DGI:Plaque mit Schuppen/Klinisches Bild
Klinisches Bild
Leitsymptome
Tinea capitis (LINK Tinea capitis)
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Erythematöser, alopezischer Herd an der behaarten Kopfhaut bei einem Jungen mit Tinea capitis. Die Läsion kann von feiner Schuppung begleitet werden, aber auch mit dicken gelblichen Keratosen bedeckt sein. Mit freundlicher Genehmigung von: Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie, LMU München
- Typische Befunde bei superfiziellem Befall: leichte Schuppung auf gerötetem UntergrundMikrosporie: kreisrunde, scharf begrenzte Herde, mehlig bestäubt, Haare knapp über Kopfhaut abgebrochen
- Typische Befunde bei tiefem Befall (Tinea capitis profunda): Follikuläre Pusteln, ggf. mit eitriger Sekretion, schalenförmige teils konfluierende Krusten (sog.Tinea favosa), scheibenförmige Läsion massiver eitriger Sekretion (sog. Kerion celsi), ggf. Allgemeinsymptome (Fieber, Cephalgien, LK-Schwellung)
Tipp: Ein besonders ausgeprägter Hautbefund einer Tinea capitis profunda (Kerion celsi) findet sich im New England Journal of Medicine unter DOI: 10.1056/NEJMicm1514152; ein weiteres Beispiel einer Tinea (faciei) unter DOI: 10.1056/NEJMicm1311831
Tinea corporis, faciei, inguinale (LINK Tinea corporis)
Häufig zeigt sich zunächst eine umschriebene Follikulitis (LINK) (Entzündung der Haarbälge), anschließend entwickelt sich unter zentrifugaler Ausdehnung eine entzündlich gerötete, ggf. ringförmige Scheibe (Plaque). Diese können im Verlauf konfluieren und großflächige, landkartenähnliche Figuren bilden.
- Typische Befunde bei superfiziellem Befall: randbetonte Schuppung und Erhabenheit, scharfe Begrenzung
mini
mini
Scharf begrenzte, anuläre Plaque mit randbetonter Schuppung. Die Morphologie kommt durch die zentrifugale Ausbreitung zustande. Je nach Erreger unterschiedliche Entzündungsaktivität mit zusätzlicher Ausbildung von Papeln, Pusteln, Bläschen im Randbereich. Mit freundlicher Genehmigung von: Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie, LMU München
- Typische Befunde bei tiefem Befall (Tinea profunda): Schmerzhafte, abszedierende Knoten, regionäre Lymphadenopathie und ggf. Allgemeinsymptome (Fieber, Abgeschlagenheit etc.), häufiger in behaarten Arealen z.B. Bart- und Halsregion bei Männern (Tinea barbae)
Tinea manuum und pedum (LINK Tinea manuum/pedum)
Die Tinea manuum und pedum (plural) treten häufig zusammen auf. Typisch ist hierbei das „one-hand/two-feet-Muster: beide Fußsohlen und meist die dominante Hand sind betroffen.
- One-hand/two-feet Syndrom: "mehlstaubartige" feine Schuppung entlang der Hautlinien, aber auch Ausbildung dicke Schuppung und Rhagaden an gesamter Handfläche
Daneben gibt es jedoch viele variable Erscheinungsformen:
- Mokassin Typ: Feine trockene Schuppung und leichte Rötung an Fuß- sohle/ kante/ rücken.
- Dyshidrotischer Typ: Bläscheneruptionen im Bereich des Fußgewölbes und der Fußkanten
- Interdigitaler Typ: Mazeration, Rötung und Schuppung des Zwischenzehenraumes
Onychomykose: (LINK Onychomykose)
Bei der Onychomykose zeigt sich eine weißgelbliche oder weißgraue Verfärbung der Nagelplatte, meist zunächst distolateral beginnt und im Verlauf zu einer krümeligen Nagelplatte und Onycholyse führen kann.
Klinische Situationen
Übertragungswege und prädisponierende Faktoren:
Tinea capitis
Zoophile Erreger
- M. canis: Haustiere (v.a. Katzen, Hunde, Pferde, Kaninchen), kontaminierte Autositze und Plüschtiere
- T. mentagrophytes/verrucosum/benhamiae: Nagetiere (v.a. Meerschweinchen)
Anthropophile Erreger (T. tonsurans etc.)
- Naher Körperkontakt (z.B. Familie, Ringkampf)
Tinea corporis, faciei
- Zoophile Erreger: eher Tier zu Mensch über direkten Kontakt oder behaftete Gegenstände
- Anthropophile Erreger: direkter Hautkontakt (Familie, Sport mit engem Körperkontakt, z.B. Ringkampf, etc.)
Tinea inguinale
- Ausgangspunkt oft Tinea pedum
Tinea manuum
- Ausgangspunkt häufig Tinea pedum oder Onychomykose (Selbstinokulation)
- Zumeist an der jeweiligen Arbeits- bzw. Sporthand (einseitig)
Tinea pedum
- Schuhe, Strümpfe
- Fußbodenflächen (z.B.öffentlichen Badeeinrichtungen, Hotelzimmer)
Onychomykose
- Familiäre Prädisposition
- Wiederholte Traumen (z. B. beim Sport)
- Enges Schuhwerk
- Fußfehlstellungen
- Vorerkrankungen: Angiopathien, periphere Neuropathien, Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus)
Epidemiologie
Dermatomykosen sind weltweit verbreitet. Durch die gemeinschaftliche Nutzung von öffentlichen Badeeinrichtungen, durch okklusives Schuhwerk u.a. leidet allein in Deutschland 20% der Erwachsenen Bevölkerung an einer Tinea pedum. Bis zu 30% aller Dermatomykosen betreffen Fuß- oder Fingernägel (Onychomykose). Die mit Abstand häufigsten Erreger sind Dermatophyten (T.rubrum, T. mentagrophytes u.a.), gefolgt von Hefepilzen (Candida spp.) und Schimmelpilzen (z.B. Aspergillus). Die Tinea capitis tritt insbesondere zwischen dem 3.-7. Lebensjahr auf. Erwachsene (w>m), Säuglinge und Neugeborene sind selten betroffen. Die anderen Untergruppen der Tinea treten hingegen eher im postpubertären Alter auf.
Prognose
Bei der Tinea capitis ist i.d.R. kein dauerhafter Haarverlust zu erwarten. (Ausnahmen: Vernarbende Alopezie nach destruierender Entzündungsreaktion (Tinea capitis profunda) oder Infektion mit T. schoenleinii (Favus)).
Dermatomykosen, inbesondere die Tinea pedum und Onychomykosen, zeigen keine Selbstheilungstendenz! Die Heilungsrate von Onychomykosen schwankt zwischen 25-50% bei einer Rezidivrate von bis zu 53%.
Bei Tinea der freien Haut und Kopfhaut können gute und nachhaltige Behandlungsergebnisse erzielt werden.