DGI:Multiresistente Erreger/Therapie: Difference between revisions

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Auf Basis der aktuellen Evidenz kann momentan ein Dekolonisierungsversuch nur bei Vorliegen einer Kolonisation mit MRSA oder PVL-S. aureus empfohlen werden. Diesbezüglich ist das Vorgehen wie folgt:
Auf Basis der aktuellen Evidenz kann momentan ein Dekolonisierungsversuch nur bei Vorliegen einer Kolonisation mit MRSA oder PVL-S. aureus empfohlen werden. Diesbezüglich ist das Vorgehen wie folgt:


====== Sanierung der Nasenschleimhaut und des Rachens bzw. der Mundhöhle ======
===== Sanierung =====
 
'''Sanierung der Nasenschleimhaut und des Rachens bzw. der Mundhöhle'''
* Administrationsdauer und -frequenz: 3 x täglich über 5 Tage
* Administrationsdauer und -frequenz: 3 x täglich über 5 Tage
* Nutzung von Einmalzahnbürsten empfohlen, alternativ Zahnbürste vor Nutzung 30s in die antiseptische Mundspüllösung einlegen. Nach dem Zähneputzen Spülung des Mund-Rachenraums mit 10-15ml eines Mund-Antiseptikums, z.B. Undecylenamidopropylbetain plus Polihexanid oder Octenidin mit einer Einwirkzeit von 1min (s. Anwendungshinweise des Herstellers). Im Anschluss für 20min nicht essen und trinken.
* Nutzung von Einmalzahnbürsten empfohlen, alternativ Zahnbürste vor Nutzung 30s in die antiseptische Mundspüllösung einlegen. Nach dem Zähneputzen Spülung des Mund-Rachenraums mit 10-15ml eines Mund-Antiseptikums, z.B. Undecylenamidopropylbetain plus Polihexanid oder Octenidin mit einer Einwirkzeit von 1min (s. Anwendungshinweise des Herstellers). Im Anschluss für 20min nicht essen und trinken.
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* Streichholzkopfgroße Menge Mupirucin-Nasensalbe , bei Mupirucin-Resistenz Octenidin-haltige Nasensalbe mittels Watteträger in beide Nasenvorhöfe einbringen und durch leichten äußeren Druck auf die Nasenflügel verteilen. Jeweils neuen Watteträger verwenden. Kontakt zwischen Tube und Watteträger aufgrund des Kontaminationsrisikos vermeiden.
* Streichholzkopfgroße Menge Mupirucin-Nasensalbe , bei Mupirucin-Resistenz Octenidin-haltige Nasensalbe mittels Watteträger in beide Nasenvorhöfe einbringen und durch leichten äußeren Druck auf die Nasenflügel verteilen. Jeweils neuen Watteträger verwenden. Kontakt zwischen Tube und Watteträger aufgrund des Kontaminationsrisikos vermeiden.
* Zahnprothesen/Zahnschienen/Schlafapnoeschienen in Abhängigkeit der Nutzung 2-3x/ Tag nach normaler Reinigung des Produktes für ca. 15min in antiseptische Mundspüllösung einlegen.
* Zahnprothesen/Zahnschienen/Schlafapnoeschienen in Abhängigkeit der Nutzung 2-3x/ Tag nach normaler Reinigung des Produktes für ca. 15min in antiseptische Mundspüllösung einlegen.
 
'''Sanierung Haut und Haare'''
====== Sanierung Haut und Haare ======
 
* Administrationsdauer und -frequenz: 1-2 x täglich über 5 Tage
* Administrationsdauer und -frequenz: 1-2 x täglich über 5 Tage
* Sanierung unter der Dusche: Polyhexanid-Waschlotion  pur auf angefeuchtete Haut und Haare auftragen. Einwirkzeit bis 2min. Bei Nutzung von Waschlappen möglichst Einmalwaschlappen nutzen, alternativ direkt im Anschluss Waschlappen in die Wäsche geben. Haare möglichst mit täglich zu wechselndem Einmalkamm kämmen. Alternativ Bürste täglich desinfizieren (s. Zahnprothese). Rasur mit täglich zu wechselndem Einmalrasierer und  Rasierschaum aus der Dose (keine Nutzung von Rasierpinsel oder Rasierseife). Abtrocknen immer mit frischen Handtüchern, sowie frische Kleidung anziehen.
* Sanierung unter der Dusche: Polyhexanid-Waschlotion  pur auf angefeuchtete Haut und Haare auftragen. Einwirkzeit bis 2min. Bei Nutzung von Waschlappen möglichst Einmalwaschlappen nutzen, alternativ direkt im Anschluss Waschlappen in die Wäsche geben. Haare möglichst mit täglich zu wechselndem Einmalkamm kämmen. Alternativ Bürste täglich desinfizieren (s. Zahnprothese). Rasur mit täglich zu wechselndem Einmalrasierer und  Rasierschaum aus der Dose (keine Nutzung von Rasierpinsel oder Rasierseife). Abtrocknen immer mit frischen Handtüchern, sowie frische Kleidung anziehen.
* Sanierung im Bett – Octenidin-haltiges Präparat auf die Haut und Haare auftragen. Einwirkzeit bis 2min. Nach der Einwirkzeit kann bei besonders hautempfindlichen Patient:innen mit Wasser nachgereinigt werden.
* Sanierung im Bett – Octenidin-haltiges Präparat auf die Haut und Haare auftragen. Einwirkzeit bis 2min. Nach der Einwirkzeit kann bei besonders hautempfindlichen Patient:innen mit Wasser nachgereinigt werden.
 
'''Sanierung von besiedelten Wunden und Kathetereintrittsstellen'''
====== Sanierung von besiedelten Wunden und Kathetereintrittsstellen ======
 
* Bei chronischen Wunden vor der Sanierung Wundmanagement einbeziehen (mögliche Wundantiseptika – Octenidin, Polyhexanid, silberbeschichtete Wundauflagen u.a.)
* Bei chronischen Wunden vor der Sanierung Wundmanagement einbeziehen (mögliche Wundantiseptika – Octenidin, Polyhexanid, silberbeschichtete Wundauflagen u.a.)
* Kathetereintrittsstellen (ZVK, PEG; SPK) 1 x täglich mit alkoholischem Hautantiseptikum großzügig einsprühen – Einwirkzeit mind. 1-2 min., in Abhängigkeit des Präparates.
* Kathetereintrittsstellen (ZVK, PEG; SPK) 1 x täglich mit alkoholischem Hautantiseptikum großzügig einsprühen – Einwirkzeit mind. 1-2 min., in Abhängigkeit des Präparates.
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* Sollte sich nach dem 3. Sanierungsversuch kein Eradikationserfolg einstellen (schwierig bei Patient:innen mit Tracheotomie und chronischen Wunden), Krankenhaushygiene informieren.
* Sollte sich nach dem 3. Sanierungsversuch kein Eradikationserfolg einstellen (schwierig bei Patient:innen mit Tracheotomie und chronischen Wunden), Krankenhaushygiene informieren.


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Latest revision as of 15:57, 15 February 2023

Auf Basis der aktuellen Evidenz kann momentan ein Dekolonisierungsversuch nur bei Vorliegen einer Kolonisation mit MRSA oder PVL-S. aureus empfohlen werden. Diesbezüglich ist das Vorgehen wie folgt:

Sanierung

Sanierung der Nasenschleimhaut und des Rachens bzw. der Mundhöhle

  • Administrationsdauer und -frequenz: 3 x täglich über 5 Tage
  • Nutzung von Einmalzahnbürsten empfohlen, alternativ Zahnbürste vor Nutzung 30s in die antiseptische Mundspüllösung einlegen. Nach dem Zähneputzen Spülung des Mund-Rachenraums mit 10-15ml eines Mund-Antiseptikums, z.B. Undecylenamidopropylbetain plus Polihexanid oder Octenidin mit einer Einwirkzeit von 1min (s. Anwendungshinweise des Herstellers). Im Anschluss für 20min nicht essen und trinken.
  • Kindern oder Erwachsenen, die nicht in der Lage sind die Spülung/ das Gurgeln durchzuführen, mit der unverdünnten Lösung und einem Wattetupfer den Mundraum sorgfältig auswischen.
  • Streichholzkopfgroße Menge Mupirucin-Nasensalbe , bei Mupirucin-Resistenz Octenidin-haltige Nasensalbe mittels Watteträger in beide Nasenvorhöfe einbringen und durch leichten äußeren Druck auf die Nasenflügel verteilen. Jeweils neuen Watteträger verwenden. Kontakt zwischen Tube und Watteträger aufgrund des Kontaminationsrisikos vermeiden.
  • Zahnprothesen/Zahnschienen/Schlafapnoeschienen in Abhängigkeit der Nutzung 2-3x/ Tag nach normaler Reinigung des Produktes für ca. 15min in antiseptische Mundspüllösung einlegen.

Sanierung Haut und Haare

  • Administrationsdauer und -frequenz: 1-2 x täglich über 5 Tage
  • Sanierung unter der Dusche: Polyhexanid-Waschlotion pur auf angefeuchtete Haut und Haare auftragen. Einwirkzeit bis 2min. Bei Nutzung von Waschlappen möglichst Einmalwaschlappen nutzen, alternativ direkt im Anschluss Waschlappen in die Wäsche geben. Haare möglichst mit täglich zu wechselndem Einmalkamm kämmen. Alternativ Bürste täglich desinfizieren (s. Zahnprothese). Rasur mit täglich zu wechselndem Einmalrasierer und  Rasierschaum aus der Dose (keine Nutzung von Rasierpinsel oder Rasierseife). Abtrocknen immer mit frischen Handtüchern, sowie frische Kleidung anziehen.
  • Sanierung im Bett – Octenidin-haltiges Präparat auf die Haut und Haare auftragen. Einwirkzeit bis 2min. Nach der Einwirkzeit kann bei besonders hautempfindlichen Patient:innen mit Wasser nachgereinigt werden.

Sanierung von besiedelten Wunden und Kathetereintrittsstellen

  • Bei chronischen Wunden vor der Sanierung Wundmanagement einbeziehen (mögliche Wundantiseptika – Octenidin, Polyhexanid, silberbeschichtete Wundauflagen u.a.)
  • Kathetereintrittsstellen (ZVK, PEG; SPK) 1 x täglich mit alkoholischem Hautantiseptikum großzügig einsprühen – Einwirkzeit mind. 1-2 min., in Abhängigkeit des Präparates.
Allgemeines zur Dekolonisation
  • Bei Unverträglichkeitserscheinungen der Haut und Schleimhaut die Sanierung sofort unterbrechen. Die Abteilung Krankenhaushygiene informieren, um über das weitere Vorgehen zu entscheiden.
  • Regelmäßige Händedesinfektion durchführen.
  • Leibwäsche, Ober-/Unterbekleidung, Nachtwäsche, Bettwäsche, Handtücher, Waschlappen täglich wechseln und bei 60°C waschen.
  • Zuvor verwandte fraglich kontaminierte Gegenstände, wie z.B.: Lotionen, Deoroller, Lippenstifte, Seifenstücke entsorgen. Wenn Hautcreme genutzt werden muss, Nutzung eines neu angeschafften Spenders, der keine Kontamination von außen ermöglicht.
  • Persönliche Gegenstände wie Schmuck, Uhr, Haarschmuck desinfizieren und erst wieder nach Sanierung nutzen. Persönliche Gegenstände, die täglich gebraucht werden (z.B. Brille oder Hörgeräte) täglich z.B. mit Octenidin-haltiger Waschlotion vorsichtig abwischen.
  • Tagesprodukte wie Mobiltelephon, Fernbedienung, Türgriffe, Lichtschalter etc. täglich wischdesinfizieren
  • Nach Aufnahme von kolonisierten Patient:innen Information über Entsorgung, Desinfektion und Wäsche kontaminierter Gegenstände z.B. Schwämme und Spülbürsten täglich wechseln oder bei 60°C reinigen. Auch über feuchte Lebensmittel kann eine Übertragung nicht ausgeschlossen werden, daher Entsorgung von z.B. Marmeladen, Honig etc.
  • Ggf. Untersuchung enger Kontaktpersonen bzw. Familienmitglieder zur Vermeidung einer Rekolonisierung
Kontrolluntersuchung
  • Frühestens 48 Stunden nach Abschluss der Sanierungsmaßnahmen an 3 aufeinanderfolgenden Tagen, Abstriche wie vor Beginn der Dekolonisation und von allen vorher MRSA-positiven Stellen entnehmen (keinen PCR- Schnelltest verwenden!)
  • Sollte sich nach dem 3. Sanierungsversuch kein Eradikationserfolg einstellen (schwierig bei Patient:innen mit Tracheotomie und chronischen Wunden), Krankenhaushygiene informieren.
Abstrich Ergebnis
An drei aufeinander folgenden Tagen jeweils von allen vormals positiven Lokalisationen Wenn negativ, vorläufige Dekolonisation erreicht
Zweite und dritte Abstrichserie sollte möglichst innerhalb von 3 Monaten und die letzte spätestens nach 12 Monaten erfolgen Wenn negativ vollständige Dekolonisation erreicht
Strategien bei Therapieversagen
  • MRSA: Kombinierte topische und systemische Dekonolisationsmaßnahmen werden grundsätzlich nicht empfohlen, da hier aufgrund der potentiellen Nebenwirkungen die Risiko-Nutzenbewertung nicht im Sinne der Maßnahme ausfällt.
  • Bzgl. VRE und der Gram-negativen multiresistenten Erreger muss momentan von einer Dekolonisierung abgeraten werden, da diese in der Regel nicht erfolgreich ist und die Resistenzentwicklung durch die erneute Antibiotikaexposition nur noch weiter gefördert wird.