DGI:Nosokomiale Pneumonie/Therapie
Prinzipien der Therapie
- Therapiebeginn so früh wie möglich
- Septischer Schock: innerhalb einer Stunde (“golden hour of sepsis”)
- Beginn direkt nach sofortiger Blutkultur und ggf. Atemwegssekret zur mikrobiologischen Untersuchung
- Keine Verzögerung durch Untersuchungen
- Kalkulierte Therapie anhand vom Vorliegen einer Sepsis sowie dem Risiko für MRE und P. aeruginosa (MRE-RF)
Therapierelevante Risikofaktoren für MRE und P. aeruginosa:
- Antimikrobielle Therapie (> 24 h) in den letzten 30 Tagen
- Kolonisation mit MRE oder MRSA
- Medizinische Versorgung in Süd- und Osteuropa, Afrika, Naher Osten, Asien
- Septischer Schock, Sepsis-assoziierte Organdysfunktion
- ARDS
- Hämodialyse
- Risikofaktor für P. aeruginosa: Strukturelle Lungenerkrankung, Kolonisation
Kalkulierte antibakterielle Therapie
| Risiko für MRE / P. aeruginosa | |||
| nein | ja | ||
| Sept. Schock | nein | Ampicillin/Sulbactam
3 - 4 x 3 g i.v. Amoxicillin/Clavulansäure 3 x 2,2 g i.v. oder Ceftriaxon 1 x 2 g i.v. Cefotaxim 3 - 4 x 2 g i.v. oder Moxifloxacin 1 x 0,4 g i.v. oder p.o. Levofloxacin 2 x 0,5 g i.v. oder p.o. |
Piperacillin/Tazob. 4 x 4,5 g i.v.
oder Cefepim 2 – 3 x 2 g i.v. oder Meropenem 3 x 1 - 2 g i.v. |
| ja | Meropenem 3 x 1 - 2 g i.v. | Pseudmonaswirksames Betalaktam (wie oben)
plus Ciprofloxacin 3 x 0,4 g i.v. oder Levofloxacin 2 x 0,5 g i.v. oder Tobramycin 1 x 6 mg/kg i.v. oder Fosfomycin 3 x 4 - 5 g i.v. | |
| Wenn MRSA-Verdacht, dann plus | |||
| Vancomycin Initialdosis 15-20 mg/kg i.v. (bei sehr schweren Infektionen 25-30 mg/kg i.v., maximal 3 g), Erhaltungsdosis (1 h): Dosierung nach Spiegelbestimmung (TDM), Ziel-Talspiegel im Serum: Intermittierende Dosierung 15-20 mg/l, kontinuierliche Gabe 20-25 mg/l
oder Linezolid 2 x 0,6 g i.v. oder p.o. | |||
Das Flussdiagramm in der Abb. gibt einen Überblick der empfohlenen Antibiotika.
Antifungale Therapie der IPA
- Therapie: möglichst früh Voriconazol, Isavuconazol oder liposomales Amphotericin B empfohlen, Posaconazol als Alternative
-
- Therapiedauer mind. 2 Monate, abhängig vom Ansprechen und Immunrekonstitution
- Therapieversagen: Spezies-Identifikation anstreben
Praktische Hinweise zur Therapie
- Prolongierte Gabe von Betalaktam-AB über 3-4 h bei Sepsis empfohlen
- Ggf. therapeutisches Drug-Monitoring (TDM), z. B. bei Niereninsuffizienz, Erreger mit hoher MHK
- Dosierung (hoch vs. Standard) beachten: bestimmte Erreger und Indikationen, “I” auf dem Antibiogramm
- Antivirale Therapie gegen Influenza mit Zanamivir und Oseltamivir möglich, gegen SARS-CoV-2 laut Leitlinie (jeweils schlechte Datenlage)
- Monotherapie mit Ceftazidim nicht empfohlen
- Kombinationstherapie nur nur bei MRE-RF und septischem Schock
- Keine regelhafte “double GN coverage ”
- Ergänzende inhalative Therapie nur als Ausnahme: Im Fall bestimmter MRE Colistin oder Aminoglykosiden erwägen (Dosier-/Anwendungsempfehlungen als Anhang der S3-Leitlinie verfügbar)
Reevaluation
Da die Diagnose der nosokomialen Pneumonie nur mit eingeschränkter Sensitivität und Spezifität gestellt werden kann, kommt der Reevaluation eine besondere Bedeutung zu
- Re-Evaluation nach 2-3 Tagen: Diagnose, Labor, Mikrobiologie, Bildgebung, klinisches Ansprechen,
- Bei klinischer Stabilisierung, dann De-Eskalation der Therapie, auch ohne Erregernachweis, in der Regel auf Monotherapie. Bei Erregernachweis, dann Therapiefokussierung
Therapiedauer
- Therapiedauer regelhaft 7-8 Tage, im Einzelfall länger (z. B. Empyem, Abszess, S. aureus-Bakteriämie, ARDS, septischer Schock)
- Therapieverkürzung per PCT möglich, bei Dauer < 7-8 Tage nicht relevant