DGI:Tuberkulose/Klinisches Bild/Klinische Situationen: Difference between revisions
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Latest revision as of 11:33, 17 June 2021
Extrapulmonale Tuberkulose
Extrapulmonale Manifestationen kommen in Deutschland in knapp 30% der Fälle vor.
Die Tuberkulose kann grundsätzlich jedes Organ betreffen. Extrapulmonale Manifestationen kommen in Deutschland in knapp 30% der Fälle vor (RKI Bericht von 2019). Ungefähr die Hälfte der extrapulmonalen Tuberkulosen betreffen die Lymphknoten, gefolgt von urogenitaler TB, Knochen TB etc.
Weisen zwei oder mehr Organe eine Beteiligung auf, sprechen wir von einer disseminierten Tuberkulose. Diese tritt vorrangig bei immunsupprimierten Personen auf, mit z.B. nicht behandelter HIV-Infektion, Diabetes mellitus, Dialyse-Patient:innen o.ä.. In den letzten Jahren werden allerdings zunehmend schwere Verläufe mit disseminierter TB bei jungen Migrant:innen aus Hochinzidenzländern ohne fassbaren Immundefekt beobachtet.
Die Symptomatik der extrapulmonalen TB kann unspezifisch sein. Die klassischen Symptome der TB wie Husten, Nachtschweiß oder Gewichtsverlust können fehlen. Das klinische Bild wird durch das betroffene Organ bestimmt. Es kann zu Schwellungen, Fieber oder Schmerzen kommen. Bei TB des Zentralnervensystems (ZNS) können fokal neurologische Defizite auftreten. Aufgrund dieser Symptomvielfalt wird die TB auch als “Chamäleon” der Medizin bezeichnet.
Latente Tuberkuloseinfektion (LTBI)
Die latente Infektion durch M. tuberculosis wird durch das Vorliegen eines positiven Gamma-Interferon-Tests bzw. Tuberkulin-Haut-Tests diagnostiziert. Es bestehen weder klinische Symptome, noch röntgenologische bzw. paraklinischen Auffälligkeiten. Eine manifeste TB-Erkrankung sollte zumindest durch ein Röntgenbild des Thorax ausgeschlossen werden. Die infizierte Person ist nicht ansteckend für ihre Umgebung. Man schätzt, dass bei etwa ¼ der Weltbevölkerung eine LTBI vorliegt. Die LTBI kann zum Beispiel im Rahmen eines erworbenen Immundefekts reaktivieren, es entwickelt sich dann eine TB-Erkrankung (Postprimärtuberkulose). Daher sollte vor medikamentöser Immunsuppression (z.B. TNF-alpha Inhibitoren) eine LTBI getestet und ggf. präventiv behandelt werden. Im Rahmen einer Umgebungsuntersuchung werden auch Menschen, die ausreichend intensiven Kontakt zu einer ansteckungsfähigen TB hatten, auf LTBI getestet und ggf. präventiv behandelt.