Geburtshilfliche Infektionen/Vorzeitiger Blasensprung
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| Kapitelinformationen | |
|---|---|
| Stand: | Februar 2022 |
| Kapitelleitung: | Masen Sueifan |
| Autor:innen: | Marzia Bonsignore, Sabine Mauruschat, Nathalie Pausner, Helmut Reinhold |
| Reviewer:innen: | Julia Jückstock |
| Beteiligte Fachgesellschaften: | |
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Das Einreißen und die Entleerung des Fruchtblase wird als Blasensprung bezeichnet und tritt normalerweise zeitgleich mit dem Eintreten der Geburtswehen ein. Ein vorzeitiges Auftreten von Fruchtwasser, also vor Vorhandensein von Geburtswehen, wird als vorzeitiger Blasensprung bezeichnet. Mögliche Komplikationen sind vor allem Infektionen. Möglich sind aber auch Fehlgeburten und Blutungen.
Klinisches Bild
Der vorzeitige Blasensprung kann bei aszendierender Infektion mit einer erhöhten Mortalität und Morbidität des Feten bzw. Neugeborenen assoziiert sein. Man unterscheidet den vorzeitigen Blasensprung vor Beginn der Eröffnungsperiode (Premature Rupture Of Membranes, PROM) von dem frühen vorzeitigen Blasensprung vor 37+0 SSW (Preterm Prelabor Rupture Of Mebrane, PPROM). Eine antimikrobielle Prophylaxe wird nach einem PROM bei reifem Kind erst nach 12 – 18 Stunden, oder bei erhöhten Infektparametern empfohlen, bei PPROM jedoch, sobald die Diagnose gesichert ist.
Leitsymptome
Tröpfelndes oder schwallartiges Austreten von Fruchtwasser aus der Vagina
Epidemiologie
Der vorzeitige Blasensprung kommt in ca. 8 bis 10%, der frühe vorzeitige Blasensprung in ca. 3% aller Schwangerschaften vor. Hiervon fallen 0,5% auf den Zeitraum vor der 27. SSW, 1% zwischen die 27. und 34. SSW und 1% zwischen die 34. und 37. SSW
Prognose
Der frühe vorzeitige Blasensprung ist ein Risikofaktor für eine Frühgeburt. So entbinden 50% der Schwangeren innerhalb von 7 Tagen nach PPROM. Je nach Gestationsalter muss ein die Möglichkeit der Prolongation der Schwangerschaft mit geringerer Frühgeburts-bedingter Morbidität gegen das Risiko eines Amnioninfektionssyndroms abgewogen werden. Nach Möglichkeit sollte vor 34 + 0 SSW die Schwangerschaft zumindest bis zum Abschluss der Lungenreifeinduktion prolongiert werden, sofern kein Verdacht auf Amnioninfektionssyndrom besteht. Eine Kohortenstudie erbrachte bei Schwangeren mit B-Streptokokken negativem Befund eine mediane Schwangerschaftsverlängerung von 6,1 Tagen. Hierbei betrug die kumulative Entbindungsrate nach:
- 48 Stunden: 27%
- 7 Tagen: 56%
- 14 Tagen: 76%
- 21 Tagen: 86%,
wobei ein inverses Verhältnis der Latenzzeit von Schwangerschaftsalter und Geburt vorliegt.
Weitere mögliche Komplikationen sind:
- Triple I (Chorioamnionitis, Amnioninfektionssyndrom) im weiteren Schwangerschaftsverlauf bei 15 - 20%
- Postpartale Infektion von Mutter (Uterus) und/oder Kind (Sepsis) nochmals 15 - 20%
- Maternale Sepsis 1%
- Vorzeitige Plazentalösung 4 - 12%
- Nabelschnurkompression (Nabelschnurvorfall extrem selten)
- Postpartale Blutung
Der vorzeitige Blasensprung mehr als 12 Stunden vor Eintreten Zervix-wirksamer Wehen stellt eine erhöhte Gefahr für aszendierende Infektionen dar. Hierzu zählen insbesondere:
- Chorioamnionitis
- Endometritis
Diagnostik
Neben der Diagnostik mittels möglichst steriler Spekulumeinstellung, die bei unklarer Diagnose auch eine pH-Bestimmung des Scheidensekretes und den Nachweis von insulin-like growth factor-binding protein 1 (IGFBP-1) oder plazentarem alpha-1-Mikroglobulin (PAMG-1) umfassen kann, sollte immer ein bakteriologischer Abstrich aus der Cervix entnommen werden.
- Abstrich auf allgemein pathogene Keime
- Abstrich auf Streptokokken der Gruppe B (Selektivmedium)
- Abstrich zum Ausschluss / Nachweis von Mykoplasmen / Ureaplasmen bei Frühgeburtlichkeit
Erreger
Nach dem Auftreten eines (frühen) vorzeitigen Blasensprungs kann es durch eine Vielzahl von Bakterien zu einer aszendierenden Infektion kommen. Im Vordergrund stehen hierbei eine gestörte Vaginalflora durch Darmbakterien. Aber auch Mycoplasma hominis (ursächlich für Triple I), Gardnerella vaginalis und Ureaplasma urealyticum können verursachende Pathogene sein. Obwohl fast jede Schwangere in der Früh-Schwangerschaft einen Chlamydien-Test macht, sind in seltenen Fällen Chlamydia trachomatis (Hauptursache für neonatale Konjunktivitiden und Pneumonien) für Infektionen verantwortlich.
Therapie
Zum frühen vorzeitigen Blasensprung gibt es keine eindeutige Evidenz für ein bestimmtes antimikrobielles Behandlungsregime. Die Therapie beinhaltet in der Regel eine Kombination von einem Aminopenicillin und einem Makrolid. Aminopenicilline zeigen eine gute Aktivität gegen B-Streptokokken, während Makrolid-Antibiotika gut zur Therapie von intrazellulären Erregern (wie Mykolpasmen) geeignet sind. Es gilt zu beachten, dass Beta-Laktamase Hemmer vorerst nicht zum Einsatz kommen sollten, da es Hinweise gibt, dass sie die Entstehung einer neonatalen Enterocolitis begünstigen könnten. Die kumulative Therapiedauer beträgt bei:
- Frühem vorzeitigem Blasensprung insgesamt 7 Tage
- Vorzeitigem Blasensprung, wenn 12 - 18 Stunden oder länger vor Geburtsbeginn, bei erhöhten Infektparametern, bis einschließlich 3. Tag postpartum nur bei entsprechender Klinik der Mutter
| Klinische Situation | Präferenz | Substanz | Dosierung | Dauer | Anpassungen | Kommentar |
|---|---|---|---|---|---|---|
| < 37. + 0 SSW | Therapie der Wahl | Azithromycin po | 1g | 1x | ||
| Zusätzlich | Ampicillin iv | 2g | 2d | - | Keine ß-Laktamase-Hemmer | |
| Ab Tag 3 | Amoxicillin | 500mg | 5d | - | Keine ß-Laktamase-Hemmer |
| Klinische Situation | Präferenz | Substanz | Dosierung | Dauer | Anpassungen | Kommentar |
|---|---|---|---|---|---|---|
| < 37. + 0 SSW | Therapie der Wahl | Azithromycin po | 1g | 1x | ||
| Zusätzlich | Clindamycin iv | 900mg | 2d | - | - | |
| Ab Tag 3 | Clindamycin po | 900mg | 5d | - | - |
| Klinische Situation | Präferenz | Substanz | Dosierung | Dauer | Anpassungen | Kommentar |
|---|---|---|---|---|---|---|
| > 37. + 0 SSW | Therapie der Wahl | Cefuroxim iv | 1,5g | Bis zur Geburt |
| Klinische Situation | Präferenz | Substanz | Dosierung | Dauer | Anpassungen | Kommentar |
|---|---|---|---|---|---|---|
| > 37. + 0 SSW | Therapie der Wahl | Clindamycin iv | 900 mg | Bis zur Geburt |
Prophylaxe und Prävention
Ziel der antimikrobiellen Prophylaxe ist die Vermeidung einer Infektion des Kindes und/oder der Mutter. Frauen mit einem PROM entwickeln in ca. 6,7% der Fälle eine Chorioamnionitis (maternales Fieber, Leukozytose oder übelriechendes Fruchtwasser), wobei die Wahrscheinlichkeit mit Anzahl der vaginalen Untersuchungen steigt.
Quellen
DGI:Geburtshilfliche Infektionen/Vorzeitiger Blasensprung/Quellen
Einzelnachweise