DGI:Antibiotikatherapie bei Sepsis/Diagnostik/Diagnostische Schritte
CAVE: Die Diagnostik darf bei Sepsisverdacht, insbesondere bei septischem Schock, den Beginn einer adäquaten Therapie innerhalb einer Stunde nicht verzögern!
Nach dem „Sepsis Campaign Bündel“ sollten innerhalb der ersten Stunde folgende Maßnahmen erfolgen:
- Messung Lactat (Lactat erneut kontrollieren, wenn es erhöht war (>2 mmol/l)
- Abnahmen von Blutkulturen vor Gabe der Antibiotika
- Gabe von Breitspektrum-Antibiotika
- Rasche Gabe von 30 ml/kg kristalloider Infusionslösungen bei Hypotension oder erhöhtem Lactatspiegel ≥4 mmol/l
- Gabe von Vasopressoren, wenn die Hypotension während oder nach der Gabe der Kristalloide weiterbesteht, um einen mittleren arteriellen Druck von (MAP) ≥65 mm Hg zu erzielen
Eine frühzeitige Flüssigkeitstherapie mit kristalloiden Lösungen sollte bei Sepsis-induzierter Hypotonie begonnen werden und die Verlegung je nach klinischer Präsentation auf eine IMC oder Intensivstation erfolgen. Eine trotz adäquater Volumengabe zur Aufrechterhaltung eines MAP > 65mmHg notwendige Vasopressorentherapie oder ein Laktatwert > 2mmol/l sind Zeichen für einen septischen Schock. Hierbei sollte neben der hämodynamischen Stabilisierung auch eine Normalisierung der Laktatwerte als Steuerungsparameter herangezogen werden.
Die weiterführende Diagnostik zielt vor allem auf die Fokussuche mit nachfolgender möglichst rascher Fokussanierung und die Erregeridentifikation zur Fokussierung der antiinfektiven Therapie. Die Diagnostik darf bei Sepsisverdacht, insbesondere bei septischem Schock, den Beginn einer adäquaten Therapie innerhalb einer Stunde nicht verzögern!
- Ausführliche körperliche Untersuchung:
- Temperaturmessung, Haut- Schleimhautbefunde, Lymphknotenstatus, Vitalparameter, genitale, rektale Untersuchung, orientierende neurologische Untersuchung
- Die septische Enzephalopathie als frühes Zeichen einer beginnenden Sepsis darf nicht als Demenz oder neu aufgetretene psychische Störung fehlinterpretiert werden und eine zeitnahe antiinfektive Therapie verzögern.
- Laborparameter
- Mindestanforderung großes Blutbild, Gerinnung, Leber-, Nierenwerte, CRP, PCT, LDH, Laktat
- Mikrobiologische Diagnostik
- Die mikrobiologische Basisdiagnostik besteht aus mindestens 2 (besser 3) Blutkulturpaaren (siehe Handlungsempfehlung Blutkultur-Diagnostik). Bei Vorhandensein zentraler Gefäßzugänge sollte aus diesen jeweils 1 Blutkulturpaar entnommen werden plus mindestens 1 Blutkulturpaar aus einem neu platzierten i.v.-Zugang oder durch Gefäßpunktion.
- Weiterführende Diagnostik erfolgt gezielt nach Infektionsfokus z.B. Urin, Atemwegsmaterial, Gelenk- oder anderen Punktaten, s. bei den spezifischen Kapiteln
- Bildgebung:
- nach Infektionsfokus,
- s. bei den spezifischen Kapiteln