DGI:Abdominelle Infektionen/Klinisches Bild

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Klinisches Bild

Leitsymptome

Das klinische Erscheinungsbild einer Infektion des Bauchraums kann sich je nach Lokalisation und Schweregrad sehr unterschiedlich darstellen. Patienten können sich beispielsweise mit typischen Schmerzen im rechten Oberbauch bei akuter Cholecystitis präsentieren bis hin zu einem akuten Abdomen bei diffuser Peritonitis. Entsprechend different können Patienten je nach Lokalisation und Schweregrad der IAI Fieber und erhöhte Infektionsparameter (CRP, PCT, IL-6, Leukozyten) aufweisen.

Klinische Situationen

Die Wahl des Antibiotikums einer intraabdominellen Infektion in der kalkulierten Therapie sollte folgendes berücksichtigen:

  • Um eine zielgerichtete, zeitlich und inhaltlich adäquate antibiotische Therapie einer IAI initiieren zu können, sollte eine klinische Einteilung nach Lokalisation und Ausprägung der Infektion (keine Perforation/lokal/diffus) in Abhängig des Infektionsbeginns (seit <7d/>7d) und der Ausprägung der Erkrankungsschwere (Sepsis/Septischer Schock) erfolgen.
  • Bzgl. des MRE Risikos sollte zusätzlich anamnestiziert werden, inwieweit die Patienten häufige Auslandsreisen in Länder mit hoher MRE-Prävalenz getätigt haben oder es sich um die Verlegung eines Patienten aus einem Land/Region mit hoher Prävalenz resistenter Erreger handelt.

Bei Patienten mit PD (Peritonealdialyse) ist entsprechend das besondere Erregerspektrum zu berücksichtigen.

  • In der Regel ist insbesondere zu Beginn der Therapie (außer im Falle der unkomplizierten IAI) eine intravenöse Antibiotikatherapie erforderlich, jedoch kann bei Patienten mit PD die Therapie ggf. über die Dialyseflüssigkeit erfolgen. Die Anpassung der Antibiotikadosierungen an die Nierenfunktion muss berücksichtigt werden.


Epidemiologie

Pro Jahr werden in Deutschland ca. 150.000 intra-abdominelle Infektionen behandelt[1]. Sie stellen die zweithäufigste Ursache von septischen Schocks dar (4[2]). 90% der Patienten mit einer IAI entwickeln eine Sepsis, ca. 1/3 dieser Patienten einen septischen Schock (5[3]). Daten der multinationalen observativen Kohortenstudie AbSeS aus dem Jahr 2016 ergaben, dass 31,6% der Patienten mit einer ambulant erworbenen schweren IAI, 25% mit einer früh im Krankenhaus erworbenen Infektion und 43,4 % mit einer spät im Krankenhaus erworbenen Infektion intensivmedizinisch behandelt wurden (6[4]). Ca. 40% aller Patienten mit einer Perforation in den Bauchraum bedürfen deshalb einer intensivmedizinischen Therapie und >90% bedürfen einer chirurgischen Herdsanierung (7[5]).

Prognose

Die Prognose der Patienten ist je nach Ausprägung und Komorbiditäten sehr unterschiedlich. Daten aus der AbSeS Studie ergaben eine Gesamtletalität bei Patienten mit einer Peritonitis von 29,1% (6[4]). Insbesondere Patienten mit einer Sepsis und komplexen IAI weisen eine deutlich erhöhte Letalität auf. Zuzüglich zur Art und Schwere der Komorbiditäten wird das Überleben in der akuten Situation insbesondere durch einen hohen Schweregrad (SAPS II, APACHE, SOFA Score), einer Verzögerung der operativen Versorgung >24h, einen nicht sanierbaren Situs sowie eine krankhausassoziierte Genese (im Vergleich zu ambulant erworben) ungünstig beeinflusst.

Eine einfache Abschätzung eines erhöhten Letalitätsrisikos ermöglicht u.a. der Mannheimer Peritonitis Index (MPI, Tabelle 1). Bei einem MPI >29 ergibt sich dabei eine progostizierte Sterblichkeit von >50% (8[6]).


Tabelle 1: Mannheimer Peritonitis Index.

Risikofaktor Punkte
Alter > 50 Jahre 5
Geschlecht weiblich 5
Organversagen 7
Malignom 4
Dauer der Peritonitis vor der OP > 24 h 4
Ausgangspunkt ist nicht der Dickdarm 4
diffuse Ausbreitung 6
Exsudat
klar 0
trüb-eitrig 6
kotig 12


  1. Bader FG, Schroder M, Kujath P, Muhl E, Bruch HP, Eckmann C: Diffuse postoperative peritonitis -- value of diagnostic parameters and impact of early indication for relaparotomy. Eur J Med Res 2009; 14: 491-6.
  2. Bodmann KF, und die Expertenkommission der I: [Complicated intra-abdominal infections: pathogens, resistance. Recommendations of the Infectliga on antbiotic therapy]. Chirurg 2010; 81: 38-49.
  3. Bodmann KF, und die Expertenkommission der I: [Complicated intra-abdominal infections: pathogens, resistance. Recommendations of the Infectliga on antbiotic therapy]. Chirurg 2010; 81: 38-49.
  4. 4.0 4.1 Blot S, Antonelli M, Arvaniti K, et al.: Epidemiology of intra-abdominal infection and sepsis in critically ill patients: "AbSeS", a multinational observational cohort study and ESICM Trials Group Project. Intensive Care Med 2019; 45: 1703-17.
  5. Eckmann C: [Antibiotic therapy of intra-abdominal infections in the era of multiresistance]. Chirurg 2016; 87: 26-33.
  6. Bosscha K, Reijnders K, Hulstaert PF, Algra A, van der Werken C: Prognostic scoring systems to predict outcome in peritonitis and intra-abdominal sepsis. Br J Surg 1997; 84: 1532-4.