DGI:Perioperative Prophylaxe/Abstract

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perioperative Antibiotika-Prophylaxe (PAP)

Inhaltsverzeichnis

1.   Allgemeines..................................................................................................................... 2

2.   perioperative Antibiotikaprophlyaxe..................................................................................... 4

Ø  Chirurgische / Viszeralchirurgische Eingriffe....................................................................... 4

Ø  Endoskopische Eingriffe.................................................................................................. 4

Ø  Kardio-/Gefäßchirurgische Eingriffe.................................................................................. 4

Ø  Thoraxchirurgische Eingriffe............................................................................................ 5

Ø  Geburtshilfe und Gynäkologische Eingriffe......................................................................... 5

Ø  HNO-/MKG- Eingriffe................................................................................................... 5/6

Ø  Neurochirurgische Eingriffe............................................................................................. 7

Ø  Ophthalmologische Eingriffe............................................................................................ 7

Ø  Orthopädisch-/Traumatologisch-/ Handchirurgische Eingriffe................................................. 7

Ø  Dermatologische Eingriffe............................................................................................... 7

Ø  Endo-Urologische Eingriffe.............................................................................................. 8

Ø  Urologische Diagnostische Eingriffe.................................................................................. 8

Ø  Laparoskopische Eingriffe............................................................................................... 8

Ø  Urologische offene Eingriffe............................................................................................. 9

Ø  CAPD-Katheter............................................................................................................. 9

3.   Multi- und panresistente Erreger (MRE) z.B. MRSA-, MRGN-Besiedlung.......................................... 9

4.   PAP bei Allergie gegen Beta-Laktam-Antibiotika ..................................................................... 9

5.   Penicillin-Allergie ............................................................................................................ 10

6.   Endokarditis-Prophylaxe ................................................................................................... 10

7.   PAP und Endokarditis-Prophylaxe ....................................................................................... 11

8.   Antibiotika für die PAP- und Endokarditis-Prophylaxe ............................................................. 12

Ø  Sonderindikationen ..................................................................................................... 12

9.   Literatur ........................................................................................................................ 13

Ziel

Die perioperative Antibiotikaprophylaxe (PAP) wird kurzzeitig bei bestimmten Eingriffen eingesetzt, mit dem Ziel die postoperativen Infektionskomplikationen zu verhindern oder zu reduzieren. Es handelt sich um eine Prophylaxe, keine Therapie. Bei Vorliegen einer Infektion muss die Antibiotikagabe als Therapie weitergeführt werden. Bei aktiver Infektion sollten keine elektiven Operationen durchgeführt werden.

Indikation: Die Indikation ist für alle Operationen die in dieser Handlungsempfehlung aufgelistet sind mit den Fachgruppen konsentiert und bedürfen keiner Rücksprache. Müssen Abweichungen vorgenommen werden, sind diese mit den jeweiligen Operateuren im Vorfeld abzusprechen. 

Die Hauptindikation der PAP sind sauber-kontaminierte bzw. kontaminierte Eingriffe. Bei den meisten aseptischen Eingriffen, ausgenommen

Implantationen von größerem Fremdmaterial und herzchirurgischen Eingriffen, ist keine PAP nötig. Bei stark kontaminierten (septischen) Eingriffen ist eine Therapie sinnvoll.

Zeitpunkt: 30 bis 60 Minuten vor Hautschnitt soll die Dosis appliziert sein bzw. Anlage der Blutsperre.

Ausnahmen: Medikamente mit längerer Infusionsdauer, siehe Tabelle, Seite 13-14.

Eine intraoperative Wiederholung der Antibiotikagabe ist nach einem größeren Blutverlust (mehr als 1 Liter) oder bei länger dauernden Eingriffen (ein- bis zweifache Halbwertszeit der Substanz) indiziert (siehe Tabelle, Seite 13-14).

Die über die OP-Dauer fortgesetzte Antibiotika-Therapie hat in der Regel keine Vorteile hinsichtlich der postoperativen Wundinfektionsrate, sondern Nachteile bezüglich einer Resistenzentwicklung mit Suppression der endogenen Flora und Selektion pathogener Erreger und soll vermieden werden. Eine erst nach Hautnaht verabreichte PAP hat keinen Einfluss auf die Inzidenz der postoperativen Wundinfektion.  

PAP bei laufender Antibiotikatherapie:

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Antibiotikatherapie für PAP geeignet Antibiotikatherapie nicht für PAP geeignet
·         zusätzliche Dosis 60 min. vor Hautschnitt ·         zusätzliche PAP wie für OP empfohlen

Antiseptische Waschung vor OP (FG Beschluß Orthopädie und Unfallchirurgie Frühjahr 2016):

„Die FG O und U beschließt bei allen Patienten, denen ein Kunstgelenk an der unteren Extremität implantiert wird, antiseptische präoperative Waschungen und die antiseptische Behandlung des Nasenvorhofes durchzuführen“

Kolonisierende Mikroorganismen in Abhängigkeit der Lokalisation

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Körperstelle Mikroorganismen
Nase Staphylococcus aureus, Streptococcus pneumoniae, Neisseria meningitidis
Oberer Respirationstrakt Streptococcus pneumoniae, Haemophilus influenzae
Mund/Oropharynx Streptococcus sp., Bacteroides sp. (ausser B. fragilis), Fusobacterium spp., Peptostreptococcus spp., Actinomyces spp.
Gastroduodenal Escherichia coli, Proteus sp., Klebsiella spp., Enterococcus spp.
Kolorektal Escherichia coli, Klebsiella sp., Enterobacter spp., Bacteroides fragilis, Peptostreptococcus spp., Enterococcus spp.
Gallenwege Escherichia coli, Klebsiella sp., Proteus spp., Enterococcus spp., Clostridium spp.
Harnwege Escherichia coli, Klebsiella spp., Proteus spp., Enterobacter spp., Enterococcus spp.
Haut Staphylococcus aureus, Staphylococcus epidermidis, Propionibacterium acnes, Corynebacterium spp.
Eingriffe nach Infektionsrisiko Operationskategorie Risiko in %
Sauber (aseptisch), Klasse  I aseptische Operationen ohne Eröffnung des Gastro-, Intestinal- oder Respirationstraktes 1-2 %
Sauber-kontaminiert (bedingt aseptisch), Klasse II saubere Operationen mit Eröffnung des Gastro-, Intestinal-, Urogenital- oder Respirationstraktes ohne Austritt von Inhalt, Operationen an

Mucosa und/ oder intertriginösen Arealen

2-10 %
Kontaminiert Klasse III Operationen bei akuter Entzündung und/ oder Entleerung von Hohlorganinhalt – Durchbrechung der Asepsis bei der Versorgung frischer traumatischer Wunden 3-15 %
Stark kontaminiert (septisch), Klasse IV Operationen bei Eiteransammlung, nach Perforation von Hohlorganen und allen Verletzungen, Wunden, die länger als 4h bestehen Bis 40%

Risikofaktoren für postoperative Wundinfektionen

Patienteneigene Alter (Zunahme/Dezenium); Diabetes, Immuninkompetenz (z.B. Karzinompatienten), Reduzierter AZ, Übergewicht, Mangelernährung, ASA-Score > 2, MSSA/MRSA-Träger, Fieber 1 Woche prä-OP, weibliches Geschlecht bei Eingriffen am Kolon und in der Kardiochirurgie, männliches Geschlecht nach Trauma, Gefäßchirurgie und Kniegelenkersatz, Dialysepatienten, Hepatitis, Stoma, Drogenabusus, Infektionen anderer Lokalisationen, AVK, periphere Ödeme, Lymphangitis, Neuropathie, Rauchen, Linksherzversagen nach koronarem Bypass, bakterielle Translokation bei Laparotomie, Rheumatoide Arthritis bei Kniegelenksersatz, Zirrhose; Risikofaktoren in der Dermatochirurgie nach Lokalisation: Bein unterhalb Knie, Leiste, Keilexzision Lippe oder Ohr, Verletzung der Schleimhautbarriere, Lappenplastik der Nase, Wundverschlüsse bei 2-zeitigem Vorgehen, entzündliche Hauterkrankungen
Chirurgische Faktoren
präoperative Notfalloperation, längerer präoperativer Krankenhausaufenthalt, falsche Wahl des AB und falscher Zeitpunkt der Gabe, Vorbestrahlung, Hochrisikooperation, Rezidiveingriffe, Steine im Gallengang oder  Gallengangsverschluß, Erhöhtes CRP, Fremdkörperimplantationen, Rasur nicht unmittelbar vor OP, präoperativer Urinkatheter, Vorausgegangene (neurochirurgische) Eingriffe
intraoperativ Erfahrung des Chirurgen, OP-Dauer >2h, infizierter OP-Bereich, kontaminierter OP-Bereich, Bluttransfusion, Albuminzufuhr, lange Anästhesiedauer, Diathermie, Sauerstoffabfall, Unterkühlung, Wundstapler, unvorhersehbare Komplikationen, OP-Technik, Verfahrenswechsel Laparoskopie/Laparotomie, Enterokokken, Enterobakterien, Bacteroides fragilis in der Wunde
postoperativ Drainagedauer länger als 3 Tage, respiratorische Sepsis, invasive Techniken (Urinkatheter, Thoraxdrainage, Nasensonde, ZVK), Dialyse, frühe Re-Operation wegen Blutung, Liquorleck der Zerebrospinalflüssigkeit, externer Shunt

Perioperative Antibiotika-Prophylaxe

Cave: immer ab 120kg KG bzw. BMI > 35: Cefuroxim/Cefazolin 3g

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Eingriffe Operationen Antibiotika
Chirurgische / Viszeralchirurgische Eingriffe Kolorektale Eingriffe (Resektionen, Kolotomien, AP-Anlage/Rückverlegung, Rektumamputation, Bypässe) Cefuroxim 1,5g i.v. + Metronidazol 500mg i.v.

Cefazolin 2g i.v. + Metronidazol 500mg i.v.

Cave: Resistenzlage für E.coli beachten, ggf. Ampicillin, Sulbactam (Unacid) 3g i.v. wählen

Appendektomie Cefuroxim 1,5g i.v. + Metronidazol 500mg i.v.

Cefazolin 2g i.v. + Metronidazol 500mg i.v.

Eingriffe an Ösophagus, Magen, Pankreas, extrahepatischen Gallenwegen und nndarm, Leberresektionen; konventionelle (offene) Cholezystektomie, akute Cholezystektomie Cefuroxim 1,5g i.v. + Metronidazol 500mg i.v.

Cefazolin 2g i.v. + Metronidazol 500mg i.v.

offene Herniotomie mit Netzimplantation ggf. Cefuroxim 1,5g i.v.; Cefazolin 2g i.v.
Laparoskopische Hernienreparation, elektive (laparoskopische Cholecystektomie Keine PAP
Schilddrüseneingriffe mit Sternotomie Cefuroxim 1,5g i.v.; Cefazolin 2g i.v.
Proktologische Eingriffe (z.B. Hämorrhoiden, Fisteln, Abszesse) Im Regelfall keine PAP erforderlich
Endoskopische Eingriffe ERCP mit Interventionen bei z.B. Cholestase; Endoskopische Punktion zystischer sionen Ceftriaxon 2g i.v.; Ampicillin-Sulbactam 3g i.v.
PEG-Anlage Cefazolin 2g i.v.; Cefuroxim 1,5g i.v.
Ösophagusvarizen ohne Blutung Keine PAP
Radiofrequenzablation (RFA) Individuelle Fallentscheidung vor Ort
Kardio-/Gefäßchirurgische

Eingriffe

Aortocoronarer Bypass1), Klappenersatzoperationen1) (incl.transfemorale-,apikale Klappenimplantation), Herztransplantationen1) Cefuroxim 1,5g i.v.; Cefazolin 2g i.v.

bis zu 24h möglich, Evidenz für Gabe über OP hinaus unklar (vgl. WHO Guidelines)

Arterielle Eingriffe der unteren Extremität und Aorta; Implantationen von Gefäßprothesen der großen arteriellen Gefäße (z.B. Aortenstent); Shuntoperationen (Rezidiv) Cefuroxim 1,5g i.v.; Cefazolin 2g i.v.
Rezidiv Varikosis Cefuroxim 1,5g i.v.; Cefazolin 2g i.v.
Schrittmacher, Port Cefuroxim 1,5g i.v.; Cefazolin 2g i.v.

Cave: immer ab 120kg KG bzw. BMI > 35: Cefuroxim/Cefazolin 3g

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Eingriffe Operationen Antibiotika
Thoraxchirurgische Eingriffe Thorakoskopische Eingriffe, Thorakotomie und lungen- resezierende Eingriffe, Operationen an der Brustwand sowie des Mediastinums Cefuroxim 1,5g i.v.; Cefazolin 2g i.v.; Ampicillin-Sulbactam 3g i.v
Geburtshilfe und Gynäkologische Eingriffe Radikale Eingriffe; abdominelle Hysterektomie (Laparoskopische Eingriffe; LASH; TLH), vaginale Hysterektomie Cefuroxim 1,5g i.v.; Cefazolin 2g i.v.

(bei drohender oder geplanter Darmeröffnung Metronidazol 0,5 g i.V. dazu geben)

Inkontinenzchirurgie Cefuroxim 1,5g i.v.; Cefazolin 2g i.v.
Operative Hysteroskopien (Chromopertubation, Sterilitätsoperation) Cefuroxim 1,5g i.v.; Cefazolin 2g i.v.
Diagnostische Hysteroskopien Keine PAP
Mammachirurgie Cefuroxim 1,5g i.v.; Cefazolin 2g i.v.
Diagnostische Mammapunktionen: Hochgeschwindig- keitsstanze, stereotaktisch gesteuerte Vakuumbiopsie Keine PAP
Vaginale Entbindung z.B. bei Nachtastung, Nachblutung in der Episiotomie siehe HE Geburtshilfe
Kaiserschnittentbindung Cefuroxim 1,5g i.v.; Cefazolin 2g i.v. Zeitpunkt der Antibiotikagabe: prä OP
Schwangerschaftsabbruch (Interruptiones und Abortabrasiones) Keine PAP
Implantation von alloplastischen Material Cefuroxim 1,5g i.v.; Cefazolin 2g i.v.
HNO/MKG-Eingriffe ·     Ausgedehnte (Tumor-)Operationen an Larynx oder Pharynx mit/ohne Lappenrekonstruktion oder Neck Dissection

·     (Laser)-Resektion von Tumoren in Mundhöhle und Pharynx

·     Operation eines Zenker Divertikels (offen oder endo-skopisch)

·     Tracheaquerresektion

·     Tracheotomie, Tracheostomaverschluss

Cefuroxim 1,5g i.v.

oder Ampicillin/Sulbactam 3g i.v.

Cave: immer ab 120kg KG bzw. BMI > 35: Cefuroxim/Cefazolin 3g

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Eingriffe Operationen Antibiotika
HNO/MKG-Eingriffe ·     Septorhinoplastik1,2

·     Schädelbasis OP mit Duraeröffnung

·     Tympanoplastik2, Stapesplastik2

·     Gehörgangsplastik2

·     Frakturversorgung von Mittelgesicht-, Orbitaboden- oder Schädelfrakturen, insb. mit Einbringen von Fremdmaterial1,2

·     Dakryozystorhinostomie1,2

·     Cochlear Implantat, Implantierbare Hörgeräte, Knochenanker („bone-anchored hearing aid“, Epithesen, dentale Implantate)

·     Abszess-Tonsillektomie (ggf. als AB-Therapie!) 1

Cefuroxim 1,5g i.v.; Cefazolin 2g i.v.

oder Ampicillin/Sulbactam 3g i.v.


1ggf. + Metronidazol 0,5g i.v. (Anaerobier, bei Eröffnung von Schleimhaut)

2fakultative Antibiotikagabe

·     Septumplastik, Conchotomie, NNH-OP (ohne Infektion)

·     Adenotomie, Tonsillektomie, Tonsillotomie

·     Posteriore Chordektomie

·     geschlossene Nasenbeinreposition

·     Parotidektomie (lateral u. total), Submandibulektomie

·     Exstirpation von Halszysten o. Lymphknoten

·     Neck-Dissection (isoliert, ein- oder beidseitig)*

·     kleine Stimmbandchirurgie

·     kleinere Schleimhauteingriffe (Fibrom, Papillom, etc.)

·     Anthelixplastik/Otoplastik/Otopexie

·     Parazentese, Paukendrainage

·     Mikrolaryngoskopie, Ösophagoskopie, Bronchoskopie, Pharyngoskopie

Keine PAP

„clean“

*bei extensiver Lymphadenektomie fakultative Antibiotikagabe

Alternative bei ß-Laktam-Allergie: Clindamycin 600mg (900mg bei KG > 80kg) i.v. über 30 min
Es gibt keine Evidenz für positive Effekte einer „prolongierten perioperativen Prophylaxe“ über mehr als 24h, auch bei HNO-Eingriffen!

à KEINE prophylaktische Antibiotikagabe über mehrere Tage, selbst bei großen TU-Eingriffen

KEINE systemische, prophylaktische Antibiotikatherapie bei Nasentamponade (insb. bei NT <3 Tage)

Cave: immer ab 120kg KG bzw. BMI > 35: Cefuroxim/Cefazolin 3g

Eingriffe Operationen Antibiotika
Neurochirurgische Eingriffe Liquor-Shunt-Operationen, ICP-Sonde Cefuroxim 1,5g i.v.; Cefazolin 2g i.v.
Spinalchirurgie Cefuroxim 1,5g i.v.; Cefazolin 2g i.v.
Kraniotomie;  Kranioplastik Cefuroxim 1,5g i.v.; Cefazolin 2g i.v
Ophthalmologische Eingriffe Penetrierende, perforierende Verletzungen Cefuroxim 1,5g i.v.; Cefazolin 2g i.v.
Orthopädisch-/Traumatologisch- / Handchirurgische Eingriffe Große Gelenkendoprothesen (Knie, Hüfte, Schulter) Cefuroxim 1,5g i.v.; Cefazolin 2g i.v.
Wirbelsäulenchirurgie Cefuroxim 1,5g i.v.; Cefazolin 2g i.v.
Offene und größere athroskopische Gelenkeingriffe (z.B. Kreuzbandplastik) Cefuroxim 1,5g i.v.; Cefazolin 2g i.v.
Kleine arthroskopische Operationen Keine PAP
Offene Frakturen mit Weichteilschaden/ schwere Hand-verletzungen mit Gewebszerreißungen, Gliedmaßenreplantation* Cefuroxim 1,5g i.v. +/- Metronidazol 0,5g i.v. (je nach Verschmutzungsgrad der Wunde)

* Bei primären Wundverschluss nur PAP und keine Therapie, da keine Infektion, nur Besiedlung vorliegt. Beistark kontaminierten, septischenWunden, z.T. sekundären Wunden (siehe Wundklassifikation),schweren Handverletzungenmit Gewebszerreißungen und -quetschungen, Gliedmaßenreplantation, ist trotz entsprechenderchirurgischer Erfahrung eine kalkulierteAntibiotika-Therapie zu erwägen

Geschlossene Frakturen mit Implantaten Cefuroxim 1,5g i.v.; Cefazolin 2g i.v.
Major Amputationen (Extremitäten) Cefuroxim 1,5g i.v. + Metronidazol 0,5g i.v.
Dermatologische Eingriffe  Die Indikation zur PAP (perioperative Antibiotikaprophylaxe) in der Dermatochirurgie ist gegeben bei Wunden der Klasse II-IV nach Haas und Grekin:

II.     Leicht kontaminierte Wunden: kleinere Defizite der Asepsis oder jede Operation an Mukosa oder intertriginösen Arealen (z. B. Mundhöhle, Nasenschleimhaut, Achsel, Inguinal, Perineum). Infektionsrate etwa 10%.

III.   Kontaminierte Wunden: deutliches Defizit der Asepsis oder sichtbar entzündete Haut mit oder ohne Exsudat (z. B. entzündete Zysten, traumatische Wunden). Infektionsrisiko 20-30%

IV.   Septische Wunden: kontaminierte Fremdkörper, Eiter, Nekrose (z. B. nekrotische Tumore, rupturierte Zysten, Acne inversa). Infektionsrisiko etwa 40%.

Große Tumorchirurgie Cefuroxim 1,5g i.v.;

Cefazolin 2g i.v.

Haut- und Weichteilchirurgie Cefalexin 2 g p.o.

Amoxicillin + Clavulansäure 875/125mg p.o.

Cave: immer ab 120kg KG bzw. BMI > 35: Cefuroxim/Cefazolin 3g

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Eingriffe Operationen Antibiotika
Endo-Urologische Eingriffe Ureterorenoskopie nur Risikopatient:in (komplizierter Ureterstein; langfristig einliegender Katheter)

Cefuroxim 1,5g i.v.

Percutane Nephrolitholapaxie Cefuroxim 1,5g i.v.
Blasensteinlithotripsie Cefuroxim 1,5g i.v.
TUR-P (außer „low risk/ small size“) Ceftriaxon 2g i.v.
TUR-B; Urethrotomie; ESWL (unauffälliger Urinbefund obligat) keine PAP
Urologische Diagnostische Eingriffe Prostatabiopsie transrektal Fosfomycin 3 g oral; cave: Aufklärung über nicht gegebene arzneimittelrechtliche Zulassung

Alternativ in Ausnahmefällen:

Mit expliziter Risikoaufklärung weiterhin Ciprofloxacin 500mg p.o.

Ceftriaxon 2g i.v. und postinterventionell für 2 Tage Cefpodoxim 2 x 200 mg p.o.

Bei Z.n. vorausgegangenen transrektalen Prostatabiopsien: Rektalabstrich und ggf. testgerechte Antibiose nach Befund

Prostatabiopsie perineal Cefuroxim 1,5g i.v.
Zystoskopie; Urodynamik; diag. URS (unauffälliger mikrobiologischer Urinbefund obligat) Keine PAP
Laparoskopische Eingriffe ohne Eröffnung + Rekonstruktion Harntrakt: z.B. Nephrektomie, Adrenalektomie Keine PAP
mit Eröffnung + Rekonstruktion Harntrakt: z.B. radikale Prostatektomie, Nierenbeckenplastik, Nierenteilresektion, Ureterozystoneostomie, … Cefuroxim 1,5g i.v.
Zystektomie Cefuroxim 1,5g i.v. (je nach OP-Zeit ggf. wiederholt); bei Verwendung Dickdarm zur Harnableitung + Metronidazol 0,5g i.v.

Cave: immer ab 120kg KG bzw. BMI > 35: Cefuroxim/Cefazolin 3g

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Eingriffe Operationen Antibiotika
Urologische offene Eingriffe ohne Eröffnung + Rekonstruktion Harntrakt: z.B. Nephrektomie, Adrenalektomie Keine PAP
mit Eröffnung + Rekonstruktion Harntrakt: z.B. radikale Prostatektomie, Nierenbeckenplastik, Nierenteilresektion, Ureterozystoneostomie, … Cefuroxim 1,5g i.v.
Zystektomie Cefuroxim 1,5g i.v. (je nach Op-Zeit ggf. wiederholt); bei Verwendung Dickdarm zur Harnableitung und Metronidazol 0,5g i.v.
CAPD-Katheter Implantation Vancomycin 1x15mg/kg KG

  Cave: Kontraindikationen bei Chinolonen beachten. Erregernachweis heranziehen, danach AB-Entscheidung.

Multi- und panresistente Erreger (MRE) z.B. MRSA-, MRGN-Besiedlung

Indikation

Nach den Empfehlungen der geplanten Prozedur. Anpassung der PAP in Abhängigkeit von Erreger, Resistenz, Wirtsfaktoren, geplanter OP und Lokalisation des Erregerreservoirs:

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MRSA-Besiedlung Grundsätzlich ist bei bekanntem MRSA ein Sanierungsversuch erforderlich;

Vancomycin 1g i.v. zu Cefazolin / Cefuroxim +/- Metronidazol

3-MRGN-Besiedlung Rücksprache Mikrobiologie, ABS-Team
4-MRGN-Besiedlung Rücksprache Mikrobiologie, ABS-Team

PAP bei Allergie gegen Beta-Laktam-Antibiotika

Cave

Symptome einer berichteten Penicillin-Allergie genau erfragen. Eine Kreuzallergie zu Cephalosporinen ist selten. Es ist schwierig, belastbare Zahlen über das Ausmaß der Kreuzallergie zu finden, wohl auch weil das Ausmaß der Kreuzallergie mit dem Ausmaß der chemischen Modifikation der Substanz abnimmt. Daher würde eher ein Zweit- (Cefuroxim) als ein Erstgenerations-Cephalosporin (Cefazolin) zu empfehlen sein. Bei Vorliegen einer IgE vermittelten Penicillin-Allergie, z.B: Anaphylaxie, Urticaria, Bronchospasmen, bei einer exfoliativen Dermatitis oder bei lebensbedrohlichen verzögerten Hypersensitivitätsreaktionen (u.a. DRESS, hämolytische Anämie, exfoliative Dermatitis, etc.) sollten keine ß-Lactam Antibiotika gegeben werden.

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Empfohlene Antibiotika Alternative
Cefuroxim 1,5g i.v.; Cefazolin 2g i.v. Clindamycin 600mg i.v.
Cefuroxim 1,5g i.v. + Metronidazol 500mg i.v. Ciprofloxacin 400mg i.v. + Metronidazol 500mg i.v.

Penicillin-Allergie

Siehe Arbeitshilfe Penicillin-Allergie – hier klicken

Endokarditis-Prophylaxe

Grundlage:

·        2015 ESC Guidelines for the management of infective Endocarditis

·        Task force for the Management of Infective Endocarditis of the European Society of Cardiology

Wer:

·        wird nur für Hochrisikopatient:innen empfohlen

Hochrisikopatient:innen sind Patienten mit der höchsten Inzidenz einer infektiösen Endokarditis und/oder mit dem höchsten Risiko für einen schlechten Verlauf einer infektiösen Endokarditis. Dazu gehören:

·        Patienten mit Klappenprothesen, einschließlich Transkatheterklappen, oder mit rekonstruierten Klappen unter Verwendung prothetischen > Materials

·        Patienten mit überstandener Endokarditis

·        Patienten mit angeborenen Herzfehlern:

a)    jegliche zyanotischen Herzfehler

b)    bis zu 6 Monate nach operativer oder interventioneller Vitienkorrektur unter Verwendung von prothetischem Material oder lebenslang bei residuellem Shunt oder Klappeninsuffizienz

·        Keine Endokarditis-Prophylaxe für alle anderen Formen der Klappen- und Herzerkrankungen

Wann (bei welchen Eingriffen sollten Hochrisikopatient:innen eine Endokarditis-Prophylaxe erhalten):

·        Zahnärztliche Eingriffe

o    Endokarditis-Prophylaxe empfohlen bei Eingriffen / Manipulationen an der Gingiva, der periapikalen Zahnregion oder Perforation der oralen Mukosa

o    KEINE Endokarditis-Prophylaxe bei Applikation von Lokalanästhesie in reizlosem Gewebe, Faden- entfernung, Röntgen, Einsatz oder Entfernung von Zahnprothesen oder Klammern, Lippentrauma oder Verletzung der oralen Mukosa

o    KEINE Endokarditis-Prophylaxe nach Milchzahnwechsel oder Verletzung der Lippen und oralen Mukosa

·        Eingriffe am Respirationstrakt

        Cave: KEINE Endokarditis-Prophylaxe bei Eingriffen am Respirationstrakt, einschließlich Laryngoskopie, Bronchoskopie transnasale-,

        endotracheale Intubation (oral oder nasal)

·        Gastrointestinale oder Urogenitale Eingriffe an infizierten Herden

o   intraabdominaler Abszess

o   Ileus

o   Darmperforation

o   Magenperforation

o   Cholecystitis/ Gallenblasenempyem

o   Fourniersche Gangrän

o   infizierte Harnstauungsniere

             Cave: KEINE Endokarditis-Prophylaxe bei: Gastroskopie, Coloskopie, transösophageales Echo, Cystoskopie

·        Eingriffe an Weichteilgewebe und Haut

o   KEINE Endokarditis-Prophylaxe

PAP und Endokarditis-Prophylaxe

Liegt eine Indikation zur Endokarditis-Prophylaxe vor, werden - anstelle der oben empfohlenen Antibiotika – bevorzugt Substanzen mit Enterokokken-Wirksamkeit eingesetzt:

Antibiotika zur PAP Empfohlene (Ersatz-) Substanz bei Indikation zur Endokarditis-Prophylaxe
Ohne PAP-Indikation Ampicillin 2g i.v.
Cefazolin / Cefuroxim Ampicillin-Sulbactam 3g i.v.
Cefazolin / Cefuroxim + Metronidazol Ampicillin-Sulbactam 3g i.v.
ß-Laktam-Allergie Empfohlene (Ersatz-) Substanz bei Indikation zur Endokarditis-Prophylaxe
Ohne PAP Clindamycin 600mg i.v./p.o.
Cefazolin / Cefuroxim (ohne Gastrointestinaltrakt) Clindamycin 600mg i.v./p.o.
Cefazolin / Cefuroxim +/- Metronidazol Vancomycin 1g i.v. + Ciprofloxacin 400 mg i.v. +/- Metronidazol 500 mg i.v.

Antibiotika für die perioperative Antibiotika- und Endokarditis-Prophylaxe

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Antibiotikagruppe Substanz Dosis/Applikations-art Zeitpunkt der Gabe Wiederholungsgabe3)
Aminopenicillin Ampicillin 1 x 2g i.v. Infusionsende 30 min vor Schnitt > 3 h OP-Dauer
Aminopenicillin +

ß-Lakt.-Inhibitor (BLI)

Amoxicillin + Clavulan-Säure

Ampicillin + Sulbactam

1 x 875/125mg p.o.

1 x 3g  i.v.

120 min vor Schnitt1)

Infusionsende 30 min vor Schnitt

> 3 h OP-Dauer

> 3 h OP-Dauer

gezielte Carbapenem-Prophylaxe Imipenem 2)

Meropenem

1 x 1g i.v

1 x 1g i.v.

Infusionsende 30 min vor Schnitt > 3 h OP-Dauer
Cephalosporin Gruppe 1 Cefazolin 1 x 2g i.v bei KG

>120kg 1 x 3g i.v.

Infusionsende 30 min vor Schnitt > 3 h OP-Dauer
Cephalosporin Gruppe 2 Cefuroxim 1 x 1,5g i.v.

>120kg 1 x 3g i.v.

Infusionsende 30 min vor Schnitt > 3 h OP-Dauer

Sonderindikationen

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Antibiotikagruppe Substanz Dosis/Applikations-art Zeitpunkt der Gabe Wiederholungsgabe3)
Cephalosporin Gruppe 3a Ceftriaxon 1x2g i.v. Infusionsende 30 min vor Schnitt > 8 h OP- Dauer
Fluorchinolon Gruppe 2 Ciprofloxacin 1 x 500mg p.o.

1 x 400mg i.v.

120 min vor Schnitt1)

Infusionsende 30 min vor Schnitt, Infusionsdauer 60 min

> 8 h OP-Dauer
Fluorchinolon Gruppe 3 Levofloxacin 1 x 500mg p.o. 120 min vor Schnitt1) >12 h OP-Dauer
Glykopetid Vancomycin 3) 1 x 1g i.v. Infusionsende 30 min vor Schnitt, Infusionsdauer >60 min3) > 12 h OP-Dauer
Folat-Antagonist Cotrimoxazol 1 x 960mg p.o. 120 min vor Schnitt1) > 12 h OP-Dauer
Lincosamid Clindamycin 1 x 600mg i.v. Infusionsende 30 min vor Schnitt > 6 h OP- Dauer
Nitroimidazol Metronidazol 1 x 500mg i.v. Infusionsende 30 min vor Schnitt > 8 h OP-Dauer

1) Maximaler Serumspiegel bei normaler enteraler Resorption

2) „Imipenem 1g“ entspricht Imipenem 1g + Cilastatin 1g (= 2x 1Ampulle à 0,5g Imipenem + 0,5g Cilastatin)

3) Infusionsdauer > 1 h, ansonsten Gefahr von „Red-Man-Syndrom“ (Hautrötung u. Schwellung im Kopf-Hals-Bereich, die wie eine Allergie imponieren kann)

4) In Abhängigkeit von der Halbwertszeit bei normaler Nierenfunktion

Angaben Halbwertzeiten: Mandell, Douglas and Bennetts: Principles and Practise of Infectious Disease. Elsevier Inc. 2009, Fachinformationen

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