DGI:Opportunistische Infektionen/Zerebrale Toxoplasmose/Therapie
Therapie
Die Therapie greift den Stoffwechsel der Tachyzoiten an und ist gegen bradyzoitenhaltige Gewebezysten kaum wirksam.
Therapieindikationen bestehen bei aktiver Infektion/Reaktivierung des Immunsupprimierten, okulärer Toxoplasmose, Erstinfektion in der Schwangerschaft und konnataler Infektion. Eine unkomplizierte Erstinfektion beim nicht-schwangeren Immunkompetenten bedarf keiner Therapie.
Kalkulierte Therapie
| Klinische Situation | Präferenz | Substanz | Dosierung | Dauer | Anpassungen | Kommentar |
| HIV-Infektion (CD4 Zellzahl < 100/µl) ohne effektive Prophylaxe, allogene Stammzell- und Organtransplantation | Wenn Serologie2, MRT, CT mit Kontrastmittel (Liquor- PCR)3, Histologie : Therapie der 1. Wahl | Pyrimethamin
dann |
1 x 200 mg p.o.
< 60 kg 1 x 50 mg p.o. ≥ 60 kg 1 x 75 mg p.o. |
Therapie in angegebener Dosis für ca. 6 Wochen | Blutbildkontrollen aufgrund Risiko der Myelosuppression; Vorsicht bei Nieren- oder Leberfunktionsstörung; Sulfadiazin bei schwerer Nieren- oder Leberfunktionsstörung kontraindiziert;Kristallurie mit akutem Nierenversagen möglich | Im Anschluss an Therapie in voller Dosis Erhaltungstherapie in halber Dosierung für mind. 3 Monate (in Abhängigkeit von Bildgebung und CD4+ Zellzahl) |
| +
Calciumfolinat |
1 x 15 mg p.o. | |||||
| +
|
4 x 1 - 1,5 g p.o. | |||||
| Wenn Liquorprotein > 1 g/dl oder Chorioretinitis: Therapie der 1. Wahl | s.o. +
Prednison |
2 x 500 µg/kg p.o. | ||||
| Allergie/
Unverträglichkeit |
Clindamycin
oder |
2 x 1,2 g p.o./i.v.
2 x 1,5 g p.o. |
Blutbildkontrollen aufgrund Risiko der Myelosuppression; Vorsicht bei Nieren- oder Leberfunktionsstörung | |||
| mit einer Mahlzeit jeweils
+ |
1 x 200 mg p.o. | |||||
| dann | < 60 kg 1 x 50 mg p.o.
≥ 60 kg 1 x 75 mg p.o. | |||||
| +
Calciumfolinat |
1 x 15 mg p.o. | |||||
| konnatal erworben, symptomatisch | Pyrimethamin
+ |
1 x 1 mg/kgKG p.o. | Spiegelbestimmung, v.a. bei Hinweis auf Myelosuppression; Vorsicht bei Nieren- oder Leberfunktionsstörung Sulfadiazin bei schwerer Nieren- oder Leberfunktionsstörung kontraindiziert; Kristallurie mit akutem Nierenversagen möglich | Bei asymptomatischen Neugeborenen (nur Labornachweis der Infektion), ggf. Kurzzeittherapie über 3-6 Monate erwägen | ||
| Sulfadiazin
+ |
100 mg /kgKG p.o. 2 ED | |||||
| Calciumfolinat | 10 mg/Woche p.o. 2 ED | für 12 Monate |
Bei Erstinfektion in der Schwangerschaft erfolgt eine materno-fetale Therapie. Vor der 16. Schwangerschaftswoche dürfen Folsäureantagonisten nicht eingesetzt werden, so dass hier eine Behandlung mit Spiramycin (3 g = 9 MIU/Tag) erfolgt. Ab der 16. Schwangerschaftswoche erfolgt die Behandlung mit Pyrimethamin (50 mg an Tag 1, dann 25 mg/Tag), Sulfadiazin (50 mg/kg KG/Tag) und Folinsäure (10-15 mg/Tag; nicht Folsäure!) für mindestens 4 Wochen. Bei sonographischen Hinweisen auf eine Infektion des Feten sollte die Behandlung bis zum Ende der Schwangerschaft fortgeführt werden.
Erregerspezifische Therapie
Siehe 5.1.