DGI:Bissverletzungen/Therapie

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Therapie

Grundsätzlich ist es erstrebenswert bei der Versorgung einer Menschen-/Tierbissverletzung eine interdisziplinäre Versorgung der Verletzung anzustreben.

Grundlage der Wundversorgung stellen im allgemeinen folgende Punkte dar, obwohl zu beachten ist, dass die Evidenzlage in Teilen uneinheitlich ist.


1.   Primäre Wundversorgung:

  • Spülung der Wunde mit NaCl 0,9%
  • Desinfektion mit Polihexanid-haltigen oder Octenidindihydrid-haltigen Lösungen.

Octenidindihydrid-haltigen Lösungen dürfen nicht unter Druck und in tiefe Gewebeschichten eingebracht werden, da sonst die Gefahr von aseptischen Nekrosen besteht

  • Reinigung bis in die Tiefe der Wunde, insbesondere bei Katzenbissverletzungen, da Wunde aufgrund des Kulissenphänomens tiefer als vermutet sein kann. Durch dieses Phänomen können pathogene Erreger und Fremdkörper inokuliert sein.


2.   Wund-Debridement

  • Entfernung von gequetschten, zerrissenen und nekrotischen/avitalen Gewebe in Lokalanästhesie
  • gegebenenfalls sind weitere chirurgische Maßnahmen notwendig


3.   Wundverschluss

  • In der Regel wird an den Extremitäten kein primärer Wundverschluss durchgeführt. Je nach Empfehlung erfolgt der sekundäre Wundverschluss nach 3 – 8 Tagen. Hierbei spielt eine mögliche Infektion der Wunde eine maßgebende Rolle.
  • gegebenenfalls ist eine Vakuumtherapie notwendig

          

Antibiotika-Therapie:

Einer Cochrane Analyse aus dem Jahre 2001 [7[1]] nach kann keine generelle Empfehlung zu einer prophylaktischen Antibiotika-Gabe gegeben werden. Ausnahmen stellen Bissverletzungen im Gesicht, Hände, Füße, Genitalien und gelenknahe Regionen dar. Ein weiterer Einschlussfaktor für eine Prophylaxe stellen Patienteneigne Risikofaktoren, wie z.B. Immunsuppression oder Splenektomie dar. Hier sollte eine kalkulierte Therapie für 3 – 5 Tage erfolgen. [8[2]]

Klinische Situation Präferenz Substanz Dosierung Dauer Kommentar
Hund, Katze 1. Wahl Ampicillin/Sulbactam

Amoxcillin/Calvulansäure

2g/1g q8h i.v.

875/125 mg 3x/d

5-7d -
alternativ 2./3. Generations Cephalosporin

plus

Metronidazol

oder plus

Clindamycin

500 mg q12h

600mg q8h i.v.

5-7d -
Klinische Situation Präferenz Substanz Dosierung Dauer Kommentar
Mensch 1. Wahl Ampicillin/Sulbactam

Amoxcillin/Calvulansäure

2g/1g q8h i.v.

875/125 mg 3x/d

5-7d -
Immunsup

Patienten

Piperacillin/Tazobactam 4,5g q8h 5-7d -


Therapiedauer:

Grundsätzlich richtet sich die Dauer der Antibiotika-Therapie nach dem Verlauf der Infektion.

Vorsicht geboten ist bei Ciprofloxacin, da einige potenzielle Erreger Resistenzen aufweisen, exemplarisch sei an dieser Stelle Veillonella genannt. Bei Verdacht auf eine MRSA Infektion muss auf ein entsprechend wirksames Antibiotikum zurückgegriffen werden, wobei hier die besondere Resistenzlage von Eikanella zu achten ist. Darüber hinaus sollte keine Monotherapie mit Flucloxacillin durchgeführt werden.

Eine kalkulierte Therapie mittels Clindamycin, Makrolide, Isoxazylpenicilline, Cephalosporine der Gruppe 1 und Aminoglykoside sollte aufgrund Unwirksamkeit gegenüber mit P. multocida nicht durchgeführt werden.


Weitere Maßnahmen:

1.   Tollwut-Impfung:

·        gemäß STIKO ist bei Bissverletzungen (Grad III der Exposition) eine aktive und passive Immunisierung notwendig.

2.   Tetanus-Impfung

·        gemäß STIKO ist bei fraglichen Impfstatus eine aktive und passive Immunisierung

3.   zusätzlich bei Menschenbissverletzungen

·        hierbei muss an eine Exposition mit HBV, HCV sowie HIV gedacht und einer postexpositionelle Prophylaxe in Betracht gezogen werden.


Meldepflicht

Gemäß §6 IfSG besteht eine namentliche Meldepflicht bei Krankheitsverdacht, Erkrankung und Tod an Tollwut, für die Verletzung eines Menschen durch ein tollwutkrankes, -verdächtiges oder -ansteckungsverdächtiges Tier sowie die Berührung eines solchen Tieres oder Tierkörpers.

  1. #Medeiros I, Saconato H: Antibiotic prophylaxis for mammalian bites. Cochrane Database Syst Rev 2001; CD001738
  2. May B: Untersuchungen zum Nutzen der von Tierärzten durchgeführten Kurse „Hundeführerschein-Grundwissen-Gefahrenvermeidung im Umgang mit Hunden“. München: Vet Med Diss 2006