DGI:Blutstrominfektion/Diagnostik

From Infektiopedia
Revision as of 09:19, 15 June 2021 by imported>Maximilian.schons@uk-koeln.de (Textersetzung - „ der Patient “ durch „ der/die Patient:in “)

Diagnostik

1. Mikrobiologische Diagnostik von Blutstrominfektionen

Wie sollen Blutkultur-Proben abgenommen werden (beim erwachsenen Patienten)?

  • Bei klinischem Verdacht auf eine Blutstrominfektion sollten 2-4 Blutkulturpaare durch jeweils individuelle Venenpunktionen abgenommen werden, um die Sensitivität der Untersuchung zu erhöhen („Eine ist keine.“)
  • Beim kritisch kranken Patienten sollte nach Möglichkeit mindestens ein Blutkulturpaar vor Beginn der antibiotischen Therapie gewonnen werden, ohne dass jedoch wegen der Diagnostik der Beginn der Antibiotika-Therapie verzögert werden darf.
  • Es sollten immer Blutkulturpaare bestehend aus aerober und anaerober Flasche entnommen werden.
  • Es besteht ein Unterschied zwischen einer kontinuierlichen und einer intermittierenden Bakteriämie. Eine kontinuierliche Bakteriämie liegt z.B. zumeist bei einer Endokarditis vor, dort kann die Blutkulturdiagnostik dann auch erfolgen, wenn der/die Patient:in aktuell kein Fieber hat („Do not wait for fever“). Bei intermittierenden Bakteriämien sollte die Blutkulturdiagnostik v.a. im Fieberanstieg und fieberhaften Phasen gewonnen werden.
  • Vorgehen: Wichtigkeit der Hautdesinfekton vor Venenpunktion, Einwirkzeit des Desinfektionsmittels beachten
  • Venenpunktion: Entnahme von 20 ml Blut, jeweils die Hälfte in die aerobe und anaerobe Flasche geben
  • Step-by-step-Anleitung zur Blutkulturentnahme: siehe Zusatzdokument [von der Kapitel-Co-Autorin Irit Nachtigall zur Verfügung gestellt]
  • Proben direkt ins Labor schicken (sonst bei Raumtemperatur lagern, jedoch keine Vorinkubation im Brutschrank)


Entnahmelokalisationen von Blutkulturen:

  • Peripher-venös:           möglichst immer
  • Arteriell:                    keine erhöhte Keimnachweisrate, jedoch deutlich mehr Kontaminationen (= kein Vorteil)
  • ZVK/Shaldon:            Umstritten

                       - erhöhte Kontaminationsrate (auch bei direkt frisch gelegten Kathetern!), die zu einer nicht

notwendigen Übertherapie führen

                       - ~97% negativer prädiktiver Wert einer negativen Blutkultur aus dem ZVK für eine

Blutstrominfektion!

  • V.a. Katheterinfekt: „Gepaarte Blutkulturen“, d.h. zeitgleiche Entnahme von peripher gestochener Blutkultur und über den ZVK entnommener Blutkultur.
  • Wird die zentrale Blutkultur >2h vor der peripher gestochenen Blutkultur positiv, so spricht dies für einen Katheterinfekt (differential time to positivity, DTP)
  • Bei S. aureus-Bakteriämie und Candida-Fungämie sollte immer ein Katheterwechsel angestrebt werden, auch bei DTP<2 h) [Bouzidi et al. (2018) J Hosp Infect]. Prinzipiell kann ein Wechsel zentraler Katheter auch bei anderen bakteriellen Erregern sinnvoll sein.

Interpretation von Blutkultur-Befunden:

  • 50-60% der positiven Blutkulturen in deutschen Krankenhäusern stellen Kontaminationen dar à stets kritische Bewertung, immer mehrere Blutkultur-Sets entnehmen
  • Kontamination wahrscheinlich: Einmaliger Nachweis von Koagulase-negativen Staphylokokken (S. epidermidis, S. hominis, etc.), Corynebacterium spp., Cutibacterium spp. (früherer Name: Propionibacterium spp.)
  • Klinische Relevanz wahrscheinlich: Nachweis der vorgenannten Keime in mindestens 2 unterschiedlichen Blutkultur-Sets
  • Relevanz sehr wahrscheinlich bis garantiert: Nachweis von Staphylococcus aureus, Candida spp., Pseudomonas aeruginosa, Enterobakterien (z.B. Escherichia coli, Serratia marcescens, Klebsiella spp.), beta-hämolysierenden Streptokokken
  • Kontroll-Blutkulturen (auch bei klinischer Besserung!) obligat bei S. aureus, Candida spp. und jeder bakteriellen Endokarditis