DGI:Opportunistische Infektionen/Invasive Aspergillose/Klinisches Bild
Klinisches Bild
Invasive Aspergillosen, Aspergillome und Otomykosen werden durch Pilze der Gattung Aspergillus ausgelöst. Häufigste Lokalität sind die Atemwege des Patienten. Klinisch zeigen sich pulmonale Aspergillosen mit Infektion des Lungengewebes oder lokalen Entzündungen im Bereich der oberen Atemwege, wie zum Beispiel die Tracheobronchitis und der Rhinosinusitis.1-4 Bei schwerer, langanhaltender Einschränkung des Immunsystems kann es zu invasivem Wachstum mit Invasion in das Gefäßsystem kommen, was zu einer disseminierten Infektion mit Beteiligung aller Organe führen kann.
1.1 Leitsymptome
Klassische Symptome sind Fieber, trockener Husten, Hämoptysen und pleuritische Schmerzen.
2.2 Klinische Situationen
Klassische Risikofaktoren sind eine hämato-onkologische Grunderkrankung, wie zum Beispiel eine akute Leukämie, das myelodysplastische Syndrom, eine aplastische Anämie, oder Knochenmarkversagen. Ebenso sind Patienten mit schwerer und langandauernder Neutropenie nach Chemotherapie oder nach hochdosierten Kortikosteroiden und die Einnahme von Immunsuppressiva (z.B. bei Autoimmunerkrankungen, Transplantationspatienten) sowie AIDS-Patienten, einem erhöhtem Risiko ausgesetzt.5 Des Weiteren wurden genetische Prädispositionen, wie zum Beispiel die septische Granulomatose (CGD), oder das Fehlen von Mannose-bindendem Lektin, Pentraxin 3 (PTX3), Toll-like Rezeptor 4 oder Dectin-1 Polymorphismen identifiziert.6-9 Weitere Risikofaktoren bei Patienten nach allogener Stammzelltransplantation sind Graft-versus-Host Disease (GvHD) und CMV-Reaktivierung/Erkrankung.10 Bei Intensivpatienten wurden vermehrt pulmonale Aspergillosen bei Influenza und COVID-19 nachgewiesen.11,12
1.2 Epidemiologie
In Patienten mit akuter myeloischer Leukämie (AML) beträgt die Inzidenz 6.4% und in Patienten mit akuter lymphatischer Leukämie (ALL) 3.8%.13 Eine eindeutige Inzidenz bei Intensivpatienten mit Influenza oder Covid-19 assoziierter pulmonaler Aspergillose konnte bislang noch nicht ermittelt werden.11,12 Inzidenzraten schwanken bei unterschiedlichen Zentren unterschiedlicher Länder zwischen 5-25%.
1.3 Prognose
Die Prognose der invasiven Aspergillose war zur Zeit des Jahrtausendwechsel äußerst schlecht mit teilweise hohen Letalitätsraten (50-80%). 10 Mit der Neuentwicklung von Antimykotika und frühzeitiger Diagnose konnte in mehreren Studien jedoch ein verbessertes Überleben gezeigt und erreicht werden.13-17