Erkrankung:Geburtshilfliche Infektionen

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Abstract

Geburtshilfliche Infektionen stellen für das Kind häufig ein Risiko dar, während die Schwangere oftmals von einer Infektion nicht oder nur kaum betroffen ist. Der Ausbreitungsweg potenzieller Pathogene ist unterschiedlich. Dieser kann hämatogen, vaginal aszendierend, diaplanzentar oder beim Durchtritt des Kindes durch den Geburtskanal sein. Des Weiteren lassen sich Infektionen nach dem Zeitpunkt der Entstehung unterscheiden – während der Schwangerschaft, peripartal und im Wochenbett.

Klinisches Bild

Das klinische Bild variiert stark je nachdem ob die Schwangere und/oder das Kind eine Infektion haben und richtet sich nach der zugrunde liegenden Erkrankung. Die Schwangerschaft an sich führt bei der Mutter zu einer erhöhten Anfälligkeit für Erkrankungen wie Harnwegsinfektionen oder auch Reaktivierung persistierender Erreger. Insbesondere kann es aber auch zu schwerwiegenden Komplikationen kommen. Hierunter zählen:

-      Embryopathie, Fetopathie, intrauteriner Fruchttod durch eine Infektion in utero

-       Frühgeburt

-       Tod der Mutter

-       Aszendierende Infektionen der Mutter (z.B. Sepsis)

-      Infektion des Kindes während der Geburt

Weiterhin wird das klinische Bild durch den Zeitpunkt der Infektion geprägt – hierbei handelt es sich um Infektionen während Schwangerschaft sowie peripartal und im Wochenbett.

Leitsymptome

Bakterielle Infektionen während der Schwangerschaft besitzen drei Ausbreitungswege – hämatogen, vaginal-aszendierend, vaginal-peripartal. Die Leitsymptome dieser Infektionen sind bei:

a)   vorzeitigem Blasensprung:          spontaner schwallartiger oder auch nur tröpfchenweiser

                                                    Abgang von Fruchtwasser

b)    Triple I (Amnioninfektionssyndrom):

                                i.    Verdacht auf:       - maternales Fieber plus

                                              - fetale Tachykardie > 160/min länger als 10 Minuten oder

                                              - maternale Leukozytose > 15.000/µl oder

                                              - purulenter Fluor

                               ii.    Bestätigt:              - Verdacht auf Triple I plus nachgewiesene Infektion

                                              - entweder per Amnionzetese im Fruchtwasser

                                              - oder in der Plazenta, den Eihäuten oder der Nabelschnur

                                                (postpartal)

c)    weiteren häufigeren Infektionen:

Erkrankung Leitsymptom Mutter Direkte Schädigung Kind Komplikationen
Gruppe-B-Streptokokken

Vaginal-peripartal

- für Schwangere selten pathogene Bedeutung

- Fieber

- intrauteriner Kindstod - es werden zwei Krankheitsverläufe unterschieden

a) early-onset: 24-48h nach Geburt

- rascher Verlauf

- pulmonale Adaptionsstörung

- Bradykardie

- Zyanose

- Apnoe-Attacken

- Trinkschwäche

- respiratory distress Syndrom

- Pneumonie

- Meningitis

- Sepsis

E. coli

Vaginal-peripartal

- vorzeitiger Blasensprung

- fragliche Uteruskontraktionen, Krämpfe

- Fieber

- aber auch asymptomatischer Verlauf mit hoher Keimlast in Kultur

- Spätabort

- Frühgeburt

Neonatale E. coli Sepsis
Listeriose

hämatogene Ausbreitung

- Meist milde Symptomatik, grippe-ähnlich

- gelegentlich persistierendes niedriges bis mäßig erhöhtes Fieber, welches nach 8 – 10 Tagen wieder zunimmt.

- Schwangere haben 10-fach höheres Risiko eine Listeriose zu bekommen

- Fruchtod

- Frühgeburt

- bei Infektion hohe Mortalität des Kindes

- Granulomatosis infantiseptica

Toxoplasmose

hämatogene Ausbreitung

- meist asymptomatische Klinik bis leichte grippe-ähnliche Symptome

- gefährlich ist Erstinfektion während der Schwangerschaft

Hydrocephalus

Retinochoroiditis

Totgeburt

Nach Jahren kann es zu Gesichtsfeldausfällen beim Kind kommen
Campylobacter fetus und jejuni Infektion

hämatogene Ausbreitung

- Krankheitsbeginn mit hohem Fieber

- abdominelle Krämpfe

- gefolgt von Diarrhöe, entweder in Form einer Ileitis (wässrig) oder in Form einer Kolitis (schleimig-blutig)

- septischer Abort

- septische Frühgeburt

- Spätfolgen: Reiterkrankheit, reaktive Arthritis, Guilian-Barré-Syndrom
Zervizitis

Vaginal-peripartal

- symptomloser Verlauf möglich

- vaginaler Ausfluss (Fluor), purulent/mukopurulent)

- vaginale Zwischenblutungen

- vorzeitiger Blasensprung

- bei Chlamydien-Infektion keine direkte Schädigung, v.a. kein Zusammenhang zu Frühgeburtlichkeit

- bei Gonorrhöe Frühgeburt oder septischer Abort möglich

- bei Chlamydien-Infektion während der Geburt Konjunktivitis, seltener Otitis media

- nach Aspiration von Chlamydien während der Geburt Gefahr der Pneumonie

- bei Gonorrhoe Konjunktivitis, seltener oropharyngeale Infektion

d)   weiteren selteneren Infektionen:

Erkrankung Leitsymptom Mutter Direkte Schädigung Kind Komplikationen
Lues

hämatogene Ausbreitung

Ein oder mehrere Ulci oder Oedema indurativum, mit zum Teil nicht schmerzhaften regionalen Lymphknotenschwellungen a) höchstes Risiko für das Kind bei Erstinfektion der Mutter während der Schwangerschaft (Primärinfektion). Wahrscheinlichkeit für Infektion des Kindes 70 bis 100%

- in der Frühschwangerschaft Frühabort oder Fruchttod

- ab 4. Schwangerschaftsmonat Lues connata

b) Infektion unter vaginaler Geburt führt zu Primäraffekt im Nacken und Kopf des Kindes

a) Lues connata praecox: entspricht Sekundärstadium der Syphilis

b) Lues connata tarda: klinische Symptome im späten Kindes- oder frühen Erwachsenenalter

Borreliose

hämatogene Ausbreitung

- Infektion mit Borrelien verläuft in drei Stadien, wobei nicht jedes Stadium durchlaufen werden muss

- Stadium 1: Erythema migrans

- Stadium 2: nach Wochen bis Monaten: Lymphadenosis cutis benigna oder seröse Meningitis

- Stadium 3: Spätstadium, chronisch-rezidiviernde Arthritis (Lyme-Borreliose)

- bisher kaum beschriebene Fälle

- Borellien sind mit Troponema pallidum verwandt

- Totgeburt

- Frühgeburt (mit Exanthem)

- Syndaktylie

A-Streptokokken-Infektion

hämatogene Ausbreitung

richtet sich nach der Erkrankung:

- PhyryngitisTonsilitis

- Scharlach: Sonderform der Pharyngitis (Ursache ist durch Bakteriophagen befallene A-Streptokokken), durch sich bildendes erythrogenes Toxin werden diffuse, auf Druck verblassende Erytheme gebildet, dabei sind Munddreieck, Handflächen und Fußsohlen ausgespart, Erdbeer-Zunge

- Gefahr für Mutter ab Blasensprung

nicht bekannt keine bekannt
Keuchhusten

hämatogene Ausbreitung

Beginn als grippaler Infekt (zu diesem Zeitpunkt ist Schwangere hoch-infektiös)

- im Anschluß folgt Stadium convulsivum (sehr geringe Infektiösität)

- charakteristisch sind Hustenanfälle mit anschließenden tiefen Atemzügen (verursacht durch Pertussis-Toxin -> antibiotisch nicht zu beeinflussen)

Nicht bekannt Im Stadium convulsivum Frühgeburt möglich
Salmonellose

hämatogene Ausbreitung

- meist enteritische Salmonellose mit Brechdurchfall und Diarrhoe (meist nicht blutig)

- Typhus/Paratyphus selten

- Frühgeburt möglich

- enteritische Salmonellose mit schwerem Verlauf als bei Erwachsenen

- Meningitis
Staph. aureus Infektion

hämatogene Ausbreitung

- gehört nicht zur physiologischen Flora der Vagina

- hämatogene Streuung während Geburt

- Symptome entsprechend Besiedelung

- Konjunktivitis Sepsis
Trichomonaden-Infektion

Vaginal-peripartal

- Entzündung der Vaginalschleimhaut

- Rötung und Schwellung

- schaumig-dünnflüssiger, gelblich-grüner Fluor

- übelriechender Fluor

- vorzeitiger Blasensprung

- Spätabort

- Frühgeburt

- vermindertes Geburtsgewicht

- zervikale Neoplasien

- Unfruchtbarkeit

e)    Leitsymptome von peripartalen/Wochenbett-Infektionen:

Erkrankung Leitsymptom Mutter Komplikationen
Endometritis puerperalis Bei Frühendometritis (meist durch Anaerobier oder Darmkeime) stehen folgende Symptome im Vordergrund:

- Auftreten der Symptomatik meist 48 Stunden nach Entbindung

- Schlecht riechender Ausfluss

- vaginale Blutung

- Schmerzen

- mäßig hohes Fieber

- Uterus weich und dolent

- Fundus steht höher als es Wochenbettag entsprechen sollte

Bei Spätendometritis durch

Chlamydien steht im Vordergrund:

- Auftreten der Symptomatik 4-6 Wochen nach Entbindung

- Blutung

Bei im Verlauf nicht baldigen Rückgang des Fiebers ist eine Infektion mit Staph. aureus und Abszessbildung möglich
puerperable Peritonitis - Fieber

- Schmerzen

- Diarrhöe bei weicher Bauchdecken

Kann Zwischenstufe zu Puerperal Sepsis sein
Episiotomiewundinfekt - Rubor, Tumor, Dolor, Calor

- nässende, eitrige Wunde

- Fieber

Indikation zur chirurgischen Intervention
Wundinfekt nach Sectio caesarea - Rubor, Tumor, Dolor, Calor

- nässende, eitrige Wunde

- Fieber

Sepsis
Harnwegsinfekt - Dysurie

- Fieber

- Blut und Leukozyten im Wochenbett möglich

- aszendierender Harnwegsinfekt

- Urosepsis

Puerperalsepsis - diffuser Krankheitszustand der Mutter

- Fieber besonders an Tag 2 und 3 bis 38,5°C

- plötzlicher, rasanter Symptomverlauf

- in Beine ausstrahlende Schmerzen

- Schwäche/Antriebsarmut

- qSOFA > 2 Punkte

- Vollbild einer fulminanten Sepsis

- respiratorische Insuffizienz

- toxic Schocksyndrom

- Tod der Mutter

f)    Infektionen der Mamma:

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Erkrankung Leitsymptom Mutter Komplikationen
Mastitis puerperalis - örtlich begrenzte Rötung, Schwellung und Überwärmung der Brust

- lokal starke Schmerzen

- zudem können systemische Reaktionen wie Fieber (> 38 °C) auftreten

- hämatogene Streuung im Sinne einer Sepsis sind selten

Abszessbildung

Klinische Situationen

xxxx

Epidemiologie

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Infektion Häufigkeit
Puerperalsepsis Keine offiziellen Daten vorhanden
Endometritis puerperalis häufig, keine Zahlen verfügbar [1]
Infektion nach Sectio caesarea ???
Puerperable Peritonitis ???
Episiotomie Infektion Insgesamt selten, da Episiotomie an sich selten geworden
Harnwegsinfekt ???

Prognose

Die Prognose richtet sich nach der jeweiligen Erkrankung/Infektion. So war die Puerperalsepsis zu Zeiten von Semmelweis der Grund für die hohe Sterblichkeitsrate im Wochenbett.

Diagnostik

Diagnosekriterien

Diagnosekriterien sind XXXX

Diagnostische Schritte

Toxoplasmose: Eine serologische Untersuchung bei der Mutter ist medizinisch indiziert, z. B. bei: Lymphknotenschwellung und unklarem grippalem Infekt, insbesondere wenn keine Antikörper gegen Toxoplasma gondii vorhanden sind.

Differentialdiagnosen

Erreger

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Infektion Erreger
Endometritis puerperalis - A-Streptokokken

- Enterobacteriacea

- Anaerobier

Episiotomie Infektion - häufig Anaerobier
Infektio nach Sectio caesarea - A-Streptokokken

- Staph. aureus

- Enterobacteriacea

- Anaerobier

- Gardnerella vaginalis

Keuchhusten Bordetella pertusis
Puerperal-Sepsis - meist Streptococcus pygenes (A-Streptokokken)

- selten: Streptococcus pneumoniae, Staph. aureus, Enterobacteriacea

puerperale Peritonitis - A-Streptokokken

- Staph. aureus

- Enterobacteriacea

- Anaerobier

Vorzeitiger Blasensprung - Gonokokken

- Trichomonaden

- Bakterien der Darmflora

- Dysbiose bei bakterieller Vaginose

Mastitis puerperalis - Staphylokokkus aureus

- Gruppe B Streptokokken

- koagulasenegative Staphylokokken

- Streptococcus viridans

Therapie

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Erkrankung Substanz Dosierung Dauer
A-Streptokokken-Infektion
Borreliose
Campylobacter fetus und jejuni Infektion
E. coli
Endometritis puerperalis
Episiotomiewundinfekt
Gruppe-B-Streptokokken
Harnwegsinfekt
Keuchhusten
Listeriose
Lues
Mastitis puerperalis Flocloxacillin oder

Cefazolin

Bei gesicherter Penicillin-Allergie

Clindamycin

4 g q8h i.v.

2 g i.v.

600 mg q8h i.v.

7 – 10 Tage

7 – 10 Tage

7 – 10 Tage

Puerperale Peritonitis
Puerperal-Sepsis
Salmonellose
Staph. aureus Infektion
Toxoplasmose
Trichomonaden-Infektion
Triple I
Vorzeitiger Blasensprung
Wundinfekt nach Sectio caesarea
Zervizitis

Prophylaxe / Prävention

Weiterführende Literatur & Hilfestellungen

Ärzt*in erhält einen Überblick über weiterführende Hilfestellungen. Auflistung von Dokumenten / Websites / Zentren / Institutionen / Tools, die bei komplexen Fällen zu Rate gezogen werden können / sollen.

Tabellarische Anmerkungen zur Meldepflicht nur bei ganz klarer Lehrmeinung angeben.

Anmerkung der Redaktion

Quellen

Zitationsformat wird noch festgelegt.


[1] Rath und Friese, Erkrankungen in der Schwangerschaft.