DGI:Knochen-, Gelenks- und Protheseninfektionen/Hämatogene Osteomyelitis/Klinisches Bild

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Klinisches Bild

Leitsymptome

Das typische Leitsymptom der akuten Osteomyelitis ist der Schmerz, der sich meist über Tage oder wenige Wochen langsam entwickelt. Ebenso können lokale Zeichen der Entzündung (Überwärmung, Rötung und Schwellung) zu finden sein. Eher selten sind Fieber oder andere systemische Infektionszeichen vorhanden.

Grundsätzlich präsentiert sich die chronische Osteomyelitis ähnlich, wobei Fieber kaum vorhanden ist. Bei der chronischen Osteomyelitis kann es zusätzlich zur Ausbildung einer Fistel kommen, aus der Eiter sezerniert. In seltenen Fällen kann sich eine chronische Osteomyelitis als nicht heilende Fraktur (Infektpseudarthrose) manifestieren.

Bei der Gruppe der Diabetiker kann der klinische Verlauf der Osteomyelitis untypisch sein (Link zu Diabetischer Fuß).

Die Symptome mit Bezug auf den Knochen können bei der hämatogenen Osteomyelitis des Erwachsenen fehlen. Evtl. sind dann Veränderungen im Bereich der Weichgewebe auffälliger. Insgesamt sind die klinischen Symptome einer Osteomyelitis nicht sehr spezifisch und die Diagnose stellt eine Herausforderung für den Arzt dar.

Klinische Situationen

Manifestationen der hämatogenen Osteomyelitis:

  • Osteomyelitis der langen Röhrenknochen

Im Gegensatz zu Kindern kommt diese Manifestation bei Erwachsenen selten vor. Die klinische Manifestation kann subfebrile Temperaturen und leichten Schmerz über plötzlichen Beginn mit hohem Fieber und starken Schmerzen bis hin zur septischen Arthritis umfassen. Eine begleitende septische Arthritis kann an den Röhrenknochen auftreten, an denen die Gelenkkapsel die Metaphyse umschließt und die Infektion von der Metaphyse durch die Corticalis in die Gelenkhöhle durchbricht.

Brodie-Abszess: Sonderform der Osteomyelitis der langen Röhrenknochen, die typischerweise bei jungen Patienten auftritt (<25 Jahre). Der häufigste Manifestationsort ist die Tibia. Radiologisch findet man typischerweise eine einzelne, gut abgegrenzte Läsion nahe der Metaphyse.

Osteomyelitis bei Sichelzell-Anämie: dies ist eine häufige Komplikation bei Patienten mit Sichelzell-Erkrankung (>10% aller Patienten).

  • Vertebrale Osteomyelitis (Link zu Spondylocitis)


  • Osteomyelitis des Beckens und des Sternums/Clavicula

Manifestationsort der hämatogenen Osteomyelitis häufig bei i.v.-Drogenabusus. Bei diesen Patienten ist eine multifokale Beteiligung typisch.

Epidemiologie

Die hämatogene Osteomyelitis kommt meist bei Kindern vor (Link zu Osteomyelitis bei Kindern). Die häufigste Form beim Erwachsenen ist die vertebrale Osteomyelitis.

Bei Erwachsenen sind Männer und die Altersgruppe >50 Jahre häufiger betroffen (mit Ausnahme der Gruppe der i.v.-Drogen-Abhängigen; diese sind <40 Jahre alt).

Risikofaktoren für eine hämatogene Osteomyelitis sind:

  • Endokarditis
  • Gefäßkatheter oder kardiovaskuläre Apparate (z.B. Schrittmacher)
  • Einliegendes, orthopädisches Fremdmaterial
  • i.v.-Drogenabusus
  • Hämodialyse
  • Sichelzellerkrankung


Prognose

Die Ausheilungsraten der Osteomyelitis liegen bei 60 – 90% nach Literaturangaben. Sie sind von vielen verschiedenen Faktoren abhängig (z.B. chirurgische Sanierungsmöglichkeit, Durchblutungssituation, etc.).