DGI:Knochen-, Gelenks- und Protheseninfektionen/Infektionen nach offenen Frakturen/Klinisches Bild/Leitsymptome: Difference between revisions

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=== Leitsymptome ===
Eine offene Fraktur stellt jede Fraktur dar, bei welcher eine direkte Verbindung der Fraktur zur Umgebung besteht. Graduell entstehender dumpfer Schmerz, eine Rötung und Überwärmung oder eine persistierende Wundsekretion bzw. Wundheilungsstörung nach offener Fraktur sollten an eine akute Osteomyelitis denken lassen. Schüttelfrost und Fieber sind seltener. Schwellung, Bewegungseinschränkung und Gelenkergüsse können sowohl direkte Folge des Traumas, aber auch einer Infektion sein und sind deshalb als klinische Zeichen häufig wenig hilfreich.
Eine offene Fraktur stellt jede Fraktur dar, bei welcher eine direkte Verbindung der Fraktur zur Umgebung besteht. Graduell entstehender dumpfer Schmerz, eine Rötung und Überwärmung oder eine persistierende Wundsekretion bzw. Wundheilungsstörung nach offener Fraktur sollten an eine akute Osteomyelitis denken lassen. Schüttelfrost und Fieber sind seltener. Schwellung, Bewegungseinschränkung und Gelenkergüsse können sowohl direkte Folge des Traumas, aber auch einer Infektion sein und sind deshalb als klinische Zeichen häufig wenig hilfreich.


Eine chronische Osteomyelitis nach offener Fraktur kann mit Schmerz, Schwellung und Rötung einhergehen. Die Entstehung einer Fistel nach primärer Wundheilung ist als pathognomisch für eine Osteomyelitis anzusehen. Eine Pseudarthrose ist eine häufige Folge einer offenen Fraktur und typische Manifestation einer bestehenden Osteomyelitis.  
Eine chronische Osteomyelitis nach offener Fraktur kann mit Schmerz, Schwellung und Rötung einhergehen. Die Entstehung einer Fistel nach primärer Wundheilung ist als pathognomisch für eine Osteomyelitis anzusehen. Eine Pseudarthrose ist eine häufige Folge einer offenen Fraktur und typische Manifestation einer bestehenden Osteomyelitis.
 
Klinische Situationen
 
Das Risiko für die Entwicklung einer Osteomyelitis nach offener Fraktur hängt von verschiedenen Faktoren ab:
 
* Ausmaß des Traumas
* Begleitendes Gefäß- oder Nerventrauma
* Grad der Verschmutzung/Kontamination
* Involvierter Knochen (z.B. Tibia größeres Risiko als Hand)
* Alter
* Komorbiditäten (Diabetes mellitus, Adipositas, Durchblutungsstörung, Nikotinabusus, Immunsuppression)
 
Operativer Zugangsweg und Weichteilverhältnisse (z.B. höheres Risiko bei relevanter Weichteildissektion). Die Einteilung offener Frakturen erfolgt nach der Gustilo-Anderson-Klassifikation 1,2. Das Risiko für eine Osteomyelitis nach offener Fraktur steigt mit der Verletzungsschwere.
 
 
{| class="wikitable"
|+Tabelle 1: Gustilo-Anderson-Klassifikation von offenen Frakturen
!Typ
!Wundgröße
!Kontamination
!Fraktur
!Gefäßverletzung
!Weichteildeckung
|-
|I
|<1cm<br />
|Minimal
|Einfach, kein periostal stripping
|Nein
|Adäquat
|-
|II
|>1cm
|Moderat
|Einfach mit geringer Segmentierung, minimales periostal stripping
|Nein
|Adäquat
|-
|III A
|unabhängig
|Schwer
|Schwere Zertrümmerung, periostal stripping
|Nein
|Adäquat
|-
|III B
|unabhängig
|Schwer
|Schwere Zertrümmerung, periostal stripping
|Nein
|Inadäquat (Deckung durch freien oder rotierten Lappen notwendig)
|-
|III C
|unabhängig
|Schwer
|Schwere Zertrümmerung, periostal stripping
|Ja
|Inadäquat (Deckung durch freien oder rotierten Lappen notwendig)
|}
<br />

Latest revision as of 08:06, 13 January 2022

Eine offene Fraktur stellt jede Fraktur dar, bei welcher eine direkte Verbindung der Fraktur zur Umgebung besteht. Graduell entstehender dumpfer Schmerz, eine Rötung und Überwärmung oder eine persistierende Wundsekretion bzw. Wundheilungsstörung nach offener Fraktur sollten an eine akute Osteomyelitis denken lassen. Schüttelfrost und Fieber sind seltener. Schwellung, Bewegungseinschränkung und Gelenkergüsse können sowohl direkte Folge des Traumas, aber auch einer Infektion sein und sind deshalb als klinische Zeichen häufig wenig hilfreich.

Eine chronische Osteomyelitis nach offener Fraktur kann mit Schmerz, Schwellung und Rötung einhergehen. Die Entstehung einer Fistel nach primärer Wundheilung ist als pathognomisch für eine Osteomyelitis anzusehen. Eine Pseudarthrose ist eine häufige Folge einer offenen Fraktur und typische Manifestation einer bestehenden Osteomyelitis.