Gynäkologische Infektionen: Difference between revisions
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| Kapitelinformationen | |
|---|---|
| Stand: | Februar 2022 |
| Kapitelleitung: | Masen Sueifan |
| Autor:innen: | Sabine Mauruschat, Thomas Möller, Nathalie Pausner |
| Reviewer:innen: | Julia Jückstock |
| Beteiligte Fachgesellschaften: | |
| Feedback: | Mitwirken |
Das Feld der gynäkologischen Infektionen erstreckt sich von den Mykosen und den sexuell übertragbaren Krankheiten bis hin zu den bakteriellen Erregern. Grundlage für das Verständnis der verschiedenen Erkrankungen ist die Kenntnis über das physiologische Scheidenmilieu. Der saure pH-Wert des vaginalen Mikrobioms, welches als Schutz vor pathogenen Erregern dient, wird maßgeblich durch Laktobazillen gebildet. Dabei herrscht, ein sich zum Teil täglich wechselndes Gleichgewicht zwischen den Laktobazillen und physiologisch vorkommenden fakultativ pathogenen Erregern.
Klinisches Bild
Das klinische Bild von gynäkologischen Infektionen wird geprägt durch Veränderungen des Scheidenausflusses, dem Fluor, durch knötchenförmige und flächige Rötungen sowie brennenden Schmerzen und Juckreiz.
Je nach Infektion benötigt der Erreger zudem eine Eintrittspforte und verursacht oftmals ein typisches klinisches Bild.
Leitsymptome
Grundlagen:
Gynäkologische Infektionen führen häufig zu einer Veränderung des physiologischen Fluors. Wichtige Unterscheidungskriterien sind:
- Konsistenz: Wässrig, klebrig, dünn, fest
- Geruch: Fischartig, säuerlich, stinkend
- Ursache der Infektion: Bakterien, Pilze, Viren
- Deutlich erhöhte Leukozytenzahl im Fluor
Der Verlauf einer Infektion der weiblichen Geschlechtsorgane kann asymptomatisch oder nur von geringer Ausprägung sein. Typische Beschwerden einer Infektion können sein:
- Pruritus
- Brennen beim Wasserlassen oder Geschlechtsverkehr
- Schmerzen
- Rubor
- Schwellung
Das klinische Bild einer Infektion lässt sich oft durch folgende Erscheinungen einordnen:
- Veränderter Fluor
- Ulkus
- Pusteln/Bläschen
| Erkrankung/Infektion | Pathogenese | Leitsymptome |
|---|---|---|
| Bakterielle Vaginose |
|
|
| Bartholinitis |
|
|
| Vulvitis pustulosa |
|
|
Vulvitis
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|
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Vulvitis
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|
| Erythrasma |
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Kolpitis
|
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Kolpitis
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Kolpitis
|
|
|
Kolpitis
|
|
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| Zervizitis |
|
Klinische Situationen
Infektionen können in jedem Alter auftreten und hängen maßgeblich von dem Grad der sexuellen Aktivität, Hygiene, Hormonstatus, Antibiotikatherapien, Stress, Schlafmangel und chronischen Krankheiten/Immunsupression ab.
Frauen mit einer Frühgeburt in der Anamnese zählen bei einer bakteriellen Vaginose zu den Hochrisikopatientinnen. Ebenfalls stellen rezidivierende Harnwegsinfektionen und Blutungsanomalien einen Hinweis auf eine BV dar und sollten großzügig untersucht werden.
Epidemiologie
| Bartholinitis | Am häufigsten sind Frauen im Alter von 19 bis 35 Jahren betroffen[1] |
| Bakterielle Vaginose | Ca. 5% der Frauen die zu einer Vorsorgenuntersuchung kommen haben eine BV[2] |
Prognose
Akute Infektionen lassen sich meist effektiv therapieren, wobei chronische Verläufe oftmals nur symptomatisch behandelt werden können, oder bei der Bartholinitis eine chirurgische Intervention mit Marsupialisation erforderlich machen können.
Diagnostik
Diagnosekriterien
In der Gynäkologie spielt neben der klinisch-gynäkologischen Untersuchung die Mikroskopie von Nativpräparaten eine wichtige Rolle. Darüber hinaus kommt der Mikrobiologie ebenfalls eine entscheidende Rolle zu. Eine umfassende Kenntnis über die verschiedenen Infektionen in der Gynäkologie ist daher unumgänglich.
Diagnostische Schritte
a) Bakterielle Vaginose
Die Diagnose der BV wird klinisch gestellt und gilt als gesichert, wenn drei der vier genannten Kriterien positiv sind:
Amsel-Kriterien: Amingeruch -Schlüsselzellen, erhöhter pH, liquider Fluor
- Grau-weißer, homogener Fluor
- Nachweis von Schlüssel-Zellen (Clue Cells)
- Erhöhter vaginaler pH-Wert (> 4,5)
- Fischartiger Geruch, insbesondere nach Alkalisierung mit 10%iger Kalilauge (KOH)
- Ermittlung des Nugent Scores
Diagnostische Schritte
- Klinische/gynäkologische Untersuchung (im Falle einer Bartholinitis meist ausreichend)
- pH-Wert Messung
- Beurteilung eines Nativpräparats des Fluors
- Nugent Score = Erstellung eines gramgefärbten Vaginalabstrichs zur quantitativen und qualitativen Beurteilung der Bakterien Entitäten.[3]
| Grampositive Stäbchen | Nugent-Score |
|---|---|
| 4+ (>30/Gesichtsfeld) | 0 |
| 3+ (5-30/Gesichtsfeld) | 1 |
| 2+ (1-4/Gesichtsfeld | 2 |
| 1+ (<1/Gesichtsfeld) | 3 |
| 0 (keine in 5 Gesichtsfeldern | 4 |
| Gramnegative bzw. gramlabile Stäbe (z.B. Gardnerella, Prevotella, Bacteriodes) | Nugent-Score |
|---|---|
| 4+ (>30/Gesichtsfeld) | 4 |
| 3+ (5-30/Gesichtsfeld) | 3 |
| 2+ (1-4/Gesichtsfeld | 2 |
| 1+ (<1/Gesichtsfeld) | 1 |
| 0 (keine in 5 Gesichtsfeldern | 0 |
| Gramlabile gebogene Stäbchen (Mobiluncus) | Nugent-Score |
|---|---|
| 4+ (>30/Gesichtsfeld) | 2 |
| 3+ (5-30/Gesichtsfeld) | 2 |
| 2+ (1-4/Gesichtsfeld | 1 |
| 1+ (<1/Gesichtsfeld) | 1 |
| 0 (keine in 5 Gesichtsfeldern | 0 |
Beurteilung Nugent-Score
| Nugent-Score 0 – 3 (negativ) | Kein Anhalt für eine BV |
| Nugent-Score 4 – 6 (intermediär) | Ergebnis ist in Zusammenschau mit der klinischen Symptomatik zu beurteilen |
| Nugent-Score 7 – 19 (positiv) | Vom Vorliegen einer BV ist auszugehen |
b) Weitere Erkrankungen/Infektionen
| Erkrankung/Infektion | Diagnostische Schritte |
|---|---|
Vulvitis
|
|
| Erythrasma |
|
| Kolpitis |
o Trichomonaden machen ruckartige Bewegung o Anzahl Granulozyten
|
Differentialdiagnosen
| Erkrankung/Infektion | Differentialdiagnose |
|---|---|
| Vulvitis pustulosa | Neben Infektionen mit Staph. aureus kommen folgende Erreger/Infektionen in Betracht:
|
| Erythrasma |
|
| Bakterielle Vaginose |
|
| Kolpitis | Mögliche Ursache:
|
Erreger
Generell ist zu sagen, dass es sich bei gynäkologischen Infektionen meist um eine Mischinfektion handelt. Häufig spielen Bakterien der Darm- und Hautflora eine wichtige Rolle. Es kommen allerdings auch häufig Viren, Pilze und Protozoen vor.
| Erkrankung/Infektion | Erreger |
|---|---|
| Vulvitis pustulosa / Furunkel / Karbunkel | Meist Staph. aureus |
| Bakterielle Vaginose | Dysbiose zu Ungunsten H2O2 bildender Laktobazillen zu Gunsten von
ß-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A
|
| Bartholinitis | Darmbakterien |
| Erythrasma | Corynebacterium minutissimum |
| Kolpitis | Mögliche Erreger:
|
Therapie
a) Bakterielle Vaginose
Da es sich bei der BV um eine Dysbiose der Scheidenmilieus handelt ist eine spezifische Therapie eines Erregers meist nicht sinnvoll. Die Therapie mittels Metronidazol oder alternativ einer lokalen Therapie mittels einer Clindamycin-haltigen Vaginalcreme sind in der Regel ausreichend. Beachtung sollten Schwangere mit einem hohen Risiko für eine Frühgeburt erfahren.
Kalkulierte Therapie
| Diagnose | Substanz | Dosierung | Dauer |
|---|---|---|---|
| BV außerhalb der Schwangerschaft | Metronidazol
Clindamycin |
2x/500 mg p.o.
5g 2%ige Vaginalcreme |
7 Tage |
| BV während der Schwangerschaft | Metronidazol
Clindamycin
Clindamycin |
2x/500 mg p.o.
5g 2%ige Vaginalcreme 2 x 300 mg p.o. |
7 Tage |
CAVE: Bei Hochrisikopatientinnen mit Frühgeburt in der Anamnese muss eine Prophylaxe als systemische Gabe erfolgen.
b) Bartholinitis
Zunächst erfolgt im frühen Stadium eine konservative Therapie mit lokalen Maßnahmen wie Kühlen sowie einer Antiphlogistischen und Analgetischen Mitteln.
Erst schwerere Verläufe werden mit einer Kombinationstherapie aus Amoxicillin und Metronidazol therapiert. Kommt es zu einer Abszessbildung ist eine chirurgische Intervention (Marsupialisation) notwendig. Bei Nachweis von Chlamydien muss diese Therapie entsprechend angepasst werden.
Kalkulierte Therapie weiterer Erkrankungen/Infektionen
| Diagnose | Substanz | Dosierung | Dauer |
|---|---|---|---|
| Vulvitis pustulosa | Cefuroxim
Clindamycin |
3 x 500mg p.o.
2 x 300mg p.o. |
5 Tage |
| Furunkel / Karbunkel | I.d.R. keine antibiotische Therapie notwendig
Cefuroxim
Clindamycin |
3 x 500mg p.o.
2 x 300mg p.o |
5 Tage |
| Vulvitis durch
A-Streptokokken |
Penicillin V oder
Clindamycin |
3 x 1 Mio bis 1,5 Mio IE p.o.
3 x 1000mg p.o. 2 x 200mg p.o. 2 x 300mg p.o. |
10 Tage
10 Tage 7 - 10Tage 10 Tage |
| Erythrasma | Imidazol-Derivat lokal
Tetracyclin lokal |
||
| Bartholinitis
nur bei schweren Verläufen |
Amoxicillin
plus Metronidazol
Ceftriaxon |
3 x 2000 mg p.o.
2 x 500 mg p.o. 1 x 2000 mg i.v. |
7 Tage
7 Tage |
Kolpitis
|
Metronidazol | 1 x 2000mg p.o. | 1 Tag |
Kolpitis
|
Clindamycin | 5g 2%ige Vaginalcreme | 1 Tag |
Kolpitis
|
Penicillin V oder
Clindamycin |
3 x 1 Mio bis 1,5 Mio IE p.o.
3 x 1000mg p.o. 2 x 200mg p.o. 2 x 300mg p.o. |
10 Tage
10 Tage 7 - 10Tage 10 Tage |
Prophylaxe und Prävention
| Erkrankung / Infektion | Prophylaxe / Prävention |
|---|---|
| Erythrasma |
|
| Bakterielle Vaginose |
|
| Bartholinitis |
|
Weiterführende Literatur und Hilfestellungen
Mendling, Werner. Vaginose, Vaginitis, Zervizitis und Salpingitis. Berlin, Heidelberg: Springer Medizin Verlag Heidelberg, 2006
Petersen, Eiko E. Infektionen in Gynäkologie und Geburtshilfe: Lehrbuch und Atlas. 5., neu Bearbeitete und Erweiterte Auflage. Stuttgart New York: Georg Thieme Verlag, 2011
Quellen
Neumann, Gerd. Gynäkologische Infektionen, 2010. https://doi.org/10.1007/978-3-642-05268-2.
Nugent, R. P., M. A. Krohn, und S. L. Hillier. „Reliability of Diagnosing Bacterial Vaginosis Is Improved by a Standardized Method of Gram Stain Interpretation“. Journal of Clinical Microbiology 29, Nr. 2 (Februar 1991): 297–301. https://doi.org/10.1128/JCM.29.2.297-301.1991.
Weyerstahl, Thomas, und Manfred Stauber. Gynäkologie und Geburtshilfe: mit Filmen zu Spontangeburt und sectio online ; + campus.thieme.de. 4., vollständig überarbeitete Auflage. Duale Reihe. Stuttgart: Thieme, 2013.
Einzelnachweise
- ↑ Neumann, Gerd. Gynäkologische Infektionen, 2010. https://doi.org/10.1007/978-3-642-05268-2.
- ↑ Nugent, R. P., M. A. Krohn, und S. L. Hillier. „Reliability of Diagnosing Bacterial Vaginosis Is Improved by a Standardized Method of Gram Stain Interpretation“. Journal of Clinical Microbiology 29, Nr. 2 (Februar 1991): 297–301. https://doi.org/10.1128/JCM.29.2.297-301.1991.
- ↑ Nugent, R. P., M. A. Krohn, und S. L. Hillier. „Reliability of Diagnosing Bacterial Vaginosis Is Improved by a Standardized Method of Gram Stain Interpretation“. Journal of Clinical Microbiology 29, Nr. 2 (Februar 1991): 297–301. https://doi.org/10.1128/JCM.29.2.297-301.1991