DGI:Geschlechtskrankheiten/Erreger

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Urethraler bzw. vaginaler Ausfluss

Zu den wichtigsten Erregern einer Urethritis beziehungsweise Zervizitis gehören neben Chlamydia trachomatis, Neisseria gonorrhoea, Mykoplasma genitalium auch Trichomonas vaginalis und das Herpes-simplex-Virus[1].

  • Chlamydia trachomatis ist weltweit einer der häufigsten Erreger sexuell übertragbarer Infektionen. Das obligat intrazellulär lebende gramnegative Bakterium verursacht je nach Serotyp unterschiedliche Erkrankungen: die Serotypen D-K verursachen urogenitale Infektionen, im Sinne einer Zervizitis oder Urethritis, L1-L3 sind für das Lymphogranuloma venereum verantwortlich. Die Infektionen verlaufen bei 80% der Frauen und 50% der Männer asymptomatisch und bleiben häufig unerkannt. Koinfektionen mit Gonokokken treten bei 15% der infizierten Männer auf[2].[3]
  • Neisseria gonorrhoeae ist der Erreger der Gonorrhoe („Tripper“), für dessen Übertragung ein direkter Schleimhautkontakt (Geschlechtsverkehr, Geburt) erforderlich ist. Die gramnegativen Diplokokken replizieren bevorzugt in den Epithelien von Urethra, Zervix, Rektum, Pharynx und Konjunktiven und rufen eitrige Schleimhautinfektion hervor.
  • Mykoplasma genitalium ist ein häufiger fakultativ pathogener Erreger nicht-gonorrhoischer Urethritiden beim Mann und Proktitiden bei MSM sowie seltener von Zervizitiden bei der Frau. Die langsam wachsenden, zellwandlosen Bakterien gehören zur Klasse der Mollicutes [4] [5][6]
  • Eine Infektion mit Trichomonas vaginalis ist in der Regel asymptomatisch und kann über Jahre persistieren. Bei Frauen kommt es zu gelb-grünem vaginalen Ausfluss, während Männer sehr selten über Symptome einer Urethritis, gelegentlich auch Epididymitis oder Prostatitis klagen.
Ulzerierende Läsionen
  • Die lebenslang persistierenden Herpes simplex-Viren (HSV) gehören zu den häufigsten Erregern von Ulzerationen im Genital- bzw. des Analbereich. HSV-2 ist in 80% der Fälle Verursacher der in der Regel schmerzhaften Läsionen, wobei es gehäuft bei Frauen, MSM und Menschen mit Immunsuppression auftritt. [7].
  • Treponema pallidum ist der Erreger der venerischen Syphilis. Das gramnegative Bakterium aus der Familie der Spirochaetacea ist für den Menschen obligat pathogen. Die Übertragung erfolgt am häufigsten über sexuelle Kontakte; praktisch bedeutsam ist noch die diaplazentare Übertragung von der infizierten Mutter auf das ungeborene Kind.
  • Das durch Serotypen L1-L3 von Chlamydia trachomatis verursachte Lymphogranuloma venereum (Durand-Nicolas-Favre-Krankheit) ist durch oberflächliche Geschwüre am Infektionsort sowie schwere Proktitiden gekennzeichnet.
Häufige STI-Erreger und Ihre klinischen Manifestationen auf einen Blick
Ulzerationen im Genital- u. Analbereich
  • Herpes simplex Typ 1 und 2
  • Treponema pallidum
  • Chlamydia trachomatis L1-3
Urethraler oder vaginaler Ausfluss, Zervizitis
  • Chlamydia trachomatis D-K
  • Neisseria gonorrhoea
  • Mycoplasma genitalium
  • Trichomonas vaginalis
  • Gardnerella vaginalis
  • Herpes simplex Typ 1 und 2
Prostatitis, Epididymitis
  • Chlamydia trachomatis D-K
  • Neisseria gonorrhoea
  • Trichomonas vaginalis
Proktitis
  • Chlamydia trachomatis L1-3
  • Neisseria gonorrhoea
  • Mykoplasma genitalium
  1. Wagenlehner FME, Brockmeyer NH, Discher T, Friese K, Wichelhaus TA. The Presentation, Diagnosis, and Treatment of Sexually Transmitted Infections. Dtsch Arztebl Int. 2016;113(1-02):11-22. doi:10.3238/arztebl.2016.0011
  2. Deutsche STI Gesellschaft. Sexuell übertragbare Infektionen (STI) – Beratung, Diagnostik und Therapie. (2018). AWMF S2k Leitlinie Registernummer 059 – 006. Online at: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/059-006l_S2k_Sexuell-uebertragbare-Infektionen-Beratung-Diagnostik-Therapie-STI_2019-09.pdf
  3. 059/005 S2k-Leitlinie: Infektionen mit Chlamydia trachomatis, Stand 08/2016.
  4. Horner PJ, Martin DH. Mycoplasma genitalium Infection in Men. J Infect Dis. 2017;216(suppl_2):S396-S405. doi:10.1093/infdis/jix145
  5. Jensen JS, Cusini M, Gomberg M, Moi H. 2016 European guideline on Mycoplasma genitalium infections. J Eur Acad Dermatol Venereol. 2016;30(10):1650-1656. doi:10.1111/jdv.13849
  6. Ausgabe 1/2019: Mykoplasmen – testen und therapieren? Accessed June 17, 2021. https://www.hivandmore.de/archiv/2019-1/mykoplasmen-testen-und-therapieren.shtml
  7. Gnann JW, Whitley RJ. CLINICAL PRACTICE. Genital Herpes. N Engl J Med. 2016;375(7):666-674. doi:10.1056/NEJMcp1603178