DGI:Knochen-, Gelenks- und Protheseninfektionen/Osteomyelitis bei Kindern/Klinisches Bild

From Infektiopedia
Revision as of 21:27, 7 November 2021 by imported>Markus.brechtel (Markus.brechtel verschob die Seite DGI:Osteomyeltitis bei Kindern/Klinisches Bild nach DGI:Osteomyelitis bei Kindern/Klinisches Bild, ohne dabei eine Weiterleitung anzulegen)

Klinisches Bild

Die Symptome sind unspezifischer, je jünger das Kind ist. Der Beginn ist eher schleichend / subklinisch, im Gegensatz z.B. zur septischen Arthritis. Symptome über alle Altersgruppen: Schmerzen 81%, lokalisierte Symptome 70%, Fieber 62%, Pseudoparalyse 50%, Belastungsvermeidung 50%.

Systemische Symptome

Neugeborene und Säuglinge: ·         Fieber (fehlt häufig)

·         Generelle Infektionszeichen wie Tachycardie, Tachypnoe, gräuliches Kolorit

·         Schreckhaftigkeit

·         Trinkschwäche, Schläfrigkeit

·         Bei Neugeborenen Präsentation als Late-Onset-Sepsis möglich

·         Übellaunigkeit

Kleinkinder und Schulkinder ·         Fieber (kann fehlen, kann auch das einzige Symptom sein)

·         Manchmal Übelkeit / Erbrechen, bei KK Trinkschwäche

Lokale Symptome

Neugeborene und Säuglinge ·         Lokale Symptome können fehlen

·         Schmerzen, auch über die ganze Extremität ziehend, teils schwer zu lokalisieren

·         Schwellung

·         Rötung

·         Pseudoparalyse

Kleinkinder ·         Lokale Symptome können fehlen

·         Hinken

·         Vermeidungshaltung (z.B. setzt sich nicht mehr hin bei WS-OM, läuft nicht mehr bei Femur-OM)

·         Schwellung

·         Rötung

Ältere Kinder ·         Lokalisierter Schmerz

·         Schwellung

·         Rötung

Lokalisationen

Femur 20-30%, Tibia 19-26%, Humerus 5-13%, Becken 3-14%, Calcaneus 4-11%, Fibula 4-10%, Radius 1-4%, Clavicula 1-3%. Übrige Lokalisationen 1-2%.

Klinische Situationen

Die OM im Kindesalter wird initial immer stationär behandelt.

Bei Kindern ist die Ursache der Osteomyelitis meist die hämatogene Streuung ohne bekannten Primärfokus (häufiger als bei den Erwachsenen), nur selten per continuitatem nach Trauma. Bei Neugeborenen findet sich die Osteomyelitis meist in der Epiphyse meist in Kombination mit einer Arthritis. Bei 5-10% der Fälle findet sich bei Kindern eine multifokale Osteomyelitis mit mehreren Herden.

Epidemiologie

5-10 pro 100000 Kinder jährlich.

Prognose

Die Prognose der Osteomyelitis bei Kindern ist generell gut.

  • Restitutio ad integrum in >90% der Fälle.
  • Defektheilung (z.B. Wachstumsstörung bei Beteiligung der Epiphysenfuge) in bis zu 10%.
  • Für schwerere Verläufe prädisponieren: Einbezug der Wirbelsäule, Multifokalität, Risikokonstellation (Immunsuppression o.ä.).
  • Risiken für Defektheilung sind: Erkrankung im Neugeboren- oder frühen Säuglingsalter, Beteiligung der Epiphysenfugen, Ansprechen der Therapie erst nach >5d.
  • Rezidive und Chronifizierungen treten bei verzögertem Therapiebeginn oder zu kurzer Therapiedauer auf.