DGI:Geschlechtskrankheiten/Erreger: Difference between revisions

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'''Urethraler bzw. vaginaler Ausfluss'''
'''Urethraler bzw. vaginaler Ausfluss'''


Zu den wichtigsten Erregern einer Urethritis beziehungsweise Zervizitis gehören neben Chlamydia trachomatis, Neisseria gonorrhoea, Mykoplasma genitalium auch Trichomonas vaginalis und das Herpes-simplex-Virus [7<ref name=":0">Wagenlehner, F.M.E., et al., Klinik, Diagnostik und Therapie sexuell übertragbarer Infektionen. Dtsch Arztebl Int 2016; 113:11-22.</ref>].
Zu den wichtigsten Erregern einer Urethritis beziehungsweise Zervizitis gehören neben Chlamydia trachomatis, Neisseria gonorrhoea, Mykoplasma genitalium auch Trichomonas vaginalis und das Herpes-simplex-Virus <ref name=":0">Wagenlehner, F.M.E., et al., Klinik, Diagnostik und Therapie sexuell übertragbarer Infektionen. Dtsch Arztebl Int 2016; 113:11-22.</ref>.


Chlamydia trachomatis ist weltweit einer der häufigsten Erreger sexuell übertragbarer Infektionen. Das obligat intrazellulär lebende gramnegative Bakterium verursacht je nach Serotyp unterschiedliche Erkrankungen: die Serotypen D-K verursachen urogenitale Infektionen, im Sinne einer Zervizitis oder Urethritis, L1-L3 sind für das Lymphogranuloma venereum verantwortlich. Die Infektionen verlaufen bei 80% der Frauen und 50% der Männer asymptomatisch und bleiben häufig unerkannt. Koinfektionen mit Gonokokken treten bei 15% der infizierten Männer auf [7<ref name=":0" />,8<ref>059/005 S2k-Leitlinie: Infektionen mit Chlamydia trachomatis, Stand 08/2016.</ref>].  
Chlamydia trachomatis ist weltweit einer der häufigsten Erreger sexuell übertragbarer Infektionen. Das obligat intrazellulär lebende gramnegative Bakterium verursacht je nach Serotyp unterschiedliche Erkrankungen: die Serotypen D-K verursachen urogenitale Infektionen, im Sinne einer Zervizitis oder Urethritis, L1-L3 sind für das Lymphogranuloma venereum verantwortlich. Die Infektionen verlaufen bei 80% der Frauen und 50% der Männer asymptomatisch und bleiben häufig unerkannt. Koinfektionen mit Gonokokken treten bei 15% der infizierten Männer auf <ref name=":0" /> <ref>059/005 S2k-Leitlinie: Infektionen mit Chlamydia trachomatis, Stand 08/2016.</ref>.  


Neisseria gonorrhoeae ist der Erreger der Gonorrhoe („Tripper“), für dessen Übertragung ein direkter Schleimhautkontakt (Geschlechtsverkehr, Geburt) erforderlich ist. Die gramnegativen Diplokokken replizieren bevorzugt in den Epithelien von Urethra, Zervix, Rektum, Pharynx und Konjunktiven und rufen eitrige Schleimhautinfektion hervor.
Neisseria gonorrhoeae ist der Erreger der Gonorrhoe („Tripper“), für dessen Übertragung ein direkter Schleimhautkontakt (Geschlechtsverkehr, Geburt) erforderlich ist. Die gramnegativen Diplokokken replizieren bevorzugt in den Epithelien von Urethra, Zervix, Rektum, Pharynx und Konjunktiven und rufen eitrige Schleimhautinfektion hervor.


Mykoplasma genitalium ist ein häufiger fakultativ pathogener Erreger nichtgonorrhoischer Urethritiden beim Mann und Proktitiden bei MSM sowie seltener von Zervizitiden bei der Frau. Die langsam wachsenden, zellwandlosen Bakterien gehören zur Klasse der Mollicutes, zu denen auch Mykoplasma hominis, Ureaplasma urealyticum und Ureaplasma parvum gezählt werden. Die Letzteren sind häufige Besiedler der Schleimhäute und spielen im Kontext sexuell übertragbarer Erkrankungen eine untergeordnete Rolle; auch bei mikrobiologischem Nachweis sollten beschwerdefreie Patienten keine antibiotische Therapie erhalten [9<ref>Horner, P.J., et al., Mycoplasma genitalium Infection in Men. <span style="font-size:11.0pt;line-height:107%;font-family:&quot;Arial&quot;,sans-serif;
Mykoplasma genitalium ist ein häufiger fakultativ pathogener Erreger nichtgonorrhoischer Urethritiden beim Mann und Proktitiden bei MSM sowie seltener von Zervizitiden bei der Frau. Die langsam wachsenden, zellwandlosen Bakterien gehören zur Klasse der Mollicutes, zu denen auch Mykoplasma hominis, Ureaplasma urealyticum und Ureaplasma parvum gezählt werden. Die Letzteren sind häufige Besiedler der Schleimhäute und spielen im Kontext sexuell übertragbarer Erkrankungen eine untergeordnete Rolle; auch bei mikrobiologischem Nachweis sollten beschwerdefreie Patienten keine antibiotische Therapie erhalten <ref>Horner, P.J., et al., Mycoplasma genitalium Infection in Men. <span style="font-size:11.0pt;line-height:107%;font-family:&quot;Arial&quot;,sans-serif;
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Eine Infektion mit Trichomonas vaginalis ist in der Regel asymptomatisch und kann über Jahre persistieren. Bei Frauen kommt es zu gelb-grünem vaginalen Ausfluss, während Männer sehr selten über Symptome einer Urethritis, gelegentlich auch Epididymitis oder Prostatitis klagen.
Eine Infektion mit Trichomonas vaginalis ist in der Regel asymptomatisch und kann über Jahre persistieren. Bei Frauen kommt es zu gelb-grünem vaginalen Ausfluss, während Männer sehr selten über Symptome einer Urethritis, gelegentlich auch Epididymitis oder Prostatitis klagen.
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'''Ulzerierende Läsionen'''
'''Ulzerierende Läsionen'''


Die lebenslang persistierenden Herpes simplex-Viren (HSV) gehören zu den häufigsten Erregern von Ulzerationen im Genital- bzw. des Analbereich. HSV-2 ist in 80% der Fälle Verursacher der in der Regel schmerzhaften Läsionen, wobei es gehäuft bei Frauen, MSM und Menschen mit Immunsuppression auftritt. In den letzten Jahren kam speziell bei jungen Menschen aufgrund der abnehmenden Prävalenz schützender Antikörper zu einer steigenden Zahl genitaler Infektionen mit HSV-1 [12<ref>Solomon, C.G., et al., Genital Herpes. N Engl J Med, 2016. 375;(7): p.666-74.</ref>].  
Die lebenslang persistierenden Herpes simplex-Viren (HSV) gehören zu den häufigsten Erregern von Ulzerationen im Genital- bzw. des Analbereich. HSV-2 ist in 80% der Fälle Verursacher der in der Regel schmerzhaften Läsionen, wobei es gehäuft bei Frauen, MSM und Menschen mit Immunsuppression auftritt. In den letzten Jahren kam speziell bei jungen Menschen aufgrund der abnehmenden Prävalenz schützender Antikörper zu einer steigenden Zahl genitaler Infektionen mit HSV-1<ref>Solomon, C.G., et al., Genital Herpes. N Engl J Med, 2016. 375;(7): p.666-74.</ref>.  


Treponema pallidum ist der Erreger der venerischen Syphilis. Das gramnegative Bakterium aus der Familie der Spirochaetacea ist für den Menschen obligat pathogen. Die Übertragung erfolgt am häufigsten über sexuelle Kontakte; praktisch bedeutsam ist noch die diaplazentare Übertragung von der infizierten Mutter auf das ungeborene Kind.  
Treponema pallidum ist der Erreger der venerischen Syphilis. Das gramnegative Bakterium aus der Familie der Spirochaetacea ist für den Menschen obligat pathogen. Die Übertragung erfolgt am häufigsten über sexuelle Kontakte; praktisch bedeutsam ist noch die diaplazentare Übertragung von der infizierten Mutter auf das ungeborene Kind.  

Revision as of 14:39, 14 June 2021

Erreger

Tabelle 3: Häufige STI-Erreger und Ihre klinischen Manifestationen auf einen Blick

Ulzerationen im Genital- u. Analbereich
  • Herpes simplex Typ 1 und 2
  • Treponema pallidum
  • Chlamydia trachomatis L1-3


Urethraler oder. vaginaler Ausfluss,

Zervizitis

  • Chlamydia trachomatis D-K
  • Neisseria gonorrhoea
  • Mycoplasma genitalium
  • Trichomonas vaginalis
  • Gardnerella vaginalis
  • Herpes simplex Typ 1 und 2
Prostatitis, Epididymitis
  • Chlamydia trachomatis D-K
  • Neisseria gonorrhoea
  • Trichomonas vaginalis
Proktitis
  • Chlamydia trachomatis L1-3
  • Neisseria gonorrhoea
  • Mykolasma genitalium


Urethraler bzw. vaginaler Ausfluss

Zu den wichtigsten Erregern einer Urethritis beziehungsweise Zervizitis gehören neben Chlamydia trachomatis, Neisseria gonorrhoea, Mykoplasma genitalium auch Trichomonas vaginalis und das Herpes-simplex-Virus [1].

Chlamydia trachomatis ist weltweit einer der häufigsten Erreger sexuell übertragbarer Infektionen. Das obligat intrazellulär lebende gramnegative Bakterium verursacht je nach Serotyp unterschiedliche Erkrankungen: die Serotypen D-K verursachen urogenitale Infektionen, im Sinne einer Zervizitis oder Urethritis, L1-L3 sind für das Lymphogranuloma venereum verantwortlich. Die Infektionen verlaufen bei 80% der Frauen und 50% der Männer asymptomatisch und bleiben häufig unerkannt. Koinfektionen mit Gonokokken treten bei 15% der infizierten Männer auf [1] [2].

Neisseria gonorrhoeae ist der Erreger der Gonorrhoe („Tripper“), für dessen Übertragung ein direkter Schleimhautkontakt (Geschlechtsverkehr, Geburt) erforderlich ist. Die gramnegativen Diplokokken replizieren bevorzugt in den Epithelien von Urethra, Zervix, Rektum, Pharynx und Konjunktiven und rufen eitrige Schleimhautinfektion hervor.

Mykoplasma genitalium ist ein häufiger fakultativ pathogener Erreger nichtgonorrhoischer Urethritiden beim Mann und Proktitiden bei MSM sowie seltener von Zervizitiden bei der Frau. Die langsam wachsenden, zellwandlosen Bakterien gehören zur Klasse der Mollicutes, zu denen auch Mykoplasma hominis, Ureaplasma urealyticum und Ureaplasma parvum gezählt werden. Die Letzteren sind häufige Besiedler der Schleimhäute und spielen im Kontext sexuell übertragbarer Erkrankungen eine untergeordnete Rolle; auch bei mikrobiologischem Nachweis sollten beschwerdefreie Patienten keine antibiotische Therapie erhalten [3] [4] [5].

Eine Infektion mit Trichomonas vaginalis ist in der Regel asymptomatisch und kann über Jahre persistieren. Bei Frauen kommt es zu gelb-grünem vaginalen Ausfluss, während Männer sehr selten über Symptome einer Urethritis, gelegentlich auch Epididymitis oder Prostatitis klagen.


Ulzerierende Läsionen

Die lebenslang persistierenden Herpes simplex-Viren (HSV) gehören zu den häufigsten Erregern von Ulzerationen im Genital- bzw. des Analbereich. HSV-2 ist in 80% der Fälle Verursacher der in der Regel schmerzhaften Läsionen, wobei es gehäuft bei Frauen, MSM und Menschen mit Immunsuppression auftritt. In den letzten Jahren kam speziell bei jungen Menschen aufgrund der abnehmenden Prävalenz schützender Antikörper zu einer steigenden Zahl genitaler Infektionen mit HSV-1[6].

Treponema pallidum ist der Erreger der venerischen Syphilis. Das gramnegative Bakterium aus der Familie der Spirochaetacea ist für den Menschen obligat pathogen. Die Übertragung erfolgt am häufigsten über sexuelle Kontakte; praktisch bedeutsam ist noch die diaplazentare Übertragung von der infizierten Mutter auf das ungeborene Kind.

Das durch Serotypen L1-L3 von Chlamydia trachomatis verursachte Lymphogranuloma venereum (Durand-Nicolas-Favre-Krankheit) ist durch oberflächliche Geschwüre am Infektionsort sowie schwere Proktitiden gekennzeichnet.

  1. 1.0 1.1 Wagenlehner, F.M.E., et al., Klinik, Diagnostik und Therapie sexuell übertragbarer Infektionen. Dtsch Arztebl Int 2016; 113:11-22.
  2. 059/005 S2k-Leitlinie: Infektionen mit Chlamydia trachomatis, Stand 08/2016.
  3. Horner, P.J., et al., Mycoplasma genitalium Infection in Men. JID, 2017. 216 (Suppl 2): p. 396-405
  4. Jensen, J.S., et al., European guideline on Mycoplasma genitalium infections. Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology. 2016;30: p1650-56.
  5. Rasokat, H., et al., Mykoplasmen - testen und therapieren? HIV & more, Ausgabe 1/2019.
  6. Solomon, C.G., et al., Genital Herpes. N Engl J Med, 2016. 375;(7): p.666-74.