DGI:Tuberkulose/Diagnostik: Difference between revisions

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==Diagnostik==
==Diagnostik==
(Sophie Schneitler)
===Diagnosekriterien===
===Diagnosekriterien===
Tuberkulosediagnostik wird häufig aufgrund kumulierender anamnestischer Aspekte eingeleitet. Die einzuleitende Diagnostik ist abhängig von der Lokalisation der Tuberkulose und entscheidet über den zweiten relevanten Anteil der Diagnostik der Bildgebung (s. Bild 1)
Tuberkulosediagnostik wird häufig aufgrund kumulierender anamnestischer Aspekte eingeleitet. Die Diagnostik ist dabei abhängig von der Lokalisation der Tuberkulose. ''M. tuberculosis'' kann jedes menschliche Organ infizieren. Aus jedem erdenklichen Material kann eine Tuberkulose Diagnostik erfolgen.  
[[Datei:DGI:1620134012977.png|zentriert|mini|563x563px]]
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===Diagnostische Schritte===
===Diagnostische Schritte===
Wenn Anamnese und Bildgebung spezifische Hinweise liefern muss eine mikrobiologische Diagnostik eingeleitet werden. Die TB Diagnostik sollte immer vor einer spezifischen Therapieeinleitung durchgeführt werden wobei der direkte Erregernachweis im Vordergrund steht. Indirekte Nachweismethoden (z.B. Quantiferon) spielen bei der aktiven TB eine untergeordnete Rolle.
Wenn Anamnese und Bildgebung spezifische Hinweise liefern, muss eine mikrobiologische Diagnostik eingeleitet werden. Die TB Diagnostik sollte immer vor einer spezifischen Therapieeinleitung durchgeführt werden, wobei der direkte Erregernachweis im Vordergrund steht. Indirekte Nachweismethoden (z.B. Quantiferon) spielen eine untergeordnete Rolle und können die TB-Erkrankung weder beweisen noch ausschließen.


Bei klinischen Hinweisen einer extrapulmonalen TB (ETB) sollte neben der organspezifischen Diagnostik (in der Regel Punktion/Biopsie) immer auch eine Sputumdiagnostik erfolgen zum Ausschluss einer zusätzlichen pulmonalen Tuberkulose.  
Bei klinischen Hinweisen auf eine extrapulmonale TB (EPTB) sollte neben der organspezifischen Diagnostik (in der Regel Bildgebung + Punktion/Biopsie) immer auch eine Sputumdiagnostik sowie eine Bildgebung der Lunge erfolgen zum Ausschluss einer zusätzlichen pulmonalen Tuberkulose.


Standardmäßig sollten bei jedem Tuberkuloseverdacht 3x Morgensputum an drei aufeinanderfolgenden Tagen auf Mykobakterien durchgeführt werden. Aufgrund von Kontaminationen durch die bakterielle Begleitflora sollten die Proben nicht lange gelagert werden und zügig in das Labor versandt werden.  
Standardmäßig sollten bei jedem Tuberkuloseverdacht Morgensputa an drei unterschiedlichen Tagen auf Mykobakterien untersucht werden. Aufgrund von Kontaminationen durch die bakterielle Begleitflora sollten die Proben nicht lange gelagert werden und zügig in das Labor versandt werden.


In Abhängigkeit des eingesandten Materiales sind folgende Untersuchungen anzufordern:
In Abhängigkeit des eingesandten Materiales sind folgende Untersuchungen anzufordern:
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{| class="wikitable"
!Material
{| class="wikitable sortable mw-collapsible filterable MsoTableGrid" border="1" cellspacing="0" cellpadding="0" style="border-collapse:collapse;border:none;mso-border-alt:solid black .5pt;"
!Mikroskopie
|+
!PCR
| style="width:77.95pt;" width="104" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">Material</span>
!Kultur
| style="width:77.95pt;" width="104" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">Mikroskopie</span>
!Histologie
| style="width:77.95pt;" width="104" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">PCR</span>
!Kommentar
| style="width:77.95pt;" width="104" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">Kultur</span>
|-
| style="width:77.95pt;" width="104" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">Histologie</span>
!Sputum
| style="width:77.95pt;" width="104" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">Kommentar</span>
|x
|- style="mso-yfti-irow:1;mso-prop-change:&quot;Jan Rybniker&quot; 20201212T2104"
|x
| style="width:77.95pt;" width="104" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">Sputum</span>
|x
| style="width:77.95pt;" width="104" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">x</span>
| -
| style="width:77.95pt;" width="104" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">X (mindestens 1x in 3er Serie)</span>
|
| style="width:77.95pt;" width="104" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">x</span>
*3x Morgensputum 2-5ml
| style="width:77.95pt;" width="104" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">-</span>
*fehlende Produktion > induziertes Sputum mit 3-6% NaCl-Inhalation
| style="width:77.95pt;" width="104" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">-3x Morgensputum 2-5ml</span>
*kein Sammelsputum >1h[JR1]
 
|-
<span style="font-size:12.0pt">-fehlende  Produktion > induziertes Sputum mit 3-6% NaCl-Inhalation</span>
!Bronchialsekret
 
|x
<span style="font-size:12.0pt">-keine  Sammelzeiten >1h</span>[[#%20msocom%201|[JR1]]]
|x
|- style="mso-yfti-irow:2;mso-prop-change:&quot;Jan Rybniker&quot; 20201212T2104"
|x
| style="width:77.95pt;" width="104" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">Bronchialsekret</span>
| -
| style="width:77.95pt;" width="104" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">x</span>
|
| style="width:77.95pt;" width="104" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">x</span>
*2-5ml
| style="width:77.95pt;" width="104" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">x</span>
*Lokalanästhetika können bakterizid sein
| style="width:77.95pt;" width="104" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">-</span>
|-
| style="width:77.95pt;" width="104" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">-2-5ml</span>
!Bronchoalveoläre Lavage
|x
|x
|x
| -
|
*gezielte Lavage
*20-30ml Rücklauf
|-
!Magennüchternsekret
|x
|x
|x
| -
|
*Spezialgefäße mit Phosphatpuffer
*2-5ml
|-
!Urin
|(x bei V.a. urogenitale TBC)
|x
|x
| -
|
*3x 30ml Morgenurin
*Am Tag zuvor Flüssigkeitsrestriktion
|-
!Darm
|x(2)
|x(2)
|x(2)
|x
|
*Darmbiopsien mit etwas NaCl an Mikrobiologie, sowie mit Formalin an Pathologie
|-
!Blut / Knochenmarkkultur
|(x)2[JR2]
|[JR2]
| -
| -
|
*Spezialblutkultur-flaschen, Füllvolumen des Herstellers beachten
|-
!Gewebe
|x
|x
|x
|x
|
*möglichst viel Material in NaCl an Mikrobiologie, sowie mit Formalin an Pathologie
|-
!Flüssigkeiten aus Punktionen
|x
|x
|x
|x
|
*Liquor: 2-5ml, andere möglichst 30-50ml nativ einsenden
|}(x)2nur bei zellulärem Immundefekt


<span style="font-size:12.0pt">-Lokalanästhetika  können bakterizid sein</span>
Bei positivem PCR Ergebnis auf ''M. tuberculosis'' sollte mittels PCR mindestens eine Rifampicin-Resistenz ausgeschlossen werden, optimalerweise zudem eine Isoniazid-Resistenz. Bei jedem Tuberkulosenachweis sollte zudem eine phänotypische Resistenzbestimmung angestrebt werden. Dies erfordert die Anzucht der Erreger und dauert in der Regel mehrere Wochen bis Monate.
|- style="mso-yfti-irow:3;mso-prop-change:&quot;Jan Rybniker&quot; 20201212T2104"
| style="width:77.95pt;" width="104" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">Bronchoalveoläre Lavage</span>
| style="width:77.95pt;" width="104" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">x</span>
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| style="width:77.95pt;" width="104" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">x</span>
| style="width:77.95pt;" width="104" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">-</span>
| style="width:77.95pt;" width="104" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">-gezielte Lavage</span>


<span style="font-size:12.0pt">-20-30ml</span>
Jedem TB Patienten sollte eine HIV Diagnostik angeboten werden. Zudem sollten weitere Organmanifestationen evaluiert werden, z.B. mittels Sonographie des Abdomens.
|- style="mso-yfti-irow:4;mso-prop-change:&quot;Jan Rybniker&quot; 20201212T2104"
| style="width:77.95pt;" width="104" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">Magennüchtern-sekret</span>
| style="width:77.95pt;" width="104" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">x</span>
| style="width:77.95pt;" width="104" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">x</span>
| style="width:77.95pt;" width="104" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">x</span>
| style="width:77.95pt;" width="104" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">-</span>
| style="width:77.95pt;" width="104" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">-Spezialgefäße mit Phosphatpuffer</span>


<span style="font-size:12.0pt">-2-5ml</span>
Mykobakteriologische Diagnostik bedarf der Geduld. Die Kulturen werden in Abhängigkeit des Materials für 8-12 Wochen angelegt, im Schnitt werden die Flüssigmedien nach ca. 14 Tagen positiv, zum Teil erfolgt die Diagnose aber erst über die Festkulturen, die später positiv werden. Eine negative Diagnostik schließt eine Tuberkulose nicht unbedingt aus, gerade bei immunsupprimierten Patienten können paucibacilläre Formen vorliegen mit entsprechend erschwertem diagnostischem Nachweis. Sollte der Verdacht klinisch weiterhin bestehen wird ein infektiologisch/mikrobiologisches Konsil empfohlen.
|- style="mso-yfti-irow:5;mso-prop-change:&quot;Jan Rybniker&quot; 20201212T2104"
| style="width:77.95pt;" width="104" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">Urin</span>
| style="width:77.95pt;" width="104" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">(x bei V.a. urogenitaler TBC)</span>
| style="width:77.95pt;" width="104" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">x</span>
| style="width:77.95pt;" width="104" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">x</span>
| style="width:77.95pt;" width="104" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">-</span>
| style="width:77.95pt;" width="104" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">-3x 30ml Morgenurin</span>


<span style="font-size:12.0pt">-Am Tag zuvor  Flüssigkeitsrestriktion</span>
Bereits bei hochgradigem Verdacht sollte eine Isolation des Patienten erfolgen. Der kulturelle, mikroskopische oder molekularbiologische Nachweis von Tuberkulose in respiratorischen Materialien zieht im Regelfall eine Isolation nach sich. Vor Entisolierung sollten zumindest 3 mikroskopisch negative Sputumuntersuchungen vorliegen.
|- style="mso-yfti-irow:6;mso-prop-change:&quot;Jan Rybniker&quot; 20201212T2104"
| style="width:77.95pt;" width="104" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">Stuhl</span>
| style="width:77.95pt;" width="104" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">(x)2</span>
| style="width:77.95pt;" width="104" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">(x)2</span>
| style="width:77.95pt;" width="104" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">(x)2</span>
| style="width:77.95pt;" width="104" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">x</span>
| style="width:77.95pt;" width="104" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">-Darmbiopsien mit etwas NaCl ad Mikrobiologie, sowie  mit Formalin ad Pathologie</span>
|- style="mso-yfti-irow:7;mso-prop-change:&quot;Jan Rybniker&quot; 20201212T2104"
| style="width:77.95pt;" width="104" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">Blut / Knochenmark</span>
| style="width:77.95pt;" width="104" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">-</span>
| style="width:77.95pt;" width="104" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">(x)2</span>[[#%20msocom%202|[JR2]]]
| style="width:77.95pt;" width="104" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">-</span>
| style="width:77.95pt;" width="104" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">-</span>
| style="width:77.95pt;" width="104" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">-Spezialblutkultur-flaschen, Füllvolumen des  Herstellers beachten</span>
|- style="mso-yfti-irow:8;mso-prop-change:&quot;Jan Rybniker&quot; 20201212T2104"
| style="width:77.95pt;" width="104" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">Gewebe</span>
| style="width:77.95pt;" width="104" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">x</span>
| style="width:77.95pt;" width="104" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">x</span>
| style="width:77.95pt;" width="104" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">x</span>
| style="width:77.95pt;" width="104" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">x</span>
| style="width:77.95pt;" width="104" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">-möglichst viel Material in NaCl ad Mikrobiologie,  sowie mit Formalin ad Pathologie</span>
|- style="mso-yfti-irow:9;mso-yfti-lastrow:yes;mso-prop-change:&quot;Jan Rybniker&quot; 20201212T2104"
| style="width:77.95pt;" width="104" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">Flüssigkeiten aus Punktionen</span>
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| style="width:77.95pt;" width="104" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">-Liquor: 2-5ml, sonst möglichst 30-50ml nativ  einsenden</span>
|}
(x)2nur bei zellulärem Immundefekt


Bei positivem PCR Ergebnis auf M. tuberculosis sollte mittels PCR mindestens eine Rifampicin-Resistenz ausgeschlossen werden, optimalerweise zudem eine Isoniazid Resistenz. Bei jedem Tuberkulosenachweis sollte zudem eine phänotypische Resistenzbestimmung angestrebt werden. Dies erfordert die Anzucht der Erreger und dauert in der Regel mehrere Wochen bis Monate.
Während einer Tuberkulosetherapie sollten zur Verlaufskontrolle bei pulmonaler Tuberkulose regelmäßige Sputumkontrollen auf Mykobakterien (Mikroskopie und Kultur) erfolgen. Eine erneute Resistenztestung wird notwendig, wenn nach 2 Monaten Behandlung weiterhin Mykobakterien im Sputum nachgewiesen werden.


Jedem TB Patienten sollte eine HIV Diagnostik angeboten bekommen. Zudem sollten weitere Organmanifestationen evaluiert werden (mindestens eine Sonographie des Abdomens und Röntgen Thorax).
'''Immunologische Verfahren:'''
 
Mykobakteriologische Diagnostik bedarf der Geduld. Die Kulturen werden in Abhängigkeit des Materiales für 8-12 Wochen angelegt, im Schnitt werden die Flüssigmedien nach ca. 14 Tagen positiv, zum Teil erfolgt die Diagnose aber erst über die Festkulturen, die später positiv werden. Eine negative Diagnostik schließt eine Tuberkulose nicht unbedingt aus, gerade bei immunsupprimierten Patienten können paucibacilläre Formen vorliegen mit entsprechend erschwertem diagnostischem Nachweis. Sollte der Verdacht klinisch weiterhin bestehen wird ein infektiologisch/mikrobiologisches Konsil empfohlen.
 
Bereits der hochgradige Verdacht sollte eine Isolation des Patienten diskutiert werden. Sollte bei positivem Nachweis einer Tuberkulose eine Isolation noch nicht erfolgt sein, sollte gemeinsam mit der Krankenhaushygien geprüft werden ob eine potentielle Ansteckung möglich ist. Der kulturelle oder mikroskopische Nachweis von Tuberkulose in offen gewonnen Materialien zieht im Regelfall eine Isolation nach sich.
 
Während einer Tuberkulosetherapie sollte bei pulmonaler Tuberkulose eine regelmäßige Sputumkontrolle auf Mykobakterien (Mikroskopie und Kultur) erfolgen zur Verlaufskontrolle.
 
Immunologische Verfahren:
 
Allgemein werden diese nicht für die aktive Tuberkulose zur Diagnostik eingesetzt, sondern zum Nachweis eines stattgehabten Tuberkulosekontaktes, z.B. zur Evaluierung einer latenten Tuberkulose. Bei aktuellem Kontakt wird eine positive Testreaktion im Schnitt erst nach acht Wochen erwartet.


Allgemein werden diese nicht für die Tuberkuloseerkrankung zur Diagnostik eingesetzt, sondern zum Nachweis einer latenten Tuberkuloseinfektion nach Tuberkulosekontakt. Bei aktuellem Kontakt wird eine positive Testreaktion im Schnitt erst nach acht Wochen erwartet.


Hierfür stehen zur Verfügung:
Hierfür stehen zur Verfügung:


*Interferon-γ Release Assays (IGRA) (z.B. T-SPOT®, QuantiFERON®-TB Gold Plus): Messung von Interferon- γ produzierenden T-Zellen als Immunreaktion gegenüber dem Tuberkulose-Komplex. Diese Tests sind für Tuberkulose sehr spezifisch, können jedoch auch falsch positiv sein bei Kontakt zu Nicht-tuberkulösen Mykobakterien wie z.B. M. kansasii, M. szulgai, M. marinum, M. gastri oder M. flavescens. Ein negativer Test schließt eine Infektion nicht aus.
*Interferon-γ Release Assays (IGRA) (z.B. T-SPOT®, QuantiFERON®-TB Gold Plus): Messung von Interferon- γ produzierenden T-Zellen als Immunreaktion gegenüber dem Tuberkulose-Komplex. Diese Tests sind für die Tuberkuloseinfektion sehr spezifisch, können jedoch auch falsch positiv sein bei Kontakt zu nichttuberkulösen Mykobakterien (NTM) wie z.B. ''M. kansasii, M. szulgai, M. marinum, M. gastri'' oder ''M. flavescens''. Ein negativer Test schließt weder eine Infektion noch eine Erkrankung aus.
*Tuberkulin-Hauttest (THT): Nachweis einer zellvermittelten Immunitätsreaktion vom verzögerten Typ. Ein positives Resultat kann auch nach BCG-Impfung oder vorherigem NTM-Kontakt vorliegen. Der Einsatz erfolgt in Deutschland primär bei Kindern unter dem 5. Lebensjahr. In Einzelfällen kann der THT sinnvollerweise auch bei zellulärer Immundefizienz additiv zum IGRA sinnvoll sein.
*Tuberkulin-Hauttest (THT): Nachweis einer zellvermittelten Immunreaktion vom verzögerten Typ. Ein positives Resultat kann auch nach BCG-Impfung oder vorherigem NTM-Kontakt vorliegen. Der Einsatz erfolgt in Deutschland primär bei Kindern unter dem 5. Lebensjahr. In Einzelfällen kann der THT sinnvollerweise auch bei zellulärer Immundefizienz additiv zum IGRA sinnvoll sein.


Zur Evaluation der Therapienotwendigkeit bei positivem IGRA oder THT eine aktive Tuberkulose zu entwickeln können entsprechende Risikorechner genutzt werden, beispielhaft bei Patienten aus niedrig Inzidenzländern: periskope.org, bei Patienten mit initialer Herkunft aus einem Hoch-Inzidenzland für TBC: The Online TST/IGRA Interpreter der McGill University.
Zur Einschätzung des Risikos für eine Progression von der LTBI zur Tuberkuloseerkrankung bei positivem IGRA oder THT können entsprechende Risikorechner genutzt werden, beispielhaft für Patienten aus Niedriginzidenzländern: periskope.org. Für Patienten mit initialer Herkunft aus einem Hochinzidenzland für TBC: The Online TST/IGRA Interpreter der McGill University. Die Notwendigkeit einer präventiven Therapie muss auf Grundlage einer Risiko-Nutzenbewertung individuell bewertet und mit den Betroffenen diskutiert werden.
 
===Differentialdiagnosen===
=== Differentialdiagnosen ===
In Abhängigkeit der Tuberkulosepräsentation gibt es vielfältige Differentialdiagnosen. Eine Auswahl wird in der Tabelle darstellt.
<span style="color: black">In Abhängigkeit der Tuberkulosepräsentation gibt es vielfältige Differentialdiagnosen. Eine Auswahl wird in der Tabelle darstellt. </span>
{| class="wikitable"
!TBC
{| class="wikitable sortable mw-collapsible filterable MsoTableGrid" border="1" cellspacing="0" cellpadding="0" style="border-collapse:collapse;border:none;mso-border-alt:solid black .5pt;"
!Infektiöse Differentialdiagnosen
|+
!Andere Genese
| style="width:155.9pt;" width="208" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">TBC</span>
|-
| style="width:155.9pt;" width="208" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">Infektiöse Differentialdiagnosen</span>
!Pulmonale
| style="width:155.9pt;" width="208" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">Andere Genese</span>
|
|- style="mso-yfti-irow:1"
*Nicht tuberkulöse Mykobakterien (z.B. ''M. kansasii'')
| style="width:155.9pt;" width="208" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">Pulmonale</span>
*Aspergillose
| style="width:155.9pt;" width="208" valign="top" |
*Histoplasmose
*<span style="font-size:12.0pt">Nicht tuberkulöse Mykobakterien (z.B. M. kansasii)</span>
|
*<span style="font-size:12.0pt">Aspergillose</span>
*Malignome (z.B. Lungenkarzinom)
*<span style="font-size:12.0pt">Histoplasmose</span>
*Sarkoidose
| style="width:155.9pt;" width="208" valign="top" |
*rheumatologische Erkrankungen (z.B. ''M. Wegener'')
*<span style="font-size:12.0pt">Malignome (z.B. Bronchialcarzinom)</span>
*Histiozytose X
*<span style="font-size:12.0pt">Sarkoidose</span>
*Kryptogen organisierende Pneumonie
*<span style="font-size:12.0pt">rheumatologische Erkrankungen (z.B. M. Wegener)</span>
|-
*<span style="font-size:12.0pt">Histiozytose X</span>
!Extrapulmonale
*<span style="font-size:12.0pt">Kryptogen organisierende Pneumonie</span>
|
|- style="mso-yfti-irow:2;mso-yfti-lastrow:yes"
| style="width:155.9pt;" width="208" valign="top" |<span style="font-size:12.0pt">Extrapulmonale</span>
| style="width:155.9pt;" width="208" valign="top" |
*Brucellose
*Brucellose
*Tularämie
*Tularämie
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*Toxoplasmose
*Toxoplasmose
*Leishmaniose
*Leishmaniose
| style="width:155.9pt;" width="208" valign="top" |
|
*Malignome (z.B. Lymphome)
*Malignome (z.B. Lymphome)
*Sarkoidose
*Sarkoidose
*M. Crohn
*M. Crohn
*<span style="font-size:12.0pt">rheumatologische Erkrankungen</span>
*rheumatologische Erkrankungen
|}
|}<br />

Revision as of 08:00, 15 June 2021

Diagnostik

Diagnosekriterien

Tuberkulosediagnostik wird häufig aufgrund kumulierender anamnestischer Aspekte eingeleitet. Die Diagnostik ist dabei abhängig von der Lokalisation der Tuberkulose. M. tuberculosis kann jedes menschliche Organ infizieren. Aus jedem erdenklichen Material kann eine Tuberkulose Diagnostik erfolgen.

Diagnostische Schritte

Wenn Anamnese und Bildgebung spezifische Hinweise liefern, muss eine mikrobiologische Diagnostik eingeleitet werden. Die TB Diagnostik sollte immer vor einer spezifischen Therapieeinleitung durchgeführt werden, wobei der direkte Erregernachweis im Vordergrund steht. Indirekte Nachweismethoden (z.B. Quantiferon) spielen eine untergeordnete Rolle und können die TB-Erkrankung weder beweisen noch ausschließen.

Bei klinischen Hinweisen auf eine extrapulmonale TB (EPTB) sollte neben der organspezifischen Diagnostik (in der Regel Bildgebung + Punktion/Biopsie) immer auch eine Sputumdiagnostik sowie eine Bildgebung der Lunge erfolgen zum Ausschluss einer zusätzlichen pulmonalen Tuberkulose.

Standardmäßig sollten bei jedem Tuberkuloseverdacht Morgensputa an drei unterschiedlichen Tagen auf Mykobakterien untersucht werden. Aufgrund von Kontaminationen durch die bakterielle Begleitflora sollten die Proben nicht lange gelagert werden und zügig in das Labor versandt werden.

In Abhängigkeit des eingesandten Materiales sind folgende Untersuchungen anzufordern:

Material Mikroskopie PCR Kultur Histologie Kommentar
Sputum x x x -
  • 3x Morgensputum 2-5ml
  • fehlende Produktion > induziertes Sputum mit 3-6% NaCl-Inhalation
  • kein Sammelsputum >1h[JR1]
Bronchialsekret x x x -
  • 2-5ml
  • Lokalanästhetika können bakterizid sein
Bronchoalveoläre Lavage x x x -
  • gezielte Lavage
  • 20-30ml Rücklauf
Magennüchternsekret x x x -
  • Spezialgefäße mit Phosphatpuffer
  • 2-5ml
Urin (x bei V.a. urogenitale TBC) x x -
  • 3x 30ml Morgenurin
  • Am Tag zuvor Flüssigkeitsrestriktion
Darm x(2) x(2) x(2) x
  • Darmbiopsien mit etwas NaCl an Mikrobiologie, sowie mit Formalin an Pathologie
Blut / Knochenmarkkultur (x)2[JR2] [JR2] - -
  • Spezialblutkultur-flaschen, Füllvolumen des Herstellers beachten
Gewebe x x x x
  • möglichst viel Material in NaCl an Mikrobiologie, sowie mit Formalin an Pathologie
Flüssigkeiten aus Punktionen x x x x
  • Liquor: 2-5ml, andere möglichst 30-50ml nativ einsenden

(x)2nur bei zellulärem Immundefekt

Bei positivem PCR Ergebnis auf M. tuberculosis sollte mittels PCR mindestens eine Rifampicin-Resistenz ausgeschlossen werden, optimalerweise zudem eine Isoniazid-Resistenz. Bei jedem Tuberkulosenachweis sollte zudem eine phänotypische Resistenzbestimmung angestrebt werden. Dies erfordert die Anzucht der Erreger und dauert in der Regel mehrere Wochen bis Monate.

Jedem TB Patienten sollte eine HIV Diagnostik angeboten werden. Zudem sollten weitere Organmanifestationen evaluiert werden, z.B. mittels Sonographie des Abdomens.

Mykobakteriologische Diagnostik bedarf der Geduld. Die Kulturen werden in Abhängigkeit des Materials für 8-12 Wochen angelegt, im Schnitt werden die Flüssigmedien nach ca. 14 Tagen positiv, zum Teil erfolgt die Diagnose aber erst über die Festkulturen, die später positiv werden. Eine negative Diagnostik schließt eine Tuberkulose nicht unbedingt aus, gerade bei immunsupprimierten Patienten können paucibacilläre Formen vorliegen mit entsprechend erschwertem diagnostischem Nachweis. Sollte der Verdacht klinisch weiterhin bestehen wird ein infektiologisch/mikrobiologisches Konsil empfohlen.

Bereits bei hochgradigem Verdacht sollte eine Isolation des Patienten erfolgen. Der kulturelle, mikroskopische oder molekularbiologische Nachweis von Tuberkulose in respiratorischen Materialien zieht im Regelfall eine Isolation nach sich. Vor Entisolierung sollten zumindest 3 mikroskopisch negative Sputumuntersuchungen vorliegen.

Während einer Tuberkulosetherapie sollten zur Verlaufskontrolle bei pulmonaler Tuberkulose regelmäßige Sputumkontrollen auf Mykobakterien (Mikroskopie und Kultur) erfolgen. Eine erneute Resistenztestung wird notwendig, wenn nach 2 Monaten Behandlung weiterhin Mykobakterien im Sputum nachgewiesen werden.

Immunologische Verfahren:

Allgemein werden diese nicht für die Tuberkuloseerkrankung zur Diagnostik eingesetzt, sondern zum Nachweis einer latenten Tuberkuloseinfektion nach Tuberkulosekontakt. Bei aktuellem Kontakt wird eine positive Testreaktion im Schnitt erst nach acht Wochen erwartet.

Hierfür stehen zur Verfügung:

  • Interferon-γ Release Assays (IGRA) (z.B. T-SPOT®, QuantiFERON®-TB Gold Plus): Messung von Interferon- γ produzierenden T-Zellen als Immunreaktion gegenüber dem Tuberkulose-Komplex. Diese Tests sind für die Tuberkuloseinfektion sehr spezifisch, können jedoch auch falsch positiv sein bei Kontakt zu nichttuberkulösen Mykobakterien (NTM) wie z.B. M. kansasii, M. szulgai, M. marinum, M. gastri oder M. flavescens. Ein negativer Test schließt weder eine Infektion noch eine Erkrankung aus.
  • Tuberkulin-Hauttest (THT): Nachweis einer zellvermittelten Immunreaktion vom verzögerten Typ. Ein positives Resultat kann auch nach BCG-Impfung oder vorherigem NTM-Kontakt vorliegen. Der Einsatz erfolgt in Deutschland primär bei Kindern unter dem 5. Lebensjahr. In Einzelfällen kann der THT sinnvollerweise auch bei zellulärer Immundefizienz additiv zum IGRA sinnvoll sein.

Zur Einschätzung des Risikos für eine Progression von der LTBI zur Tuberkuloseerkrankung bei positivem IGRA oder THT können entsprechende Risikorechner genutzt werden, beispielhaft für Patienten aus Niedriginzidenzländern: periskope.org. Für Patienten mit initialer Herkunft aus einem Hochinzidenzland für TBC: The Online TST/IGRA Interpreter der McGill University. Die Notwendigkeit einer präventiven Therapie muss auf Grundlage einer Risiko-Nutzenbewertung individuell bewertet und mit den Betroffenen diskutiert werden.

Differentialdiagnosen

In Abhängigkeit der Tuberkulosepräsentation gibt es vielfältige Differentialdiagnosen. Eine Auswahl wird in der Tabelle darstellt.

TBC Infektiöse Differentialdiagnosen Andere Genese
Pulmonale
  • Nicht tuberkulöse Mykobakterien (z.B. M. kansasii)
  • Aspergillose
  • Histoplasmose
  • Malignome (z.B. Lungenkarzinom)
  • Sarkoidose
  • rheumatologische Erkrankungen (z.B. M. Wegener)
  • Histiozytose X
  • Kryptogen organisierende Pneumonie
Extrapulmonale
  • Brucellose
  • Tularämie
  • Bartonellose
  • Toxoplasmose
  • Leishmaniose
  • Malignome (z.B. Lymphome)
  • Sarkoidose
  • M. Crohn
  • rheumatologische Erkrankungen