DGI:Opportunistische Infektionen/Kryptokokkose/Klinisches Bild: Difference between revisions
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<span class="toctext"><span style="color: black">Aufgrund des Neuroptropismus von Kryptokokken weisen Patienten häufig als Leitsymptome die typischen Zeichen einer subakuten Meningitis (Nackensteifigkeit, Kopfschmerzen, Fieber) auf. Dabei kann die klinische Symptomatik initial über mehrere Woche sehr gering ausgepägt sein, so dass Patienten erst im Verlauf zunehmende neurologische Beschwerden wie Hirndruckzeichen (Übelkeit, Erbrechen, Sehstörungen, starke Kopfschmerzen) oder Hirnervenausfälle entwickeln. Bei immunsupprimierten Patienten können die typischen klinischen Zeichen einer Meningitis aufgrund der abgeschwächten inflammatorischen Antwort auch fehlen. Ca. 1/3 der | <span class="toctext"><span style="color: black">Aufgrund des Neuroptropismus von Kryptokokken weisen Patienten häufig als Leitsymptome die typischen Zeichen einer subakuten Meningitis (Nackensteifigkeit, Kopfschmerzen, Fieber) auf. Dabei kann die klinische Symptomatik initial über mehrere Woche sehr gering ausgepägt sein, so dass Patienten erst im Verlauf zunehmende neurologische Beschwerden wie Hirndruckzeichen (Übelkeit, Erbrechen, Sehstörungen, starke Kopfschmerzen) oder Hirnervenausfälle entwickeln. Bei immunsupprimierten Patienten können die typischen klinischen Zeichen einer Meningitis aufgrund der abgeschwächten inflammatorischen Antwort auch fehlen. Ca. 1/3 der Patient:innen mit einer ZNS-Manifestation haben eine okuläre Beteiligung, wobei das Papillenödem (Klinik: verschwommenes Sehen, Doppelbilder, Hirndruckzeichen) am häufigsten auftritt, gefolgt von einem partiellen oder totalen Sehverlust (infolge einer Atrophie des Nervus opticus durch einen erhöhten intrakraniellen Druck) oder einer Neuritis nervi optici (bedingt durch Invasion von Kryptokokken in den Sehnerv).</span></span> | ||
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<span class="toctext"><span style="color: black">Die pulmonale Form der Kryptokokkose kann sich klinisch in unterschiedlichen Schweregraden manifestieren - von der asymptomatischen Kolonisation, über eine moderate Pneumonie bis hin zum Acute Respiratory Distress Syndrom (ARDS). Auch radiologisch kann sich die pulmonale Kryptokokkose sehr unspezifisch präsentieren. Es zeigen sich solitäre oder multiple Noduli, segmentale oder lobuläre Konsolidierungen, Kavernen oder diffuse interstitielle Infiltrate. Das Auftreten von Pleuraergüssen ist eher untypisch für eine Kryptokokkose. Husten, Hämoptysen, Dyspnoe sowie ein pleuritischer Thoraxschmerz können als klinische Symptome auftreten. Die pulmonale Form der Kryptokokkose manifestiert sich klinisch signifikant häufiger bei Nicht-HIV-bedingter Immunsuppression<sup>1</sup></span><span style="color: black">. </span></span> | <span class="toctext"><span style="color: black">Die pulmonale Form der Kryptokokkose kann sich klinisch in unterschiedlichen Schweregraden manifestieren - von der asymptomatischen Kolonisation, über eine moderate Pneumonie bis hin zum Acute Respiratory Distress Syndrom (ARDS). Auch radiologisch kann sich die pulmonale Kryptokokkose sehr unspezifisch präsentieren. Es zeigen sich solitäre oder multiple Noduli, segmentale oder lobuläre Konsolidierungen, Kavernen oder diffuse interstitielle Infiltrate. Das Auftreten von Pleuraergüssen ist eher untypisch für eine Kryptokokkose. Husten, Hämoptysen, Dyspnoe sowie ein pleuritischer Thoraxschmerz können als klinische Symptome auftreten. Die pulmonale Form der Kryptokokkose manifestiert sich klinisch signifikant häufiger bei Nicht-HIV-bedingter Immunsuppression<sup>1</sup></span><span style="color: black">. </span></span> | ||
<span class="toctext"><span style="color: black">Die dermale Form der Kryptokokkose kann entweder im Rahmen einer disseminierten Kryptokokkose oder eines Inokulationstrauma entstehen. Die Inzidenz von kutanen Läsionen bei der AIDS assozierten disseminierten Kryptokokkose liegt bei ca. 6%, wohingegen 10% bis 15% der | <span class="toctext"><span style="color: black">Die dermale Form der Kryptokokkose kann entweder im Rahmen einer disseminierten Kryptokokkose oder eines Inokulationstrauma entstehen. Die Inzidenz von kutanen Läsionen bei der AIDS assozierten disseminierten Kryptokokkose liegt bei ca. 6%, wohingegen 10% bis 15% der Patient:innen mit einer disseminierten Kryptokokkose infolge einer Organtransplantation oder Hochdosis-Steroidtherapie dermale Beteiligung aufweisen. Insbesondere Patienten unter einer Therapie mit Tacrolimus haben ein erhöhtes Risiko eine dermale Kryptokokkose zu entwickeln, da es zwar eine temperaturabhängige Wirkung gegen Kryptokokken zeigt, diese jedoch in niedrig temperierten Körperarealen abnimmt<sup>2</sup></span><span style="color: black">. Die kutanen Läsionen präsentieren sich initial als schmerzlose Mollusken (mit zentraler Delle) bzw. akneähnlichen Papeln, die im Verlauf nekrotisieren. </span></span> | ||
<span class="toctext"><span style="color: black">Andere klinische Manifestationen einer disseminierten Kryptokokkose</span><span style="color: black">: Die Beteiligung des Urogenitaltrakts ist häufig und verläuft meistens klinisch asymptomatisch</span><span style="color: black"><sup>2</sup></span><span style="color: black">. Eine Knochenbeteiligung tritt in weniger als 10% der disseminierten Kryptokokkosen auf. Inbesondere die Wirbelkörper, der Schädel sowie die Epiphysen der langen Knochen sind betroffen</span><span style="color: black"><sup>2</sup></span><span style="color: black">.</span></span> | <span class="toctext"><span style="color: black">Andere klinische Manifestationen einer disseminierten Kryptokokkose</span><span style="color: black">: Die Beteiligung des Urogenitaltrakts ist häufig und verläuft meistens klinisch asymptomatisch</span><span style="color: black"><sup>2</sup></span><span style="color: black">. Eine Knochenbeteiligung tritt in weniger als 10% der disseminierten Kryptokokkosen auf. Inbesondere die Wirbelkörper, der Schädel sowie die Epiphysen der langen Knochen sind betroffen</span><span style="color: black"><sup>2</sup></span><span style="color: black">.</span></span> | ||
Revision as of 09:12, 15 June 2021
Klinisches Bild
Leitsymptome
Aufgrund des Neuroptropismus von Kryptokokken weisen Patienten häufig als Leitsymptome die typischen Zeichen einer subakuten Meningitis (Nackensteifigkeit, Kopfschmerzen, Fieber) auf. Dabei kann die klinische Symptomatik initial über mehrere Woche sehr gering ausgepägt sein, so dass Patienten erst im Verlauf zunehmende neurologische Beschwerden wie Hirndruckzeichen (Übelkeit, Erbrechen, Sehstörungen, starke Kopfschmerzen) oder Hirnervenausfälle entwickeln. Bei immunsupprimierten Patienten können die typischen klinischen Zeichen einer Meningitis aufgrund der abgeschwächten inflammatorischen Antwort auch fehlen. Ca. 1/3 der Patient:innen mit einer ZNS-Manifestation haben eine okuläre Beteiligung, wobei das Papillenödem (Klinik: verschwommenes Sehen, Doppelbilder, Hirndruckzeichen) am häufigsten auftritt, gefolgt von einem partiellen oder totalen Sehverlust (infolge einer Atrophie des Nervus opticus durch einen erhöhten intrakraniellen Druck) oder einer Neuritis nervi optici (bedingt durch Invasion von Kryptokokken in den Sehnerv).
Klinische Situationen
Die pulmonale Form der Kryptokokkose kann sich klinisch in unterschiedlichen Schweregraden manifestieren - von der asymptomatischen Kolonisation, über eine moderate Pneumonie bis hin zum Acute Respiratory Distress Syndrom (ARDS). Auch radiologisch kann sich die pulmonale Kryptokokkose sehr unspezifisch präsentieren. Es zeigen sich solitäre oder multiple Noduli, segmentale oder lobuläre Konsolidierungen, Kavernen oder diffuse interstitielle Infiltrate. Das Auftreten von Pleuraergüssen ist eher untypisch für eine Kryptokokkose. Husten, Hämoptysen, Dyspnoe sowie ein pleuritischer Thoraxschmerz können als klinische Symptome auftreten. Die pulmonale Form der Kryptokokkose manifestiert sich klinisch signifikant häufiger bei Nicht-HIV-bedingter Immunsuppression1.
Die dermale Form der Kryptokokkose kann entweder im Rahmen einer disseminierten Kryptokokkose oder eines Inokulationstrauma entstehen. Die Inzidenz von kutanen Läsionen bei der AIDS assozierten disseminierten Kryptokokkose liegt bei ca. 6%, wohingegen 10% bis 15% der Patient:innen mit einer disseminierten Kryptokokkose infolge einer Organtransplantation oder Hochdosis-Steroidtherapie dermale Beteiligung aufweisen. Insbesondere Patienten unter einer Therapie mit Tacrolimus haben ein erhöhtes Risiko eine dermale Kryptokokkose zu entwickeln, da es zwar eine temperaturabhängige Wirkung gegen Kryptokokken zeigt, diese jedoch in niedrig temperierten Körperarealen abnimmt2. Die kutanen Läsionen präsentieren sich initial als schmerzlose Mollusken (mit zentraler Delle) bzw. akneähnlichen Papeln, die im Verlauf nekrotisieren.
Andere klinische Manifestationen einer disseminierten Kryptokokkose: Die Beteiligung des Urogenitaltrakts ist häufig und verläuft meistens klinisch asymptomatisch2. Eine Knochenbeteiligung tritt in weniger als 10% der disseminierten Kryptokokkosen auf. Inbesondere die Wirbelkörper, der Schädel sowie die Epiphysen der langen Knochen sind betroffen2.
Epidemiologie
Die Kryptokokkose ist eine klassische opportunistische Infektion, die durch Cryptococcus neoformans/gatti verursacht wird. Personen mit HIV im AIDS-Stadium, langfristiger Kortikosteroidtherapie, Zustand nach Organ- oder allogener Stammzelltransplantation sind vor allem gefährdet. Bei HIV-Infizierten nimmt das Risiko einer Kryptokokkose deutlich zu, je niedriger die CD4-Zellzahl ist. Insbesondere gilt dies ab einer CD4-Zellzahl < 100/µl3. Eine Behandlung mit monoklonalen Antikörpern (z.B. Infliximab4, Adalimumab5, Alemtuzumab6) oder mit Tyrosinkinaseinhibitoren (z.B. Ibrutinib7) ist auch mit einem erhöhten Risiko für einer Kryptokokkose assoziiert.
Prognose
Die Kryptokokkenmeningitis ist eine lebensbedrohliche Infektionserkrankung. Die Mortalität der Kryptokokkenmeningitis liegt in den Entwicklungsländern deutlich höher als in den Industrienationen (70% versus 9%)8. Prognostisch ungünstige Faktoren sind ein hoher CrAg-Titer (≥ 1:1024)9, Bewusstseinsstörung10, bakterielle Koinfektionen9, Leberzirrhose11, respiratorisches Versagen12 sowie ein erhöhter Liquoröffnungsdruck12.