DGI:Harnwegsinfektionen/Erreger: Difference between revisions

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In den folgenden Auflistungen sind Erreger entsprechend der Publikation in Leitlinien und mikrobiologischen Qualitätsstandards zusammengestellt (1; 6). Da Harnwegsinfektionen in erster Linie empirisch behandelt werden, lohnt es sich, das  lokale Erregerspektrum, sowie die lokale Resistenzsituation zu kennen. Hilfreich hierzu ist die entsprechende aktuelle Statistik des betreuenden mikrobiologischen Labors.  
In den folgenden Auflistungen sind Erreger entsprechend der Publikation in Leitlinien und mikrobiologischen Qualitätsstandards zusammengestellt (1; 6). Da Harnwegsinfektionen in erster Linie empirisch behandelt werden, lohnt es sich, das  lokale Erregerspektrum, sowie die lokale Resistenzsituation zu kennen. Hilfreich hierzu ist die entsprechende aktuelle Statistik des betreuenden mikrobiologischen Labors.


Häufige und typische uropathogene Erreger:  
Häufige und typische uropathogene Erreger:  


* - Escherichia coli  
*''Escherichia coli''
* - Weitere gram-negative Stäbchen wie:  
*Weitere gram-negative Stäbchen wie:  
** o Proteus spp.
**''Proteus spp.''
** o Klebsiella spp.  
**''Klebsiella spp.''
** o Enterobacter spp.  
**''Enterobacter spp.''
** o Morganella spp.  
**''Morganella spp.''
** o Citrobacter spp.  
**''Citrobacter spp.''
** o Providencia spp.
**''Providencia spp.''
** o Pseudomonas aeruginosa
**''Pseudomonas aeruginosa''
* - Staphylococcus saprophyticus
*''Staphylococcus saprophyticus''
* -ß-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A und B  
*ß-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A und B  
** o Streptococcus pyogenenes
**''Streptococcus pyogenenes''
** o Streptococcus agalactiae
**''Streptococcus agalactiae''


Escherichia coli ist bei unkomplizierten Harnwegsinfektionen mit mehr als 70% der bei weitem häufigste Erreger.
Escherichia coli ist bei unkomplizierten Harnwegsinfektionen mit mehr als 70% der bei weitem häufigste Erreger.


Weitere Erregernachweise im Urin, bei denen einer besonderen Bewertung vorgenommen werden sollte:  
Weitere Erregernachweise im Urin, bei denen einer besonderen Bewertung vorgenommen werden sollte:  


- Staphylococcus aureus
* ''Staphylococcus aureus''
* ''Enterokokken''
* Hefen (''Candida spp.'')
* ''Aerococcus urinae'' bzw. ''sanguinicola''
* ''Actinotignum schaalii''
* ''Corynebacterium urealyticum''
* ''Mycoplasma / Ureaplasma spp.''
* ''Neisseiria spp.''
* ''Mykobakterien''


- Enterokokken
- Hefen (Candida spp.)
- Aerococcus urinae bzw. sanguinicola
- Actinotignum schaalii
- Corynebacterium urealyticum
- Mycoplasma / Ureaplasma spp.
- Neisseiria spp.
- Mykobakterien


Die Entscheidung, ob bei Nachweis dieser Erreger für eine Harnwegsinfektion ursächlich ist, ist bei jedem Patienten individuell zu treffen. In solchen Fällen kann eine infektiologische oder mikrobiologische Rücksprache sinnvoll sein.
Die Entscheidung, ob bei Nachweis dieser Erreger für eine Harnwegsinfektion ursächlich ist, ist bei jedem Patienten individuell zu treffen. In solchen Fällen kann eine infektiologische oder mikrobiologische Rücksprache sinnvoll sein.


Enterokokken und -hämolyserende Streptokokken spielen bei nicht schwangeren Frauen als Erreger einer unkomplizierten Zystitis in der Regel keine Rolle, können jedoch u.a. bei einer komplizierten Zystitis Ursache einer Infektion sein.  
''Enterokokken'' und ß-hämolyserende Streptokokken spielen bei nicht schwangeren Frauen als Erreger einer unkomplizierten Zystitis in der Regel keine Rolle, können jedoch u.a. bei einer komplizierten Zystitis Ursache einer Infektion sein.  


Der Nachweis von Candida ist meist Zeichen einer Kontamination aufgrund einer vaginalen Besiedlung oder Folge einer antibiotischen Vortherapie, und in der Regel nicht systemisch behandlungsbedürftig.  
Der Nachweis von ''Candida'' ist meist Zeichen einer Kontamination aufgrund einer vaginalen Besiedlung oder Folge einer antibiotischen Vortherapie, und in der Regel nicht systemisch behandlungsbedürftig.  


S. aureus siedelt sich häufig sekundär im Rahmen von systemischen Infektionen ab. Bei Nachweis im Urin sollte einem Verdacht auf eine systemische Infektion immer nachgegangen werden, im Vordergrund stehen die Blutkulturdiagnostik und Fokussuche.
''S. aureus'' siedelt sich häufig sekundär im Rahmen von systemischen Infektionen ab. Bei Nachweis im Urin sollte einem Verdacht auf eine systemische Infektion immer nachgegangen werden, im Vordergrund stehen die Blutkulturdiagnostik und Fokussuche.


Bei Nachweis von Neisserien, Mycoplasmen oder Ureaplasmen ist an sexuell übertragbare Infektionen zu denken. Bitte in diesem Fall im entsprechenden Kapitel in infektiopedia weiterlesen.
Bei Nachweis von Neisserien, Mycoplasmen oder Ureaplasmen ist an sexuell übertragbare Infektionen zu denken. Bitte in diesem Fall im entsprechenden Kapitel in infektiopedia weiterlesen.


Erfolgt der Nachweis von uropathogenen Erregern ohne begleitende klinische Symptomatik, spricht man von einer asymptomatischen Bakteriurie. Ausführliche Informationen hierzu finden sich im Abschnitt: Die besondere klinische Situation: die asymptomatische Bakteriurie
Erfolgt der Nachweis von uropathogenen Erregern ohne begleitende klinische Symptomatik, spricht man von einer asymptomatischen Bakteriurie. Ausführliche Informationen hierzu finden sich im Abschnitt: Die besondere klinische Situation: die asymptomatische Bakteriurie


Urogenitale Schleimhautflora, in der Regel KEIN Auslöser von unkomplizierten Harnwegsinfektionen:
Urogenitale Schleimhautflora, in der Regel KEIN Auslöser von unkomplizierten Harnwegsinfektionen:


- Koagulase-negative Staphylokokken (S. epidermidis, S. haemolyticus etc.)  
* Koagulase-negative Staphylokokken (''S. epidermidis, S. haemolyticus'' etc.)  
 
** Ausnahme: ''S. saprophyticus''
o Ausnahme: S. saprophyticus
* Vergrünende und nicht-hämolysierende Streptokokken
 
* Enterokokken
- Vergrünende und nicht-hämolysierende Streptokokken
* Corynebakterien
 
* anaerob wachsende Kokken (z.B. ''Veillonella spp'', Peptostreptokokken)
- Enterokokken
* ''Cutibacterium acnes''
 
* ''Lactobacillus. spp.''
- Corynebakterien
* ''Haemophilus spp.''
 
- anaerob wachsende Kokken (z.B. Veillonella spp, Peptostreptokokken)
 
- Cutibacterium acnes
 
- Lactobacillus. spp.  
 
- Haemophilus spp.  


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Revision as of 07:58, 9 August 2022

In den folgenden Auflistungen sind Erreger entsprechend der Publikation in Leitlinien und mikrobiologischen Qualitätsstandards zusammengestellt (1; 6). Da Harnwegsinfektionen in erster Linie empirisch behandelt werden, lohnt es sich, das lokale Erregerspektrum, sowie die lokale Resistenzsituation zu kennen. Hilfreich hierzu ist die entsprechende aktuelle Statistik des betreuenden mikrobiologischen Labors.

Häufige und typische uropathogene Erreger:

  • Escherichia coli
  • Weitere gram-negative Stäbchen wie:
    • Proteus spp.
    • Klebsiella spp.
    • Enterobacter spp.
    • Morganella spp.
    • Citrobacter spp.
    • Providencia spp.
    • Pseudomonas aeruginosa
  • Staphylococcus saprophyticus
  • ß-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A und B
    • Streptococcus pyogenenes
    • Streptococcus agalactiae

Escherichia coli ist bei unkomplizierten Harnwegsinfektionen mit mehr als 70% der bei weitem häufigste Erreger.


Weitere Erregernachweise im Urin, bei denen einer besonderen Bewertung vorgenommen werden sollte:

  • Staphylococcus aureus
  • Enterokokken
  • Hefen (Candida spp.)
  • Aerococcus urinae bzw. sanguinicola
  • Actinotignum schaalii
  • Corynebacterium urealyticum
  • Mycoplasma / Ureaplasma spp.
  • Neisseiria spp.
  • Mykobakterien


Die Entscheidung, ob bei Nachweis dieser Erreger für eine Harnwegsinfektion ursächlich ist, ist bei jedem Patienten individuell zu treffen. In solchen Fällen kann eine infektiologische oder mikrobiologische Rücksprache sinnvoll sein.

Enterokokken und ß-hämolyserende Streptokokken spielen bei nicht schwangeren Frauen als Erreger einer unkomplizierten Zystitis in der Regel keine Rolle, können jedoch u.a. bei einer komplizierten Zystitis Ursache einer Infektion sein.

Der Nachweis von Candida ist meist Zeichen einer Kontamination aufgrund einer vaginalen Besiedlung oder Folge einer antibiotischen Vortherapie, und in der Regel nicht systemisch behandlungsbedürftig.

S. aureus siedelt sich häufig sekundär im Rahmen von systemischen Infektionen ab. Bei Nachweis im Urin sollte einem Verdacht auf eine systemische Infektion immer nachgegangen werden, im Vordergrund stehen die Blutkulturdiagnostik und Fokussuche.

Bei Nachweis von Neisserien, Mycoplasmen oder Ureaplasmen ist an sexuell übertragbare Infektionen zu denken. Bitte in diesem Fall im entsprechenden Kapitel in infektiopedia weiterlesen.

Erfolgt der Nachweis von uropathogenen Erregern ohne begleitende klinische Symptomatik, spricht man von einer asymptomatischen Bakteriurie. Ausführliche Informationen hierzu finden sich im Abschnitt: Die besondere klinische Situation: die asymptomatische Bakteriurie


Urogenitale Schleimhautflora, in der Regel KEIN Auslöser von unkomplizierten Harnwegsinfektionen:

  • Koagulase-negative Staphylokokken (S. epidermidis, S. haemolyticus etc.)
    • Ausnahme: S. saprophyticus
  • Vergrünende und nicht-hämolysierende Streptokokken
  • Enterokokken
  • Corynebakterien
  • anaerob wachsende Kokken (z.B. Veillonella spp, Peptostreptokokken)
  • Cutibacterium acnes
  • Lactobacillus. spp.
  • Haemophilus spp.