DGI:Knochen-, Gelenks- und Protheseninfektionen/Spondylodiszitis/Therapie/Kalkulierte Therapie: Difference between revisions

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Kalkulierte Therapie

Achtung, die Therapie der Spondylodiszitis sollte Erreger-bezogen erfolgen (LINK Gezielte Antibiotikatherapie von Knochen- und Gelenkinfektionen), da die gezielte Therapie wirksamer und mit weniger Nebenwirkungen (Vermeidung von Breitspektrum-Antibiotika o.ä.) verbunden ist.

Daher sollte eine kalkulierte Therapie erst nach Materialgewinnung und möglichst auch erst nach Erregernachweis begonnen werden (CT-gestützte Punktion bzw. intraoperativ; s. Kapitel Diagnostik) ESCMID[31], IDSA[1], AWMF[2], Grados[32]


Ausnahme: Bei instabilen / septischen Patienten, Immunsupprimierten bzw. Patienten mit schwerer / progredienter neurologischer Symptomatik sollte eine kalkulierte Therapie sofort nach Entnahme von 2 - 3 Blutkulturpaaren begonnen werden.

In Tabelle 2 finden sich Vorschläge für die kalkulierte Therapie, gegebenenfalls ist jedoch eine Anpassung an individuelle Gegebenheiten notwendig (u.a. wahrscheinlichster Infektionsfokus, Besiedlung mit multiresistenten Erregern, lokale Resistenzlage, Allergien, Medikamenteninteraktionen). Die kalkulierte Initialtherapie sollte initial für i.d.R. für mindestens 2 Wochen intravenös erfolgen.

Problematisch ist die orale Anschlusstherapie nach einer initial wirksamen kalkulierten intravenösen Therapie, da das mögliche Erregerspektrum meist enger ist und es nach Umstellung zu einem Therapieversagen kommen kann. Daher ist nach Oralisierung der Therapie ohne Erregernachweis eine engmaschige klinische und laborchemische Verlaufskontrolle zu empfehlen (Schmerzen?, CRP, Bildgebung).


Tab 2. Mögliche kalkulierte Therapie der Spondylodiszitis (OHNE Erregernachweis) [IDSA[1], SPILF[33], Garkowski[34], Abele-Horn 2020[35]]
Spondylodiszitis,

pyogen

(unspezifisch)

Substanz Dosierung Kommentar
Intravenöse

Initial-therapie

  1. Wahl
Flucloxacillin


plus


Ceftriaxon

6 x 2g i.v.


plus


1 x 2g i.v.

Cave: Ggf. Anpassung an das individuelle MRSA- bzw. MRGN-Risiko
Fremd-material-assoziiert / post-operativ Vancomycin


plus


Ceftriaxon

*


plus


1 x 2g i.v.

*Link Infoblatt Vancomycin
Penicillin-Allergie Vancomycin


plus


Ciprofloxacin

*


plus


2 x 750 mg

*Link Infoblatt Vancomycin
Orale

Anschluss-therapie

Möglichst gezielt nach Erregernachweis; ist dies im Einzelfall nicht möglich, infektiologisches Konsil empfohlen.