DGI:Knochen-, Gelenks- und Protheseninfektionen/Septische Arthritis/Klinisches Bild

From Infektiopedia
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Klinisches Bild

Leitsymptome

Das klinische Bild einer bakteriellen Gelenkinfektion geht mit den typischen Leitsymptomen schmerzhafte Schwellung, Überwärmung, Rötung und einer deutlichen Bewegungseinschränkung und/oder Schonhaltung des betroffenen Gelenks einher. Hinzutreten können systemische Infektionszeichen wie Fieber und ein schweres Krankheitsgefühl bis hin zu Zeichen eines septischen Schocks.

Klinische Situationen

Neben der Anamnese (Trauma, Op, Bißverletzung, Begleitsymptomatik) und der Erörterung prädisponierender Faktoren (rheumathoide Arthritis, Gicht) ist die Differenzierung zwischen hämatogener oder lokal-fortgeleiteter Infektion wesentlich und gibt bereits wertvolle Hinweise auf das beteiligte Erregerspektrum und ist eine wichtige Entscheidungshilfe für eine adäquate empirische antiinfektive Therapie.[1,2]

Aufgrund der Häufigkeit und hochgradigen Virulenz ist Staphylococcus aureus der bedeutenste Erreger einer bakteriellen Gelenkinfektion/septischen Arthritis. Er kann sowohl hämatogenen, als auch lokal fortgeleiteten Ursprungs sein. Bei hämatogener bakterieller Gelenkinfektion ist in der Regel ein einzelner Erreger nachweisbar, lokal fortgeleitete Infektionen sind häufig polymikrobiell bedingt. Potenziell können nahezu alle bakteriellen Erreger eine Gelenkinfektion oder auch septische Arthritis verursachen. In absteigender Häufigkeit sind jedoch Staphylokokken, A-Streptokokken, gramnegative Erreger inkl. Neisseria gonorrhoeae) oder Spirochäten (Borrellien) beteiligt. Weltweit einer der häufigsten Erreger einer septischen Arthritis sind Mykobakterien.

In der Regel ist ein einziges Gelenk (Monoarthritis), in mehr als 50% der Fälle das Kniegelenk und selten gleichzeitig mehrere Gelenke betroffen. Bei gleichzeitiger Beteiligung mehrerer Gelenke (10-20% der Fälle) ist eine Primärfokussuche (z.B. Endokarditis) indiziert und andere septische Absiedlungen, sowie eine prädisponierende Systemerkrankung (rheumatoide Arthritis) auszuschließen.

Klinische Klassifikation nach Ausdehnung der Infektion (nach Kunert, Lit.)

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Stadium I Stadium II Stadium III Stadium IV
Purulente Synovialitis Gelenkempyem (Zusätzlich zu Stadium I) Panarthritis (Zusätzlich zu Stadium I + II) Chronische Arthritis
Gelenkschwellung, Ergussbildung

Gelenk gerötet, glänzend, überwärmt

Schonhaltung

Starker Spontanschmerz

Druckdolente Kapsel

Schonhaltung

Fieber

Massive Schwellung der Weichteile

Hohes Fieber

Beginnende Sepsis

Reduzierter Allgemeinzustand

Kaum Entzündungszeichen

Gelenk deformiert und/oder diffus geschwollen, Vernarbungen

Funktionelle Einschränkungen

Epidemiologie

Der größte Risikofaktor für die Entwicklung einer bakteriellen Arthritis ist eine vorbestehende (traumatische/postoperative) Gelenkschädigung und/oder Arthritis nicht infektiöser Genese (z.B. rheumatoide Arthritis, kristalline Arthritis). Immunkompromittierte Patienten nach Chemotherapie oder aufgrund immunmodulatorisch wirkender Medikamente (TNF-alpha-Blocker, Sulfasalazin, Steroide) sind häufiger betroffen. Folgende Liste mit prädisponierenden Faktoren und deren relatives Risiko (x -fach) zur Entwicklung einer bakteriellen Arthritis:

  • Hüft – oder Knieendoprothese UND lokale Haut-/Weichteilinfektion (ca. 18-fach)
  • Kürzlich erfolgte Gelenk-Operation (ca. 8.4-fach)
  • Rheumatoide Arthritis (ca.5.4x)
  • Hüft- oder Knie-Endoprothese (ca. 4.1-fach)
  • Alter > 80 Jahre (ca. 4.1-fach)
  • Lokale Haut-/Weichteilinfektion  ca. (3.6-fach)
  • Diabetes mellitus (ca. 2.8-fach)