DGI:Abdominelle Infektionen/Abstract
Intraabdominelle Infektionen (IAI) zählen mit ca. 150.000 Patienten per annum in Deutschland zu den häufigsten und wichtigsten Ursachen infektionsassoziierter Morbidität und Mortalität und stellen somit ein unverändert bedeutendes medizinisches und gesundheitsökonomisches Problem dar. So zählen abdominelle Infektionen u.a. zu den häufigsten Ursachen für eine Sepsis oder einen septischen Schock.
Bei den IAI findet sich im Vergleich zu anderen Infektionen ein sehr breites und heterogenes, oft polymikrobielles Erregerspektrum, das insbesondere in der empirischen Therapie Berücksichtigung finden muss. Die verantwortlichen Erreger sind zumeist solche, die den Gastrointestinaltrakt besiedeln, wobei sich das Erregerspektrum von oral nach aboral in seiner Zusammensetzung und Erregerdichte unterscheidet. Bei speziellen Konstellationen, wie z.B. unter Expositionsdruck nach längerer antibiotischen Behandlungsdauer oder aber nach entsprechender Exposition sind multiresistente Erreger (MRE) bei der Wahl der kalkulierten antiinfektiven Therapie zu berücksichtigen. Wesentlich ist ferner die Berücksichtigung einer mehrheitlich möglichen Fokussanierung.
Intraabdominelle Infektionen umfassen ursächlich wie auch hinsichtlich von Ausprägung und Schweregrad ein breites Spektrum. So kann die IAI ambulant wie nosokomial erworben sein, jeweils mit unterschiedlichen Foki, die ursächlich sind. Das klinische Bild differiert entsprechend der Krankheitsschwere vom leichten, moderaten bis hin zu einem schweren Verlauf. So umfassen Infektionen des Bauchraums lokalisierte Infektionen einzelner Organe (Galle, Pankreas, etc.), aber auch Infektionen, die die Organgrenzen überschreiten. Bei Überschreitung der Organgrenzen handelt es sich um eine IAI mit konsekutiver Entzündung des Peritoneums.
Der Schweregrad bildet oftmals im Verlauf ein Krankheitskontinuum ab, von der unkomplizierten, nicht organübergreifenden bis hin zur komplizierten organübergreifenden Infektion, i.d.R. mit einer begleitenden lokalen oder diffusen Peritonitis, die dann oftmals mit einem septischen Verlauf einhergeht. Dies gilt insbesondere, wenn eine konzertierte Strategie, bestehend aus antiinfektiver, chirurgischer und ggf. intensivmedizinischer Therapie, verzögert oder unzureichend erfolgt. Diese unterschiedlichen Ausprägungen und Schweregrade einer IAI spiegeln sich dann auch in einer gestaffelten Behandlungsintensität, besonders aber auch in einer möglichst differenzierten antiinfektiven Therapie wider.
Systematik
Die Kategorisierung der [[Abdominelle Infektionen|IAI]] nach verschiedenen Aspekten hat eine hohe Relevanz für die klinische Praxis, da sie die Grundlage für diagnostische und therapeutische Entscheidungen darstellt [1] [2].
Einteilung nach Ursache
- Infektionen intra-abdomineller Organe ohne Peritonitis (ca. 5-10%)
- Cholezystitis, Appendizitis, Divertikulitis
- Primäre Peritonitis (ca. 1%)
- Spontan bakt. Peritonitis
- Peritonitis bei Peritonealdialyse
- Sekundäre Peritonitis (ca. 80-90%)
- Ambulant erworben nach Hohlorganperforation
- Postoperativ (postinterventionell/ posttraumatisch)
- Tertiäre Peritonitis (ca. 5-10%)
- Persistierende intraabdominelle Infektion ohne chirurgisch sanierbaren Fokus
Einteilung nach Ausdehnung
- Unkomplizierte IAI
- Maximal ein Organ betroffen
- Peritoneum nicht involviert
- Komplizierte IAI
- Infektion überschreitet das betroffene Organ
- Ein oder mehrere Organe betroffen
- Lokalisierte oder diffuse Peritonitis
- ↑ Sartelli M, Chichom-Mefire A, Labricciosa FM, et al.: The management of intra-abdominal infections from a global perspective: 2017 WSES guidelines for management of intra-abdominal infections. World J Emerg Surg 2017; 12: 29.
- ↑ Blot S, De Waele JJ, Vogelaers D: Essentials for selecting antimicrobial therapy for intra-abdominal infections. Drugs 2012; 72: e17-32.