DGI:Harnwegsinfektionen/Klinisches Bild/Epidemiologie

From Infektiopedia
Revision as of 10:39, 16 August 2022 by imported>Bestem

Harnwegsinfektionen machen ambulant bis zu 3% aller Konsultationen aus, wobei es eine hohe Dunkelziffer durch Selbstbehandlungen gibt[1]. Im ambulanten Bereich sind sie nach den Atemwegserkrankungen der zweihäufigste Grund für eine Antibiotikaverordnung, in der gynäkologischen Praxis der häufigste [2].

Bei den nosokomial erworbenen Infektionen belegen die Harnwegsinfektion gemeinsam mit der Pneumonie und den Wundinfektionen seit Jahren einen der ersten drei Plätze. Bei den nicht-chirurgischen Fächern sind sie die häufigste nosokomiale Infektion[3].

Das Lebenszeitrisiko an einer Harnwegsinfektion zu erkranken, liegt bei Frauen bei ca. 60%, bei Männern bei 40%. Auf der Basis von Diagnosezusammenstellungen von Krankenkassen kann gezeigt werden, dass sich bei Frauen für die Diagnose „untere Harnwegsinfektion“ zwei Häufigkeitsgipfel herauskristallisieren: Im Alter von 20 bis 29 sowie bei den über 70jährigen, wobei der zweite Gipfel deutlich höher liegt als der erste. Bei Männern beginnt der Häufigkeitsgipfel für die untere Harnwegsinfektion im Alter von 70 Jahren, bleibt jedoch auch da deutlich unter der Häufigkeit bei Frauen gleichen Alters[4].

  1. Leitlinienprogramm DGU: Interdisziplinäre S3 Leitlinie: Epidemiologie, Diagnostik, Therapie, Prävention und Management unkomplizierter, bakterieller, ambulant erworbener Harnwegsinfektionen bei erwachsenen Patienten. Langversion 1.1-2, 2017 AWMF Registernummer: 043/044. URL: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/043-044l_S3_Harnwegsinfektionen_2017-05.pdf
  2. Holstiege, J. et al. Update: Die ambulante Anwendung systemischer Antibiotika in Deutschland im Zeitraum 2010 bis 2018 – Eine populationsbasierte Studie. Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi). Versorgungsatlas-Bericht Nr. 19/07. Berlin 2019. URL: https://www.versorgungsatlas.de/fileadmin/ziva_docs/104/VA_19-07_Bericht_UpdateAntibiotika_2019-08-21V1.pdf
  3. Seven, J. et al. A national survey on the implementation of key infection prevention and control structures in German hospitals: results from 736 hospitals conducting the WHO Infection Prevention and Control Assessment Framework (IPCAF). Antimicrob Resist Infect Control. 2019; 8: 73-90
  4. Foxman B. et al. Urinary tract infection syndromes: occurrence, recurrence, bacteriology, risk factors, and disease burden. Infect Dis Clin North Am. 2014: 28 (1): 1-13