DGI:Harnwegsinfektionen/Erreger: Difference between revisions
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''Enterokokken'' und ß-hämolyserende Streptokokken spielen bei nicht schwangeren Frauen als Erreger einer unkomplizierten Zystitis in der Regel keine Rolle, können jedoch u.a. bei einer komplizierten Zystitis Ursache einer Infektion sein. | ''Enterokokken'' und ß-hämolyserende Streptokokken spielen bei nicht schwangeren Frauen als Erreger einer unkomplizierten Zystitis in der Regel keine Rolle, können jedoch u.a. bei einer komplizierten Zystitis Ursache einer Infektion sein. | ||
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Erfolgt der Nachweis von uropathogenen Erregern ohne begleitende klinische Symptomatik, spricht man von einer asymptomatischen Bakteriurie. Ausführliche Informationen hierzu finden sich im Abschnitt: [[Harnwegsinfektionen#Erregerspezifische Therapie|Die besondere klinische Situation: Die asymptomatische Bakteriurie]]. | Erfolgt der Nachweis von uropathogenen Erregern ohne begleitende klinische Symptomatik, spricht man von einer asymptomatischen Bakteriurie. Ausführliche Informationen hierzu finden sich im Abschnitt: [[Harnwegsinfektionen#Erregerspezifische Therapie|Die besondere klinische Situation: Die asymptomatische Bakteriurie]]. | ||
Grundsätzlich werden Erreger (semi)quantitativ angegeben. Durch standardisierte diagnostische Verfahren der Bakterienkultivierung kann eine Erregeranzahl pro Milliliter Urin abgeschätzt werden. Dabei erfolgt die Bewertung in der Angabe KBE / ml (KBE= koloniebildende Einheiten). | |||
Die Interpretation der mikrobiologischen Befunde sollte stets im Zusammenhang mit der klinischen Symptomatik erfolgen. Auch der Nachweis einer hohen Keimzahl, kann lediglich Ausdruck einer asymptomatischen Bakterurie sein. | |||
Urogenitale Schleimhautflora ist in der Regel KEIN Auslöser von unkomplizierten Harnwegsinfektionen: | Urogenitale Schleimhautflora ist in der Regel KEIN Auslöser von unkomplizierten Harnwegsinfektionen: | ||
Bei Werten von ≥ 103 KBE/ml und passender Klinik ist eine Harnwegsinfektion nur bei typischen uropathogenen Erregern wahrscheinlich. | |||
Bei besonderen klinischen Konstellationen (z. B. Blasenpunktionsurin, | |||
Nierenbeckenpunktion) sollten auch niedrigere Erregerzahlen von ≥ 102 KBE/ml berücksichtigt werden. | |||
Bei Nachweis von Schleimhautflora bzw. nicht-uropathogenen Erregern ist unabhängig der Höhe der Erregerkonzentrationnicht von einer Harnwegsinfektionen auszugehen. | |||
Folgende Erreger gehören der urogenitalen Schleimhautflora an: | |||
*Koagulase-negative Staphylokokken (''S. epidermidis, S. haemolyticus'' etc.) | *Koagulase-negative Staphylokokken (''S. epidermidis, S. haemolyticus'' etc.) | ||
**Ausnahme: ''S. saprophyticus'' | **Ausnahme: ''S. saprophyticus'' | ||
Latest revision as of 18:50, 27 November 2025
In den folgenden Auflistungen sind Erreger entsprechend der Publikation in Leitlinien und mikrobiologischen Qualitätsstandards zusammengestellt [1][2]. Da Harnwegsinfektionen in erster Linie empirisch behandelt werden, lohnt es sich, das lokale Erregerspektrum, sowie die lokale Resistenzsituation zu kennen. Hilfreich hierzu ist die entsprechende aktuelle Statistik des betreuenden mikrobiologischen Labors.
Häufige und typische uropathogene Erreger:
- Escherichia coli
- Weitere gram-negative Stäbchen wie:
- Proteus spp.
- Klebsiella spp.
- Enterobacter spp.
- Morganella spp.
- Citrobacter spp.
- Providencia spp.
- Pseudomonas aeruginosa
- Staphylococcus saprophyticus
- ß-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A und B
- Streptococcus pyogenenes
- Streptococcus agalactiae
Escherichia coli ist bei unkomplizierten Harnwegsinfektionen mit mehr als 70% der bei weitem häufigste Erreger.
Weitere Erregernachweise im Urin, bei denen eine besondere Bewertung vorgenommen werden sollte:
- Staphylococcus aureus
- Enterokokken
- Hefen (Candida spp.)
- Aerococcus urinae bzw. sanguinicola
- Actinotignum schaalii
- Corynebacterium urealyticum
- Mycoplasma / Ureaplasma spp.
- Neisseiria spp.
- Mykobakterien
Die Entscheidung, ob der Nachweis dieser Erreger für eine Harnwegsinfektion ursächlich ist, ist bei allen Patient:innen individuell zu treffen. In solchen Fällen kann eine infektiologische oder mikrobiologische Rücksprache sinnvoll sein.
Enterokokken und ß-hämolyserende Streptokokken spielen bei nicht schwangeren Frauen als Erreger einer unkomplizierten Zystitis in der Regel keine Rolle, können jedoch u.a. bei einer komplizierten Zystitis Ursache einer Infektion sein.
Der Nachweis von Candida ist meist Zeichen einer Kontamination aufgrund einer vaginalen Besiedlung oder Folge einer antibiotischen Vortherapie, und in der Regel nicht systemisch behandlungsbedürftig.
S. aureus siedelt sich häufig sekundär im Rahmen von systemischen Infektionen ab. Bei Nachweis im Urin sollte einem Verdacht auf eine systemische Infektion immer nachgegangen werden, im Vordergrund stehen die Blutkulturdiagnostik und Fokussuche.
Bei Nachweis von Neisserien, Mycoplasmen oder Ureaplasmen ist an sexuell übertragbare Infektionen zu denken. Bitte in diesem Fall im entsprechenden Kapitel in infektiopedia weiterlesen.
Erfolgt der Nachweis von uropathogenen Erregern ohne begleitende klinische Symptomatik, spricht man von einer asymptomatischen Bakteriurie. Ausführliche Informationen hierzu finden sich im Abschnitt: Die besondere klinische Situation: Die asymptomatische Bakteriurie.
Grundsätzlich werden Erreger (semi)quantitativ angegeben. Durch standardisierte diagnostische Verfahren der Bakterienkultivierung kann eine Erregeranzahl pro Milliliter Urin abgeschätzt werden. Dabei erfolgt die Bewertung in der Angabe KBE / ml (KBE= koloniebildende Einheiten).
Die Interpretation der mikrobiologischen Befunde sollte stets im Zusammenhang mit der klinischen Symptomatik erfolgen. Auch der Nachweis einer hohen Keimzahl, kann lediglich Ausdruck einer asymptomatischen Bakterurie sein. Urogenitale Schleimhautflora ist in der Regel KEIN Auslöser von unkomplizierten Harnwegsinfektionen:
Bei Werten von ≥ 103 KBE/ml und passender Klinik ist eine Harnwegsinfektion nur bei typischen uropathogenen Erregern wahrscheinlich.
Bei besonderen klinischen Konstellationen (z. B. Blasenpunktionsurin,
Nierenbeckenpunktion) sollten auch niedrigere Erregerzahlen von ≥ 102 KBE/ml berücksichtigt werden.
Bei Nachweis von Schleimhautflora bzw. nicht-uropathogenen Erregern ist unabhängig der Höhe der Erregerkonzentrationnicht von einer Harnwegsinfektionen auszugehen.
Folgende Erreger gehören der urogenitalen Schleimhautflora an:
- Koagulase-negative Staphylokokken (S. epidermidis, S. haemolyticus etc.)
- Ausnahme: S. saprophyticus
- Vergrünende und nicht-hämolysierende Streptokokken
- Enterokokken
- Corynebakterien
- Anaerob wachsende Kokken (z.B. Veillonella spp, Peptostreptokokken)
- Cutibacterium acnes
- Lactobacillus. spp.
- Haemophilus spp.
- ↑ Leitlinienprogramm DGU: Interdisziplinäre S3 Leitlinie: Epidemiologie, Diagnostik, Therapie, Prävention und Management unkomplizierter, bakterieller, ambulant erworbener Harnwegsinfektionen bei erwachsenen Patienten. Langversion 1.1-2, 2017 AWMF Registernummer: 043/044. URL: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/043-044l_S3_Harnwegsinfektionen_2017-05.pdf
- ↑ MIQ 02: Harnwegsinfektionen. Schubert, S. Herausgeber: DGHM, Podbieski, A., Schubert, S. 3. Auflage. Erschienen 10/2020.