Geburtshilfliche Infektionen/Mastitis puerperalis: Difference between revisions
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| Kapitelinformationen | |
|---|---|
| Stand: | Dezember 2024 |
| Kapitelleitung: | Masen Sueifan |
| Autor:innen: | Marzia Bonsignore, Sabine Mauruschat, Nathalie Pausner, Helmut Reinhold |
| Reviewer:innen: | Julia Jückstock |
| Beteiligte Fachgesellschaften: | |
| Feedback: | Mitwirken |
Die Mastitis puerperalis ist eine während der Stillzeit auftretende akute bakterielle Entzündung der weiblichen Brust und um eine der häufigsten Erkrankungen im Wochenbett. Aufgrund der in der Literatur unterschiedlichen Definitionen der Mastitis puerperalis, schwankt die Inzidenz je nach der zu Grunde liegenden Definition.
Klinisches Bild
Das klinische Bild einer Mastitis puerperalis entsprechen im wesentlichen den Symptomen einer lokalen Entzündung, bestehend aus Rötung (Rubor), Überwärmung (Color), Schwellung (Tumor) und Schmerzen (Dolor). Hinzukommt eine eingeschränkte Stillfunktion. In sehr seltenen Fällen können Symptome einer systemischen Infektion bis hin zur Sepsis kommen.
Klinische Situationen
Ist ein Milchstau Ursache für eine Mastitis puerperalis können verschiedenste Faktoren Auslöser der Entzündung der Brustdrüse sein. Hierzu zählen:
- Stilltechnik
- Stillfrequenz (zu kurze oder zu seltene Stillperiode)
- Verschluss von Milchgängen aufgrund von:
- Verstopfung durch feste Partikel (Casein-Calcium-Verbindungen, Fettklümpchen)
- Zu enge Bekleidung und daraus resultierender Einschnürung
- Übermäßige Milchproduktion
- Fehlender Milchreflex, z.B. durch Stress, Schlafmangel
- Stillen von Zwillingen/Mehrlingen
Ein Milchstau ist ein Prädiktor einer bakteriellen Infektion der Brust.
Durch Verletzungen an der Mamille kann es zu einer bakteriellen Infektion der Brustdrüse kommen. Hierdurch können (fakultativ) pathogene Erreger in die periduktalen Lymphbahnen vordringen. Weitere Faktoren stellen eine mangelnde Hygiene aber auch vorangegangene Entzündungen und Verletzungen, z.B. auch durch ein Piercing, eine Rolle.
Leitsymptome
Die Mastitis puerperalis tritt gehäuft in der zweiten bis vierten Woche post partum auf. Je nach Ursache imponieren die Patientinnen durch folgende Symptome.
Bei bakterieller Ursache:
- Örtlich begrenzte Rötung, Schwellung und Überwärmung der Brust
- Lokal starke Schmerzen
- Hämatogene Streuung im Sinne einer Sepsis sind selten
Mastitis puerperalis aufgrund eines Milchstaus:
- Lokale Verhärtung und Schmerzen
- Nur geringe oder keine Überwärmung
- Kein Fieber
- Eventuell kleines weißes Bläschen auf der Mamille (white blister)
Epidemiologie
Die Erkrankung tritt meist in den ersten drei Monaten nach der Geburt auf. Die Inzidenz variiert in den weltweiten Studien stark. Hintergrund hierfür sind die sehr unterschiedlichen Studienpopulationen. Die angegebenen Inzidenzen schwanken zwischen 2 und 50%[1]. Eine prospektive Studie aus Schottland ergab beispielsweise unter 420 stillenden Frauen eine Inzidenz von 18% innerhalb eines halben Jahres[2].
Prognose
Da es sich im Frühstadium bei der Mastitis puerperalis meist nicht um einen bakteriellen Infekt handelt, klingen die Symptome durch regelmäßige Entleerung der Brust in der Regel ab[3]. Bei Vorliegen einer bakteriellen Infektion ist die Prognose bei adäquater antibiotischer Therapie ebenfalls gut. Allerdings besteht hier die Gefahr der Entstehung eines Mamma Abszesses.
Diagnostik
Diagnosekriterien
Die Diagnose der Mastitis puerperalis ist eine klinische Diagnose.
Diagnostische Schritte
Klinische Untersuchung
Differentialdiagnosen
Mamma-Ca
Erreger
- Staphylokokkus aureus
- Gruppe B Streptokokken
- Koagulasenegative Staphylokokken
- Streptococcus viridans
Therapie
Die Therapie richtet sich zunächst an konservative Maßnahmen. Hierzu sollte die erkrankte Brust regelmäßig entleert werden. Hierbei kann es hilfreich sein, das Kind zunächst an die nicht erkrankte Brust anzulegen, um den Milchfluss in Gang zu bringen[4][5]. Dabei sollte die Stilltechnik auch unter zu Hilfenahme einer Stillberaterin optimiert werden. Ein weiteres Mittel, um den Milchfluss in Gang zu bringen, stellen warme Umschläge vor dem Stillen dar. Eine alternierende Kühlung nach dem Stillen, kann dabei Schmerzen und Schwellung mindern[6][5][4].
Die vor einigen Jahren noch eingesetzten Oxytocin Nasensprays zur Förderung der Milchentleerung durch Stimulation der myoepithelialen Zellen wird heutzutage nicht mehr empfohlen. Bei fehlender Prüfung der Unbedenklichkeit und des fehlenden Nachweises der therapeutischen Wirksamkeit, wurde den Nasensprays bereits 2008 die Zulassung entzogen.
Bei Beschwerdepersistenz größer 24 bis 48 Stunden oder bei Auftreten von Fieber trotz der genannten konservativen Maßnahmen, sollte eine antibiotische Therapie begonnen werden.
| Klinische Situationen | Präferenz | Substanz | Dosierung | Dauer | Anpassungen | Kommentar |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Mastitis puperperalis | Therapie der Wahl |
Cefazolin iv
|
1 x 2 g
|
7 – 10 Tage | - | - |
| Alternativ bei Penicillin Allergie | Clindamycin po | 3 x 600 mg | 7 – 10 Tage | - | - |
Quellen
DGI:Geburtshilfliche Infektionen/Mastitis puerperalis/Quellen