DGI:ZNS-Infektionen/Ambulant erworbene Meningitis/Prophylaxe und Prävention
Prophylaxe und Prävention
Postexpositions-Prophylaxe (bei N. meningitidis):
Erwachsene: 1 x 500 mg Ciprofloxacin* (p.o), alternativ 2 x 600 mg/kg Rifampicin (p.o. für 2d)
Kinder: 2 x 10 mg/kg Rifampicin (p.o. für 2 d)
Neugeborene: 2 x 5 mg/kg Rifampicin (2d)
Bei Schwangerschaft: 1 x 250 mg Ceftriaxon i.m.
*Bei N. meningitidis-Stämmen aus Süd- und Westeuropa sowie aus Südost-Asien ist von einer zunehmenden Ciprofloxacin-Resistenz auszugehen [65].
Enge Kontaktpersonen von Patienten mit einer H. influenzae-Meningitis sollten eine Prophylaxe mit Rifampicin (Erwachsene, außer Schwangere: 1 x 600 mg p.o./d für 4 Tage; Kinder unter 12 Jahren: 20 mg/kg/d für 4 Tage) erhalten [65].
Aufgrund der Schwere des Krankheitsbildes sowie des Managements der Komplikationen erscheint es dringend geboten, Patienten mit einer ambulant erworbenen bakteriellen Meningitis auf einer Intensivstation mit entsprechender Expertise zu behandeln [57, 66].
Negativ-Empfehlungen
Daten zweier randomisierter, prospektiver Studien konnten zeigen, dass der Einsatz einer moderaten induzierten Hypothermie bei Patienten mit schwerer bakterieller Meningitis mit einer Übersterblichkeit verbunden ist [67]. Ein vergleichbares Ergebnis zeigte der Einsatz von Gycerol als adjuvantem Therapeutikum. Die mit Glycerol behandelten Patienten wiesen gegenüber der Kontrollgruppe eine signifikant höhere Sterblichkeit auf [68]. Insofern gelten diese beiden therapeutischen Ansätze als kontraindiziert.
Prophylaxe und Präventionsmaßnahmen
Zu den Präventionsmaßnahmen sind allgemeine Expositionsprophylaxen sowie spezielle Maßnahmen zu zählen.
Zu den allgemeinen Maßnahmen zählen das Vermeiden einer Exposition (z.B. Reisen in Meningitis-Hochrisiko-Gebiete) sowie Impfungen gegen S. pneumoniae, N. meningitidis und H. influenzae, insbesondere von exponierten Personen sowie von Risikopatienten. So sollten Patienten nach Splenektomie regelhaft gegen S. pneumoniae und N. meningitidis geimpft werden. Flächenhafte Impfprogramme haben entscheidend zu der rückläufigen Inzidenz der ambulant erworbenen bakteriellen Meningitis beigetragen [69, 70]. Weitere Informationen zur Impfung sind auf der Homepage der „Ständigen Impfkommission des Robert Koch-Institutes“ zu finden (http:/www.riki.de/nn_199596/DE/Content/Infekt/Impfen/impfen.html). Zu den speziellen Maßnahmen gehören die individuellen Strategien, wie z.B. die Postexpositionsprophylaxe bei Kontaktpersonen (N. meningitidis, H. influenzae), die chirurgische Versorgung von Defekten des Kraniums (z.B. nach SHT) oder die Impfung (S. pneumoniae, N. meningitidis) nach Splenektomie