DGI:Endokarditis/Prophylaxe und Prävention: Difference between revisions

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==Prophylaxe/Prävention==
Die 2007 revidierten Richtlinien zur Beschränkung der antibiotischen Endokarditisprophylaxe auf Hochrisiko-Patienten und orodentale Eingriffe mit hohem Bakteriämie-Risiko haben weiterhin Bestand<sup>1</sup>.
Die 2007 revidierten Richtlinien zur Beschränkung der antibiotischen Endokarditisprophylaxe auf Hochrisiko-Patienten und orodentale Eingriffe mit hohem Bakteriämie-Risiko haben weiterhin Bestand<sup>1</sup>.


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Folgende Patientengruppen sollten eine EK Prophylaxe vor dem Eingriff (s. u.) erhalten:
Folgende Patientengruppen sollten eine EK Prophylaxe vor dem Eingriff (s. u.) erhalten:


* Patienten mit künstlichen / aus Fremdmaterial rekonstruierten Klappen, inkl. TAVI
*Patienten mit künstlichen / aus Fremdmaterial rekonstruierten Klappen, inkl. TAVI
* Patienten nach stattgehabter Endokarditis
*Patienten nach stattgehabter Endokarditis
* Patienten mit jeder Form von angeborenen, zyanotischen Herzfehlern
*Patienten mit jeder Form von angeborenen, zyanotischen Herzfehlern
* Patienten mit angeborenen Herzfehlern, welche operativ versorgt wurden  
*Patienten mit angeborenen Herzfehlern, welche operativ versorgt wurden


a) mit Fremdmaterial (erste 6 Monate post-Op) oder  
a) mit Fremdmaterial (erste 6 Monate post-Op) oder  
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b) bei weiterhin bestehendem Rest-Shunt oder Klappeninsuffizienz (lebenslang)  
b) bei weiterhin bestehendem Rest-Shunt oder Klappeninsuffizienz (lebenslang)  


* Patienten nach Herztransplantation mit Valvulopathie  
*Patienten nach Herztransplantation mit Valvulopathie




Indikationen zur Endokarditis Prophylaxe:
Indikationen zur Endokarditis Prophylaxe:


* Vor zahnärztlichen Eingriffen mit Verletzung von Zahnfleisch, Mundschleimhaut oder periapikale Region inklusive Wurzelkanalbehandlungen
*Vor zahnärztlichen Eingriffen mit Verletzung von Zahnfleisch, Mundschleimhaut oder periapikale Region inklusive Wurzelkanalbehandlungen
* Keine Endokarditis Prophylaxe u.a. bei:  
*Keine Endokarditis Prophylaxe u.a. bei:
* Lokale Anästhetikainjektion in nicht infizierte Bereiche
*Lokale Anästhetikainjektion in nicht infizierte Bereiche
* Oberflächliche Karies-Behandlung
*Oberflächliche Karies-Behandlung
* Anpassung prothetischer oder kieferorthopädischer Verankerungselemente bzw. Klammern
*Anpassung prothetischer oder kieferorthopädischer Verankerungselemente bzw. Klammern
* Nahtentfernung
*Nahtentfernung
* Traumata der Lippen und oralen Mukosa
*Traumata der Lippen und oralen Mukosa
* Physiologischer Milchzahnverlust
*Physiologischer Milchzahnverlust
* Diagnostische Bronchoskopie, Laryngoskopie, Gastroskopie, Koloskopie und Zystoskopie ohne Biopsieentnahme
*Diagnostische Bronchoskopie, Laryngoskopie, Gastroskopie, Koloskopie und Zystoskopie ohne Biopsieentnahme
* Transösophageale Echokardiographie
*Transösophageale Echokardiographie
* Endotracheale oder transnasale Intubation
*Endotracheale oder transnasale Intubation
* Vaginale Entbindung und Sectio cesarea
*Vaginale Entbindung und Sectio cesarea
   
   
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*Keine Piercings oder Tattos
*Keine Piercings oder Tattos


* Restriktiver Einsatz von peripheren und zentralen Venenzugängen, penible Katheterpflege<br />
*Restriktiver Einsatz von peripheren und zentralen Venenzugängen, penible Katheterpflege<br />


Interdisziplinäres Endokarditis Board:
Interdisziplinäres Endokarditis Board:


Alle Patienten mit nachgewiesener oder dem Verdacht auf eine infektiöse Endokarditis sollten in einem interdisziplinären Endokarditis-Board vorgestellt werden. Falls dieses im eigenen Haus nicht vorhanden ist, ist das nächst gelegene Referenzzentrum zu kontaktieren. Das Endokarditisboard setzt sich idealerweise aus Infektiologen, Kardiologen, Kardiochirurgen, Radiologen/Nuklearmedizinern und ggf. Mikrobiologen und Apothekern zusammen.
Alle Patienten mit nachgewiesener oder dem Verdacht auf eine infektiöse Endokarditis sollten in einem interdisziplinären Endokarditis-Board vorgestellt werden. Falls dieses im eigenen Haus nicht vorhanden ist, ist das nächst gelegene Referenzzentrum zu kontaktieren. Das Endokarditisboard setzt sich idealerweise aus Infektiologen, Kardiologen, Kardiochirurgen, Radiologen/Nuklearmedizinern und ggf. Mikrobiologen und Apothekern zusammen.

Revision as of 14:51, 31 January 2022

Die 2007 revidierten Richtlinien zur Beschränkung der antibiotischen Endokarditisprophylaxe auf Hochrisiko-Patienten und orodentale Eingriffe mit hohem Bakteriämie-Risiko haben weiterhin Bestand1.

Die Revision gründet auf einem veränderten pathophysiologischen Konzept zur Entstehung der Endokarditis (kumulative alltägliche Bakteriämien - z.B. im Rahmen der Zahnpflege sowie bei allg. schlechter Mundhygiene - entscheidender als sporadische Bakteriämien bei medizinischen Eingriffen) und dem ungünstigen Risiko/Kosten-Nutzen-Verhältnis der antibiotischen Prophylaxe.

Folgende Patientengruppen sollten eine EK Prophylaxe vor dem Eingriff (s. u.) erhalten:

  • Patienten mit künstlichen / aus Fremdmaterial rekonstruierten Klappen, inkl. TAVI
  • Patienten nach stattgehabter Endokarditis
  • Patienten mit jeder Form von angeborenen, zyanotischen Herzfehlern
  • Patienten mit angeborenen Herzfehlern, welche operativ versorgt wurden

a) mit Fremdmaterial (erste 6 Monate post-Op) oder

b) bei weiterhin bestehendem Rest-Shunt oder Klappeninsuffizienz (lebenslang)

  • Patienten nach Herztransplantation mit Valvulopathie


Indikationen zur Endokarditis Prophylaxe:

  • Vor zahnärztlichen Eingriffen mit Verletzung von Zahnfleisch, Mundschleimhaut oder periapikale Region inklusive Wurzelkanalbehandlungen
  • Keine Endokarditis Prophylaxe u.a. bei:
  • Lokale Anästhetikainjektion in nicht infizierte Bereiche
  • Oberflächliche Karies-Behandlung
  • Anpassung prothetischer oder kieferorthopädischer Verankerungselemente bzw. Klammern
  • Nahtentfernung
  • Traumata der Lippen und oralen Mukosa
  • Physiologischer Milchzahnverlust
  • Diagnostische Bronchoskopie, Laryngoskopie, Gastroskopie, Koloskopie und Zystoskopie ohne Biopsieentnahme
  • Transösophageale Echokardiographie
  • Endotracheale oder transnasale Intubation
  • Vaginale Entbindung und Sectio cesarea
Präparat Penicillinallergie
Amoxicillin 2g p.o. oder Ampicillin 2g i.v.30-60min vor Eingriff Clindamycin 600 mg p.o/ i.v.
Kinder: Amoxicillin 50mg/kg KG p.o. oder Ampicillin 50mg/kg KG i.v. Kinder: 20 mg/kg p.o. / i.v.

Allgemeine Vorsichtsmaßnahmen (diese gelten für alle, insbesondere aber für kardiale Risikogruppen):

  • Gute Zahnhygiene, regelmäßige zahnärztliche Kontrollen, 2x jährlich für Risikopatienten, ansonsten jährlich
  • Gute Haut- und Wundhygiene
  • Keine eigenständige Antibiotikamedikation
  • Keine Piercings oder Tattos
  • Restriktiver Einsatz von peripheren und zentralen Venenzugängen, penible Katheterpflege

Interdisziplinäres Endokarditis Board:

Alle Patienten mit nachgewiesener oder dem Verdacht auf eine infektiöse Endokarditis sollten in einem interdisziplinären Endokarditis-Board vorgestellt werden. Falls dieses im eigenen Haus nicht vorhanden ist, ist das nächst gelegene Referenzzentrum zu kontaktieren. Das Endokarditisboard setzt sich idealerweise aus Infektiologen, Kardiologen, Kardiochirurgen, Radiologen/Nuklearmedizinern und ggf. Mikrobiologen und Apothekern zusammen.