DGI:Knochen-, Gelenks- und Protheseninfektionen/Diabetischer Fuß/Therapie

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Therapie

Die Therapie der diabetischen Fußinfektion sollte immer interdisziplinär erfolgen.

Ein Großteil der diabetischen Fußinfektionen verlangt eine konservative und eine operative Versorgung mit Debridement/Drainage/Amputation je nach Ausmaß der Infektion. Weiterhin muss die Durchblutung kontrolliert und eine gute Revaskularisation angestrebt werden. Die sollte vor der operativen Therapie erfolgen.

Vor Therapie sollte immer eine mikrobiologische Diagnostik erfolgen. Bei der antimikrobiellen Therapie muss zwischen der empirischen Therapie, die abhängig ist von der lokalen Epidemiologie, der Schwere der Infektion und vorhergehenden Antibiotikatherapie, und der auf die nachgewiesenen Mikroorganismen gerichteten Therapie unterschieden werden.

Vor Therapie sollte die Infektion nach Schweregrad (s.o.) eingeteilt werden. Für die meisten milden Infektionen ist eine orale Therapie mit einem gut oral bioverfügbaren Antibiotikum indiziert. Bei Vorliegen moderater oder schwerer Infektionen (PEDIS Grad 3 und 4) wird eine initiale parenterale Therapie empfohlen, um schnell hohe Serumspiegel zu erreichen. Üblicherweise kann die Therapie dann bei Ansprechen und Fehlen von Kontraindikationen nach ca. einer Woche oralisiert werden. Topische antimikrobielle Substanzen werden nicht empfohlen.

Die empirische Therapie sollte immer S. aureus umfassen. Bei septischem Krankheitsbild und Besiedelung mit MRSA ist eine empirische Therapie, die auch MRSA umfasst, indiziert. Bei moderaten bis schweren Infektionen sollte die initiale Therapie auch Gram-negative Bakterien umfassen.

Kalkulierte Therapie (die angegebenen Dosierungen sind Maximaldosen bei normaler Nierenfunktion):

Infektionsschwere Empirische Antibiotikatherapie
Mild 2 keine komplizierenden Faktoren Amoxicillin-Clavulansäure

875/125mg 3x tgl

Cefalexin 1000mg 4x tgl

nur schwere Beta-Laktam-Allergie Clindamycin 600mg 3x tgl

Cotrimoxazol 960mg 3x tgl

Doxycyclin 200mg 1x tgl

MRSA-Besiedlung Cotrimoxazol 960mg 3x tgl

Doxycyclin 200mg 1x tgl

Moderat 3 keine komplizierenden Faktoren Ampicillin-Sulbactam iv

2000/1000mg 3x tgl

nur schwere Beta-Laktam-Allergie Moxifloxacin iv 1x 400mg
MRSA-Besiedlung zusätzlich Vancomycin iv*
Schwer 4 immer auch P. aeruginosa erfassen Piperacillin-Tazobactam iv 4,5 mg 4x tgl
schwere Penicillin- oder Cephalosporin-Allergie vom Soforttyp Meropenem iv 1g 3x tgl **
schwere kutane Penicillin- oder Cephalosporin-Reaktion (z.B. SJS/TEN, DIHS, AGEP) oder Organbeteiligung (z.B. akute interstitielle Nephritis) kein Beta-Laktam-Antibiotikum, Infektiologisches Konsil
MRSA-Besiedlung zusätzlich Vancomycin iv*

* siehe Dokument Vancomycin-Dosierung

** Kreuzallergie zwischen Penicillinen oder Cephalosporinen und Carbapenemen ca. 1 %, daher Gabe von Carbapenemen nur unter Überwachung erwägen

SJS/TEN: Stevens-Johnson-Syndrome/Toxic Epidermal Nekrolysis; DIHS: Drug-induced Hypersensitivity Syndrome; AGEP: Acute generalised exanthematous pustulosis

Verweis auf Beta-Laktam-Allergie Kapitel.