DGI:Opportunistische Infektionen/HSV/Klinisches Bild

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2.1 Leitsymptome

-meist mukokutane Form: Prodromalstadium (charakteristischerweise < 6 Stunden bei rezidivierendem HSV-1) mit Pruritus und lokalem Brennen> gruppierte Bläschen auf gerötetem Grund mögliche konfluierend, Lokalisation Nase, Ohren, Finger und Genitale> narbenlose Heilung 10 bis 19 Tagen nach dem Auftreten > ggf. rezidivierende Läsionen an gleicher Stelle > Atrophie und Narbenbildung

-Sonderformen: Herpes Keratitis, ZNS-Infektion (Herpesenzephalitis mit multiplen Krampfepisoden und eine virale Meningitis ggf. mit lumbosakraler Myeloradikulitis dann häufig mit Harnverhalt oder einer Obstipation assoziiert.

-neonatale HSV-Infektion (Herpes neonatorum) 1. bis 4. Lebenswoche > mukokutane Bläschen oder ZNS-Beteiligung > hohe Morbidität und Letalität

2.2 Klinische Situationen

-Herpes-simplex-Virustypen (HSV-1 und HSV -2): orale oder genitale Infektion induzierend

- Erstinfektion: zumeist akute Herpes-Gingivostomatitis bei HSV-1, häufig klinisch inapparente Verläufe, unabhängig vom Virustyp

-HSV-1 und HSV-2: Übertragung durch engen Kontakt zu infizierten Personen führend der Bläschen/ Läsionen bzw. Sekret

-lebenslange Persistenz in Spinalganglien. Rezidive durch z. B. vermehrte Sonnenexposition (Herpes simplex solaris), fieberhafte Erkrankungen, physischer oder emotionaler Stress, konkurrierende Infektionen, Immunsuppression

Lokalisation:

               2.2.1: Lippen, Genitalie, Auge

--HSV-1: typischerweise Gingivostomatitis (primäre Infektion mgl. Fieber und Schmerzen), in 10-20% auch HSV-2 assoziiert, Herpes labialis (Rezidiv bzw. Sekundärinfektion) Herpeskeratitis (Schmerzen, Tränenfluss, Photophobie und Hornhautgeschwüre), Herpesretinitis, herpetische Nagelbettinfektion, Eczema herpeticatum mit mgl massiver bakterieller Superinfektion (Sonderform vor allem bei atopischem Ekzem auftretend)

--HSV-2: führend ano-genitale Läsionen. neonatale Herpes-Infektion

               2.2.2: ZNS

-Herpesenzephalitis:  multiple Krampfepisoden

-Herpes-Meningitis selbstlimitierend ggf. mit lumbosakraler Myeloradikulitis

               2.2.3: Disseminierung

               --selten Disseminierung mit fulminanter Hepatitis oder Pneumonie

-bei Immunsuppression: v. a. HIV-Infektion (bei <100 CD4 Zellen/µl), Chemotherapie bei hämato-onkologischer Erkrankung, allogene Stammzell-/ Organtransplantation, Mangelernährung, ausgedehntes Ekzem, Verbrennungen >meist schwerer Verlauf >progressive und persistierende Ösophagitis, Kolitis, perianale Ulzera, Pneumonie, Enzephalitis und Meningitis

2.3  Epidemiologie

-Prävalenz in der Bevölkerung bei HSV-1  nahezu 100% und/oder mit HSV-2 ca. 20–60%

2.4 Prognose

-hohe Letalität bei ZNS Infektion, unbehandelt 70%, bei Neugeborenen in 50–80 % der Fälle letal und selbst bei suffizienter Therapie häufig schwere neurologische, motorische und kognitive Defizite