DGI:Bissverletzungen/Diagnostik

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Diagnostik

Diagnostische Schritte

Grundlage der Diagnostik ist eine ausführliche Anamnese zum Hergang der Bissverletzung inklusive aller verfügbaren Angaben zum verursachenden Tier oder Menschen. Eine genaue klinische Untersuchung der Bisswunde essenziell. Die mikrobiologische Diagnostik orientiert sich an dem zu erwartenden Erregerspektrum.

  • Anamnese zu Zeitpunkt, Ort und Ursache der Bissverletzung
  • Welches Tier hat gebissen?
  • Ist bei dem Tier eine Krankheit bekannt oder besteht der Verdacht auf eine?
  • Ist der Impfstatus des Tieres bekannt?
  • Bestehen seitens des Patienten Risikofaktoren, wie z.B.
    • Immunsuppression (Bsp.: Diabetes mellitus)
    • Implantate?
    • Bekannte Allergien
    • Weitere chronische Grunderkrankungen
    • Z.n. Splenektomie?
    • Impfstatus


Klinische Untersuchung:

  • Lokalisation der Wunde
  • Liegen bereits Zeichen einer lokalen oder systemischen Infektion vor?
  • Inspektion der Wunde inkl. Sondierung, v.a. Beurteilung der Tiefe der Bissverletzungen
  • Sind weitere Strukturen betroffen (Nerven, Blutgefäße, Sehnen, Muskeln, Knochen)?
  • Fremdkörper?
  • Liegen neurologische Ausfallerscheinungen vor? (Stichwort. pDMS)
  • Gelenkbeteiligung?


Labor:

  • Blutbild sowie serologische Parameter wie CRP (allerdings allein durch traumatische Verletzung ist eine Erhöhung zu erwarten) und PCT
  • tiefer Wundabstrich, ggf. chirurgische Biopsie aus der Tiefe
  • Blutkulturen (hier ist besonderes Augenmerk auf korrekte Abnahme der anaeroben Kulturen gefordert)
  • bei V.a. auf eine Meningitis ist eine Liquorpunktion indiziert
  • Wichtig: Info an das Mikrobiologie Labor, das es sich zum einen um eine Bissverletzung handelt und zum einen durch welches Tier oder gar Menschen handelt. Hieraus können sich zum Beispiel die Notwendigkeit für spezielle Nährböden oder eine längere Bebrütungszeit ergeben.


Bildgebung:

  • je nach betroffener Körperregion ist eine Bildgebung mittels Röntgen oder einer CT indiziert

Zur Risikostratefizierung stehen zwei verbreitete mögliche Scoring Systeme zur Auswahl.


1.   Klassifikation von Bissverletzungen nach Rueff: [5[1]]

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Schweregrad klinisches Bild
Grad I - oberflächliche Hautläsion

- Risswunde

- Kratzwunde

- Bisskanal

- Quetschwunde

Grad II - Hautwunde bis zur Faszie,

  Muskulatur, Knorpel reichend

Grad III - Wunde mit Gewebsnekrosen oder 

  Substanzdefekt


2.   Stadieneinteilung offener Hundebissverletzungen im Gesichtsbereich nach Lackmann: [6[2]]

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Stadium klinisches Bild
I oberflächliche Verletzung ohne Beteiligung der Muskulatur
II tiefe Verletzung mit Beteiligung der Muskulatur
III Titelverletzung mit Beteiligung der Muskulatur und Substanzdefekt
IV a Stadium III und Gefäß- und Nervenverletzung
VI b Stadium III und Knochenbeteiligung


Differentialdiagnose

Differentialdiagnostisch spielt v.a. das verursachende Tier eine ausschlaggebende Rolle – ist in diesem Zusammenhang etwas über mögliche infektiologische Erkrankungen des Tieres bekannt? Bei Menschenbissverletzungen sollte Art des Hergangs der Verletzung eruiert werden – handelt es sich um eine aktive oder passive Verletzung? Hierbei spielen auch mögliche Sexualdelikte eine Rolle.

  1. # Rueff F, Bedacht R, Schury G: Die Bissverletzung – Sonderstellung in der Klinik, Behandlung und Heilverlauf. Med Welt 1967; 12: 663-8.
  2. # Lackmann GM, Draf W, Isselstein G, Töllner U: Surgical treatment of facial dog bite injuries in children. J Craniomaxillofac Surg 1992; 20: 81-6.