DGI:Pharmakologische Aspekte/Abstract

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Pharmakokinetische (PK) und pharmakodynamische (PD) Parameter bestimmen die Wirkung von Antiinfektiva im Körper. Der Zusammenhang zwischen der Antibiotikakonzentration und der Empfindlichkeit des Erregers wird über PK/PD-Ziele definiert. Das zunehmende Verständnis von Kenngrößen hierzu und deren Umsetzung in der klinischen Praxis führt zur Optimierung des Einsatzes von Antiinfektiva und besseren Outcomes. Dies wird durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen dem behandelnden klinischen Team, der infektiologischen Beratung, dem mikrobiologischen Labor und der Apotheke gewährleistet.

Checkliste zur Verordnung von Antiinfektiva
<math>\Box</math> Erreicht die antiinfektive Substanz das Zielkompartiment?
<math>\Box</math> Welche Dosis ist notwendig, um wirksame Spiegel entsprechend der minimalen Hemmkonzentration des Erregers zu erreichen?
<math>\Box</math> Muss die Dosis an die Organfunktionen (Niere, Leber) angepasst werden?
<math>\Box</math> Welche Dosierungsschemata sind notwendig, um die PK/PD-Ziele zu erreichen?
<math>\Box</math> Ist ein therapeutisches Drugmonitoring notwendig (signifikante intra- und interindividuelle Schwankungen, enges therapeutisches Fenster), verfügbar und evidenzbasiert, um das Erreichen der PK/PD-Ziele und einer für den Patienten sicheren Therapie sicherzustellen?
<math>\Box</math> Welche Patientencharakteristika sind zusätzlich zu beachten?
<math>\Box</math> Welchen Einfluss hat die Antiinfektiva-Auswahl auf die Begleitmedikation?
<math>\Box</math> Welche Monitoring-Untersuchungen sind im Verlauf notwendig?
Pharmakodynamik

Pharmakodynamik beschreibt den Zusammenhang zwischen der Exposition der antiinfektiven Substanz und der antimikrobiellen bzw. klinischen Wirksamkeit. Der wichtigste Parameter ist die minimale Hemmkonzentration (MHK). Diese beschreibt die kleinste Wirkstoffkonzentration einer antimikrobiellen Substanz unter standardisierten in-vitro-Bedingungen, die das Erregerwachstum hemmt. Ein Erreger gilt als sensibel, wenn das Wachstum unter Verwendung eines Standarddosierungsschemas der getesteten Substanz gehemmt werden kann.

Die Aussagekraft dieser Werte kann bei Biofilm-assoziierten Infektionen wie Infektionen von Fremdmaterial oder bei Patienten mit chronischen pulmonalen Infektionen (Mukoviszidose, Bronchiektasen) eingeschränkt sein und erfordert individuelle Ansätze wie eine Kombinationstherapie oder die Verwendung von Antiinfektiva mit potentieller Biofilmaktivität (siehe auch Kapitel Protheseninfektionen).

Pharmakokinetik

Unter Pharmakokinetik versteht man die Gesamtheit der Prozesse, die eine Substanz im Körper durchläuft. Werden pharmakokinetische Prozesse wie Plasma- und Gewebekonzentration (z.B. AUC, Cmax) mit den antimikrobiellen Eigenschaften der antimikrobiellen Substanz (z.B. MHK) in Verbindung gebracht, spricht man von PK/PD-Parametern.


Abb. 1: Schematische Darstellung pharmakokinetischer und –dynamischer Parameter von Antiinfektiva

Definitionen (Abb. 1)
Fläche unter der Kurve (AUC) Die AUC repräsentiert die Fläche unter der zeitlichen Konzentrationskurve eines Wirkstoffs. Sie gibt Auskunft über die Exposition des Wirkstoffs nach der Verabreichung.
Bioverfügbarkeit Die Bioverfügbarkeit beschreibt den prozentualen Anteil einer verabreichten Dosis, der im systemischen Kreislauf zur Verfügung steht.
Clearance Das Volumen, das innerhalb einer bestimmten Zeitspanne vollständig von einem Wirkstoff befreit oder eliminiert wird. Die Gesamtkörper-Clearance setzt sich aus verschiedenen Clearance-Anteilen zusammen, wie zum Beispiel der renalen und hepatischen Clearance.
C max Spitzenspiegel (Konzentrationsmaximum) eines Wirkstoffs nach dessen Verabreichung.
C min Talspiegel (Konzentrationsminimum) eines Wirkstoffs vor dessen erneuter Applikation.
C SS Durchschnittliche Konzentration eines Wirkstoffs im Steady-State.
Halbwertszeit (T1/2) Der Zeitpunkt, an dem sich die Konzentration eines Wirkstoffs halbiert hat. Sie ist individuell für jeden Patienten und wird durch die Clearance und das Verteilungsvolumen beeinflusst.
Proteinbindung Gibt an, welcher Anteil eines Wirkstoffs an Plasmaproteine (z.B. Albumin) gebunden ist.
Verteilungsvolumen (Vd) Hypothetische pharmakokinetische Größe, die das vermutete Volumen angibt, in dem sich ein Wirkstoff entsprechend der gemessenen Konzentration verteilen würde.