DGI:ZNS-Infektionen/Ambulant erworbene Meningitis/Klinisches Bild: Difference between revisions

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Die ambulant erworbene bakterielle Meningitis ist eine akute Entzündung der Pia mater und der Arachnoidea des ZNS mit Ausbreitung der Erreger im Liquor. Häufig besteht eine begleitende Entzündung des Hirnparenchyms (Meningoenzephalitis). Sie ist ein neurologisch/infektiologischer Notfall und erfordert daher eine schnelle Diagnostik und konsequente Therapie; eine Verzögerung ist mit einer hohen Morbidität und Sterblichkeit assoziiert.<ref name=":aem0">Pfister H-W et al., Ambulant erworbene bakterielle (eitrige) Meningoenzephalitis im Erwachsenenalter. S2k-Leitlinie. AWMF-Registriernummer: 030/089</ref><ref>Brouwer MC et al., Epidemiology, diagnosis, and antimicrobial treatment of acute bacterial meningitis. Clin Microbiol Rev 2010;. 23: p. 467-492</ref><ref>Brouwer MC et al., What´s new in bacterial meningitis. Intensive Care Med 2016, 42: 415-417</ref>
Die ambulant erworbene bakterielle Meningitis ist eine akute Entzündung der Pia mater und der Arachnoidea des ZNS mit Ausbreitung der Erreger im Liquor. Häufig besteht eine begleitende Entzündung des Hirnparenchyms (Meningoenzephalitis). Sie ist ein neurologisch/infektiologischer Notfall und erfordert daher eine schnelle Diagnostik und konsequente Therapie; eine Verzögerung ist mit einer hohen Morbidität und Sterblichkeit assoziiert.<ref name=":0">Pfister H-W et al., Ambulant erworbene bakterielle (eitrige) Meningoenzephalitis im Erwachsenenalter. S2k-Leitlinie. AWMF-Registriernummer: 030/089</ref><ref>Brouwer MC et al., Epidemiology, diagnosis, and antimicrobial treatment of acute bacterial meningitis. Clin Microbiol Rev 2010;. 23: p. 467-492</ref><ref>Brouwer MC et al., What´s new in bacterial meningitis. Intensive Care Med 2016, 42: 415-417</ref>


Ursächlich kommt es über eine Erreger-Penetration der Blut-Hirn-Schranke infolge einer Bakteriämie (hämatogen) oder über ein lokales Einwandern der Erreger aus ZNS-nahen Infektionsherden (z.B. Sinusitis, Otitis, Mastoiditis) (per continuitatem) zu einer akuten Meningitis. Es können aber auch knöcherne Defekte als Folge eines Schädel-Hirn-Traumas oder einer Nasen-Nebenhöhlen-Operation eine Eintrittspforte für Mikroorganismen darstellen.
Ursächlich kommt es über eine Erreger-Penetration der Blut-Hirn-Schranke infolge einer Bakteriämie (hämatogen) oder über ein lokales Einwandern der Erreger aus ZNS-nahen Infektionsherden (z.B. Sinusitis, Otitis, Mastoiditis) (per continuitatem) zu einer akuten Meningitis. Es können aber auch knöcherne Defekte als Folge eines Schädel-Hirn-Traumas oder einer Nasen-Nebenhöhlen-Operation eine Eintrittspforte für Mikroorganismen darstellen.


Das klinische Bild der bakteriellen Meningitis ist geprägt von einem akuten Krankheitsbeginn und einer oft ausgeprägten Symptomatik und Krankheitsschwere, wobei die Meningitis auch von einer Sepsis oder einem septischen Schock begleitet werden kann.<ref name=":aem0" /><br />
Das klinische Bild der bakteriellen Meningitis ist geprägt von einem akuten Krankheitsbeginn und einer oft ausgeprägten Symptomatik und Krankheitsschwere, wobei die Meningitis auch von einer Sepsis oder einem septischen Schock begleitet werden kann.<ref name=":0" /><br />


===Leitsymptome===
===Leitsymptome===
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Die einzelnen Symptome sind unspezifisch und können ebenso im Rahmen anderer Krankheitsbilder auftreten. Treten jedoch 2 der 4 Leitsymptome auf, so hat dies einen stark hinweisenden Charakter auf eine Meningitis und es sollte unverzüglich weitere Diagnostik/Therapie eingeleitet werden – das Fehlen eines der Kardinalsymptome schließt die Diagnose einer bakteriellen Meningitis keinesfalls aus<ref>Van de Beek D et al., Clinical features and prognostic factors in adults with bacterial meningitis. N Engl J Med 2004. 351:1849-1859</ref><ref>Klein M et al., Bakterielle Infektionen des Zentralnervensystems. Nervenarzt 2010; 81: 150-161</ref>.
Die einzelnen Symptome sind unspezifisch und können ebenso im Rahmen anderer Krankheitsbilder auftreten. Treten jedoch 2 der 4 Leitsymptome auf, so hat dies einen stark hinweisenden Charakter auf eine Meningitis und es sollte unverzüglich weitere Diagnostik/Therapie eingeleitet werden – das Fehlen eines der Kardinalsymptome schließt die Diagnose einer bakteriellen Meningitis keinesfalls aus<ref>Van de Beek D et al., Clinical features and prognostic factors in adults with bacterial meningitis. N Engl J Med 2004. 351:1849-1859</ref><ref>Klein M et al., Bakterielle Infektionen des Zentralnervensystems. Nervenarzt 2010; 81: 150-161</ref>.


Outcome-relevant sind neben einem schnellen Therapiebeginn das Erkennen und Therapieren intrakranieller Komplikationen<ref name=":aem0" />:
Outcome-relevant sind neben einem schnellen Therapiebeginn das Erkennen und Therapieren intrakranieller Komplikationen<ref name=":0" />:


*Hydrocephalus (occlusus oder malresorptivus)
*Hydrocephalus (occlusus oder malresorptivus)
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Faktoren, die mit einer ungünstigen Prognose einhergehen<ref name=":aem1">Bijlsma MW et al., Community-acquired bacterial meningitis in adults in the Netherlands, 2006-2014; a prospective cohort study. Lancet Infect Dis 2016; 16: 339-347</ref>:
Faktoren, die mit einer ungünstigen Prognose einhergehen<ref name=":1">Bijlsma MW et al., Community-acquired bacterial meningitis in adults in the Netherlands, 2006-2014; a prospective cohort study. Lancet Infect Dis 2016; 16: 339-347</ref>:


*Höheres Lebensalter
*Höheres Lebensalter
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===Epidemiologie===
===Epidemiologie===
Die Inzidenz der ambulant erworbenen bakteriellen Meningitis ist in den westlichen Industrieländern, u.a. infolge von Impfprogrammen, rückläufig und liegt in Westeuropa bei 1-2 Fällen/100.000 Einwohnern/Jahr<ref name=":aem1" /><ref name=":aem2">Thigpen MC et al., Bacterial Menigitis in the United States, 1998-2007. N Engl. J Med 2011; 364:2016-2025</ref>. In anderen Regionen, wie beispielsweise in der Sahel-Zone Afrikas, liegen die Inzidenzen um ein vielfaches höher<ref name=":aem3">McGill F et al., Acute bacterial meningitis in adults. Lancet 2016; 388:3036-3047</ref>.
Die Inzidenz der ambulant erworbenen bakteriellen Meningitis ist in den westlichen Industrieländern, u.a. infolge von Impfprogrammen, rückläufig und liegt in Westeuropa bei 1-2 Fällen/100.000 Einwohnern/Jahr<ref name=":1" /><ref name=":2">Thigpen MC et al., Bacterial Menigitis in the United States, 1998-2007. N Engl. J Med 2011; 364:2016-2025</ref>. In anderen Regionen, wie beispielsweise in der Sahel-Zone Afrikas, liegen die Inzidenzen um ein vielfaches höher<ref name=":3">McGill F et al., Acute bacterial meningitis in adults. Lancet 2016; 388:3036-3047</ref>.


Risikofaktoren sind Alter (häufig betroffen sind die unter 5- und über 60-jährigen) und Kontakt zu erkrankten Personen (bei Meningokokken) sowie prädisponierende Faktoren wie Z.n. Splenektomie, Immunsuppression, Diabetes mellitus, Alkoholismus, infektiöse Endokarditis, Defekte des Kraniums, Liquorleckage.<br />
Risikofaktoren sind Alter (häufig betroffen sind die unter 5- und über 60-jährigen) und Kontakt zu erkrankten Personen (bei Meningokokken) sowie prädisponierende Faktoren wie Z.n. Splenektomie, Immunsuppression, Diabetes mellitus, Alkoholismus, infektiöse Endokarditis, Defekte des Kraniums, Liquorleckage.<br />


===Prognose===
===Prognose===
Analysen großer Datenbanken belegen für die westlichen Industriestaaten eine Letalität von ca. 15%<ref name=":aem1" /><ref name=":aem2" />. Die Prognose ist stark abhängig von den begleitenden Risikofaktoren (s.o.), Art und Resistenz des Erregers und insbesondere von einer zeitlich und inhaltlich adäquaten Antibiotikatherapie<ref name=":aem2" /><ref>Aubertin M et al., Detrimental role of delayed antibiotic administration and penicillin-nonsuceptible strains in adult intensive care unit patients with pneumococcal meningitis: The PNEUMOREA prospective multicenter study. Crit Care Med 2006; 34: 2758-2765</ref>.
Analysen großer Datenbanken belegen für die westlichen Industriestaaten eine Letalität von ca. 15%<ref name=":1" /><ref name=":2" />. Die Prognose ist stark abhängig von den begleitenden Risikofaktoren (s.o.), Art und Resistenz des Erregers und insbesondere von einer zeitlich und inhaltlich adäquaten Antibiotikatherapie<ref name=":2" /><ref>Aubertin M et al., Detrimental role of delayed antibiotic administration and penicillin-nonsuceptible strains in adult intensive care unit patients with pneumococcal meningitis: The PNEUMOREA prospective multicenter study. Crit Care Med 2006; 34: 2758-2765</ref>.
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Die ambulant erworbene bakterielle Meningitis ist eine akute Entzündung der Pia mater und der Arachnoidea des ZNS mit Ausbreitung der Erreger im Liquor. Häufig besteht eine begleitende Entzündung des Hirnparenchyms (Meningoenzephalitis). Sie ist ein neurologisch/infektiologischer Notfall und erfordert daher eine schnelle Diagnostik und konsequente Therapie; eine Verzögerung ist mit einer hohen Morbidität und Sterblichkeit assoziiert.[1][2][3]

Ursächlich kommt es über eine Erreger-Penetration der Blut-Hirn-Schranke infolge einer Bakteriämie (hämatogen) oder über ein lokales Einwandern der Erreger aus ZNS-nahen Infektionsherden (z.B. Sinusitis, Otitis, Mastoiditis) (per continuitatem) zu einer akuten Meningitis. Es können aber auch knöcherne Defekte als Folge eines Schädel-Hirn-Traumas oder einer Nasen-Nebenhöhlen-Operation eine Eintrittspforte für Mikroorganismen darstellen.

Das klinische Bild der bakteriellen Meningitis ist geprägt von einem akuten Krankheitsbeginn und einer oft ausgeprägten Symptomatik und Krankheitsschwere, wobei die Meningitis auch von einer Sepsis oder einem septischen Schock begleitet werden kann.[1]

Leitsymptome

  • Kopfschmerzen
  • Meningismus
  • Fieber
  • Vigilanzstörung

Weitere mögliche Symptome

  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Lichtscheu
  • Epileptische Anfälle
  • Neurologische Herdsymptomatik
  • Hirnnervenbeteiligung
  • Hautexanthem (bei Meningokokken-Meningitis)
  • Organdysfunktionen im Rahmen einer Sepsis

Die einzelnen Symptome sind unspezifisch und können ebenso im Rahmen anderer Krankheitsbilder auftreten. Treten jedoch 2 der 4 Leitsymptome auf, so hat dies einen stark hinweisenden Charakter auf eine Meningitis und es sollte unverzüglich weitere Diagnostik/Therapie eingeleitet werden – das Fehlen eines der Kardinalsymptome schließt die Diagnose einer bakteriellen Meningitis keinesfalls aus[4][5].

Outcome-relevant sind neben einem schnellen Therapiebeginn das Erkennen und Therapieren intrakranieller Komplikationen[1]:

  • Hydrocephalus (occlusus oder malresorptivus)
  • Infektiöse Komplikationen (Ventrikulitis, Hirnabszess, subdurales Empyem, septische Sinusvenenthrombose)
  • Generalisiertes Hirnödem
  • Ischämische Komplikationen
  • Hirnnervenbeteiligung

Klinisches Bild

Prognostisch entscheidend ist ein möglichst früher Beginn einer intravenösen antibiotischen Therapie mit einem bakterizid wirkenden Antibiotikum sowie eine adäquate Behandlung zentralnervöser und systemischer Komplikationen. Aufgrund der Dringlichkeit eines zeitlich und inhaltlich adäquaten Therapiebeginns muss eine invasive Diagnostik unter Umständen nachrangig erfolgen.


Faktoren, die mit einer ungünstigen Prognose einhergehen[6]:

  • Höheres Lebensalter
  • Keine Otitis, Sinusitis
  • Alkoholkrankheit
  • Niedriger GCS-Score
  • Liquor-Zellzahl < 1000/µl
  • Hohes Serum-CRP (septischer Verlauf)


Epidemiologie

Die Inzidenz der ambulant erworbenen bakteriellen Meningitis ist in den westlichen Industrieländern, u.a. infolge von Impfprogrammen, rückläufig und liegt in Westeuropa bei 1-2 Fällen/100.000 Einwohnern/Jahr[6][7]. In anderen Regionen, wie beispielsweise in der Sahel-Zone Afrikas, liegen die Inzidenzen um ein vielfaches höher[8].

Risikofaktoren sind Alter (häufig betroffen sind die unter 5- und über 60-jährigen) und Kontakt zu erkrankten Personen (bei Meningokokken) sowie prädisponierende Faktoren wie Z.n. Splenektomie, Immunsuppression, Diabetes mellitus, Alkoholismus, infektiöse Endokarditis, Defekte des Kraniums, Liquorleckage.

Prognose

Analysen großer Datenbanken belegen für die westlichen Industriestaaten eine Letalität von ca. 15%[6][7]. Die Prognose ist stark abhängig von den begleitenden Risikofaktoren (s.o.), Art und Resistenz des Erregers und insbesondere von einer zeitlich und inhaltlich adäquaten Antibiotikatherapie[7][9].

  1. 1.0 1.1 1.2 Pfister H-W et al., Ambulant erworbene bakterielle (eitrige) Meningoenzephalitis im Erwachsenenalter. S2k-Leitlinie. AWMF-Registriernummer: 030/089
  2. Brouwer MC et al., Epidemiology, diagnosis, and antimicrobial treatment of acute bacterial meningitis. Clin Microbiol Rev 2010;. 23: p. 467-492
  3. Brouwer MC et al., What´s new in bacterial meningitis. Intensive Care Med 2016, 42: 415-417
  4. Van de Beek D et al., Clinical features and prognostic factors in adults with bacterial meningitis. N Engl J Med 2004. 351:1849-1859
  5. Klein M et al., Bakterielle Infektionen des Zentralnervensystems. Nervenarzt 2010; 81: 150-161
  6. 6.0 6.1 6.2 Bijlsma MW et al., Community-acquired bacterial meningitis in adults in the Netherlands, 2006-2014; a prospective cohort study. Lancet Infect Dis 2016; 16: 339-347
  7. 7.0 7.1 7.2 Thigpen MC et al., Bacterial Menigitis in the United States, 1998-2007. N Engl. J Med 2011; 364:2016-2025
  8. McGill F et al., Acute bacterial meningitis in adults. Lancet 2016; 388:3036-3047
  9. Aubertin M et al., Detrimental role of delayed antibiotic administration and penicillin-nonsuceptible strains in adult intensive care unit patients with pneumococcal meningitis: The PNEUMOREA prospective multicenter study. Crit Care Med 2006; 34: 2758-2765