Erkrankung:Antibiotikatherapie bei Sepsis: Difference between revisions
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D-->|ja|F[SOFA Score >2] | D-->|ja|F[SOFA Score >2] | ||
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Revision as of 11:50, 2 April 2020
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participant Alice
participant Bob
Alice->John: Hello John, how are you?
loop Healthcheck
John->John: Fight against hypochondria
end
Note right of John: Rational thoughts
prevail...
John-->Alice: Great!
John->Bob: How about you?
Bob-->John: Jolly good!
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A[Dokumentierte oder suspekte Infektion]-->B{"qSOFA>2"}
C(Reevaluation)-->B
B-->|ja|D(Organdysfunktion?)
B-->|nein|E(weiterhin V.a. Sepsis)
E-->|ja|C
D-->|ja|F[SOFA Score >2]
F-->|ja|G[Sepsis]
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Klinisches Bild*
Patienten mit Sepsis sind schwer krank: Sepsis ist ein infektiologischer Notfall!
Das Fortschreiten lokal begrenzter Infektionen hin zu einem systemischen Krankheitsbild wird unter dem Begriff Sepsis zusammengefasst. Dabei ist die Sepsis als lebensbedrohliche Organdysfunktion charakterisiert und wird pathophysiologisch durch eine dysregulierte immunologische Reaktion auf die Infektion unterhalten. Neben dem Sepsis-Konzept der Bakteriämie (u.a. Hugo Schottmüller 1913) hat auch das SIRS - Konzept (u.a. Bone 1991) weiterhin eine klinische Bedeutung.
Die Antibiotikatherapie ist nur ein Teil der Sepsis-Therapie: Im Vordergrung stehen Fokusidentifikation und Fokussanierung sowie die konsequente Anwendung des "1-Stunden-Bündel".
Klinische Situationen
Sepsis stellt das pathophysiologische Korrelat der schwersten Verlaufsform im Prinzip aller Infektionen dar. Am häufigsten sind Pneumonien, abdominelle Infektionen oder Harnwegsinfektionen Ursache der Sepsis. Dabei ist wichtig zu bemerken, dass das frühe Erkennen und das Aufhalten der Kaskade die Prognose deutlich verbessert. Vorherrschend ist das Organversagen, welches beim septischen Schock auch mit einem protrahierten Kreislaufversagen vergesellschaftet ist.
| Definition Sepsis-3 |
| - Sepsis: lebensbedrohliche Organdysfunktion aufgrund einer fehlregulierten Wirtsantwort bedingt durch eine Infektion
- Organdysfunktion: akute Veränderung des SOFA-Scores ≥2 Punkte als Folge einer Infektion (bei Patienten ohne vorbekannte Organdysfunktion Ausgangs-SOFA-Score=0) - septischer Schock: Vasopressorengabe erforderlich, um bei persistierender Hypotonie einen MAD ≥65mmHg aufrechtzuerhalten und Serum-Laktat >2mmol/l trotz adäquater Volumensubstitution |
Diagnostik
Diagnosekriterien
Um das Kontinuum von lokaler Infektion bis hin zum Septischen Schock abzubilden, könnte vereinfacht wie folgt eingeteilt werden:
- Schwere Infektion: Infektionsverdacht + ≥ 2 SIRS-Kriterien
- Sepsis: Infektionsverdacht + ≥ 2 Punkte SOFA Anstieg
- Septischer Schock: Sepsis + Vasopressorbedarf (um MAP >65 mm Hg zu halten) und Serum-Laktat > 2 mmol/l (trotz adäquater Volumensubstitution)
Bei unbekanntem SOFA-Score soll ein Ausgangs-SOFA von 0 Punkten angenommen werden.
| SOFA-Score (Sequential Organ Failure Assessment) | |||||
| Beim Vorliegen von mind. 2 Kriterien ist eine Sepsis wahrscheinlich! | |||||
| Organsystem | Paramater | 1 | 2 | 3 | 4 |
| Atmung | PaO2/FiO2 | < 400 mm Hg | < 300 mm Hg | < 200mm Hg, maschinelle Beamtung | < 100 mm Hg, maschinelle Beatmung |
| Nervensysten | GlasgowComa Scale(GCS) | 13-14 | 10-12 | 6-9 | < 6 |
| Herz-Kreislauf-System | Katecholamine (µg/kg/min) | MAP < 70 mm Hg | Dobutamin (beliebige Dosis)
oder Dopamin ≤5 |
Noradrenalin ≤ 0,1 oder Dopamin >5 oder Adrenalin ≤ 0,1 | Noradrenalin > 0,1
oder Dopamin > 15 oder Adrenalin > 0,1 |
| Leber | Bilirubin | 1,2 - 1,9 mg/dl μmol/l] | 2,0–5,9mg/dl [33–101μmol/l] | 6,0–11,9 mg/dl
[102–204 μmol/l] |
> 12,0 mg/dl [ > 204
μmol/l] |
| Gerinnung | Thrombozyten
(Gpt /l) |
< 150 | <100 | <50 | < 20 |
| Niere | Kreatinin | 1,2–1,9 mg/dl [110–17 0 μmol/l] | 2,0-3,4 mg/dl
[171-299 μmol/l] |
3,5-4,9 mg/dl
[300-440 μmol/l] (oder Urin < 500ml/d) |
> 5,0 mg/dl [>440 μmol/l] (oder Urin < 200 ml/d) |
Sepsisdiagnose der Intensivstation: qSOFA
Als vereinfachtes Screening-Instrument außerhalb von INentisvstationen kann der qSOFA genutzt werden, er gilt als positiv wenn mind. 2 Kriterien zutreffen.
| qSOFA (quickSOFA) |
|---|
| - Atemfrequenz ≥ 22/min
- verändertes Bewusstsein (GCS<15) - systolischer Blutdruck ≤ 100 mm Hg |
Ein qSOFA ≥ 2 Punkte ist prognostisch ungünstig und sollte in jedem Falle eine erweiterte Überwachung nach sich ziehen, sowie die Diagnostik und Therapie der Sepsis beschleunigen.
Flussschema
graph TD
A[Dokumentierte oder suspekte Infektion]-->B{"qSOFA≥2"}
C(Reevaluation)-->B
B-->|ja|D(Organdysfunktion?)
B-->|nein|E(weiterhin V.a. Sepsis)
E-->|ja|C
D-->|ja|F[SOFA Score >2 ]
F-->|ja|G[Sepsis]
F-->|nein|E
G-->H(Trotz adäquater Flüssigkeitsgabe: <br/> 1. Vasopressor notwendig<br/> um MAD>65mmHG <br/> und <br/> 2. Laktat>2mmol/L)
H-->|nein|G
H-->|ja|I[septischer Schock]
J["qSOFA: <br/> 1. Atemfrequenz >22/min <br/> 2. Eingeschränkter <br/> mentaler Status (GCS<15) <br/>3. Systolischer RR ≤ 100mmHG"]
style I fill:#f33
style G fill:#f70
Diagnostische Schritte
| Mikrobiologische Diagnostik |
|---|
| Basisdiagnostik
- mindestens 2 (besser 3) Blutkulturpaare (siehe Handlungsempfehlung Blutkultur-Dianostik) - ohne Vorhandensein zentraler Gefäßzugänge: mind. 2 Blutkulturpaare (besser 3) perkutan von unterschiedlichen Entnahmestellen - bei Vorhandensein zentraler Gefäßzugänge: mind. 1 Blutkulturpaar (besser 2) perkutan (oder via neu platziertem i.v.-Zugang) und zusätzlich je 1 Blutkulturpaar von jedem seit >48 h in situ befindlichen, zentralen Gefäßzugang (ZVK, Port, Vorhofkatheter, art. Katheter) |
| Fokus Atemwege
- respiratorische Sekrete (Tracheobronchialsekret oder BAL, wenn diese klinisch indiziert ist, [Sputum]) auf Erreger+Resistenz - Legionellen-Antigentest (aus Urin) - während Influenza-Saison bzw. bei Reiseanamnese: Influenza-Diagnostik (Molekularbiologische Testung, AG-Schnelltest nicht empfohlen) aus Nasopharynx-Abstrich oder respiratorischem Sekret, ggf. ergänzt um saisonale spezifische Diagnostik (z.B. COVID-19) - Pleurapunktat auf Erreger + Resistenz in sterilem Gefäß und in Blutkulturflaschen |
| Fokus Harntrakt
- Urin-Status - Urinkultur auf Erreger + Resistenz |
| Zusätzliche Mikrobiologische Diagnostik |
|---|
| Allgemein
- Intravasale Katheterspitzen (Ausrolltechnik) nur bei Infektionsverdacht und gleichzeitiger Einsendung von Blutkulturen (möglichst zentral und peripher gleichzeitig entnommen: Differential Time to Positivity) - grundsätzlich sind Gewebeproben und/oder Punktate zu bevorzugen, da die diagnostische Validität von Abstrichen zu gering ist
Fokus Wunde/Naht/Abszess
Fokus Gelenke
Fokus Abdomen (Galle, Darm)
Fokus ZNS
|
Beispiele für Differentialdiagnosen
Jede Form von systemischer Reaktion des Körpers, ohne dass eine Infektion vorliegt, die mit einer Organdysfunktion einher geht. Beispiele hierfür sind ödematöse Pankreatitis, schweres Trauma, Toxic-Shock-Syndrom, Verbrennungen oder postoperative systemische Inflammationsreaktion.
Die hämophagozytische Lymphohistiozytose, kurz HLH, ist eine lebensbedrohliche Funktionsstörung des Immunsystems, die mit Hyperinflammation, Zytokinsturm und unkontrollierter Aktivierung von Lymphozyten und Makrophagen einhergeht. Zur Diagnostik dient hier eine Ferritinbestimmung während eines septischen Schocks bei Erstdiagnose und dann alle 7 Tage und ist bedeutsam, da als therapeutische Konsequenz eine Immunsuppression erfolgen muss.
Erreger*
Die Erreger der Sepsis sind vor allem abhängig vom Fokus, die häufigsten Erreger des jeweiligen Fokus sind auf den entsprechenden Seiten zu finden. Typische bakteriellen Erreger der Sepsis sind nachfolgend angegeben, wobei regionale Unterschiede sowie die Reiseanamnese relevante Faktoren sind:
• Streptococcus pneumoniae
• Haemophilus influenzae
• Staphylococcus aureus
• Escherichia coli
• Enterokokken
• Nonfermenter
• Neisseria meningitidis
| Fokus | häufige Erreger |
| Unbekannt - ambulant erworben | S. aureus, Streptokokken, E. coli, Enterokokken, Klebsiella spp., Pseudomonas spp. |
| Unbekannt - nosokomial erworben | S. aureus, E. coli,
andere Enterobacteriaceae, Enterokokken, Pseudomonas aeruginosa |
| Atemwege - ambulant erworben
sCAP |
Pneumokokken,
H. influenzae, S. aureus, Enterobacteriaceae, Pseudomonas aeruginosa3) |
| Atemwege - nosokomial erworben | S. aureus, E. coli,
andere Enterobacteriaceae, Pseudomonas aeruginosa3), Anaerobier |
| Harnwege | E. coli, Proteus mirabilis, Enterokokken, Enterobacteriaceae Pseudomonas aeruginosa, Staphylokokken |
| Abdominelle Infektionen, gynäkologische Organe | E. coli/ andere Enterobacteriaceae, Enterokokken, Anaerobier. Pseudomonas aeruginosa |
| Haut- /Weichgewebe
nekrotisierende Fasziitis Fourniersche Gangrän |
A-Streptokokken, S. aureus
Mischinfektionen (zusätzlich mit Non-A-Streptokokken, Anaerobier, Enterobacteriaceae, Pseudomonas aeruginosa) |
Jedoch kann eine Sepsis auch durch saisonale Influenza/Grippe-Viren, Dengue-Viren und andere Erreger, wie Vogel- und Schweinegrippeviren, Coronaviren und in jüngster Zeit Ebola- und Gelbfieber-Viren bedingt sein.
Therapie
Kausale Therapie
Sepsis Patienten sollten innerhalb einer Stunde nach Stellen der Verdachtsdiagnose Sepsis einer kausalen Therapie zugeführt werden:
- Sanierung von Infektionsherden (operative Sanierung; endoskopische oder radiologisch gesteuerte Einlage von Spüldrainagen; Wechsel intravenöser Katheter durch Neupunktion, insbesondere bei einer Liegedauer >48h; ggf. Entfernung von Tenckhoff-Kaathetern, Ports, o.ä)
- Erregerspezifische, resistenzgerechte oder kalkulierte Antibiotikatherapie
Adaptierte "Bundles" der Surviving Sepsis Campaign für Sepsis und septischen Schock
Unter der Zielsetzung, die Letalität der schweren Sepsis um 25% zu reduzieren, hat die Surviving Sepsis Campaign (SSC) mehrfach sogenannte "Bundles" entwickelt. Darunter versteht man Gruppen von evidenzbasierten Interventionen, deren gemeinsame Anwendung das Outcome stärker verbessert, als die Anwendung der einzelnen Interventionen alleine. Das "Hour-1-Bundle" beinhaltet Ziele, die möglichst innerhalb der ersten Stunde nach Diagnose Sepsis erreicht sein sollten. Dabei wurde zuletzt das 3-Stunden-Bundle und das 6-Stunden- Bundle der Surviving Sepsis Campaign zu einem Maßnahmenpaket zusammengefasst.
Zusammenfassung "1-Stunden-Bündel"
- Lactat bestimmen
- Entnahme von Blutkulturdiagnostik möglichst vor Gabe der Antibiotika Blutkulturentnahme vor Beginn der Antibiotikatherapie bzw. vor Umstellung der Antibiotikatherapie (siehe auch ABx Programm: Blutkulturen müssen nach adäquater Hautdesinfektion über > 1 min steril entnommen werden. Die Wahrscheinlichkeit der Isolierung eines im Blut vorhandenen Erregers steigt mit der Menge des untersuchten Blutes. Deshalb möglichst an unterschiedlichen Stellen 2 Serien/Blutkultursets (Serie =1 aerobe + 1 anaerobe Flasche) in kurzem zeitlichen Abstand aus unterschiedlichen peripheren Venenpunktionen für die Kultivierung entnehmen. Pro Flasche 8 - 10ml Blut einsetzen. Bei Kulturen aus bereits liegenden Kathetern bestehen sehr hohe Kontaminationsraten. Nur bei frisch gelegtem ZVK ist die Entnahme einer Kultur über diesen Zugang sinnvoll. Bei Verdacht auf katheter-assoziierte Sepsis 1. Entnahme aus dem Katheter, 2. Entnahme aus peripherer Vene! Entnahmezeit notieren und dem Labor mitteilen, damit die Differenzzeit zwischen den Entnahmezeiten berechnet werden können! Flaschen sollten nicht belüftet werden.)
- Applikation von Breitspektrum-Antibiotika (Erregerspezifische, resistenzgerechte oder kalkulierte Antibiotikatherapie)
- Volumengabe: Applikation von 30 ml/kg kristalloider Infusionslösungen bei Hypotension oder erhöhtem Lactatspiegel ≥4 mmol/l. Zur Volumentherapie sollten nach aktuelle Nutzen-/Risikoanalysen aufgrund erhöhter Mortalität und Nierenschädigung keine Kolloidlösungen mehr verwendet werden (z.B. HAES 130/0,4 6%). Die Gabe von Humanalbumin sollte nur nach strenger individueller Indikationsstellung erfolgen, sie kann bei septischem Schock diskutiert werden.
- Vasopressoren: Applikation von Vasopressoren (Noradrenalin, ggf. Vasopressin bei hohen Katecholamindosierungen), wenn die Hypotension während oder nach der Gabe der Kristalloide weiterbesteht, um einen mittleren arteriellen Druck von (MAP) ≥65 mm Hg zu erzielen
Antibiotika- Therapiegrundsätze Sepsis
Die Behandlung von Patienten mit Sepsis orientiert sich primär an den Empfehlungen bei den entsprechenden Erkrankungsbildern. Dennoch bestehen bei der Sepsis einige Besonderheiten, die nachfolgend aufgeführt sind. Die Studienlage zeigt jedoch klar, dass Patienten mit septischem Schock oder kritisch kranke Patienten im Sinne des 1-Stunden-Bündel aggressiver behandelt werden sollten.
| - Die Identifizierung des Sepsisfokus und dessen schnellstmögliche (innerhalb 6-12 Stunden nach Diagnosestellung) Sanierung (möglichst invasiv/chirurgisch oder interventionell-radiologisch) sollte immer angestrebt werden!
|
- Deeskalation:
|
Kalkulierte Initialtherapie bei unbekanntem Erreger
| Fokus | häufige Erreger | Beispiel
Therapie-Empfehlung Sepsis |
MRGN Risiko (LINK)
oder Septischer Schock ggf. noch MRSA Risiko |
| Unbekannt
- ambulant erworben |
S. aureus,
Streptokokken, E.coli, Enterokokken, Klebsiella spp., Pseudomonas spp. |
Piperacillin/ Tazibactam |
|
| Unbekannt
- nosokomial erworben |
S. aureus, E.coli,
andere Enterobacteriaceae, Enterokokken, Pseudomonas aeruginosa |
Piperacillin/ Tazobactam
(wenn keine AB-Vortherapie, kein MRE-Risiko)
|
Vancomycin oder Linezolid |
| Atemwege
- ambulant erworben sCAP |
Pneumokokken,
H. influenzae, S. aureus, Enterobacteriaceae, Pseudomonas aeruginosa3) |
- Piperacillin/ Tazobactam
- Ceftriaxon - Cefotaxim
bis atypische Erreger ausgeschlossen) |
Die Wahrscheinlichkeit für MRGN in dieser
Patientenpopulation ist sehr gering. In Einzelfällen, wie z.B. multi-morbide Patienten mit Tracheostoma und vorbekannter MRGN-Kolonisation, sollten 4MRGN ggf. kalkuliert entsprechend des letzten Resistogrammes mit erfasst werden.
(Monotherapie nicht bei septischem Schock)
Vancomycin oder Linezolid |
| Atemwege
- nosokomial erworben |
S. aureus, E. coli,
andere Enterobacteriaceae, Pseudomonas aeruginosa3), Anaerobier |
Piperacillin/ Tazobactam (+ Ciprofloxacin3)
(+Ciprofloxacin3) + Vancomycin |
Meropenem + Aminoglykosid
[Tobramycin, Amikacin] Ceftazidim* + Aminoglykosid [Tobramycin, Amikacin] Piperacillin/ Tazobactam + Aminoglykosid [Tobramycin, Amikacin] Carbapenem [Meropenem, Imipenem] + Fluorchinolon [Ciprofloxacin, Levofloxacin] Piperacillin/ Tazobactam + Fluorchinolon [Ciprofloxacin, Levofloxacin]
|
| Harnwege | E. coli, Proteus mirabilis,
Enterokokken, Enterobacteriaceae, Pseudomonas aeruginosa, Staphylokokken |
Piperacillin/ Tazobactam
oder Meropenem |
Meropenem (unter Beachtung von Vortherapien
Pseudomonaswirksames ß- Lactam) + Vancomycin oder Linezolid |
| Abdominelle
Infektionen, gynäkologische Organe |
E. coli/ andere
Enterobacteriaceae, Enterokokken, Anaerobier. Pseudomonas aeruginosa |
Piperacillin/ Tazobactam
oder Meropenem |
Meropenem + Vancomycin |
| Haut-/Weich-
gewebe |
A- Streptokokken, S. aureus | Piperacillin/ Tazobactam + Clindamycin | Rufbereitschaft Mikrobiologie bei z.B. V.a. Gasbrand! |
| nekrotisirende
Fasziitis Fourniersche Gangrän |
Mischinfektionen
(zusätzlich mit Non- A- Streptokokken, Anaerobier, Enterobacteriaceae, Pseudomonas aeruginosa) |
Meropenem
+ Clindmycin |
Weichgewebsinfektionen Typ I und II sowie bei Fournierscher Gangrän
- Piperacillin/ Tazobactam - Meropenem
Ceftriaxon oder Erythromycin) |
| Gefäßkatheter
(ZVK, Port, Dialysekatheter) |
koag. -neg.
Staphylokokken, S. aureus, gramnegative Stäbchen, Candida spp., Corynebakterien, Propionibakterien |
Piperacillin/ Tazobactam
+ Vancomycin oder Meropenem + Vancomycin |
- Vancomycin + Meropenem
- Vancomycin + Ceftazidim |
1)Risiko für MRE:
- schwere strukturelle chronische Lungenerkrankungen (schwere COPD, Bronchiektasen, Mukoviszidose) mit Antibiotikavortherapie oder vorausgegangener Hospitalisierung jeweils in den letzten drei Monaten
- bekannte Kolonisation (P. aeruginosa, MRSA, MRGN)
- PatientInnen aus Langzeitpflegebereichen, chronische Dialyse, Tracheostomaversorgte, offene Wunden
- vorhergehende Hospitalisation
- vorhergehende antibiotische Therapie (in Abhängigkeit von Spektrum, Dauer und Dosierung)
Empirische antimykotische Therapie
Candida - Infektionen sind ätiologisch relevant bei Patienten mit Sepsis und im septischen Schock. Bei intraabdominalem Nachweis aus Histologie oder Mikrobiologie bzw. bei Candidämie antimykotische Therapie beginnen. Bei Nichtansprechen der antibiotischen Therapie innerhalb von 24- 48h ist die zusätzlich antimykotische Therapie z.B. mit Echinocandinen empfohlen.
HIER KOMMT NOCH EIN SCHEMA HIN
Spezielle Entitäten: MRE - Kalkulierte Antibiotikatherapie - multiresistente Erreger (MRE) bekannt oder wahrscheinlich1)
| Erreger | Therapieerweiterung empfohlen mit | Dosierung2) | Bemerkung3) |
| MRSA | + Vancomycin oder
+ Linezolid |
(2 x 1 g/d)4)
2 x 600 mg/d |
nach Initialbolus weiter mit Vancomycin 30 mg/kg
KG/24 h5) als kontinuierliche Infusion bei pulmonalen Fokus |
| VRE | + Linezolid | 2 x 600 mg/d | |
| Enterobakterien (ESBL, 3MRGN)8) | Meropenem | 3 x 2 g/d | nach Initialbolus weiter mit Meropenem
6 g/24h als kontinuierliche Infusion |
| Enterobakterien 4MRGN8)oder Acinetobacter spp. 4MRGN8) | + Colistin
+ Tigecyclin |
1. Dosis 9 Mio
IE dann 2x 4,5 Mio IE/d6) 1. Dosis 100 mg, weiter mit 2 x 50 mg/d |
nur nach individuellem Antibiogramm
Bei Auftreten Rücksprache mit ABS-Team und/oder Mikrobiologen |
| Pseudomonas aerug.
|
+ Colistin
+ Meropenem |
1. Dosis 9 Mio
IE dann 2x 4,5 Mio IE/d6) |
1)Risiko für MRE:
- schwere strukturelle chronische Lungenerkrankungen (schwere COPD, Bronchiektasen, Mukoviszidose) mit Antibiotikavortherapie oder vorausgegangener Hospitalisierung jeweils in den letzten drei Monaten
- bekannte Kolonisation (P. aeruginosa, MRSA, MRGN)
- PatientInnen aus Langzeitpflegebereichen, chronische Dialyse, Tracheostomaversorgte, offene Wunden
- vorhergehende Hospitalisation
- vorhergehende antibiotische Therapie (in Abhängigkeit von Spektrum, Dauer und Dosierung)
2) Dosierungsangaben für erwachsene Patienten mit normaler bis kompensierter Nierenfunktion (GFR > 50 ml/min)
3) Bei Sepsis/ septischer Schock sollte eine prolongierte Gabe (=Infusionsdauer: 3-4h/Dosis) der ß-Laktam-Antibiotika nach einer initialen Standardosis (Bolus) angestrebt werden. Bei Verfügbarkeit eines TDM ist eine kontinuierliche Gabe der ß-Laktam-Antibiotika (ebenfalls nach einer initalen Standarddosis (Bolus)) möglich.
->typisches TDM Ziel steady state Piperacillin/Tazobactam: 32-64 mg/l
->typisches TDM Ziel steady state Meropenem: 8-16 mg/l
4) IIV: nur in Ausnahmefällen! TDM Vancomycin intermittierende Gabe (Infusionsdauer: mind. 1 h/Gabe, um Red-Man-Syndrom zu vermeiden): -> Ziel-Talspiegel 15-20 mg/l
5) Initialbolus Vancomycin: 15 mg/kgKG
->Tdm Vancomycin kontinuerliche Gabe: Ziel-Spiegel steady state 25-30 mg/l
6) Die optimale Dosierung von Colistin wird kontrover diskutiert, aktuelle Empfehlungen sollten beachtet werden (https://accpjournals.onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1002/phar.2209)
7) Piperacillin/Tazobactam bei MRGN: ggf. wirksam bei Urosepsis, bei MHK < 4 mg/l (v.a. intraabdominelle Infektionen)
Spezielle Entitäten: gezielte Antibiotikatherapie nach Erregernachweis1)
| Erreger | Therapieempfehlung2)/ Alternativen nachgeordnet | Kombinationspartner | ||
| S.aureus
MSSA |
Flucloxacillin (6 x 2g/d) | ggf. 12 g/24 h kontinuierlich nach Bolus, TDM! | bei Vorhandensein nicht infizierter (sicherer Ausschluss!)
oder nicht entfernbarer Fremdmaterialien (z.B. intrakardiale Devices/Herzklappen, Endoprothesen, Osteosynthesen, implantierte Pumpen, …): + Rifampicin (2 x 450 mg/d)3) oder Fosfomycin (3 x 5 g/d) | |
| Cefazolin (3 x 2 g/d) | ||||
| S.aureus
MRSA koagulase-negative Staphylok. |
Vancomycin (2 x 1 g/d)4) | ggf. 30 mg/kg KG/24 h kontinuierlich nach Bolus5) | bei Vorhandensein nicht infizierter (sicherer Ausschluss!) oder nicht entfernbarer Fremdmaterialien (z.B. intrakardiale Devices/Herzklappen, Endoprothesen, Osteosynthesen, implantierte Pumpen, …):
+ Rifampicin (2 x 450 mg/d)3) oder Fosfomycin (3 x 5 g/d) | |
| Daptomycin 1 x 10 mg/kg KG/d | bei Vorhandensein nicht infizierter (sicherer Ausschluss!) oder nicht entfernbarer Fremdmaterialien (z.B. intrakardiale Devices/Herzklappen, Endoprothesen, Osteosynthesen, implantierte Pumpen, …):
+ Rifampicin (2 x 450 mg/d)3) oder Fosfomycin (3 x 5 g/d) | |||
| Linezolid (2 x 600 mg/d) | Cave: KEINE Kombination mit Rifampicin!hierunter beschleunigter Abbau und somit eventueller Wirkverlust von Linezolid möglich (Ausnahme: Verfügbarkeit von TDM für Linezolid zur Therapiesteuerung) | |||
| S.aureus-Bakteriämie | Therapie wie oben angeführt über mind. 14 d (nach 1. neg. Folgeblutkultur) , bei komplizierter S.aureus-Bakteriämie mind. 28 d (s. SOP S.aureus-Bakteriämie) | |||
| A-Streptokokken | Penicillin G (4-6-8 x 5 Mio IE/d) | + Clindamycin (4 x 600 mg/d) | ||
| Cefazolin (3 x 2 g/d) - bei Penicillin-Allergie | ||||
| Pneumokokken | Penicillin G (4-6-8 x 5 Mio IE/d) | |||
| Ceftriaxon (2 x 2 g/d) - bei Penicillin-Allergie oder Penicillin-Resistenz | + Azithromycin (1 x 500mg/d) – für 3 Tage und
nur bei pulmonalen Fokus | |||
| Ampicillin (4 x 3 g/d) | ||||
| Enterococcus faecalis | Vancomycin (2 x 1g/d)4) - bei Penicillin-Allergie | ggf. 30 mg/kg KG/24 h kontinuierlich nach Bolus5) | + ggf. Gentamicin (5 - 10 mg/kg/d)6) - bei Ausschluss einer High-Level-Resistenz | |
| Enterococcus faecium | Vancomycin (2 x 1 g/d)4) | ggf. 30 mg/kg KG/24 h kontinuierlich nach Bolus5) | + ggf. Gentamicin (5 - 10 mg/kg/d)6) - bei Ausschluss einer High-Level-Resistenz | |
| Daptomycin 1 x 10 mg/kg KG/d | ||||
| Linezolid (2 x 600 mg/d) | ||||
|
Ampicillin/Sulbactam (4 x 3 g/d) |
||||
| E. coli, Klebsiella spp., Proteus mirabilis | Ceftriaxon (1 x 2 g/d) | 3 MRGN, 4 MRGN: nur nach individuellem Antibiogramm | ||
| Ciprofloxacin (3 x 400 mg/d) | ||||
| Citrobacter, Enterobacter, Serratia |
Meropenem (3 x 1-2g/d) |
ggf. nach Initialbolus weiter mit
Meropenem 6 g/24h als kontinuierliche Infusion |
||
| Ciprofloxacin (3 x 400 mg/d) | ||||
| Pseudomonas aeruginosa | Ceftazidim (3 x 2 g/d) | ggf. nach Initialbolus weiter mit
6 g/24 h kontinuierlich |
ggf. + Ciprofloxacin (3 x 400 mg/d)
oder + Fosfomycin (3 x 5 g ) 3 MRGN, 4 MRGN: nur nach individuellem Antibiogramm | |
|
Meropenem ( 3x 1-2g/d) |
ggf. nach Initialbolus weiter mit
Meropenem 6 g/24h als kontinuierliche Infusion | |||
| Acinetobacter spp. |
Meropenem ( 3x 1-2g/d) |
ggf. nach Initialbolus weiter mit
Meropenem 6 g/24h als kontinuierliche Infusion |
ggf. + Ciprofloxacin (3 x 400 mg/d)
3 MRGN, 4 MRGN: nur nach individuellem Antibiogramm | |
| Stenotrophomonas maltophilia | Cotrimoxazol (2-3 x 960 mg/d) | ggf. + Levofloxacin (2 x 500 mg/d) | ||
1) Dosierungsangaben für erwachsene Patienten mit normaler bis kompensierter Nierenfunktion (GFR >50 ml/min)
2) Bei Sepsis/ septischer Schock sollte eine prolongierte Gabe (=Infusionsdauer: 3-4 h/Dosis) der ß-Laktam-Antibiotika nach einer initialen Standarddosis (Bolus) angestrebt werden. Bei Verfügbarkeit eines TDM ist eine kontinuierliche Gabe der ß-Laktam-Antibiotika (ebenfalls nach einer initialen Standarddosis (Bolus)) möglich.
3) Rifampicin: Einsatz erst, wenn definitiver chir. Therapie (z.B. Endoprothetik/ Implantatwechsel) erfolgt ist; ansonsten erst ab Tag 4 der Therapie ergänzen (Gefahr Resistenzentwicklung aufgrund hoher Inokulumkonzentration in der Initialphase)
4) IIV: nur in Ausnahmefällen!, TDM Vancomycin intermittierende Gabe (Infusionsdauer: mind. 1 h/Gabe, um Red-Man-Syndrom zu vermeiden): àZiel-Talspiegel 15-20 mg/l
5) Initialbolus Vancomycin: <60 kg: 1 g
60-69 kg: 1,5 g
>90 kg: 2 g
->TDM Vancomycin kontinuierliche Gabe: Ziel-Spiegel steady state 25-30 mg/l
6) TDM Gentamicin: Ziel-Talspiegel <2mg/l, Ziel-Spitzen-Spiegel 16-20 mg/l
7) bei ausgeprägter Adipositas (BMI>30) Dosiserhöhung auf 4x4,5 g bzw. 18g/24 h angeraten; Erhöhung der loading dose auf 9 g bei adipösen Patienten (BMI>30) vor Start der kontinuierlichen Infusion empfehlenswert
Weiterführende Literatur
• WHO Resolution zur Sepsis: http://apps.who.int/gb/ebwha/pdf_files/WHA70/A70_R7- en.pdf?ua=1
• S2k Leitlinie: Kalkulierte parenterale Initialtherapie bakterieller Erkrankungen bei Erwachsenen – Update 2018 (AWMF 082-006)
• S2k LeitlinieSepsis – Prävention, Diagnose, [resources/img/favicon.ico]Therapie und Nachsorge. https://www.awmf.org/leitlinien/aktuelle-leitlinien/ll-liste/deutsche-sepsis-gesellschaft-ev.html
• Singer et al. The Third International Consensus Definitions for Sepsis and Septic Shock (Sepsis-3). JAMA; 2016
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