DGI:Blutstrominfektion/Diagnostik: Difference between revisions

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* Beim kritisch kranken Patienten sollte nach Möglichkeit mindestens ein Blutkulturpaar vor Beginn der antibiotischen Therapie gewonnen werden, ohne dass jedoch wegen der Diagnostik der Beginn der Antibiotika-Therapie verzögert werden darf.
* Beim kritisch kranken Patienten sollte nach Möglichkeit mindestens ein Blutkulturpaar vor Beginn der antibiotischen Therapie gewonnen werden, ohne dass jedoch wegen der Diagnostik der Beginn der Antibiotika-Therapie verzögert werden darf.
* Es sollten immer Blutkulturpaare bestehend aus aerober und anaerober Flasche entnommen werden.
* Es sollten immer Blutkulturpaare bestehend aus aerober und anaerober Flasche entnommen werden.
* Es besteht ein Unterschied zwischen einer kontinuierlichen und einer intermittierenden Bakteriämie. Eine kontinuierliche Bakteriämie liegt z.B. zumeist bei einer Endokarditis vor, dort kann die Blutkulturdiagnostik dann auch erfolgen, wenn der Patient aktuell kein Fieber hat („Do not wait for fever“). Bei intermittierenden Bakteriämien sollte die Blutkulturdiagnostik v.a. im Fieberanstieg und fieberhaften Phasen gewonnen werden.
* Es besteht ein Unterschied zwischen einer kontinuierlichen und einer intermittierenden Bakteriämie. Eine kontinuierliche Bakteriämie liegt z.B. zumeist bei einer Endokarditis vor, dort kann die Blutkulturdiagnostik dann auch erfolgen, wenn der/die Patient:in aktuell kein Fieber hat („Do not wait for fever“). Bei intermittierenden Bakteriämien sollte die Blutkulturdiagnostik v.a. im Fieberanstieg und fieberhaften Phasen gewonnen werden.
* Vorgehen: Wichtigkeit der Hautdesinfekton vor Venenpunktion, Einwirkzeit des Desinfektionsmittels beachten
* Vorgehen: Wichtigkeit der Hautdesinfekton vor Venenpunktion, Einwirkzeit des Desinfektionsmittels beachten
* Venenpunktion: Entnahme von 20 ml Blut, jeweils die Hälfte in die aerobe und anaerobe Flasche geben
* Venenpunktion: Entnahme von 20 ml Blut, jeweils die Hälfte in die aerobe und anaerobe Flasche geben

Revision as of 09:19, 15 June 2021

Diagnostik

1. Mikrobiologische Diagnostik von Blutstrominfektionen

Wie sollen Blutkultur-Proben abgenommen werden (beim erwachsenen Patienten)?

  • Bei klinischem Verdacht auf eine Blutstrominfektion sollten 2-4 Blutkulturpaare durch jeweils individuelle Venenpunktionen abgenommen werden, um die Sensitivität der Untersuchung zu erhöhen („Eine ist keine.“)
  • Beim kritisch kranken Patienten sollte nach Möglichkeit mindestens ein Blutkulturpaar vor Beginn der antibiotischen Therapie gewonnen werden, ohne dass jedoch wegen der Diagnostik der Beginn der Antibiotika-Therapie verzögert werden darf.
  • Es sollten immer Blutkulturpaare bestehend aus aerober und anaerober Flasche entnommen werden.
  • Es besteht ein Unterschied zwischen einer kontinuierlichen und einer intermittierenden Bakteriämie. Eine kontinuierliche Bakteriämie liegt z.B. zumeist bei einer Endokarditis vor, dort kann die Blutkulturdiagnostik dann auch erfolgen, wenn der/die Patient:in aktuell kein Fieber hat („Do not wait for fever“). Bei intermittierenden Bakteriämien sollte die Blutkulturdiagnostik v.a. im Fieberanstieg und fieberhaften Phasen gewonnen werden.
  • Vorgehen: Wichtigkeit der Hautdesinfekton vor Venenpunktion, Einwirkzeit des Desinfektionsmittels beachten
  • Venenpunktion: Entnahme von 20 ml Blut, jeweils die Hälfte in die aerobe und anaerobe Flasche geben
  • Step-by-step-Anleitung zur Blutkulturentnahme: siehe Zusatzdokument [von der Kapitel-Co-Autorin Irit Nachtigall zur Verfügung gestellt]
  • Proben direkt ins Labor schicken (sonst bei Raumtemperatur lagern, jedoch keine Vorinkubation im Brutschrank)


Entnahmelokalisationen von Blutkulturen:

  • Peripher-venös:           möglichst immer
  • Arteriell:                    keine erhöhte Keimnachweisrate, jedoch deutlich mehr Kontaminationen (= kein Vorteil)
  • ZVK/Shaldon:            Umstritten

                       - erhöhte Kontaminationsrate (auch bei direkt frisch gelegten Kathetern!), die zu einer nicht

notwendigen Übertherapie führen

                       - ~97% negativer prädiktiver Wert einer negativen Blutkultur aus dem ZVK für eine

Blutstrominfektion!

  • V.a. Katheterinfekt: „Gepaarte Blutkulturen“, d.h. zeitgleiche Entnahme von peripher gestochener Blutkultur und über den ZVK entnommener Blutkultur.
  • Wird die zentrale Blutkultur >2h vor der peripher gestochenen Blutkultur positiv, so spricht dies für einen Katheterinfekt (differential time to positivity, DTP)
  • Bei S. aureus-Bakteriämie und Candida-Fungämie sollte immer ein Katheterwechsel angestrebt werden, auch bei DTP<2 h) [Bouzidi et al. (2018) J Hosp Infect]. Prinzipiell kann ein Wechsel zentraler Katheter auch bei anderen bakteriellen Erregern sinnvoll sein.

Interpretation von Blutkultur-Befunden:

  • 50-60% der positiven Blutkulturen in deutschen Krankenhäusern stellen Kontaminationen dar à stets kritische Bewertung, immer mehrere Blutkultur-Sets entnehmen
  • Kontamination wahrscheinlich: Einmaliger Nachweis von Koagulase-negativen Staphylokokken (S. epidermidis, S. hominis, etc.), Corynebacterium spp., Cutibacterium spp. (früherer Name: Propionibacterium spp.)
  • Klinische Relevanz wahrscheinlich: Nachweis der vorgenannten Keime in mindestens 2 unterschiedlichen Blutkultur-Sets
  • Relevanz sehr wahrscheinlich bis garantiert: Nachweis von Staphylococcus aureus, Candida spp., Pseudomonas aeruginosa, Enterobakterien (z.B. Escherichia coli, Serratia marcescens, Klebsiella spp.), beta-hämolysierenden Streptokokken
  • Kontroll-Blutkulturen (auch bei klinischer Besserung!) obligat bei S. aureus, Candida spp. und jeder bakteriellen Endokarditis