DGI:Knochen-, Gelenks- und Protheseninfektionen/Spondylodiszitis/Klinisches Bild: Difference between revisions

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== Klinisches Bild ==


== Leitsymptome ==
Kardinalsymptom sind starke Schmerzen meist des Rückens oder Nackens, die neu aufgetreten sind bzw. sich stark verschlechtert haben (> 85 % der Patienten, nächtliche Zunahme; meist deutlicher Klopfschmerz, Fersenfalltest positiv, bei Senkungsabszessen ggf. Hüftschmerz). <span style="background:aqua;mso-highlight:
aqua">AWMF, Taylor</span>
Fieber tritt bei maximal der Hälfte der Patienten auf, zusätzliche neurologische Symptome bei ca. einem Drittel. <span style="background:aqua;mso-highlight:
aqua">Mylona 2009, Taylor</span>
Da die Symptomatik relativ unspezifisch ist (DD: Volkskrankheit degenerative Wirbelsäulenerkrankungen), wird die Diagnose häufig erst nach 2-12 Wochen gestellt<span style="background:aqua;mso-highlight:aqua"> Chenot 2017, Eren 2014</span>. Daher sollte bei neu aufgetretenen starken Schmerzen der Wirbelsäule und / oder neurologischer / radikulärer Symptomatik in Kombination mit erhöhtem Entzündungswerten, Fieber oder einer bekannten Blutstrominfektion/Endokarditis eine Spondylodiszitis mittels adäquater Bildgebung (s.u.) ausgeschlossen werden. <span style="background:aqua;
mso-highlight:aqua">ESCMID 2019, Taylor</span>
== Klinische Situationen ==
Eine Spondylodiszitis kann auf folgenden Infektionswegen erworben werden:
<span style="mso-list:Ignore">- <span style="font:7.0pt &quot;Times New Roman&quot;">     </span></span>'''Hämatogene Streuung''' (häufigster Infektionsweg) von entfernt liegendem Infektionsfokus (Haut-/Weichteil-, Urogenital-, device-assoziierte Infektion, Endokarditis...)
<span style="background:white;mso-highlight:
white"><span style="mso-list:Ignore">- <span style="font:7.0pt &quot;Times New Roman&quot;">     </span></span></span>'''Per continuitatem''' von benachbartem Infektionsfokus (z.B. infizierte Aortenprothesen, <span style="background:white;mso-highlight:white">Pleuraempyem)</span>
<span style="mso-list:Ignore">- <span style="font:7.0pt &quot;Times New Roman&quot;">     </span></span>'''Durch direkte Inokulation''' (traumatisch, postoperativ, durch Injektionen etc.)
Am häufigsten ist mit ca. 60 % die Lendenwirbelsäule betroffen, gefolgt von der Brustwirbelsäule in ca. 30 % und der Halswirbelsäule in ca. 10 %; bei ca. 10 % der Patienten sind mehrere Segmente befallen. <span style="background:aqua;mso-highlight:aqua">AWMF, Taylor 2018</span> Je nach Patientenkollektiv sind bei mehr als der Hälfte der Patienten bei Diagnosestellung bereits Abszesse nachweisbar (paravertebral, epidural, Psoas-…).
Besonders gefährdet sind Patienten mit folgenden '''Risikofaktoren:''' <span style="background:aqua;mso-highlight:aqua">AWMF, Mylona, Lestin</span>
<span style="mso-list:Ignore">- <span style="font:7.0pt &quot;Times New Roman&quot;">     </span></span>Diabetes mellitus
<span style="mso-list:Ignore">- <span style="font:7.0pt &quot;Times New Roman&quot;">      </span></span>Fortgeschrittene Leberzirrhose / Chronischer Alkoholabusus
<span style="mso-list:Ignore">- <span style="font:7.0pt &quot;Times New Roman&quot;">      </span></span>Chronische Niereninsuffizienz / Dialyse
<span style="mso-list:Ignore">- <span style="font:7.0pt &quot;Times New Roman&quot;">      </span></span>Chronische Herzinsuffizienz
<span style="mso-list:Ignore">- <span style="font:7.0pt &quot;Times New Roman&quot;">      </span></span>Adipositas
<span style="mso-list:Ignore">- <span style="font:7.0pt &quot;Times New Roman&quot;">      </span></span>Maligne Erkrankungen
<span style="mso-list:Ignore">- <span style="font:7.0pt &quot;Times New Roman&quot;">     </span></span>Immunsuppressive Therapie
== Epidemiologie ==
Die Spondylodiszitis ist eine relativ seltene Erkrankung (aktuelle Inzidenz: 2-4/100 000 (2020) <span style="background:aqua;mso-highlight:aqua">AWMF,</span> deren Häufigkeit in den letzten Jahren jedoch deutlich zugenommen hat [<span style="background:aqua;mso-highlight:aqua">Kehrer, Jensen, Krogsgaard, Sur].</span> Männer sind häufiger betroffen als Frauen.
Die Inzidenz steigt mit zunehmendem Alter an (<span class="fontstyle01"><span style="font-size:12.0pt;line-height:115%">über 50 Jahre 30/250.000) [<span style="background:aqua;mso-highlight:aqua">Bundesamt Statistik 2015]</span></span></span><span style="background:aqua;mso-highlight:aqua">,</span> sodass als eine Ursache das zunehmender Alter der Gesamtbevölkerung, Multimorbidität (siehe Risikofaktoren) sowie vermehrte medizinische Interventionen und <span style="background:white;
mso-highlight:white">verbesserte Diagnostik po</span>stuliert werden. Häufig lässt sich ein Krankenhausaufenthalt in den zurückliegenden Wochen bis Monaten mit entsprechenden invasiven Maßnahmen eruieren (z.B. infizierte Venenverweilkanülen, endoskopische Interventionen……). Bis zu 6 % aller Blutstrominfektionen mit ''S aureus'' werden im Verlauf durch eine Spondylodiszitis kompliziert. <span style="background:aqua;mso-highlight:aqua">AWMF</span>
== Prognose ==
Je nach Patientenkollektiv, Ätiologie und Zeitpunkt der Einleitung einer adäquaten Therapie beträgt die Mortalität ca. 8 - 20 % <span style="background:aqua;
mso-highlight:aqua">AWMF, Yagdiran 2020, Taylor 2018</span>.

Latest revision as of 10:21, 31 January 2022