Erkrankung:Geburtshilfliche Infektionen: Difference between revisions
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{{DGI:Geburtshilfliche_Infektionen}} | |||
<span class="TitelZchn"><span style="font-size:24.0pt;line-height:115%">Geburtshilfliche Infektionen</span></span> | <span class="TitelZchn"><span style="font-size:24.0pt;line-height:115%">Geburtshilfliche Infektionen</span></span> | ||
Autoren: Masen Sueifan, Sabrina Mauruschat | Autoren: Masen Sueifan, Sabrina Mauruschat | ||
= Abstract = | =Abstract= | ||
Geburtshilfliche Infektionen stellen für das Kind häufig ein Risiko dar, während die Schwangere oftmals von einer Infektion nicht oder nur kaum betroffen ist. Der Ausbreitungsweg potenzieller Pathogene ist unterschiedlich. Dieser kann hämatogen, vaginal aszendierend, diaplanzentar oder beim Durchtritt des Kindes durch den Geburtskanal sein. Des Weiteren lassen sich Infektionen nach dem Zeitpunkt der Entstehung unterscheiden – während der Schwangerschaft, peripartal und im Wochenbett. | Geburtshilfliche Infektionen stellen für das Kind häufig ein Risiko dar, während die Schwangere oftmals von einer Infektion nicht oder nur kaum betroffen ist. Der Ausbreitungsweg potenzieller Pathogene ist unterschiedlich. Dieser kann hämatogen, vaginal aszendierend, diaplanzentar oder beim Durchtritt des Kindes durch den Geburtskanal sein. Des Weiteren lassen sich Infektionen nach dem Zeitpunkt der Entstehung unterscheiden – während der Schwangerschaft, peripartal und im Wochenbett. | ||
= Klinisches Bild = | =Klinisches Bild= | ||
Das klinische Bild variiert stark je nachdem ob die Schwangere und/oder das Kind eine Infektion haben und richtet sich nach der zugrunde liegenden Erkrankung. Die Schwangerschaft an sich führt bei der Mutter zu einer erhöhten Anfälligkeit für Erkrankungen wie Harnwegsinfektionen oder auch Reaktivierung persistierender Erreger. Insbesondere kann es aber auch zu schwerwiegenden Komplikationen kommen. Hierunter zählen: | Das klinische Bild variiert stark je nachdem ob die Schwangere und/oder das Kind eine Infektion haben und richtet sich nach der zugrunde liegenden Erkrankung. Die Schwangerschaft an sich führt bei der Mutter zu einer erhöhten Anfälligkeit für Erkrankungen wie Harnwegsinfektionen oder auch Reaktivierung persistierender Erreger. Insbesondere kann es aber auch zu schwerwiegenden Komplikationen kommen. Hierunter zählen: | ||
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Weiterhin wird das klinische Bild durch den Zeitpunkt der Infektion geprägt – hierbei handelt es sich um Infektionen während Schwangerschaft sowie peripartal und im Wochenbett. | Weiterhin wird das klinische Bild durch den Zeitpunkt der Infektion geprägt – hierbei handelt es sich um Infektionen während Schwangerschaft sowie peripartal und im Wochenbett. | ||
== Leitsymptome == | ==Leitsymptome== | ||
Bakterielle Infektionen während der Schwangerschaft besitzen drei Ausbreitungswege – hämatogen, vaginal-aszendierend, vaginal-peripartal. Die Leitsymptome stehen daher in engen Kontakt mit dem zugrunde liegenden Ausbreitungsweg. | Bakterielle Infektionen während der Schwangerschaft besitzen drei Ausbreitungswege – hämatogen, vaginal-aszendierend, vaginal-peripartal. Die Leitsymptome stehen daher in engen Kontakt mit dem zugrunde liegenden Ausbreitungsweg. | ||
<span style="mso-list:Ignore">a) <span style="font:7.0pt "Times New Roman""> </span></span>Häufigere und miteinander assoziierte Erkrankungen | <span style="mso-list:Ignore">a) <span style="font:7.0pt "Times New Roman""> </span></span>Häufigere und miteinander assoziierte Erkrankungen | ||
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| style="width:77.75pt;" width="104" valign="top" |Erkrankung | | style="width:77.75pt;" width="104" valign="top" |Erkrankung | ||
| colspan="2" style="width:5.0cm;" width="189" valign="top" |Leitsymptom | | colspan="2" style="width:5.0cm;" width="189" valign="top" |Leitsymptom | ||
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- vorzeitige Wehen | - vorzeitige Wehen | ||
| style="width:134.65pt;" width="180" valign="top" |Keine | | style="width:134.65pt;" width="180" valign="top" |Keine | ||
| style="width:113.1pt;" width="151" valign="top" |- Frühgeburt | | style="width:113.1pt;" width="151" valign="top" | - Frühgeburt | ||
- Triple I | - Triple I | ||
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- oder in der Plazenta, den Eihäuten oder der Nabelschnur (postpartal) | - oder in der Plazenta, den Eihäuten oder der Nabelschnur (postpartal) | ||
| style="width:134.65pt;" width="180" valign="top" |Neugeboreneninfektion | | style="width:134.65pt;" width="180" valign="top" |Neugeboreneninfektion | ||
| style="width:113.1pt;" width="151" valign="top" |- Frühgeburt | | style="width:113.1pt;" width="151" valign="top" | - Frühgeburt | ||
- Sepsis der Mutter | - Sepsis der Mutter | ||
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|} | |} | ||
<span style="mso-list:Ignore">e) <span style="font:7.0pt "Times New Roman""> </span></span>Infektionen der Mamma: | <span style="mso-list:Ignore">e) <span style="font:7.0pt "Times New Roman""> </span></span>Infektionen der Mamma: | ||
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| style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |Erkrankung | | style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |Erkrankung | ||
| style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |Leitsymptom Mutter | | style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |Leitsymptom Mutter | ||
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|- style="mso-yfti-irow:1;mso-yfti-lastrow:yes" | |- style="mso-yfti-irow:1;mso-yfti-lastrow:yes" | ||
| style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |Mastitis puerperalis | | style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |Mastitis puerperalis | ||
| style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |- örtlich begrenzte Rötung, Schwellung und Überwärmung der Brust | | style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" | - örtlich begrenzte Rötung, Schwellung und Überwärmung der Brust | ||
- lokal starke Schmerzen | - lokal starke Schmerzen | ||
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|} | |} | ||
== <u>Klinische Situationen</u> == | ==<u>Klinische Situationen</u>== | ||
Infektionen in der Geburtshilfe sind in der westlichen und entwickelten Welt seltener geworden. Dennoch sind sie nach wie vor gefürchtet. Durch Impfungen konnten viele Risiken minimiert werden, dennoch müssen Infektionen der werdenden Mutter immer ernst genommen werden. | Infektionen in der Geburtshilfe sind in der westlichen und entwickelten Welt seltener geworden. Dennoch sind sie nach wie vor gefürchtet. Durch Impfungen konnten viele Risiken minimiert werden, dennoch müssen Infektionen der werdenden Mutter immer ernst genommen werden. | ||
== <u>Epidemiologie</u> == | ==<u>Epidemiologie</u>== | ||
Nicht zu allen Infektionskrankheiten in der Geburtshilfe lassen sich Angaben zur Epidemiologie machen. So ist in Deutschland beispielsweise eine Chlamydia trachomatis Infektion nicht meldepflichtig. | Nicht zu allen Infektionskrankheiten in der Geburtshilfe lassen sich Angaben zur Epidemiologie machen. So ist in Deutschland beispielsweise eine Chlamydia trachomatis Infektion nicht meldepflichtig. | ||
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| style="width:233.6pt;" width="311" valign="top" |Infektion | | style="width:233.6pt;" width="311" valign="top" |Infektion | ||
| style="width:233.65pt;" width="312" valign="top" |Häufigkeit | | style="width:233.65pt;" width="312" valign="top" |Häufigkeit | ||
| Line 497: | Line 502: | ||
|- style="mso-yfti-irow:7;mso-yfti-lastrow:yes" | |- style="mso-yfti-irow:7;mso-yfti-lastrow:yes" | ||
| style="width:233.6pt;" width="311" valign="top" |Gruppe-B-Streptokokken | | style="width:233.6pt;" width="311" valign="top" |Gruppe-B-Streptokokken | ||
| style="width:233.65pt;" width="312" valign="top" |- bei ca. 20 – 30% der Menschen Teil der physiologischen Darmflora | | style="width:233.65pt;" width="312" valign="top" | - bei ca. 20 – 30% der Menschen Teil der physiologischen Darmflora | ||
- bei ca. 10 - 30% der Schwangeren in Vagina nachweisbar | - bei ca. 10 - 30% der Schwangeren in Vagina nachweisbar | ||
| Line 504: | Line 509: | ||
|} | |} | ||
== <u>Prognose</u> == | ==<u>Prognose</u>== | ||
Die Prognose richtet sich nach der jeweiligen Erkrankung/Infektion. | Die Prognose richtet sich nach der jeweiligen Erkrankung/Infektion. | ||
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line-height:115%"><big>Diagnostik</big></span></span> | line-height:115%"><big>Diagnostik</big></span></span> | ||
== <u>Diagnosekriterien</u> == | ==<u>Diagnosekriterien</u>== | ||
Diagnosekriterien sind bei der Vielzahl möglicher geburtshilflicher Infektionen die Beurteilung einer dezidierten gynäkologischen Untersuchung sowie, falls indiziert, eine angemessene mikrobiologische Probengewinnung. Diese muss sich auf die zugrunde liegenden Arbeitsdiagnose beziehen. | Diagnosekriterien sind bei der Vielzahl möglicher geburtshilflicher Infektionen die Beurteilung einer dezidierten gynäkologischen Untersuchung sowie, falls indiziert, eine angemessene mikrobiologische Probengewinnung. Diese muss sich auf die zugrunde liegenden Arbeitsdiagnose beziehen. | ||
== <u>Diagnostische Schritte</u> == | ==<u>Diagnostische Schritte</u>== | ||
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| style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |Erkrankung | | style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |Erkrankung | ||
| style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |Klinik | | style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |Klinik | ||
| Line 525: | Line 531: | ||
hier: Scharlach | hier: Scharlach | ||
| style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |- Exanthem, Erythem, Pyodermie | | style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" | - Exanthem, Erythem, Pyodermie | ||
- Fieber | - Fieber | ||
| style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |- ß-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A in Rachen und/oder Vagina | | style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" | - ß-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A in Rachen und/oder Vagina | ||
- Labor: Leukozytose, CRP | - Labor: Leukozytose, CRP | ||
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|- style="mso-yfti-irow:3" | |- style="mso-yfti-irow:3" | ||
| style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |Campylobacter jejuni und fetus | | style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |Campylobacter jejuni und fetus | ||
| style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |- klinische Untersuchung | | style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" | - klinische Untersuchung | ||
| style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |Erregernachweis aus Fruchtwasser, Stuhl, Blutkultur | | style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |Erregernachweis aus Fruchtwasser, Stuhl, Blutkultur | ||
|- style="mso-yfti-irow:4" | |- style="mso-yfti-irow:4" | ||
| style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |Episiotomie-Wundinfektion | | style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |Episiotomie-Wundinfektion | ||
| style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |- postpartum Wundinspektion | | style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" | - postpartum Wundinspektion | ||
| style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |keine | | style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |keine | ||
|- style="mso-yfti-irow:5" | |- style="mso-yfti-irow:5" | ||
| style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |HIV-Infektion | | style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |HIV-Infektion | ||
| style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |reduzierter AZ und EZ | | style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |reduzierter AZ und EZ | ||
| style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |- AK-Schnelltest, wenn pos. | | style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" | - AK-Schnelltest, wenn pos. | ||
- dann PCR und Immunstatus | - dann PCR und Immunstatus | ||
| Line 567: | Line 573: | ||
|- style="mso-yfti-irow:7" | |- style="mso-yfti-irow:7" | ||
| style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |Keuchhusten | | style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |Keuchhusten | ||
| style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |- klinische Untersuchung | | style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" | - klinische Untersuchung | ||
- Symptome eines grippalen Infekts (7. – 14 Tage nach Indfektion). | - Symptome eines grippalen Infekts (7. – 14 Tage nach Indfektion). | ||
| Line 579: | Line 585: | ||
|- style="mso-yfti-irow:8" | |- style="mso-yfti-irow:8" | ||
| style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |Listeriose | | style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |Listeriose | ||
| style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |- allgemeine klinische Untersuchung | | style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" | - allgemeine klinische Untersuchung | ||
- Meningismus? | - Meningismus? | ||
| Line 595: | Line 601: | ||
|- style="mso-yfti-irow:9" | |- style="mso-yfti-irow:9" | ||
| style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |Lues | | style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |Lues | ||
| style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |- gynäkologische Untersuchung | | style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" | - gynäkologische Untersuchung | ||
- nicht schmerzhafte Lymphknoten | - nicht schmerzhafte Lymphknoten | ||
- Ulcus oder Oedema indurativum | - Ulcus oder Oedema indurativum | ||
| style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |- TPHA- oder TPPA Test sind sicher Hinweise auf abgelaufene Infektion, aber kein Hinweis auf Floridität | | style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" | - TPHA- oder TPPA Test sind sicher Hinweise auf abgelaufene Infektion, aber kein Hinweis auf Floridität | ||
- Behandlungswürdigkeit mittels VDRL-Test und verschiedene IgM Antikörper | - Behandlungswürdigkeit mittels VDRL-Test und verschiedene IgM Antikörper | ||
|- style="mso-yfti-irow:10" | |- style="mso-yfti-irow:10" | ||
| style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |Puerperal Peritonitis | | style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |Puerperal Peritonitis | ||
| style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |- klinische Untersuchung | | style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" | - klinische Untersuchung | ||
- v.a. weiches Abdomen typisch | - v.a. weiches Abdomen typisch | ||
| style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |- laborchemische Infektzeichen | | style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" | - laborchemische Infektzeichen | ||
|- style="mso-yfti-irow:11" | |- style="mso-yfti-irow:11" | ||
| style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |Salmonellose | | style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |Salmonellose | ||
| style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |- klinische Untersuchung | | style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" | - klinische Untersuchung | ||
- Anamnese auf mögliche Übertragung: kontaminierte Lebensmittel (Fleisch, Geflügel, Eier, etc.), mögliche Schmierinfektion von gesunden Dauerausscheidern | - Anamnese auf mögliche Übertragung: kontaminierte Lebensmittel (Fleisch, Geflügel, Eier, etc.), mögliche Schmierinfektion von gesunden Dauerausscheidern | ||
| Line 617: | Line 623: | ||
|- style="mso-yfti-irow:12" | |- style="mso-yfti-irow:12" | ||
| style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |Staph. aureus Infektion | | style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |Staph. aureus Infektion | ||
| style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |- gynäkologische Untersuchung | | style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" | - gynäkologische Untersuchung | ||
| style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |- vaginaler Abstrich | | style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" | - vaginaler Abstrich | ||
- Abnahme von 2 bis 3 Paar Blutkulturen | - Abnahme von 2 bis 3 Paar Blutkulturen | ||
| Line 625: | Line 631: | ||
|- style="mso-yfti-irow:13" | |- style="mso-yfti-irow:13" | ||
| style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |Toxoplasmose | | style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |Toxoplasmose | ||
| style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |- Klinische Untersuchung | | style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" | - Klinische Untersuchung | ||
- evtl. Augenhintergrund | - evtl. Augenhintergrund | ||
| style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |- Toxoplasma- Antikörper-Suchtest -> | | style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" | - Toxoplasma- Antikörper-Suchtest -> | ||
- Toxoplasma-IgM-Antikörper-Test -> | - Toxoplasma-IgM-Antikörper-Test -> | ||
| Line 645: | Line 651: | ||
|- style="mso-yfti-irow:15" | |- style="mso-yfti-irow:15" | ||
| style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |Triple I | | style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |Triple I | ||
| style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |- Temperaturmessung | | style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" | - Temperaturmessung | ||
- Vitalparameter Mutter und Kind | - Vitalparameter Mutter und Kind | ||
| style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |- CRP, Leukozyten im BB | | style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" | - CRP, Leukozyten im BB | ||
- Zervix-/Vaginalabstrich | - Zervix-/Vaginalabstrich | ||
| Line 657: | Line 663: | ||
|- style="mso-yfti-irow:16;mso-yfti-lastrow:yes" | |- style="mso-yfti-irow:16;mso-yfti-lastrow:yes" | ||
| style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |Vorzeitiger Blasensprung | | style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |Vorzeitiger Blasensprung | ||
| style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |- gynäkologische Untersuchunng | | style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" | - gynäkologische Untersuchunng | ||
- Spekulumeinstellung, Nachweis von Vernix-Flocken | - Spekulumeinstellung, Nachweis von Vernix-Flocken | ||
- Ultraschalluntersuchung | - Ultraschalluntersuchung | ||
| style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |- Abstrich Mikrobiologie | | style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" | - Abstrich Mikrobiologie | ||
- laborchemische Entzündungsparameter | - laborchemische Entzündungsparameter | ||
|} | |} | ||
== Differentialdiagnosen == | ==Differentialdiagnosen== | ||
Das Feld de geburtshilflichen Infektionen umfasst eine große Anzahl verschiedenster Erreger und Erkrankungen. Eine gewissenhafte gynäkologische Untersuchung sowie eine geeignete mikrobiologische Umfeld Diagnostik sind daher ebenso wichtig wie eine interdisziplinäre Versorgung der Schwangeren. | Das Feld de geburtshilflichen Infektionen umfasst eine große Anzahl verschiedenster Erreger und Erkrankungen. Eine gewissenhafte gynäkologische Untersuchung sowie eine geeignete mikrobiologische Umfeld Diagnostik sind daher ebenso wichtig wie eine interdisziplinäre Versorgung der Schwangeren. | ||
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| style="width:233.6pt;" width="311" valign="top" |Erkrankung | | style="width:233.6pt;" width="311" valign="top" |Erkrankung | ||
| style="width:233.65pt;" width="312" valign="top" |Differentialdiagnose | | style="width:233.65pt;" width="312" valign="top" |Differentialdiagnose | ||
| Line 706: | Line 713: | ||
|} | |} | ||
= Erreger = | =Erreger= | ||
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| style="width:233.6pt;" width="311" valign="top" |Infektion | | style="width:233.6pt;" width="311" valign="top" |Infektion | ||
| style="width:233.65pt;" width="312" valign="top" |Erreger | | style="width:233.65pt;" width="312" valign="top" |Erreger | ||
| Line 716: | Line 724: | ||
|- style="mso-yfti-irow:2" | |- style="mso-yfti-irow:2" | ||
| style="width:233.6pt;" width="311" valign="top" |Endometritis puerperalis | | style="width:233.6pt;" width="311" valign="top" |Endometritis puerperalis | ||
| style="width:233.65pt;" width="312" valign="top" |- A-Streptokokken | | style="width:233.65pt;" width="312" valign="top" | - A-Streptokokken | ||
- Enterobacteriacea | - Enterobacteriacea | ||
| Line 723: | Line 731: | ||
|- style="mso-yfti-irow:3" | |- style="mso-yfti-irow:3" | ||
| style="width:233.6pt;" width="311" valign="top" |Episiotomie Wundinfektion | | style="width:233.6pt;" width="311" valign="top" |Episiotomie Wundinfektion | ||
| style="width:233.65pt;" width="312" valign="top" |- häufig<span style="mso-ansi-language:FR"> Anaerobier</span> | | style="width:233.65pt;" width="312" valign="top" | - häufig<span style="mso-ansi-language:FR"> Anaerobier</span> | ||
|- style="mso-yfti-irow:4" | |- style="mso-yfti-irow:4" | ||
| style="width:233.6pt;" width="311" valign="top" |Infektio nach Sectio caesarea | | style="width:233.6pt;" width="311" valign="top" |Infektio nach Sectio caesarea | ||
| style="width:233.65pt;" width="312" valign="top" |- A-Streptokokken | | style="width:233.65pt;" width="312" valign="top" | - A-Streptokokken | ||
- Staph. aureus | - Staph. aureus | ||
| Line 746: | Line 754: | ||
|- style="mso-yfti-irow:8" | |- style="mso-yfti-irow:8" | ||
| style="width:233.6pt;" width="311" valign="top" |Mastitis puerperalis | | style="width:233.6pt;" width="311" valign="top" |Mastitis puerperalis | ||
| style="width:233.65pt;" width="312" valign="top" |- Staphylococcus aureus | | style="width:233.65pt;" width="312" valign="top" | - Staphylococcus aureus | ||
- Gruppe B Streptokokken | - Gruppe B Streptokokken | ||
| Line 755: | Line 763: | ||
|- style="mso-yfti-irow:9" | |- style="mso-yfti-irow:9" | ||
| style="width:233.6pt;" width="311" valign="top" |puerperale Peritonitis | | style="width:233.6pt;" width="311" valign="top" |puerperale Peritonitis | ||
| style="width:233.65pt;" width="312" valign="top" |- A-Streptokokken | | style="width:233.65pt;" width="312" valign="top" | - A-Streptokokken | ||
- Staph. aureus | - Staph. aureus | ||
| Line 764: | Line 772: | ||
|- style="mso-yfti-irow:10" | |- style="mso-yfti-irow:10" | ||
| style="width:233.6pt;" width="311" valign="top" |Puerperal-Sepsis | | style="width:233.6pt;" width="311" valign="top" |Puerperal-Sepsis | ||
| style="width:233.65pt;" width="312" valign="top" |- meist Streptococcus pygenes (A-Streptokokken) | | style="width:233.65pt;" width="312" valign="top" | - meist Streptococcus pygenes (A-Streptokokken) | ||
- selten: Streptococcus pneumoniae, Staph. aureus, Enterobacteriacea | - selten: Streptococcus pneumoniae, Staph. aureus, Enterobacteriacea | ||
| Line 772: | Line 780: | ||
|- style="mso-yfti-irow:12" | |- style="mso-yfti-irow:12" | ||
| style="width:233.6pt;" width="311" valign="top" |Triple I | | style="width:233.6pt;" width="311" valign="top" |Triple I | ||
| style="width:233.65pt;" width="312" valign="top" |- Streptokokken der Gruppe A und B | | style="width:233.65pt;" width="312" valign="top" | - Streptokokken der Gruppe A und B | ||
- Staphylokokken | - Staphylokokken | ||
| Line 783: | Line 791: | ||
|- style="mso-yfti-irow:13;mso-yfti-lastrow:yes" | |- style="mso-yfti-irow:13;mso-yfti-lastrow:yes" | ||
| style="width:233.6pt;" width="311" valign="top" |Vorzeitiger Blasensprung | | style="width:233.6pt;" width="311" valign="top" |Vorzeitiger Blasensprung | ||
| style="width:233.65pt;" width="312" valign="top" |- Gonokokken | | style="width:233.65pt;" width="312" valign="top" | - Gonokokken | ||
- Trichomonaden | - Trichomonaden | ||
| Line 792: | Line 800: | ||
|} | |} | ||
<span class="berschrift1Zchn"><span style="font-size:20.0pt;line-height:115%">Therapie</span></span> | <span class="berschrift1Zchn"><span style="font-size:20.0pt;line-height:115%">Therapie</span></span> | ||
{| class="MsoTableGrid" border="1" cellspacing="0" cellpadding="0" style="border-collapse:collapse;border:none;mso-border-alt:solid black .5pt; | |||
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| Line 1,073: | Line 1,082: | ||
<span style="font-size:12.0pt;line-height:115%">Insgesamt ist es unbedingt anzustreben, zum Zeitpunkt der Geburt alle Infektionen zu kennen und zu sanieren</span> | <span style="font-size:12.0pt;line-height:115%">Insgesamt ist es unbedingt anzustreben, zum Zeitpunkt der Geburt alle Infektionen zu kennen und zu sanieren</span> | ||
{| class="MsoTableGrid" border="1" cellspacing="0" cellpadding="0" style="border-collapse:collapse;border:none;mso-border-alt:solid black .5pt; | |||
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| style="width:233.6pt;" width="311" valign="top" |Erkrankung | | style="width:233.6pt;" width="311" valign="top" |Erkrankung | ||
| style="width:233.65pt;" width="312" valign="top" |Prophylaxe | | style="width:233.65pt;" width="312" valign="top" |Prophylaxe | ||
|- style="mso-yfti-irow:1" | |- style="mso-yfti-irow:1" | ||
| style="width:233.6pt;" width="311" valign="top" |A-Streptokokken | | style="width:233.6pt;" width="311" valign="top" |A-Streptokokken | ||
| style="width:233.65pt;" width="312" valign="top" |- bei A-Streptokokken Infektion in Umgebung der Schwangeren, Abstrich aus Rachen und Vagina. Vor Geburt zwingend erneuter Abstrich um Infektion des Kindes zu vermeiden. Bei Kolonisation 10-tägige antibiotische Prophylaxe | | style="width:233.65pt;" width="312" valign="top" | - bei A-Streptokokken Infektion in Umgebung der Schwangeren, Abstrich aus Rachen und Vagina. Vor Geburt zwingend erneuter Abstrich um Infektion des Kindes zu vermeiden. Bei Kolonisation 10-tägige antibiotische Prophylaxe | ||
- Kolpitis/granulozytenreicher Fluor: Abstrich zur Mibi | - Kolpitis/granulozytenreicher Fluor: Abstrich zur Mibi | ||
| Line 1,098: | Line 1,108: | ||
|- style="mso-yfti-irow:4" | |- style="mso-yfti-irow:4" | ||
| style="width:233.6pt;" width="311" valign="top" |Gruppe-B-Streptokokken (GBS) | | style="width:233.6pt;" width="311" valign="top" |Gruppe-B-Streptokokken (GBS) | ||
| style="width:233.65pt;" width="312" valign="top" |- Screening der Schwangeren zwischen 35 + 0 und 37+ 0 SSW auf GBS | | style="width:233.65pt;" width="312" valign="top" | - Screening der Schwangeren zwischen 35 + 0 und 37+ 0 SSW auf GBS | ||
- ggf. intrapartale Antibiotikagabe an die Mutter | - ggf. intrapartale Antibiotikagabe an die Mutter | ||
| Line 1,109: | Line 1,119: | ||
|- style="mso-yfti-irow:5" | |- style="mso-yfti-irow:5" | ||
| style="width:233.6pt;" width="311" valign="top" |Mastitis puerperalis | | style="width:233.6pt;" width="311" valign="top" |Mastitis puerperalis | ||
| style="width:233.65pt;" width="312" valign="top" |- tragen eines BHs auch bei Nacht | | style="width:233.65pt;" width="312" valign="top" | - tragen eines BHs auch bei Nacht | ||
- kühlende Umschäge | - kühlende Umschäge | ||
| Line 1,118: | Line 1,128: | ||
|- style="mso-yfti-irow:6" | |- style="mso-yfti-irow:6" | ||
| style="width:233.6pt;" width="311" valign="top" |Salmonellose | | style="width:233.6pt;" width="311" valign="top" |Salmonellose | ||
| style="width:233.65pt;" width="312" valign="top" |- Beachtung Lebensmittelhygiene | | style="width:233.65pt;" width="312" valign="top" | - Beachtung Lebensmittelhygiene | ||
- wenn Mutter Dauerausscheider dann Vermeidung der Kontamination des Kindes unter Entbindung | - wenn Mutter Dauerausscheider dann Vermeidung der Kontamination des Kindes unter Entbindung | ||
| Line 1,132: | Line 1,142: | ||
font-family:"Arial",sans-serif;mso-fareast-font-family:Arial;mso-ansi-language: | font-family:"Arial",sans-serif;mso-fareast-font-family:Arial;mso-ansi-language: | ||
DE;mso-fareast-language:EN-US;mso-bidi-language:AR-SA">[5]</span></span></span></span>]] | DE;mso-fareast-language:EN-US;mso-bidi-language:AR-SA">[5]</span></span></span></span>]] | ||
| style="width:233.65pt;" width="312" valign="top" |- <span style="color: #323232">Keine rohen oder nicht ausreichend erhitzten oder gefrosteten Fleischprodukte</span> | | style="width:233.65pt;" width="312" valign="top" | - <span style="color: #323232">Keine rohen oder nicht ausreichend erhitzten oder gefrosteten Fleischprodukte</span> | ||
<span style="color: #323232">- Rohes Gemüse und Früchte vor dem Verzehr gründlich waschen</span> | <span style="color: #323232">- Rohes Gemüse und Früchte vor dem Verzehr gründlich waschen</span> | ||
| Line 1,149: | Line 1,159: | ||
Meldepflichtige Erkrankungen in der Geburtshilfe laut Infektionsschutzgesetz (IfSG) | Meldepflichtige Erkrankungen in der Geburtshilfe laut Infektionsschutzgesetz (IfSG) | ||
{| class="MsoTableGrid" border="1" cellspacing="0" cellpadding="0" style="border-collapse:collapse;border:none;mso-border-alt:solid black .5pt; | |||
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| style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |Erkrankung/Erreger | | style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |Erkrankung/Erreger | ||
| style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |Grundlage | | style="width:155.75pt;" width="208" valign="top" |Grundlage | ||
| Line 1,187: | Line 1,198: | ||
Tabellarische Anmerkungen zur Meldepflicht nur bei ganz klarer Lehrmeinung angeben. | Tabellarische Anmerkungen zur Meldepflicht nur bei ganz klarer Lehrmeinung angeben. | ||
= Anmerkung der Redaktion = | =Anmerkung der Redaktion= | ||
<span class="berschrift1Zchn"><span style="font-size:20.0pt; | <span class="berschrift1Zchn"><span style="font-size:20.0pt; | ||
line-height:115%">Quellen</span></span> | line-height:115%">Quellen</span></span> | ||
Revision as of 21:11, 25 October 2020
DGI:Erkrankung:Geburtshilfliche Infektionen/Abstract
Klinisches Bild
DGI:Erkrankung:Geburtshilfliche Infektionen/Klinisches Bild
Klinische Situationen
DGI:Erkrankung:Geburtshilfliche Infektionen/Klinisches Bild/Klinische Situationen
Leitsymptome
DGI:Erkrankung:Geburtshilfliche Infektionen/Klinisches Bild/Leitsymptome
Epidemiologie
DGI:Erkrankung:Geburtshilfliche Infektionen/Klinisches Bild/Epidemiologie
Prognose
DGI:Erkrankung:Geburtshilfliche Infektionen/Klinisches Bild/Prognose
Diagnostik
DGI:Erkrankung:Geburtshilfliche Infektionen/Diagnostik
Diagnosekriterien
DGI:Erkrankung:Geburtshilfliche Infektionen/Diagnostik/Diagnosekriterien
Diagnostische Schritte
DGI:Erkrankung:Geburtshilfliche Infektionen/Diagnostik/Diagnostische Schritte
Differentialdiagnosen
DGI:Erkrankung:Geburtshilfliche Infektionen/Diagnostik/Differentialdiagnosen
Erreger
DGI:Erkrankung:Geburtshilfliche Infektionen/Erreger
Therapie
DGI:Erkrankung:Geburtshilfliche Infektionen/Therapie
Empirische Therapie
DGI:Erkrankung:Geburtshilfliche Infektionen/Therapie/Empirische Therapie
Kalkulierte Therapie
DGI:Erkrankung:Geburtshilfliche Infektionen/Therapie/Kalkulierte Therapie
Erregerspezifische Therapie
DGI:Erkrankung:Geburtshilfliche Infektionen/Therapie/Erregerspezifische Therapie
Prophylaxe und Prävention
DGI:Erkrankung:Geburtshilfliche Infektionen/Prophylaxe und Prävention
Unterkapitel
DGI:Erkrankung:Geburtshilfliche Infektionen/Unterkapitel
Weiterführende Literatur und Hilfestellungen
DGI:Erkrankung:Geburtshilfliche Infektionen/Weiterführende Literatur und Hilfestellungen
Anmerkungen der Redaktion
DGI:Erkrankung:Geburtshilfliche Infektionen/Anmerkungen der Redaktion
Quellen
DGI:Erkrankung:Geburtshilfliche Infektionen/Quellen
Einzelnachweise
Geburtshilfliche Infektionen
Autoren: Masen Sueifan, Sabrina Mauruschat
Abstract
Geburtshilfliche Infektionen stellen für das Kind häufig ein Risiko dar, während die Schwangere oftmals von einer Infektion nicht oder nur kaum betroffen ist. Der Ausbreitungsweg potenzieller Pathogene ist unterschiedlich. Dieser kann hämatogen, vaginal aszendierend, diaplanzentar oder beim Durchtritt des Kindes durch den Geburtskanal sein. Des Weiteren lassen sich Infektionen nach dem Zeitpunkt der Entstehung unterscheiden – während der Schwangerschaft, peripartal und im Wochenbett.
Klinisches Bild
Das klinische Bild variiert stark je nachdem ob die Schwangere und/oder das Kind eine Infektion haben und richtet sich nach der zugrunde liegenden Erkrankung. Die Schwangerschaft an sich führt bei der Mutter zu einer erhöhten Anfälligkeit für Erkrankungen wie Harnwegsinfektionen oder auch Reaktivierung persistierender Erreger. Insbesondere kann es aber auch zu schwerwiegenden Komplikationen kommen. Hierunter zählen:
- Embryopathie, Fetopathie, intrauteriner Fruchttod durch eine Infektion in utero
- Frühgeburt
- Tod der Mutter
- Aszendierende Infektionen der Mutter (z.B. Sepsis)
- Infektion des Kindes während der Geburt
Weiterhin wird das klinische Bild durch den Zeitpunkt der Infektion geprägt – hierbei handelt es sich um Infektionen während Schwangerschaft sowie peripartal und im Wochenbett.
Leitsymptome
Bakterielle Infektionen während der Schwangerschaft besitzen drei Ausbreitungswege – hämatogen, vaginal-aszendierend, vaginal-peripartal. Die Leitsymptome stehen daher in engen Kontakt mit dem zugrunde liegenden Ausbreitungsweg.
a) Häufigere und miteinander assoziierte Erkrankungen
mso-border-alt:solid black .5pt;mso-yfti-tbllook:1184;mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt"
| Erkrankung | Leitsymptom | Direkte Schädigung Kind | Komplikationen | |
| Vorzeitiger Blasensprung | spontaner schwallartiger oder auch nur tröpfchenweiser Abgang von Fruchtwasser
Frühzeichen: - Zervixverkürzung mit innerem Trichter - vorzeitige Wehen |
Keine | - Frühgeburt
- Triple I - Nabelschnurvorfall - Plazentalösung | |
| Triple I (Amnioninfektionssyndrom) | Verdacht auf Triple I:
- maternales Fieber plus - fetale Tachykardie > 160/min länger als 10 Minuten oder - maternale Leukozytose > 15.000/µl oder - purulenter Fluor bestätige Triple I: - Verdacht auf Triple I plus nachgewiesene Infektion - entweder per Amnionzetese im Fruchtwasser - oder in der Plazenta, den Eihäuten oder der Nabelschnur (postpartal) |
Neugeboreneninfektion | - Frühgeburt
- Sepsis der Mutter - Fetales inflammatory response syndrom (FIRS) - Uterine Dysfunktion mit Gefahr eines Geburtsstillstands und/oder postpartaler Atonie | |
b) weiteren häufigeren Infektionen:
| Erkrankung | Leitsymptom Mutter | Direkte Schädigung Kind | Komplikationen |
| Campylobacter fetus und jejuni Infektion
hämatogene Ausbreitung |
- Krankheitsbeginn mit hohem Fieber
- abdominelle Krämpfe - gefolgt von Diarrhöe, entweder in Form einer Ileitis (wässrig) oder in Form einer Kolitis (schleimig-blutig) |
- septischer Abort
- septische Frühgeburt |
- Spätfolgen: Reiterkrankheit, reaktive Arthritis, Guilian-Barré-Syndrom |
| E. coli
Vaginal-peripartal |
- vorzeitiger Blasensprung
- fragliche Uteruskontraktionen, Krämpfe - Fieber - aber auch asymptomatischer Verlauf mit hoher Keimlast in Kultur |
- Spätabort
- Frühgeburt |
Neonatale E. coli Sepsis |
| Gruppe-B-Streptokokken
Vaginal-peripartal |
- für Schwangere selten pathogene Bedeutung
- Fieber |
- häufigste Ursache für neonatale Morbidität und Mortalität | - es werden zwei Krankheitsverläufe unterschieden
a) early-onset: 24-48h nach Geburt - rascher Verlauf - pulmonale Adaptionsstörung - Bradykardie - Zyanose - Apnoe-Attacken - Trinkschwäche - respiratory distress Syndrom - Pneumonie - Meningitis - Sepsis |
| Herpes-Infektion
Vaginal-peripartal |
- brennede Schmerzen
- Juckreiz - Knötchen. Bläschen - großflächige Läsionen - Leistenlymphknoten- schwellung |
- sehr selten im 1. Trimenon Chorioretinits, Mikrozephalie | - bei florider Herpes genitales Infektion peripartal Gefahr eines Herpes neonatorum mit Todesfolge oder schweren Schäden
-Gefahr einer Herpes Infektion mit Folge eines Herpes neonatorum bei seronegativer Mutter durch Infektion mit Herpes oralis durch Besucher oder Personal |
| HPV-Infektion
Vaginal-peripartal |
- bei niedrigrisiko-HPV-Typ häufigstes Symptom Condyloma acuminat
- bei hochrisiko-HPV-Typen asymptomatischer Verlauf |
Keine | - bei niedrigrisiko-HPV kann es nach Infektion des Kindes peripartal zu Larynxpapillome kommen
- Zervix-Ca der Mutter |
| Listeriose
hämatogene Ausbreitung |
- Meist milde Symptomatik, grippe-ähnlich
- gelegentlich persistierendes niedriges bis mäßig erhöhtes Fieber, welches nach 8 – 10 Tagen wieder zunimmt. - Schwangere haben 10-fach höheres Risiko eine Listeriose zu bekommen |
- Fruchtod
- Frühgeburt |
- bei Infektion hohe Mortalität des Kindes
Early-onset (diaplazentare Infektion) (1. Lebenswoche) - Sepsis - Atemnot - Granulomatosis infantiseptica Late-onset (vaginal-peripartal)/2.. Lebenswoche): - Meningitis |
| Toxoplasmose
hämatogene Ausbreitung |
- meist asymptomatische Klinik bis leichte grippe-ähnliche Symptome
- gefährlich ist Erstinfektion während der Schwangerschaft |
Hydrocephalus
Retinochoroiditis Totgeburt |
Nach Jahren kann es zu Gesichtsfeldausfällen beim Kind kommen |
| Zervizitis
Vaginal-peripartal |
- symptomloser Verlauf möglich
- vaginaler Ausfluss (Fluor), purulent/mukopurulent) - vaginale Zwischenblutungen - vorzeitiger Blasensprung |
- bei Chlamydia trachomatis-Infektion keine direkte Schädigung, v.a. kein Zusammenhang zu Frühgeburtlichkeit
- bei Gonorrhöe (Gonokokken) Frühgeburt oder septischer Abort möglich |
- bei Chlamydien-Infektion während der Geburt Konjunktivitis, seltener Otitis media
- nach Aspiration von Chlamydien während der Geburt Gefahr der Pneumonie - bei Gonorrhoe Konjunktivitis, seltener oropharyngeale Infektion |
c) weiteren selteneren Infektionen:
| Erkrankung | Leitsymptom Mutter | Direkte Schädigung Kind | Komplikationen |
| A-Streptokokken-Infektion
hämatogene Ausbreitung |
richtet sich nach der Erkrankung:
- Phyryngitis,Tonsilitis - Scharlach: Sonderform der Pharyngitis (Ursache ist durch Bakteriophagen befallene A-Streptokokken), durch sich bildendes erythrogenes Toxin werden diffuse, auf Druck verblassende Erytheme gebildet, dabei sind Munddreieck, Handflächen und Fußsohlen ausgespart, Erdbeer-Zunge - Gefahr für Mutter ab Blasensprung |
Direkte Schädigung bei Scharlach nicht bekannt | Erhöhtes Infektionsrisiko ab dem Zeitpunkt des Blasensprungs |
| Borreliose
hämatogene Ausbreitung |
- Infektion mit Borrelien verläuft in drei Stadien, wobei nicht jedes Stadium durchlaufen werden muss
- Stadium 1: Erythema migrans - Stadium 2: nach Wochen bis Monaten: Lymphadenosis cutis benigna oder seröse Meningitis - Stadium 3: Spätstadium, chronisch-rezidiviernde Arthritis (Lyme-Borreliose) |
- bisher kaum beschriebene Fälle
- Borellien sind mit Troponema pallidum verwandt |
- Totgeburt
- Frühgeburt (mit Exanthem) - Syndaktylie |
| HIV-Infektion
verschiedene Übertragunsgwege |
- im Stadium I der Infektion, meist 2 -3 Wochen nach der Infektion, grippale Symptome, ähnlich einer EBV Infektion
- ca. 20% der Betroffenen zeigen Symptome im Stadium I |
- keine direkte Schädigung des ungeborenen Kindes
- peripartales Infektionsrisiko bei ca. 30% |
- AIDS definierende Erkrankung |
| Keuchhusten
hämatogene Ausbreitung |
Beginn als grippaler Infekt (zu diesem Zeitpunkt ist Schwangere hoch-infektiös)
- im Anschluß folgt Stadium convulsivum (sehr geringe Infektiösität) - charakteristisch sind Hustenanfälle mit anschließenden tiefen Atemzügen (verursacht durch Pertussis-Toxin -> antibiotisch nicht zu beeinflussen) |
Nicht bekannt | Im Stadium convulsivum Frühgeburt möglich |
| Lues
hämatogene Ausbreitung |
Ein oder mehrere Ulci oder Oedema indurativum, mit zum Teil nicht schmerzhaften regionalen Lymphknotenschwellungen | a) höchstes Risiko für das Kind bei Erstinfektion der Mutter während der Schwangerschaft (Primärinfektion). Wahrscheinlichkeit für Infektion des Kindes 70 bis 100%
- in der Frühschwangerschaft Frühabort oder Fruchttod - ab 4. Schwangerschaftsmonat Lues connata b) Infektion unter vaginaler Geburt führt zu Primäraffekt im Nacken und Kopf des Kindes |
a) Lues connata praecox: entspricht Sekundärstadium der Syphilis
b) Lues connata tarda: klinische Symptome im späten Kindes- oder frühen Erwachsenenalter |
| Salmonellose
hämatogene Ausbreitung |
- meist enteritische Salmonellose mit Brechdurchfall und Diarrhoe (meist nicht blutig)
- Typhus/Paratyphus selten |
- Frühgeburt möglich
- enteritische Salmonellose mit schwerem Verlauf als bei Erwachsenen |
- Meningitis |
| Staph. aureus Infektion
hämatogene Ausbreitung |
- gehört nicht zur physiologischen Flora der Vagina
- hämatogene Streuung während Geburt - Symptome entsprechend Besiedelung |
- Konjunktivitis | Sepsis |
| Trichomoniasis
Vaginal-peripartal |
- Entzündung der Vaginalschleimhaut
- Rötung und Schwellung - schaumig-dünnflüssiger, gelblich-grüner Fluor - übelriechender Fluor - vorzeitiger Blasensprung |
- Spätabort
- Frühgeburt - vermindertes Geburtsgewicht |
- zervikale Neoplasien
- Unfruchtbarkeit |
d) Leitsymptome von peripartalen/Wochenbett-Infektionen:
| Erkrankung | Leitsymptom Mutter | Komplikationen |
| Endometritis puerperalis | Bei Frühendometritis (meist durch Anaerobier oder Darmkeime) stehen folgende Symptome im Vordergrund:
- Auftreten der Symptomatik meist 48 Stunden nach Entbindung - Schlecht riechender Ausfluss - vaginale Blutung - Schmerzen - mäßig hohes Fieber - Uterus weich und dolent - Fundus steht höher als es Wochenbettag entsprechen sollte Bei Spätendometritis durch Chlamydien steht im Vordergrund: - Auftreten der Symptomatik 4-6 Wochen nach Entbindung - Blutung |
Bei im Verlauf nicht baldigen Rückgang des Fiebers ist eine Infektion mit Staph. aureus und Abszessbildung möglich |
| Episiotomiewundinfekt | - Rubor, Tumor, Dolor, Calor
- nässende, eitrige Wunde - Fieber |
Indikation zur chirurgischen Intervention |
| Harnwegsinfekt | - Dysurie
- Fieber - Blut und Leukozyten im Wochenbett möglich |
- aszendierender Harnwegsinfekt
- Urosepsis |
| puerperable Peritonitis | - Fieber
- Schmerzen - Diarrhöe bei weicher Bauchdecken |
Kann Zwischenstufe zu Puerperal Sepsis sein |
| Puerperalsepsis | - diffuser Krankheitszustand der Mutter
- Fieber besonders an Tag 2 und 3 bis 38,5°C - plötzlicher, rasanter Symptomverlauf - in Beine ausstrahlende Schmerzen - Schwäche/Antriebsarmut - qSOFA > 2 Punkte |
- Vollbild einer fulminanten Sepsis
- respiratorische Insuffizienz - toxic Schocksyndrom - Pyoderma gangraenosum - Tod der Mutter |
| Wundinfekt nach Sectio caesarea | - Rubor, Tumor, Dolor, Calor
- nässende, eitrige Wunde - Fieber |
Sepsis |
e) Infektionen der Mamma:
mso-yfti-tbllook:1184;mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt"
| Erkrankung | Leitsymptom Mutter | Komplikationen |
| Mastitis puerperalis | - örtlich begrenzte Rötung, Schwellung und Überwärmung der Brust
- lokal starke Schmerzen - zudem können systemische Reaktionen wie Fieber (> 38 °C) auftreten - hämatogene Streuung im Sinne einer Sepsis sind selten |
Abszessbildung |
Klinische Situationen
Infektionen in der Geburtshilfe sind in der westlichen und entwickelten Welt seltener geworden. Dennoch sind sie nach wie vor gefürchtet. Durch Impfungen konnten viele Risiken minimiert werden, dennoch müssen Infektionen der werdenden Mutter immer ernst genommen werden.
Epidemiologie
Nicht zu allen Infektionskrankheiten in der Geburtshilfe lassen sich Angaben zur Epidemiologie machen. So ist in Deutschland beispielsweise eine Chlamydia trachomatis Infektion nicht meldepflichtig.
mso-yfti-tbllook:1184;mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt"
| Infektion | Häufigkeit |
| Endometritis puerperalis | häufig, keine Zahlen verfügbar [1] |
| Episiotomie Infektion | Insgesamt selten, da Episiotomie an sich selten geworden |
| Infektion nach Sectio caesarea | ca. 1% bei stattgehabter PAP |
| Puerperalsepsis | Keine offiziellen Daten vorhanden |
| Scharlach | für die Tonsillopharyngitis wird mit ca. 1 – 1,5 Mio in Deutschland/Jahr geschätzt.
Scharlach: 4154 gemeldete Fälle 2020[2] |
| Vorzeitiger Blasensprung | 8 – 10% aller Schwangerschaften |
| Gruppe-B-Streptokokken | - bei ca. 20 – 30% der Menschen Teil der physiologischen Darmflora
- bei ca. 10 - 30% der Schwangeren in Vagina nachweisbar - Trasmissionrate auf das Kind ca. 50% |
Prognose
Die Prognose richtet sich nach der jeweiligen Erkrankung/Infektion.
Diagnostik
Diagnosekriterien
Diagnosekriterien sind bei der Vielzahl möglicher geburtshilflicher Infektionen die Beurteilung einer dezidierten gynäkologischen Untersuchung sowie, falls indiziert, eine angemessene mikrobiologische Probengewinnung. Diese muss sich auf die zugrunde liegenden Arbeitsdiagnose beziehen.
Diagnostische Schritte
mso-yfti-tbllook:1184;mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt"
| Erkrankung | Klinik | Mikrobiologie/Labor |
| A-Streptokokken
hier: Scharlach |
- Exanthem, Erythem, Pyodermie
- Fieber |
- ß-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A in Rachen und/oder Vagina
- Labor: Leukozytose, CRP - Serologie nicht relevant |
| Borreliose | Stadium I: Erythema migrans
Stadium II: nach Wochen bis monate Lymphadenosis cutis benigna oder seröse Meningitis Stadium III: chronisch-rezidivierende Arthirtis (Spätstadium) |
Stadium I: klinische Diagnose, nur in 50% Antikörper nachweisbar
Stadium II: Erregernachweis mittels Serologie (ELISA), PCR |
| Campylobacter jejuni und fetus | - klinische Untersuchung | Erregernachweis aus Fruchtwasser, Stuhl, Blutkultur |
| Episiotomie-Wundinfektion | - postpartum Wundinspektion | keine |
| HIV-Infektion | reduzierter AZ und EZ | - AK-Schnelltest, wenn pos.
- dann PCR und Immunstatus - Resistenztestung |
| HPV | Unspezifischer Fluor | Vaginaler Abstrich
PCR |
| Keuchhusten | - klinische Untersuchung
- Symptome eines grippalen Infekts (7. – 14 Tage nach Indfektion). CAVE: Pat. Zu dieser Zeit hochinfektiös |
nasopharyngealer Abstrich
PCR ELISA gegen Pertusistoxin und (PT) und Filamenthämagglutinin (FHA = begünstigt Adhäsion anderer Bakterien z.B. Pneumokokken) möglich |
| Listeriose | - allgemeine klinische Untersuchung
- Meningismus? |
Erregernachweis PCR oder Kultur aus
- Blutkultur - Fruchtwasser - Liquor (bei V.a. Meningitis) - Zervix Abstrich nach vorzeitigem Blasensprung Serologie wegen Kreuzreaktion ungeeignet |
| Lues | - gynäkologische Untersuchung
- nicht schmerzhafte Lymphknoten - Ulcus oder Oedema indurativum |
- TPHA- oder TPPA Test sind sicher Hinweise auf abgelaufene Infektion, aber kein Hinweis auf Floridität
- Behandlungswürdigkeit mittels VDRL-Test und verschiedene IgM Antikörper |
| Puerperal Peritonitis | - klinische Untersuchung
- v.a. weiches Abdomen typisch |
- laborchemische Infektzeichen |
| Salmonellose | - klinische Untersuchung
- Anamnese auf mögliche Übertragung: kontaminierte Lebensmittel (Fleisch, Geflügel, Eier, etc.), mögliche Schmierinfektion von gesunden Dauerausscheidern |
Stuhl auf pathogene Erreger |
| Staph. aureus Infektion | - gynäkologische Untersuchung | - vaginaler Abstrich
- Abnahme von 2 bis 3 Paar Blutkulturen - CRP, PCT |
| Toxoplasmose | - Klinische Untersuchung
- evtl. Augenhintergrund |
- Toxoplasma- Antikörper-Suchtest ->
- Toxoplasma-IgM-Antikörper-Test -> - Toxoplasma-Abklärungsverfahren -> - Beurteilung der Ergebnisse Immunität kann angenommen werden bei: IgG-AK pos plus IgM-AK neg |
| Trichomoniasis | Gynäkologische Untersuchung | Vaginaler Abstrich |
| Triple I | - Temperaturmessung
- Vitalparameter Mutter und Kind |
- CRP, Leukozyten im BB
- Zervix-/Vaginalabstrich - Amniozentese - postpartale Biopsie von Plazenta, Eihäuten, Nabelschnur zur Histopathologischen Untersuchung |
| Vorzeitiger Blasensprung | - gynäkologische Untersuchunng
- Spekulumeinstellung, Nachweis von Vernix-Flocken - Ultraschalluntersuchung |
- Abstrich Mikrobiologie
- laborchemische Entzündungsparameter |
Differentialdiagnosen
Das Feld de geburtshilflichen Infektionen umfasst eine große Anzahl verschiedenster Erreger und Erkrankungen. Eine gewissenhafte gynäkologische Untersuchung sowie eine geeignete mikrobiologische Umfeld Diagnostik sind daher ebenso wichtig wie eine interdisziplinäre Versorgung der Schwangeren.
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| Erkrankung | Differentialdiagnose |
| Toxoplasmose | Bei Lymphadenitiden im Halsbereich:
- Malignom, z.B. M. Hodgkin - Streptokokken-Angina - Mononikleose (EBV) - Katzenkrankheit durch Bartonellen Bei Ophtalmonolgie: - Troponema pallidum - Mycobacterium tubercolosis - CMV (bei immunsupprimierten) - okkuläre Sarkoidose Bei Enzephalitis: - Humanes Polyomavirus 2 (PML) - Aspergillose - Lymphom - Hirninfarkt |
Erreger
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| Infektion | Erreger |
| A-Streptokokken-Infektion | Streptococcus pyogenes |
| Endometritis puerperalis | - A-Streptokokken
- Enterobacteriacea - Anaerobier |
| Episiotomie Wundinfektion | - häufig Anaerobier |
| Infektio nach Sectio caesarea | - A-Streptokokken
- Staph. aureus - Enterobacteriacea - Anaerobier - Gardnerella vaginalis |
| Keuchhusten | Bordetella pertusis |
| Listeriose | Listeria monocytogenes |
| Lues | Troponema pallidum |
| Mastitis puerperalis | - Staphylococcus aureus
- Gruppe B Streptokokken - koagulasenegative Staphylokokken - Streptococcus viridans |
| puerperale Peritonitis | - A-Streptokokken
- Staph. aureus - Enterobacteriacea - Anaerobier |
| Puerperal-Sepsis | - meist Streptococcus pygenes (A-Streptokokken)
- selten: Streptococcus pneumoniae, Staph. aureus, Enterobacteriacea |
| Trichomoniasis | Trichomonas vaginalis |
| Triple I | - Streptokokken der Gruppe A und B
- Staphylokokken - Anaerobier - E. colie - Enterokokken |
| Vorzeitiger Blasensprung | - Gonokokken
- Trichomonaden - Bakterien der Darmflora - Dysbiose bei bakterieller Vaginose |
Therapie
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| Erkrankung | Substanz | Dosierung | Dauer |
| A-Streptokokken-Infektion | Amoxicillin
bei Penicillin-Allergie Clindamycin CAVE: Fluorchinole in Schwangerschaft kontrainduiziert und zudem schlecht wirksam |
3 x 1g p.o.
3 x 600mg p.o. |
5 – (10) Tage
5 – (10) Tage |
| Borreliose | Amoxicillin oder
Ceftriaxon CAVE: Therapie nur bei klinischen Hinweise auf Infektion und/oder IgM Nachweis; Doxycyclin in der Schwangerschaft kontroindiziert |
3 x 1g p.o.
1 x 2g i.v. |
14 Tage |
| Campylobacter fetus und jejuni Infektion | Erkrankung meist selbstlimitieren;
schwere Verläufe Azythromycin |
1 x 500mg p.o. | 3 Tage |
| E. coli | |||
| Endometritis puerperalis | Early-onset:
Ampicillin/Sulbactam plus Gentamycin Late-onset Piperacillin/Tazobactam plus Gentamycin |
2g/1g q8h i.v.
5mg/kg KG q24h i.v. 4g/0,5g q8h i.v. 5mg/kg KG q24h i.v. |
Bis 24h nach Entfieberung |
| Episiotomiewundinfekt | Cefuroxim plus
Metronidazol |
1,5g q8h i.v. plus
500mg q12h i.v. |
5 – 7 Tage |
| Gruppe-B-Streptokokken | Amoxicillin/Sulbactam
Kind: Wenn Mutter GBS Prophylaxe erhalten hat, Beobachtung des Neugeborenen für 48h. Ohne angemessene Prophylaxe Beobachtung für 48h. Wenn Fruchtblase > 18h vor Geburt oder < 37 SSW dann BK,Blutbild, CRP. Weitere Therapie je nach Befund |
2g/1g q8h i.v. | 5 – 7 Tage |
| Harnwegsinfekt | Fosfomycin | 3g oral | 1x |
| Herpes-Infektion | Aciclovir | 5 x 200 mg p.o.
oder 3 x 400mg p.o. |
5 – 10 Tage |
| Keuchhusten | Azithromycin
CAVE: antibiotische Therapie nur sinnvoll in Frühphase, also in der Zeit der Infektiosität |
1 x 500mg p.o.
1 x 250mg p.o. |
Tag 1
Tag 2 - 5 |
| Listeriose | Während der Schwangerschaft:
Ampicillin Sepsis Kind (early-onset): Ampicillin Meningitis Kind (late-onset): Ampicillin plus Gentamycin |
2g q4h i.v.
Pädiatrische Dosierung beachten |
21 Tage
14 Tage 21 Tage |
| Lues | Benzylpenicillin-Benzathin
Bei echter Penicillin Allergie: Ceftriaxon |
2,4 Mio IE i.m.
Dosis auf zwei Punktionsstellen verteilt 2g q24h |
1x pro Woche
Über 3 Wochen 3 Wochen |
| Mastitis puerperalis | Flocloxacillin oder
Cefazolin Bei gesicherter Penicillin-Allergie Clindamycin |
4 g q8h i.v.
2 g i.v. 600 mg q8h i.v. |
7 – 10 Tage
7 – 10 Tage 7 – 10 Tage |
| Puerperale Peritonitis | Cefuroxim plus Metronidazol | 1,5g q8h i.v. plus
500mg q8h i.v. |
7 – 10 Tage |
| Puerperal-Sepsis | Ampicillin/Sulbactam
oder Cefuroxim plus Metronidazol |
2g/1g q8h i.v.
1,5g q8h i.v. plus 500mg q8h i.v. |
7 – 10 Tage
7 – 10 Tage |
| Salmonellose | Keine antibiotische Therapie empfohlen. Datenlage allerdings dünn. | ||
| Staph. aureus Infektion | Bei Kolonistation der Vagina:
Lokales Desinfektivum Bei Bakteriämie Flucloxacillin |
4g q8h i.v. | mind. 14 Tage
Kontrolle durch Blutkultur |
| Toxoplasmose[3] | Spiramycin
Ab 16. SSW: Pyrimethamin plus Sulfadiazin plus Folinsäure (CAVE: nicht Folsäure!) |
3 x 1g p.o.
1. Tag 50mg p.o. ab 2. Tag 25mg p.o. 4 x 1g p.o. 15mg p.o. (3x wöchentlich) |
Bis zur 16. SSW
Falls im Ultraschall Hinweis auf eine Infektion des Feten, fortsetzen der Therapie bis zum Enden derSchwangerschaft |
| Trichomoniasis | ab 14. SSW:
Metronidazol |
2 x 500mg p.o. | 5 – 7 Tage |
| Triple I | Amoxicillin/Sulbactam
Empirische Therapie nach mikrobiologischen Befunden |
2g/1g q8h i.v. | 5 – 7 Tage |
| Vorzeitiger Blasensprung | Keine generelle Empfehlung für antibiotische Therapie | ||
| Wundinfekt nach Sectio caesarea | Cefuroxim plus
Metronifazol |
1,5g q8h i.v.
500 mg q12h i.v. |
5 – 7 Tage |
| Zervizitis | Je nach nachgewiesenem Erreger |
Prophylaxe / Prävention (Autoren:Masen Sueifan, Sabrina Mauruschat)
Bei rezidivierenden oder unspezifischen Fluor Kultur auf Gonokokken, Mykoplasmen und Chlamydien, da diese oft in der Mikroskopie nicht erkennbar sind. Immer HIV Test, ggf. auch Hepatitis C und E Serologie in der Schwangerschaft.
Insgesamt ist es unbedingt anzustreben, zum Zeitpunkt der Geburt alle Infektionen zu kennen und zu sanieren
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| Erkrankung | Prophylaxe |
| A-Streptokokken | - bei A-Streptokokken Infektion in Umgebung der Schwangeren, Abstrich aus Rachen und Vagina. Vor Geburt zwingend erneuter Abstrich um Infektion des Kindes zu vermeiden. Bei Kolonisation 10-tägige antibiotische Prophylaxe
- Kolpitis/granulozytenreicher Fluor: Abstrich zur Mibi - Hautauschläge: A-Streptokokken Infektion in Betracht ziehen - Pyodermie: Abstrich aus Pusteln - Sectio caesarea: perioperative Antibiotikaprophylaxe obligatorisch |
| Borreliose | Expositionsvermeidung
Rasches Entfernen der Zecke |
| Chlamydia trachomatis | Screening Untersuchung zu Beginn der Schwangerschaft |
| Gruppe-B-Streptokokken (GBS) | - Screening der Schwangeren zwischen 35 + 0 und 37+ 0 SSW auf GBS
- ggf. intrapartale Antibiotikagabe an die Mutter - ggf. postnatale Überwachung des Neugeborenen - ggf. postnatale Antibiotikabehandlung der Mutter[4] |
| Mastitis puerperalis | - tragen eines BHs auch bei Nacht
- kühlende Umschäge - Brustwarzenpflege - Einweisung zum Stillen |
| Salmonellose | - Beachtung Lebensmittelhygiene
- wenn Mutter Dauerausscheider dann Vermeidung der Kontamination des Kindes unter Entbindung - Sectio caesarea nur bei hohem Risiko |
| STD | Aufklärung über STD
Verwendung von Kondomen |
| Toxoplasmose[5] | - Keine rohen oder nicht ausreichend erhitzten oder gefrosteten Fleischprodukte
- Rohes Gemüse und Früchte vor dem Verzehr gründlich waschen - Waschen der Hände vor dem Essen - Waschen der Hände nach dem Zubereiten von rohem Fleisch, nach Garten-, Feld- oder anderen Erdarbeiten und nach dem Besuch von Sandspielplätzen - Beim Halten einer Katze innerhalb der Wohnung in der Umgebung der Schwangeren sollte die Katze mit Dosen- und/oder Trockenfutter ernährt werden. Die Kotkästen, insbesondere frei gehaltener Katzen sollten täglich durch Nicht-Schwangere mit heißem Wasser gereinigt werden |
Weiterführende Literatur & Hilfestellungen
Petersen, E.: „Infektionen in Gynäkologie und Geburtshilfe“, 1. Auflage 1988 (5 Aufl.), Stuttgart, Thieme Verlag, ISBN 978-3-13-722901-8.
Meldepflichtige Erkrankungen in der Geburtshilfe laut Infektionsschutzgesetz (IfSG)
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| Erkrankung/Erreger | Grundlage | Meldung durch |
| Campylobatcer | IfSG §7 | namentlich durch Labor |
| HIV | IfSG §7 | namentlich durch Labor |
| Keuchhusten/
Bordetella pertusis |
IfSG §6
IfSG §7 |
namentlich durch Arzt
namentlich durch Labor |
| Salmonella sp. | IfSG §7 | namentlich durch Labor |
| Toxoplasma gondii | IfSG §7 | namentlich durch Labor, nur bei konnataler Infektion |
| Treponema pallidum | IfSG §7 | namentlich durch Labor |
Tabellarische Anmerkungen zur Meldepflicht nur bei ganz klarer Lehrmeinung angeben.
Anmerkung der Redaktion
Quellen
Martius (Federführung), J., U.B. Hoyme, R. Roos, A. Franz, P. Bartmann, und F. Pohlandt. „Prophylaxe der Neugeborenensepsis (frühe Form) durch Streptokokken der Gruppe B“. In Leitlinien Kinder- und Jugendmedizin, B17.1-B17.8. Elsevier, 2015. https://doi.org/10.1016/B978-3-437-22061-6.50364-5.
Rath, Werner, und Klaus Friese, Hrsg. Erkrankungen in der Schwangerschaft. Stuttgart: Georg Thieme Verlag, 2005. https://doi.org/10.1055/b-002-54074.
Robert Koch-Institut. „RKI-Ratgeber Toxoplasmose“, 2018. https://doi.org/10.17886/EPIBULL-2018-051.
Robert-Koch-Institut. „SurvStat@RKI 2.0“. Zugegriffen 26. September 2020. https://survstat.rki.de/Content/Query/Create.aspx.
[1] Rath und Friese, Erkrankungen in der Schwangerschaft.
[2] Robert-Koch-Institut, „SurvStat@RKI 2.0“.
[3] Robert Koch-Institut, „RKI-Ratgeber Toxoplasmose“.
[4] Martius (Federführung) u. a., „Prophylaxe der Neugeborenensepsis (frühe Form) durch Streptokokken der Gruppe B“.
[5] Robert Koch-Institut.