiagramm in der
Abb.  gibt einen Überblick der
empfohlenen Antibiotika.
 
[[Datei:DGI:nosokomiale.png|zentriert|mini|Flussdiagramm zur kalkulierten Therapie der HAP
(„hospital-acquired pneumonia“). MRE multiresistente Erreger. (Mod. nach
Rademacher et al. 2024)|682x682px]]
 
===== Antifungale Therapie der IPA =====
- Therapie: möglichst früh Voriconazol, Isavuconazol oder liposomales Amphotericin B empfohlen, Posaconazol als Alternative
 
-
 
- Therapiedauer mind. 2 Monate, abhängig vom Ansprechen und Immunrekonstitution
 
- Therapieversagen: Spezies-Identifikation anstreben
 
'''Praktische Hinweise zur Therapie'''
 
- Prolongierte Gabe von Betalaktam-AB über 3-4 h bei Sepsis empfohlen
 
- Ggf. therapeutisches Drug-Monitoring (TDM), z. B. bei Niereninsuffizienz, Erreger mit hoher MHK
 
- Dosierung (hoch vs. Standard) beachten: bestimmte Erreger und Indikationen, “I” auf dem Antibiogramm
 
- Antivirale Therapie gegen Influenza mit Zanamivir und Oseltamivir möglich, gegen SARS-CoV-2 laut Leitlinie (jeweils schlechte Datenlage)
 
- Monotherapie mit Ceftazidim nicht empfohlen
 
- Kombinationstherapie nur nur bei MRE-RF und septischem Schock
 
- Keine regelhafte “double GN coverage ”
 
- Ergänzende inhalative Therapie nur als Ausnahme: Im Fall bestimmter MRE Colistin oder Aminoglykosiden erwägen (Dosier-/Anwendungsempfehlungen als Anhang der S3-Leitlinie verfügbar)
 
'''Reevaluation'''
 
Da die Diagnose der nosokomialen Pneumonie nur mit eingeschränkter Sensitivität und Spezifität gestellt werden kann, kommt der Reevaluation eine besondere Bedeutung zu
 
- Re-Evaluation nach 2-3 Tagen: Diagnose, Labor, Mikrobiologie, Bildgebung, klinisches Ansprechen,
 
- Bei klinischer Stabilisierung, dann De-Eskalation der Therapie, auch ohne Erregernachweis, in der Regel auf Monotherapie. Bei Erregernachweis, dann Therapiefokussierung
 
Therapiedauer
 
- Therapiedauer regelhaft 7-8 Tage, im Einzelfall länger (z. B. Empyem, Abszess, S. aureus-Bakteriämie, ARDS, septischer Schock)
 
- Therapieverkürzung per PCT möglich, bei Dauer < 7-8 Tage nicht relevant

Latest revision as of 22:35, 1 December 2025

Prinzipien der Therapie

- Therapiebeginn so früh wie möglich

- Septischer Schock: innerhalb einer Stunde (“golden hour of sepsis”)

- Beginn direkt nach sofortiger Blutkultur und ggf. Atemwegssekret zur mikrobiologischen Untersuchung

- Keine Verzögerung durch Untersuchungen

- Kalkulierte Therapie anhand vom Vorliegen einer Sepsis sowie dem Risiko für MRE und P. aeruginosa (MRE-RF)


Therapierelevante Risikofaktoren für MRE und P. aeruginosa:

- Antimikrobielle Therapie (> 24 h)  in den letzten 30 Tagen

- Kolonisation mit MRE oder MRSA

- Medizinische Versorgung in Süd- und Osteuropa, Afrika, Naher Osten, Asien

- Septischer Schock, Sepsis-assoziierte Organdysfunktion

- ARDS

- Hämodialyse

- Risikofaktor für P. aeruginosa: Strukturelle Lungenerkrankung, Kolonisation

Kalkulierte antibakterielle Therapie

Risiko für MRE / P. aeruginosa
nein ja
Sept. Schock nein Ampicillin/Sulbactam

3 - 4 x 3 g i.v.

Amoxicillin/Clavulansäure

3 x 2,2 g i.v.

oder

Ceftriaxon 1 x 2 g i.v.

Cefotaxim 3 - 4 x 2 g i.v.

oder

Moxifloxacin

1 x 0,4 g i.v. oder p.o.

Levofloxacin

2 x 0,5 g i.v. oder p.o.

Piperacillin/Tazob. 4 x 4,5 g i.v.

oder

Cefepim 2 – 3 x 2 g i.v.

oder

Meropenem 3 x 1 - 2 g i.v.

ja Meropenem 3 x 1 - 2 g i.v. Pseudmonaswirksames Betalaktam (wie oben)

plus

Ciprofloxacin 3 x 0,4 g i.v.

oder

Levofloxacin 2 x 0,5 g i.v.

oder

Tobramycin 1 x 6 mg/kg i.v.

oder

Fosfomycin 3 x 4 - 5 g i.v.

Wenn MRSA-Verdacht, dann plus
Vancomycin Initialdosis 15-20 mg/kg i.v. (bei sehr schweren Infektionen 25-30 mg/kg i.v., maximal 3 g), Erhaltungsdosis (1 h): Dosierung nach Spiegelbestimmung (TDM), Ziel-Talspiegel im Serum: Intermittierende Dosierung 15-20 mg/l, kontinuierliche Gabe 20-25 mg/l

oder

Linezolid 2 x 0,6 g i.v. oder p.o.

Das Flussdiagramm in der Abb. gibt einen Überblick der empfohlenen Antibiotika.

Flussdiagramm zur kalkulierten Therapie der HAP („hospital-acquired pneumonia“). MRE multiresistente Erreger. (Mod. nach Rademacher et al. 2024)

Antifungale Therapie der IPA

- Therapie: möglichst früh Voriconazol, Isavuconazol oder liposomales Amphotericin B empfohlen, Posaconazol als Alternative

-

- Therapiedauer mind. 2 Monate, abhängig vom Ansprechen und Immunrekonstitution

- Therapieversagen: Spezies-Identifikation anstreben

Praktische Hinweise zur Therapie

- Prolongierte Gabe von Betalaktam-AB über 3-4 h bei Sepsis empfohlen

- Ggf. therapeutisches Drug-Monitoring (TDM), z. B. bei Niereninsuffizienz, Erreger mit hoher MHK

- Dosierung (hoch vs. Standard) beachten: bestimmte Erreger und Indikationen, “I” auf dem Antibiogramm

- Antivirale Therapie gegen Influenza mit Zanamivir und Oseltamivir möglich, gegen SARS-CoV-2 laut Leitlinie (jeweils schlechte Datenlage)

- Monotherapie mit Ceftazidim nicht empfohlen

- Kombinationstherapie nur nur bei MRE-RF und septischem Schock

- Keine regelhafte “double GN coverage ”

- Ergänzende inhalative Therapie nur als Ausnahme: Im Fall bestimmter MRE Colistin oder Aminoglykosiden erwägen (Dosier-/Anwendungsempfehlungen als Anhang der S3-Leitlinie verfügbar)

Reevaluation

Da die Diagnose der nosokomialen Pneumonie nur mit eingeschränkter Sensitivität und Spezifität gestellt werden kann, kommt der Reevaluation eine besondere Bedeutung zu

- Re-Evaluation nach 2-3 Tagen: Diagnose, Labor, Mikrobiologie, Bildgebung, klinisches Ansprechen,

- Bei klinischer Stabilisierung, dann De-Eskalation der Therapie, auch ohne Erregernachweis, in der Regel auf Monotherapie. Bei Erregernachweis, dann Therapiefokussierung

Therapiedauer

- Therapiedauer regelhaft 7-8 Tage, im Einzelfall länger (z. B. Empyem, Abszess, S. aureus-Bakteriämie, ARDS, septischer Schock)

- Therapieverkürzung per PCT möglich, bei Dauer < 7-8 Tage nicht relevant