DGI:Blutstrominfektion/Gram-negative Bakterien/Enterobacterales/Therapie/Empirische Therapie: Difference between revisions

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*Auch bei nachgewiesener in vitro-Empfindlichkeit sollte Piperacillin/Tazobactam bei ESBL-Nachweis nicht zur Therapie von Blutstrominfektionen eingesetzt werden<ref>Harris et al. JAMA 2018</ref>.
*Auch bei nachgewiesener in vitro-Empfindlichkeit sollte Piperacillin/Tazobactam bei ESBL-Nachweis nicht zur Therapie von Blutstrominfektionen eingesetzt werden<ref>Harris et al. JAMA 2018</ref>.
*<u>Reservesubstanz (z.B. bei Allergie gegenüber Betalaktamantibiotika):</u> Chinolone (Ciprofloxacin ist stärker gegenüber Gram-negativen Erregern wirksam als Levofloxacin!), cave: Rote-Hand-Briefe
*<u>Reservesubstanz (z.B. bei Allergie gegenüber Betalaktamantibiotika):</u> Chinolone (Ciprofloxacin ist stärker gegenüber Gram-negativen Erregern wirksam als Levofloxacin!),  
{{Hinweis/CAVE|text=Rote-Hand-Briefe}}





Revision as of 13:15, 23 August 2022


Tabelle1: Geeignete Antibiotika für die empirische Therapie einer Gram-negativen Blutstrominfektion bei fehlenden anamnestischen Hinweisen auf mögliche Multiresistenz:
Piperacillin/Tazobactam 3-4 x 4,5 g i.v.
oder
Ampicillin/Sulbactam 3 x 3 g i.v.
oder
Ceftriaxon 1 x 2 g i.v.
oder
Cefotaxim 3 x 2 g i.v.
oder
Ceftazidim 3 x 2 g i.v.

CAVE: Aufgrund der fehlenden Wirksamkeit gegen Gram-positive Bakterien nur bei sicherem Nachweis einer monobakteriellen aeroben Gram-negativen Blutstrominfektion einzusetzen

Nach Vorliegen der Resistenztestung soll stets geprüft werden, ob eine Deeskalation (z.B. auf Ampicillin/Sulbactam) möglich ist.


Tabelle 2: Bei Nachweis einer ESBL-Bildung
Ertapenem 1 x 1 g i.v.
oder
Meropenem 3 x 1-2g i.v.
oder
Imipenem 4 x 0,5-1 g i.v.

Ertapenem ist unwirksam gegen Pseudomonas aeruginosa.


  • Auch bei nachgewiesener in vitro-Empfindlichkeit sollte Piperacillin/Tazobactam bei ESBL-Nachweis nicht zur Therapie von Blutstrominfektionen eingesetzt werden[1].
  • Reservesubstanz (z.B. bei Allergie gegenüber Betalaktamantibiotika): Chinolone (Ciprofloxacin ist stärker gegenüber Gram-negativen Erregern wirksam als Levofloxacin!),

CAVE: Rote-Hand-Briefe


Tabelle 3: Bei Nachweis einer AmpC-Resistenz (v.a. bei Enterobacter spp.):
Meropenem 3 x 1 g i.v.
ODER
Ertapenem 1 x 1 g i.v.
ODER
Imipenem 4 x 0,5-1 g i.v.
ODER
Cefepim 3 x 2 g i.v.

AmpC = intrinsische Resistenz gegen alle Cephalosporine außer Cefepim, die unter Therapie mit vielen Beta-Laktamen (außer den empfohlenen Substanzen) schnell exprimiert wird

  • Alternative: Ciprofloxacin
  • Cave: Rote-Hand-Briefe für Cefepim (Neurotoxizität!) und Fluorchinolone (u.a. Achillessehnenruptur, Gefäßaneurysmen)


Tabelle 4: Bei 4MRGN-Resistenzphänotyp: Bei KPC- oder OXA-48-Carbapenemase:
Ceftazidim/Avibactam 3 x 2,5 g i.v
UND / ODER
Colistin 2 x 4,5 Mio IE i.v
UND / ODER
Cefiderocol 3 x 2 g
UND / ODER
Tigecyclin Initial 100 mg i.v., dann 2 x 50 mg i.v. (cave: niedrige Serumspiegel, sollte daher nicht als Monotherapie appliziert werden)
UND / ODER
Meropenem 3 x 2 g i.v. (als möglicher Kombinationspartner bei MHK ≤16 mg/L)


abelle 5: T Bei VIM- oder NDM-Carbapenemase:
Colistin 2 x 4,5 Mio IE i.v.
UND / ODER
Tigecyclin Initial 100 mg i.v., dann 2 x 50 mg i.v.
UND / ODER
Cefiderocol 3 x 2g i.v.


  • Entscheidung über weiteres Therapieregime nach zusätzlicher Testung potentiell einsetzbarer Kombinationspartner
  • Prinzipiell möglich in Kombinationstherapie: Aminoglykoside, Fosfomycin
  • Bei Enterobacterales mit 4MRGN-Phänotyp kann eine Antibiotika-Kombinationstestung sinnvoll sein, um synergistische Wirkungen zwischen zwei Antibiotika zu erkennen, es handelt sich hier aber um ein nicht standardisiertes, experimentelles Verfahren ohne ausreichende klinische Evidenz.
  • Mikrobiologisch-infektiologisches Konsil und Kontaktaufnahme mit Krankenhaushygiene erforderlich
  1. Harris et al. JAMA 2018