DGI:Opportunistische Infektionen/Kryptokokkose/Diagnostik

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Diagnostik

Diagnosekriterien

Der kulturelle Nachweis von Kryptokokken stellt den Goldstandard für die Diagnose einer Kryptokokkose dar und sollte somit bei Verdacht auf eine Kryptokokkose immer durchgeführt werden. Auf Sabouraud-Agar kann man in der Regel Kryptokokken innerhalb von 3 Tagen nachweisen, bei sehr geringer Erregerlast kann die kulturelle Anzucht jedoch bis zu 14 Tagen dauern. Das Kryptokokkenantigen (CrAg) aus dem Serum hat sich aufgrund seiner exzellenten Sensitivität und Spezifität sowie seiner einfachen Handhabung (ELISA/Lateral-flow Assay) als Screeningtest für die Kryptokokkose in der Routinediagnostik etabliert. Ergänzend hierzu kann ein Tuschepräparat aus Liquor zur Mikroskopie durchgeführt werden.

Diagnostische Schritte

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Maßnahme Indikation Kommentar
Liquorpunktion (LP)   erforderlich in Abhängigkeit von Klinik und Diagnostik zur Abklärung einer Kryptokokken-meningitis (KM) Eine LP sollte durchgeführt werden bei 1) ZNS- Symptomen 2) bei allen Patienten mit positivem Serum CrAg +/- positiver Fungämie (Blutkultur) +/- positiven Biopsien. Unabhängig vom Liquorbefund sollte immer eine CrAg-Bestimmung, ein Tuschepräparat und eine kulturelle Anzucht erfolgen, da eine Zellzahlerhöhung im Liquor bei entsprechender Immunsuppression auch fehlen kann13. Eine lymphozytäre Pleozytose mit einem erhöhten Eiweiß und einer erniedrigten Glukose ist ein typischer Liquorbefund einer KM.
Kryptokokken-Antigen CrAg immer erforderlich (Screeningtest) aus Serum bei schwerer Immunsuppression (HIV CD4 < 200/µl)14 Das CrAg weist in der Regel eine sehr hohe Sensitivität und Spezifität auf. Ein negatives Serum CrAg schließt mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Kryptokokken-infektion aus15. Die Höhe des Serum CrAg-Titers korreliert mit der Erregerlast /Erkrankungsschwere und der Wahrscheinlichkeit für eine ZNS-Infektion9.
Kultur immer erforderlich Eine Kultur aus Blut/Liquor/Biopsie sollte immer durchgeführt werden (Goldstandard)
cMRT/cCT/CT-Thorax/Abdomen erforderlich in Abhängigkeit von Klinik und Diagnostik Eine (cerebrale) Bildgebung sollte durchgeführt werden bei 1) (fokal) neurologischer Symptomatik 2) positivem Serum CrAg. Insbesondere bei einem positivem CrAg ohne Meningitisnachweis sollte eine komplette Bildgebung des Körpers durchgeführt werden, um Kryptokokkome auszuschließen15.
Bronchoalveoläre Lavage (BAL) ggf. erforderlich in Abhängigkeit von Klinik und Diagnostik Bei Nachweis von Infiltraten sollte eine BAL mit einer kulturellen Anlage auf Kryptokokken durchgeführt werden.  

Differentialdiagnosen

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Differentialdiagnose der cerebralen Kryptokokkose (Bildgebung und Liqorbefund), modifiziert nach Tan et al.16
Differentialdiagnose Verdrängender Effekt CD4-Zell zahl (HIV) Anteil solitäre Läsionen Lokalisation Enhancement im cCT / cMRT Sonstige Merkmale Liquorbefund
Toxoplasmose häufig < 200/µl Häufig multiple Läsionen frontal, Basal- ganglien, parietal häufig ringförmiges Enhancement Durchmesser 1-2 cm         Zeit von Symptombeginn bis zur klinischen räsentation:Tage Eine negative Toxoplasmose-Serologie macht eine cerebrale Toxoplasmose unwahrscheinlich, jedoch kein Auschlusskriterium. Zellpopulation: normal bis lymphozytäre Pleozytose      Glucose: normal bis erniedrigt Protein: normal bis erhöht  Sonstiges: Toxoplasmose PCR aus dem Liquor – Sensitivität 50-80% und Spezifität 100%
PML selten < 100/µl, gelegentlich auch höher häufig solitär (50%) Subcortical weisse Substanz, Cerrebellum, Hirnstamm ca. 25% mit Enhancement (insbesondere bei IRIS) (T2 Wichtung): Hyperintense Areale in der weissen Substanz (T1-Wichtung): Hypointense Läsionen mit Aussprachung der Kortikalis                       Zeit von Symptombeginn bis zur klinischen Präsentation: Wochen bis Monate, selten akut mit dem Bild eines Apoplex Zellpopulation: normal bis selten lymphozytäre Pleozytose      Glucose: normal                     Protein: normal bis erhöht  Sonstiges: JC-PCR aus dem Liquor – Sensitivität 50-90% und Spezifität 90-100%
Lymphom häufig < 100/µl häufig solitär (50%) periventrikulär, frontal, Cerebellum, temporal häufig, heterogenes Enhancement In der Regel > 3cm Durchmesser                     Zeit von Symptombeginn bis zur klinischen Präsentation: Wochen Zellpopulation: normal bis lymphozytäre Pleozytose, FACS-Analyse – Nachweis von monoklonalen Lymphozyten    Glucose: normal                        Protein: normal bis erhöht  Sonstiges: EBV-PCR aus dem Liquor – Sensitivität 100% und Spezifität 50%.
CMV nein < 50/µl - periventrikulär < 50 % periventrikuläres (meningeales)  Enhancement in > 50% der Fälle unauffälliges MRT               Zeit von Symptombeginn bis zur klinischen Präsentation: Tage Zellpopulation: normal, selten erhöhte Neutrophilenzahl           Glucose: normal                     Protein: normal bis erhöht  Sonstiges: CMV-PCR aus dem Liquor – Sensitivität > 90% und Spezifität >90%
Kryptokokkose kommunizierender Hydrocephalus durch erhöhten intrakranialer Druck < 100/µl, (selten < 200/µl) häufig multiple Läsionen (Kryptokokkome) Basalganglien Leptomeningeales Enhancement, insbesondere bei IRIS häufig „ punched-out” zystische Läsionen            Zeit von Symptombeginn bis zur klinischen Präsentation: Tage Zellpopulation: normal bis lymphozytäre Pleozytose            Glucose: normal bis erniedrigt                   Protein: normal bis erhöht
HSV minimal variabel - Temporallappen häufig Enhancement Beteiligung des Hirnstamms, Kleinhirn, Diencephalon und der periventrikulären Regionen.                            Zeit von Symptombeginn bis zur klinischen Präsentation: Tage Zellpopulation: in der Regel lymphozytäre Pleozytose        Glucose: normal                         Protein: normal bis erhöht
Tuberkulose Hydrocephalus möglich variabel Tuberkulome treten häufig multiple auf TB- Meningitis: Infratentoriell mit Basalganglien-/Corticalinfarkten < 50% basales Enhancement Hämorrhagien, Tuberkulome oder Abszesse möglich        Zeit von Symptombeginn bis zur klinischen Präsentation: Tage bis Wochen

Zellpopulation: in der Regel lymphozytäre Pleozytose        Glucose: erniedrigt                    Protein: normal bis deutlich erhöht                             Sonstiges: Laktat erhöht, schwere Schrankenstörung, IGA-Dominanz(Immunglobulinsynthese), häufig auch pulmonale Beteiligung (CT-Thorax)
Hirnabszess möglich variabel sowohl solitär als auch multiple Läsionen z.B. im Rahmen einer Endokarditis möglich supratentoriell, insb. im Frontal- und Parietallappen, subkortikal T1-Sequenz mit KM: ringförmiges Enhancement

DWI-Sequenz: Hyperintenses zentrales Areal                               Zeit von Symptombeginn bis zur klinischen Präsentation: Tage (bei begleitender Meningitis) Zellpopulation: in der Regel granulozytäre Pleozytose        Glucose: erniedrigt                    Protein: normal bis deutlich erhöht