DGI:Abdominelle Infektionen/Diagnostik

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Diagnostik

Diagnosekriterien

Für die Diagnosestellung sind Anamnese und klinische Untersuchung des Patienten in Zusammenschau mit den Laborbefunden sowie einer orientierenden Bildgebung die primären Schritte zur Diagnose einer IAI. Aus den Kriterien des intraoperativen Befundes in Kombination mit dem klinischen Schweregrad der Erkrankung und der Zeitdauer der Erkrankung sowie der mikrobiologischen Befunde ergibt sich die abschließende Diagnose. In keiner der größeren, international publizierten Leitlinien findet sich eine exakte Definition der Diagnosekriterien. Basierend auf dem Vorgehen bei anderen Infektionen sollte aus unserer Sicht für die Diagnose einer IAI eine entsprechende klinische Symptomatik in Kombination mit einem Erregernachweis aus physiologisch sterilem Material aus der Bauchhöhle herangezogen werden.

Diagnostische Schritte

Grundlage für eine rationale Antibiotikatherapie ist die adäquate Gewinnung von Probenmaterial.

Indikation zur Probeneinsendung:

  • Unkomplizierte ambulant erworbene IAI (z.B. unkomplizierte Appendizitis) -> Mikrobiologische Aufarbeitung nicht indiziert
  • Komplizierte oder „Healthcare-associated“ IAI  Mikrobiologische Aufarbeitung unverzichtbar
  • Jede Re-OP  Mikrobiologische Aufarbeitung unverzichtbar

Qualitätsanforderungen für Proben:

  • Repräsentativ für den infektiologischen Fokus
  • Mind. 1-2 ml Peritonealflüssigkeit/Eiter und/oder Gewebe nativ
  • Abstriche sind Flüssigkeits-und Gewebeproben deutlich unterlegen
  • Parallel Abnahme von Blutkulturen (mind. 2 Paar)
  • Möglichst kurze Transportzeiten
  • Präzise Anforderung/ Materialbezeichnung
  • Keine Proben bei asymptomatischen Patienten


Nicht Kulturelle Diagnostik von Candida spp.

Die diagnostische Wertigkeit nicht kultureller Nachweisverfahren muss nach wie vor kritisch beurteilt werden. Die Sensitivität und Spezifität ist häufig unzureichend um auf Grundlage der Testergebnisse eine Therapie zu initiieren. So zeigt sich bei dem Antigen Latex-Agglutinationstest eine Sensitivität von 30-77% und Spezifität 70-88%. Falsch positive Ergebnisse können unter anderem bei hohen Serum-Kreatininwerten auftreten. Auch der Nachweis von Mannan-Epitopen durch spez. Antikörper zeigte in Studien nur eine Spezifität von 70-80% und eine Sensitivität von 42-98%. Bei Verwendung des Nachweises von zirkulierendem (1,3-)-β-D-Glucan muss bzgl. der Interpretation eines positiven Testergebnisses berücksichtigt werden, dass es zu positiven Befunden auch bei Aspergillus- und Pneumocystis-Infektionen, bei der Gabe von Antibiotika oder von Blutprodukten oder Immunglobulinen kommen kann [1].


Klinische Untersuchung, Laboruntersuchung, Bildgebung (Sono/CT)

Die Klinische Untersuchung stellt eine conditio sine qua non dar. Darüber hinaus bedarf es laborchemischer und bildgebender Untersuchungen. Laborchemisch sollten zur Abklärung einer systemischen Entzündungsreaktion CRP und PCT sowie ein Differentialblutbild untersucht werden. In der Abschätzung schwerer Krankheitsverläufe insbesondere bei akuter Verschlechterung des Patienten kann die Messung der plasmatischen IL-6-Konzentration auf Grund des schnelleren Ansprechens auf eine systemische Inflammation, besonders bei septischen Verläufen, hilfreich sein.

Die Bildgebung sollte entsprechend eskalierend mit einer orientierenden sonographischen Untersuchung des Abdomens beginnen. Im Fall einer schweren IAI mit Zeichen einer Sepsis sollte eine Bildgebung mittels Abdomen-CT (mit KM) erfolgen, ein Abdomen-CT kann den Fokus der intraabdominellen Infektion zumeist eingrenzen, wenn auch eine Peritonitis nicht direkt darstellbar ist.

Differentialdiagnosen

  • Urologisch und gynäkologische Erkrankungen: z.B. Pyelonephritis, Urolithiasis, Extrauteringravidität, Ovarialcystenruptur, Stieldrehung von Adnextumoren, Myome, Adnexitis, Pelveoperitonits
  • Kardiovaskuläre Erkrankungen: z.B. akuter Myokardinfarkt, Aneurysma, Aortenruptur
  • Pneumologische Erkrankungen: z.B. Unterlappenpneumonie, Lungenembolie
  • Gastrointestinale Erkrankungen: z.B. Gastritis, peptisches Ulkus, entzündliche Darmerkrankungen, Koprostase, Mesenterialinfarkt oder -venenthrombose
  1. Cuenca-Estrella M, Verweij PE, Arendrup MC, et al.: ESCMID* guideline for the diagnosis and management of Candida diseases 2012: diagnostic procedures. Clin Microbiol Infect 2012; 18 Suppl 7: 9-18.