DGI:Knochen-, Gelenks- und Protheseninfektionen/Periprothetische Infektionen/Klinisches Bild
Klinisches Bild
2.1 Leitsymptome
Das klinische Bild ist geprägt durch die klassischen Zeichen der Entzündung: Calor, Rubor, Dolor und Functio laesa, wobei bei chronischen Infektionen (den sogenannten low-grade Infektionen) auch nur ein Funktionsverlust vorliegen kann. Dann ist die Unterscheidung zwischen Infektion und aseptischer Prothesenkomplikation eine diagnostische Herausforderung.
Eindeutig infiziert ist eine Prothese bei sichtbarer Fistel zum Gelenk und bei Punktion von Pus aus der Gelenkhöhle.
Systemische Inflammationsparameter (Fieber, erhöhtes CRP) müssen nicht zwingend vorliegen und treten typischerweise bei akuten Infektionen mit hochpathogenen Erregern auf.
Eine Bakteriämie bei einliegender Prothese kann auf eine periimplantäre Infektion hinweisen.
2.2 Klinische Situation
Die Häufigkeit der Infektion ist abhängig von der Lokalisation des Gelenkersatzes. In absteigender Reihenfolge sind am häufigsten Tumor/Megaendoprothesen, dann Ellbogenprothesen, Knieprothesen, zuletzt Hüft- und Schulterprothesen betroffen.
Darüber hinaus ist das Risiko operationsabhängig: Bei verlängerter Op-Zeit und nach Revisionsoperationen treten periimplantäre Infektionen häufiger auf.
Zu den patienteneigenen Risikofaktoren, die für eine Protheseninfektion prädisponieren zählen:
– Adipositas
– Diabetes mellitus
– Immundefekt/Immunsuppression
– Organinsuffizienz (v.a. Herz-/Leber-/Niereninsuffizienz)
– Malnutrition
– Perfusionsstörungen (pAVK, Lymphödem, CVI, Vaskulitis)
– Neuropathie
– Narben, (Strahlen)Fibrose
2.3 Epidemiologie
Bei konstant zunehmenden Gelenkersatzoperationen und alternder Gesellschaft zukünftig häufiger zu erwarten.
Die periimplantäre Infektion ist die dritthäufigste Komplikation nach Gelenkersatz. Abhängig von der Lokalisation finden sich im Schnitt postoperative Infektionsraten in den ersten 2 Jahren von bis 2 %, nach Revisionsoperationen und Gelenkersatz an Schulter und Ellbogen zeigen sich höhere Infektionsraten, bei Megaprothesen sogar bis zu 20%.
2.4 Prognose
Die Prognose ist abhängig von dem operativen Vorgehen, dem mikrobiologischem Spektrum und den individuellen Patientenfaktoren. Grundsätzlich ist das funktionelle Resultat nach einzeitigem Wechsel besser als nach zweizeitigem Vorgehen.