DGI:Abdominelle Infektionen/Klinisches Bild/Klinische Situationen: Difference between revisions

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Die Wahl des Antibiotikums einer intraabdominellen Infektion in der kalkulierten Therapie sollte folgendes berücksichtigen:
Der Schweregrad bildet oftmals im Verlauf ein Krankheitskontinuum ab, von der unkomplizierten, nicht organübergreifenden bis hin zur komplizierten organübergreifenden Infektion, i.d.R. mit einer begleitenden lokalen oder diffusen Peritonitis, die dann oftmals mit einem septischen Verlauf einhergeht. Dies gilt insbesondere, wenn eine konzertierte Strategie, bestehend aus antiinfektiver, chirurgischer und ggf. intensivmedizinischer Therapie, verzögert oder unzureichend erfolgt. Diese unterschiedlichen Ausprägungen und Schweregrade einer IAI spiegeln sich dann auch in einer gestaffelten Behandlungsintensität, besonders aber auch in einer möglichst differenzierten antiinfektiven Therapie wider.


* Um eine zielgerichtete, zeitlich und inhaltlich adäquate antibiotische Therapie einer IAI initiieren zu können, sollte eine klinische Einteilung nach Lokalisation und Ausprägung der Infektion (keine Perforation/lokal/diffus) in Abhängig des Infektionsbeginns (seit <7d/>7d) und der Ausprägung der Erkrankungsschwere (Sepsis/Septischer Schock) erfolgen.
Die Kategorisierung der IAI nach verschiedenen Aspekten hat eine hohe Relevanz für die klinische Praxis, da sie die Grundlage für diagnostische und therapeutische Entscheidungen darstellt <ref>Sartelli M, Chichom-Mefire A, Labricciosa FM, et al.: The management of intra-abdominal infections from a global perspective: 2017 WSES guidelines for management of intra-abdominal infections. World J Emerg Surg 2017; 12: 29.</ref> <ref>Blot S, De Waele JJ, Vogelaers D: Essentials for selecting antimicrobial therapy for intra-abdominal infections. Drugs 2012; 72: e17-32.</ref>.
{| class="contenttable"
|+<span id="Einteilung_der_intraabdominellen_Infektionen">Einteilung der intraabdominellen Infektionen</span>
!Nach Ursache
!Nach Ausdehnung
|-
|
*Infektionen intra-abdomineller Organe ohne Peritonitis (ca. 5-10%)
**Cholezystitis, Appendizitis, Divertikulitis


* Bzgl. des MRE-Risikos sollte zusätzlich anamnestiziert werden, inwieweit die Patienten häufige Auslandsreisen in Länder mit hoher MRE-Prävalenz getätigt haben oder es sich um die Verlegung eines Patienten aus einem Land/Region mit hoher Prävalenz resistenter Erreger handelt. Antibakterielle Vorbehandlungen sind ebenfalls bedeutsam.
*Primäre Peritonitis (ca. 1%)
* Bei Patienten mit PD (Peritonealdialyse) ist entsprechend das besondere Erregerspektrum zu berücksichtigen.
**Spontan bakt. Peritonitis
**Peritonitis bei Peritonealdialyse


In der Regel ist insbesondere zu Beginn der Therapie (außer im Falle der unkomplizierten IAI) eine intravenöse Antibiotikatherapie erforderlich, jedoch kann bei Patienten mit PD die Therapie ggf. über die Dialyseflüssigkeit erfolgen. Die Anpassung der Antibiotikadosierungen an die Nierenfunktion muss berücksichtigt werden.
*Sekundäre Peritonitis (ca. 80-90%)
**Ambulant erworben nach Hohlorganperforation
**Postoperativ (postinterventionell/ posttraumatisch)
 
*Tertiäre Peritonitis (ca. 5-10%)
**Persistierende intraabdominelle Infektion ohne chirurgisch sanierbaren Fokus
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*Unkomplizierte IAI
**Maximal ein Organ betroffen
**Peritoneum nicht involviert
 
*Komplizierte IAI
**Infektion überschreitet das betroffene Organ
**Ein oder mehrere Organe betroffen
**Lokalisierte oder diffuse Peritonitis
|}

Revision as of 14:06, 10 June 2021

Der Schweregrad bildet oftmals im Verlauf ein Krankheitskontinuum ab, von der unkomplizierten, nicht organübergreifenden bis hin zur komplizierten organübergreifenden Infektion, i.d.R. mit einer begleitenden lokalen oder diffusen Peritonitis, die dann oftmals mit einem septischen Verlauf einhergeht. Dies gilt insbesondere, wenn eine konzertierte Strategie, bestehend aus antiinfektiver, chirurgischer und ggf. intensivmedizinischer Therapie, verzögert oder unzureichend erfolgt. Diese unterschiedlichen Ausprägungen und Schweregrade einer IAI spiegeln sich dann auch in einer gestaffelten Behandlungsintensität, besonders aber auch in einer möglichst differenzierten antiinfektiven Therapie wider.

Die Kategorisierung der IAI nach verschiedenen Aspekten hat eine hohe Relevanz für die klinische Praxis, da sie die Grundlage für diagnostische und therapeutische Entscheidungen darstellt [1] [2].

Einteilung der intraabdominellen Infektionen
Nach Ursache Nach Ausdehnung
  • Infektionen intra-abdomineller Organe ohne Peritonitis (ca. 5-10%)
    • Cholezystitis, Appendizitis, Divertikulitis
  • Primäre Peritonitis (ca. 1%)
    • Spontan bakt. Peritonitis
    • Peritonitis bei Peritonealdialyse
  • Sekundäre Peritonitis (ca. 80-90%)
    • Ambulant erworben nach Hohlorganperforation
    • Postoperativ (postinterventionell/ posttraumatisch)
  • Tertiäre Peritonitis (ca. 5-10%)
    • Persistierende intraabdominelle Infektion ohne chirurgisch sanierbaren Fokus
  • Unkomplizierte IAI
    • Maximal ein Organ betroffen
    • Peritoneum nicht involviert
  • Komplizierte IAI
    • Infektion überschreitet das betroffene Organ
    • Ein oder mehrere Organe betroffen
    • Lokalisierte oder diffuse Peritonitis
  1. Sartelli M, Chichom-Mefire A, Labricciosa FM, et al.: The management of intra-abdominal infections from a global perspective: 2017 WSES guidelines for management of intra-abdominal infections. World J Emerg Surg 2017; 12: 29.
  2. Blot S, De Waele JJ, Vogelaers D: Essentials for selecting antimicrobial therapy for intra-abdominal infections. Drugs 2012; 72: e17-32.