DGI:Lymeborreliose/Klinisches Bild
Klinisches Bild
Lyme Karditis
Autor: Grüter
In Seltenen Fällen der Lyme Borreliose kommt es zur Infektion des Herzmuskels. In der Regel tritt diese Manifestation im früh disseminierten Stadium auf.
Das häufigste Symptom ist dabei ein neu aufgetretener wechselnder AV Block I.-III. Grades .
Auch andere kardiologische Symptome können, wen auch deutlich seltener, auftreten. Zu diesen gehören Vorhofflimmern, ventrikuläre Extrasystolen Reizleitungs- oder Erregungsrückbildungsstörungen. Die Lyme Karditis ist häufig selbstlimitierend, jedoch kann es auch bei unbehandelten Fällen zu schwerwiegenden Komplikationen führen.
Lyme-Arthtritis
Autor: Grüter
Die Lyme – Arthritis tritt vorwiegend im Spät disseminierten Stadium auf. Dabei handelt es sich klinisch um eine schubweise, häufig schmerzarme Mono / Oligoartritis der großen Gelenke etwa 3- 6 Monate nach Primärinfektion. Am häufigsten sind die Kniegelenke betroffen, was eine Abgrenzung zur Arthrose erschwert.
Bei einer Symptomatik der kleinen Gelenke (z.B. PIP/DIP der Finger, Handgelenke) sind untypisch für eine Lyme-arthritis. Auch ein Auftreten von Fieber ist bei der Lyme – Arthritis nicht pathognomonisch. Adäquat therapiert heilt die Arthritis meist folgenlos aus, jedoch beträgt gelegentlich die Dauer bis zur Beschwerdefreiheit bis zu 12 Monate.
Arvikar SL, Steere AC. Diagnosis and treatment of Lyme arthritis. Infect Dis Clin North Am. 2015;29(2):269-280. doi:10.1016/j.idc.2015.02.004
Steere AC, Angelis SM. Therapy for Lyme arthritis: strategies for the treatment of antibiotic-refractory arthritis. Arthritis Rheum. 2006;54(10):3079-3086. doi:10.1002/art.22131
Grillon A, Scherlinger M, Boyer PH, et al. Characteristics and clinical outcomes after treatment of a national cohort of PCR-positive Lyme arthritis. Semin Arthritis Rheum. 2019;48(6):1105-1112. doi:10.1016/j.semarthrit.2018.09.007
Epidemiologie
Autor: Scheidhauer
Geographische Verbreitung:
Lyme- Borreliose ist die häufigste zeckenübertragene Erkrankung und existiert in Asien, Europa und den USA.
In Nordamerika findet sich ausschließlich die Spezies Borrelia burgdorferi sensu stricto (arthrotrop). In Europa finden sich zusätzlich die häufigere Borrelia garinii (neurotrop), gefolgt von Borrelia afzelii (dermatotrop).
Daher unterscheiden sich die klinischen Manifestationen zwischen Nordamerika und Europa. Acrodermatitis chronica atrophicans und Lymphocytom finden sich praktisch nicht in Nordamerika. Dort manifestiert sich B. burgdorferi sensu stricto eher mit Gelenkbeteiligung. Bei neurotropen Manifestationen findet man am häufigsten Borrelia garinii. Acrodermatitis chronica atrophicans wird durch Borrelia afzelii hervorgerufen.
In Süddeutschland betragen durchschnittliche Infektionsraten ca. 1% bei Larven, 10% bei Nymphen und 20% bei adulten Zecken.
Die Ausbreitungsgebiete der Lyme-Borreliose dehnen sich weiter aus. Lyme-Borreliose findet sich in Europa zwischen 35°N und 60°N, im Allgemeinen bis 1300 m über dem Meeresspiegel.
Hierbei gibt es aber eine erhebliche Heterogenität bzgl. der räumlichen Ausdehnung. Es existiert ein Nord-Süd-Gefälle (die Antikörperlevel sind am höchsten im nördlichen und zentralen Teil Europas). Die sog. „population-weighted incidence“ in Westeuropa wird auf 22 Fälle pro 100.000 Personenjahre geschätzt, allerdings sind die Inzidenzdaten der einzelnen Länder hinsichtlich Qualität und Quantität nicht einheitlich. In manchen Hotspots finden sich > 100 Fälle pro 100.000 Einwohner pro Jahr (Teile von Slowenien, südliches Schweden, Deutschland, Österreich etc.). Die niedrigste Inzidenz findet sich in Italien.
In sechs östlichen deutschen Bundesländern fanden sich schwankende Inzidenzen (34,9 Fälle auf 100.000 Einwohner 2009 versus 19,54 auf 100.000 Einwohner 2012). Schätzungen der Infektionsraten in Deutschland liegen zwischen 60.000 und > 200.000 Fällen/Jahr.
Das Risiko, an Lyme-Borreliose zu erkranken, ergibt sich einerseits aus der Zahl und Verbreitung der Zecken, andererseits aus der persönlichen Exposition. Berufliche Tätigkeiten in der freien Natur (Waldarbeiter, Forstarbeiter etc.) bzw. Freizeitaktivitäten wie Jagen, Pilzesammeln etc. führen zu erhöhtem Risiko. Besonders betroffene Altersgruppen sind Kinder (im Alter von 5-14 Jahren) und Erwachsene (im Alter von 50-64 Jahren).