DGI:Vesiculae und Crustae/Therapie: Difference between revisions

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==Therapie==
==Therapie==


===Medikamentöse Therapie===
===== Impetigo contagiosa =====
 
 
Medikamentöse Therapie
 
<span style="color: #000000">'''Leichte Ausprägung:'''</span>
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<span style="color: #000000">'''1. Antiseptische äußerliche Therapie:'''</span>  
<span style="color: #000000">1. Antiseptische äußerliche Therapie:</span>  


*<span style="color: #000000">Polyhexanid-Gel/ Creme, Polyvidon- Gel, Octenidin- Lösung (Umschläge), Chlorhexidin- Gel.</span>
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*<span style="color: #000000">Keimlastreduktion durch antiseptische Waschlotionen (z.B. Baktolin oder Octenisan Waschlotion)</span>
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<span style="color: #000000">'''2. Antibiotische äußerliche Therapie:'''</span>  
<span style="color: #000000">2. Antibiotische äußerliche Therapie:</span>  


*<span style="color: #000000">Fusidinsäure 2% Creme/Salbe (CAVE: nur gegen Staph. aureus wirksam)</span>
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*<span style="color: #000000">Mupirocin 2% Salbe sollte der MRSA- Eradikationstherapie vorbehalten bleiben!</span>
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<span style="color: #000000">'''Merke''' :</span> <span class="col-black">Zur Vermeidung von Resistenzen ist die antiseptische der (ebenso leitliniengemäß empfohlenen) antibiotischen Therapie vorzuziehen.</span>
<span style="color: #000000">Merke :</span> <span class="col-black">Zur Vermeidung von Resistenzen ist die antiseptische der (ebenso leitliniengemäß empfohlenen) antibiotischen Therapie vorzuziehen.</span>




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<span style="color: #000000">Für Kontaktpersonen zu Erkrankten sind verschärfte Hygienemaßnahmen (Handhygiene!) empfehlenswert. Nach § 34 IfSG dürfen Personen, die an Impetigo contagiosa, Scharlach oder sonstigen S.-pyogenes-Infektionen erkrankt oder dessen verdächtig sind, in Gemeinschaftseinrichtungen keine Lehr-, Erziehungs-, Pflege-, Aufsichts- oder sonstigen Tätigkeiten ausüben. Die Einschränkung der Tätigkeit bzw. des Besuchs der Gemeinschaftseinrichtung gilt, bis nach ärztlichem Urteil eine Weiterverbreitung der Krankheit nicht mehr zu befürchten ist.</span>
<span style="color: #000000">Für Kontaktpersonen zu Erkrankten sind verschärfte Hygienemaßnahmen (Handhygiene!) empfehlenswert. Nach § 34 IfSG dürfen Personen, die an Impetigo contagiosa, Scharlach oder sonstigen S.-pyogenes-Infektionen erkrankt oder dessen verdächtig sind, in Gemeinschaftseinrichtungen keine Lehr-, Erziehungs-, Pflege-, Aufsichts- oder sonstigen Tätigkeiten ausüben. Die Einschränkung der Tätigkeit bzw. des Besuchs der Gemeinschaftseinrichtung gilt, bis nach ärztlichem Urteil eine Weiterverbreitung der Krankheit nicht mehr zu befürchten ist.</span>
===== Herpes Zoster =====
====== <span style="color: #000000">'''Therapieindikationen'''</span> ======
<span style="color: #000000">Der Herpes Zoster ist in der Regel selbstlimitierend. Bei Patienten mit Risiko für einen komplizierten Verlauf oder Komplikationen wird eine antivirale Systemtherapie empfohlen:</span>
# <span style="color: #000000">Zoster bei immunsupprimierten Patienten</span>
# <span style="color: #000000">Zoster im Kopf-Hals-Bereich (v.a. V1, V2, V3)</span>
# <span style="color: #000000">Zoster lokalisationsunabhängig mit</span>
* <span style="color: #000000">mittelschweren und schweren Schmerzen</span>
* <span style="color: #000000">hämorrhagischen oder nekrotischen Läsionen</span>
* <span style="color: #000000">multisegmentalem Befall/ generalisiert</span>
* <span style="color: #000000">aberrierenden Bläschen/Satellitenläsionen</span>
* <span style="color: #000000">mukokutanem Befall</span>
# <span style="color: #000000">Zoster lokalisationsunabhängig bei Patienten ≥ 50 Jahren</span>
# <span style="color: #000000">Zoster bei Patienten mit prädisponierenden Hauterkrankungen (z. B. atopische Dermatitis)</span>
# <span style="color: #000000">Zoster bei Kindern und Jugendlichen unter Langzeittherapie mit topischen Steroiden</span>
<span style="color: #000000">Merke: Bei Vorhandensein von Punkt 1, 2 oder 3 oder bei Kombination von ≥ 2 Punkten ist eine intravenöse Therapie der oralen Therapie vorzuziehen. Da die Therapieindikationen in der Literatur variieren handelt es sich letztendlich immer um eine Einzelfallentscheidung.</span>
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====== <span style="color: #000000">'''Therapievorschläge'''</span> ======
<span style="color: #000000">''Orale Therapie:''</span>
<span style="color: #000000">Aciclovir 800 mg p.o. <span style="mso-tab-count:1;"> </span>1-1-1-1-1 über 7 Tage, <span style="mso-tab-count:1;"> </span>ab GFR <26 mL/min Dosisanpassung</span>
<span style="color: #000000">Valaciclovir 1000 mg p.o. <span style="mso-tab-count:1;"> </span>1-1-1 über 7 Tage, <span style="mso-tab-count:1;"> </span>ab GFR <50 mL/min Dosisanpassung</span>
<span style="color: #000000">Famciclovir 500 mg p.o. <span style="mso-tab-count:1;"> </span>1-1-1 über 7 Tage, <span style="mso-tab-count:1;"> </span>ab GFR <30 mL/min Dosisanpassung</span>
<span style="color: #000000">Brivudin* 125 mg p.o. <span style="mso-tab-count:1;"> </span>1-0-0 über 7 Tage, <span style="mso-tab-count:1;"> </span>keine Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz</span>
* <span style="color: #000000">*CAVE Rote-Hand-Brief zu Brivudin: Todesfälle infolge einer Arzneimittelwechselwirkung zwischen Brivudin und Fluoropyrimidinen (Fluorouracil (5-FU), Capecitabin, Tegafur, Flucytosin) (4)</span>
<span style="color: #000000">''Intravenöse Therapie:''</span>
* <span style="color: #000000">Aciclovir 7,5-10mg/kg KG<span style="mso-tab-count:1;"> </span>1-1-1 über 7 Tage, <span style="mso-tab-count:1;"> </span>ab GFR <26 mL/min Dosisanpassung</span>
* <span style="color: #000000">Zoster ophthalmicus mit intraokulärer Beteiligung: intravenöse Systemtherapie mit 10mg/kg KG Aciclovir 1-1-1 erwägen, Behandlungsdauer je nach ophthalmologischem Verlaufsbefund</span>
* <span style="color: #000000">Zoster oticus mit Befall von Gesichts- und/oder Hör-, Gleichgewichtsnerven: intravenöse Systemtherapie mit 10mg/kg KG Aciclovir 1-1-1 erwägen, Behandlungsdauer je nach HNO- Verlaufsbefund</span>
<span style="color: #000000">''Analgetische Therapie:''</span>
<span style="color: #000000">Nach WHO- Stufenschema zur Vermeidung einer postzosterischen Neuralgie:</span>
# <span style="color: #000000">geringe Schmerzintensität: NSAIDs oder andere Nicht-Opioidanalgetika</span>
# <span style="color: #000000">mittlere Schmerzintensität: Kombination von Nicht-Opioidanalgetika mit schwach wirksamen Opioiden</span>
# <span style="color: #000000">starke Schmerzintensität: Kombination von Nicht-Opioidanalgetika mit stark wirksamen Opioiden</span>
# <span style="color: #000000">Bei neuropathischen Schmerzen: zusätzlich Antikonvulsiva wie Gabapentin oder Pregabalin</span>
<span style="color: #000000">''Postzosterneuralgie:''</span>
<span style="color: #000000">Schmerzen, die länger als drei Monate andauern, werden definitionsgemäß als postzosterische Neuralgie (PZN) bezeichnet. Die Anbindung des Patienten an eine schmerzmedizinische Abteilung zur Erstellung eines multimodalen Therapiekonzeptes wird empfohlen.</span>
<span style="color: #000000">''Topische Therapie:''</span>
<span style="color: #000000">Eine stadiengerechte topische Behandlung lindert Beschwerden und beugt Superinfektionen vor:</span>
* <span style="color: #000000">Bei frischen Bläschen: antiseptische Gele, kühlende oder antiseptische Umschläge (z.B. Polihexanid Gel, Octenidinlösung) CAVE: keine Zinkoxidlotion/Lotio alba im Kopfbereich</span>
* <span style="color: #000000">Bei verkrusteten Bläschen: aufweichende Cremes oder Salben (z.B. Polihexanid Creme oder Dexpanthenol Salbe)</span>
* <span style="color: #000000">Bei Zoster ophthalmicus zusätzlich: b.B. Tränenersatzmittel 5x tgl. und je nach augenärztlichem Konsilbefund Aciclovir 3 % Augensalbe 5 x tgl. und/oder topische Steroide</span>
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Revision as of 18:18, 8 April 2021

Therapie

Impetigo contagiosa

Medikamentöse Therapie

Leichte Ausprägung:

1. Antiseptische äußerliche Therapie:

  • Polyhexanid-Gel/ Creme, Polyvidon- Gel, Octenidin- Lösung (Umschläge), Chlorhexidin- Gel.
  • Keimlastreduktion durch antiseptische Waschlotionen (z.B. Baktolin oder Octenisan Waschlotion)

2. Antibiotische äußerliche Therapie:

  • Fusidinsäure 2% Creme/Salbe (CAVE: nur gegen Staph. aureus wirksam)
  • Retapamulin 1% Salbe (wirkt gegen Staph. aureus und Streptokokken, Datenlage noch eingeschränkt) (3)
  • Mupirocin 2% Salbe sollte der MRSA- Eradikationstherapie vorbehalten bleiben!

Merke : Zur Vermeidung von Resistenzen ist die antiseptische der (ebenso leitliniengemäß empfohlenen) antibiotischen Therapie vorzuziehen.


Starke Ausprägung z.B. bei Patienten mit Neurodermitis:

  • Cefalexin (Cephalosporin der Gruppe 1).
  • Penicillinallergie: Clindamycin oder Makrolide

Tipp:

  • Nässende Läsionen: Anwendung von Gel oder Umschlägen (austrocknend)
  • Trockene Läsionen: Anwendung von Cremes- oder Salben


Hygienemaßnahmen

Abdecken befallener Hautpartien, sofern es die Lokalisation erlaubt (z.B. mit Mullgaze, Schlauchverband), um eine Übertragung von Bakterien zu vermeiden. Zusätzlich sollte eine gründliche Körperhygiene vorgenommen werden und kontaminierte Kleidung und Bettwäsche möglichst bei 60°C gewaschen werden.


Isolationsmaßnahmen

Für Kontaktpersonen zu Erkrankten sind verschärfte Hygienemaßnahmen (Handhygiene!) empfehlenswert. Nach § 34 IfSG dürfen Personen, die an Impetigo contagiosa, Scharlach oder sonstigen S.-pyogenes-Infektionen erkrankt oder dessen verdächtig sind, in Gemeinschaftseinrichtungen keine Lehr-, Erziehungs-, Pflege-, Aufsichts- oder sonstigen Tätigkeiten ausüben. Die Einschränkung der Tätigkeit bzw. des Besuchs der Gemeinschaftseinrichtung gilt, bis nach ärztlichem Urteil eine Weiterverbreitung der Krankheit nicht mehr zu befürchten ist.


Herpes Zoster
Therapieindikationen

Der Herpes Zoster ist in der Regel selbstlimitierend. Bei Patienten mit Risiko für einen komplizierten Verlauf oder Komplikationen wird eine antivirale Systemtherapie empfohlen:

  1. Zoster bei immunsupprimierten Patienten
  2. Zoster im Kopf-Hals-Bereich (v.a. V1, V2, V3)
  3. Zoster lokalisationsunabhängig mit
  • mittelschweren und schweren Schmerzen
  • hämorrhagischen oder nekrotischen Läsionen
  • multisegmentalem Befall/ generalisiert
  • aberrierenden Bläschen/Satellitenläsionen
  • mukokutanem Befall
  1. Zoster lokalisationsunabhängig bei Patienten ≥ 50 Jahren
  2. Zoster bei Patienten mit prädisponierenden Hauterkrankungen (z. B. atopische Dermatitis)
  3. Zoster bei Kindern und Jugendlichen unter Langzeittherapie mit topischen Steroiden

Merke: Bei Vorhandensein von Punkt 1, 2 oder 3 oder bei Kombination von ≥ 2 Punkten ist eine intravenöse Therapie der oralen Therapie vorzuziehen. Da die Therapieindikationen in der Literatur variieren handelt es sich letztendlich immer um eine Einzelfallentscheidung.

Therapievorschläge

Orale Therapie:

Aciclovir 800 mg p.o. 1-1-1-1-1 über 7 Tage, ab GFR <26 mL/min Dosisanpassung

Valaciclovir 1000 mg p.o. 1-1-1 über 7 Tage, ab GFR <50 mL/min Dosisanpassung

Famciclovir 500 mg p.o. 1-1-1 über 7 Tage, ab GFR <30 mL/min Dosisanpassung

Brivudin* 125 mg p.o. 1-0-0 über 7 Tage, keine Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz

  • *CAVE Rote-Hand-Brief zu Brivudin: Todesfälle infolge einer Arzneimittelwechselwirkung zwischen Brivudin und Fluoropyrimidinen (Fluorouracil (5-FU), Capecitabin, Tegafur, Flucytosin) (4)

Intravenöse Therapie:

  • Aciclovir 7,5-10mg/kg KG 1-1-1 über 7 Tage, ab GFR <26 mL/min Dosisanpassung
  • Zoster ophthalmicus mit intraokulärer Beteiligung: intravenöse Systemtherapie mit 10mg/kg KG Aciclovir 1-1-1 erwägen, Behandlungsdauer je nach ophthalmologischem Verlaufsbefund
  • Zoster oticus mit Befall von Gesichts- und/oder Hör-, Gleichgewichtsnerven: intravenöse Systemtherapie mit 10mg/kg KG Aciclovir 1-1-1 erwägen, Behandlungsdauer je nach HNO- Verlaufsbefund

Analgetische Therapie:

Nach WHO- Stufenschema zur Vermeidung einer postzosterischen Neuralgie:

  1. geringe Schmerzintensität: NSAIDs oder andere Nicht-Opioidanalgetika
  2. mittlere Schmerzintensität: Kombination von Nicht-Opioidanalgetika mit schwach wirksamen Opioiden
  3. starke Schmerzintensität: Kombination von Nicht-Opioidanalgetika mit stark wirksamen Opioiden
  4. Bei neuropathischen Schmerzen: zusätzlich Antikonvulsiva wie Gabapentin oder Pregabalin

Postzosterneuralgie:

Schmerzen, die länger als drei Monate andauern, werden definitionsgemäß als postzosterische Neuralgie (PZN) bezeichnet. Die Anbindung des Patienten an eine schmerzmedizinische Abteilung zur Erstellung eines multimodalen Therapiekonzeptes wird empfohlen.

Topische Therapie:

Eine stadiengerechte topische Behandlung lindert Beschwerden und beugt Superinfektionen vor:

  • Bei frischen Bläschen: antiseptische Gele, kühlende oder antiseptische Umschläge (z.B. Polihexanid Gel, Octenidinlösung) CAVE: keine Zinkoxidlotion/Lotio alba im Kopfbereich
  • Bei verkrusteten Bläschen: aufweichende Cremes oder Salben (z.B. Polihexanid Creme oder Dexpanthenol Salbe)
  • Bei Zoster ophthalmicus zusätzlich: b.B. Tränenersatzmittel 5x tgl. und je nach augenärztlichem Konsilbefund Aciclovir 3 % Augensalbe 5 x tgl. und/oder topische Steroide